Offene Immobilienfonds im Überblick
Autor: Thomas Breithaupt · Zuletzt aktualisiert: 20.05.25
Finanzen · 7 Min. Lesedauer
Offene Immobilienfonds bieten Investoren die Möglichkeit in teurere und große Immobilien in Großstädten wie New York mit einem kleinen Kapital zu investieren. Nach der Definition ist ein offener Immobilienfonds ein Investmentfonds mit unbegrenzter Laufzeit, aktiver Verwaltung und ist meistens in mehrere Immobilien gleichzeitig investiert.
Das Wichtigste in Kürze – Offene Immobilienfonds
Breit gestreute Immobilienanlage
Offene Immobilienfonds investieren in viele verschiedene Gewerbe- und Wohnimmobilien, oft international verteilt. Das reduziert das Klumpenrisiko einzelner Objekte und bietet Zugang zu professionellen Portfolios.
Regelmäßige Erträge durch Mieten
Die Hauptertragsquelle sind langfristige Mieteinnahmen, die regelmäßig an die Anleger ausgeschüttet werden. Zusätzlich können durch Immobilienverkäufe Wertsteigerungen erzielt werden.
Eingeschränkte Liquidität durch gesetzliche Fristen
Seit 2013 gilt eine Mindesthaltedauer von 24 Monaten und eine Kündigungsfrist von 12 Monaten für die Rückgabe der Anteile. Ein sofortiger Ausstieg ist nur über die Börse möglich – oft mit Preisabschlag.
Steuerlich begünstigt durch Teilfreistellung
Je nach Investitionsfokus sind 60 % bis 80 % der Erträge steuerfrei, was die effektive Steuerlast deutlich senkt. Die Abrechnung erfolgt automatisch über die depotführende Bank.
Stabilität mit moderatem Risiko
Offene Immobilienfonds gelten als vergleichsweise risikoarme, aber langfristige Anlageform. Dennoch sind sie nicht krisenfest – in schwierigen Marktphasen kann es zu Wertverlusten oder Rückgabesperren kommen.
Offene Immobilienfonds werden häufig von Fondsgesellschaften aufgelegt und jederzeit an der Börse oder anderweitig verkauft werden. Im Gegensatz dazu ist das Kapital in geschlossenen Immobilienfonds auf die Laufzeit gebunden.
Offene Immobilienfonds
Offene Immobilienfonds bieten Investoren die Möglichkeit gemeinsam in Immobilien zu investieren, um sich an einem oder mehreren großen Immobilienprojekten zu beteiligen oder neue Projekte umzusetzen. Fondsgesellschaften verwalten die offenen Immobilienfonds und müssen das eingesammelte Kapital zu mindestens 51 % in Immobilien investieren. Dabei zählen sowohl bebaute als auch unbebaute Grundstücke vor dem Gesetz als Immobilien.
Offene Immobilienfonds investieren überwiegend in Gewerbeimmobilien wie Bürogebäude, Einkaufszentren, Hotels, Logistikzentren oder Parkhäuser investiert, aber es auf Wohngebäude spezialisierte offene Immobilienfonds. Das Kapitalanlagegesetzbuches (KAGB) schreibt vor, dass mindestens 5 % als liquide Mittel wie Bankguthaben oder festverzinsliche Wertpapiere vorliegen müssen, damit Anleger ausgezahlt werden können.
Dazu gibt es strenge Transparenzregeln für regelmäßige Berichte über Wertentwicklung, Strategie, Immobilienbestand und die Verteilung des restlichen Kapitals. Offene Immobilienfonds werden von der BaFin kontrolliert, da diese als Spezialkreditinstitute nach dem Kreditwesengesetz zählen. Unterschreitet ein offener Immobilienfonds zum Beispiel die 5% Regel, wird dieser sofort durch die BaFin geschlossen, bis wieder genügend liquide Mittel vorhanden sind.
Anleger profitieren von offenen Immobilienfonds durch Mieterträge, Wertsteigerungen und Zinsen auf die liquiden Mittel. Durch die Diversifizierung in mehrere Immobilien und liquide Mittel wird das Risiko stark reduziert. Investitionen in offene Immobilienfonds sind schon ab kleinen Summen von 50 € möglich.
Es sind monatliche Sparpläne möglich und es wird ein Anlagehorizont von 5 Jahren empfohlen. Allgemein werden offene Immobilienfonds eher zur Diversifizierung genutzt und nur selten als Hauptanlage im Portfolio. Bei offenen Immobilienfonds ist unbedingt auf den Ausgabeaufschlag zu achten, da dieser meistens zwischen 0 und 6 % liegt, je nach Vertriebspartner. Dieser wird einmalig bei dem Kauf bezahlt, danach fallen nur noch laufende Kosten von etwa 1 bis 3 % an.
Seit dem 22. Juli 2013 unterliegen offenen Immobilienfonds einer 12-monatigen Kündigungsfrist, die Mindesthaltedauer von 24 Monaten muss jedoch eingehalten werden.
Rückgabefristen von offenen Immobilienfonds
Offene Immobilienfonds eine unbefristete Laufzeit und bieten Anlegern eine höhere Liquidität als andere Immobilienfonds, da man diese wieder verkaufen oder zurückgeben darf. Am 22. Juli 2013 wurde das Gesetz für offene Immobilienfonds durch das Kapitalanlagegesetzbuch (KAGB) verändert.
Ab diesem Zeitpunkt unterliegen Anteile an offene Immobilienfonds einer 24-monatigen Mindesthaltedauer und einer 12-monatigen Rückgabefrist oder auch Kündigungsfrist genannt. Nur für offenen Immobilienfonds, die nach dem 21. Juli 2013 gekauft wurden, gilt die 12-monatige Rückgabefrist.
Rückgabe von offenen Immobilienfonds
Die beiden Fristen dürfen parallel laufen (§ 255 Sonderregeln für die Ausgabe und Rücknahme von Anteilen), sodass man sein Geld frühstens nach 24 Monaten zurückerhalten kann. Reicht man einmal die Kündigung ein, ist dies unwiderruflich und der Fondsanteil ist im Depot gesperrt. Der Anteil kann dann nicht mehr an der Börse gehandelt werden. Nach 12 Monaten wird man zu dem Rücknahmepreis am Ende der Frist ausgezahlt. Teilweise wird ein Rücknahmeabschlag erhoben, der von dem Rückgabepreis noch abgezogen wird.
Es kann sinnvoll sein, die Anteile an offenen Immobilienfonds zu verschiedenen Zeitpunkten zu verkaufen, damit das persönliche Risiko für den Rücknahmepreis gestreut wird. Alternativ kann ein Teil an der Börse verkauft werden, da man dort den Verkaufspreis genau kennt.
Offene Immobilienfonds an der Börse handeln
Ist die Rückgabefrist von einem offenen Immobilienfonds noch nicht abgelaufen, darf man dennoch an der Börse damit handeln. Der Handel an der Börse unterliegt keiner Mindesthaltedauer. Es gilt Vorsicht, denn die Preise an den Börsen können sich erheblich von den Preisen des Emittenten unterscheiden.
Das kann gut oder schlecht sein und man sollte sich in jedem Fall vorher über beide Preise informieren. Ein Verkauf an der Börse ist meistens nur zu empfehlen, wenn man auf das Geld in den nächsten 12 Monaten angewiesen ist. Selbst wenn der Börsenpreis deutlich besser ist, heißt das meistens, dass der offene Immobilienfonds in Zukunft auch mehr wert sein wird.
Geschlossene Immobilienfonds - Publikum-AIF
Geschlossene Immobilienfonds müssen für einen festgelegten Zeitraum gehalten werden und können nicht an der Börse verkauft werden oder an den Emittenten zurückgegeben werden. Die durchschnittliche Haltedauer liegt bei 15 bis 25 Jahren. Ein weiterer Unterschied ist, dass geschlossene Immobilienfonds überwiegend in eine einzelne Immobilie investieren und haben dadurch auch ein wesentlich geringeres Fondsvolumen.
Das Maximalrisiko bei geschlossenen Immobilienfonds ist ein Totalverlustrisiko der Einlage und falls der Emittent als GbR firmiert, haftet der Anleger sogar mit seinem gesamten Privatvermögen, auch über den Anteilswert hinaus. Dafür liegt die Rendite bei geschlossenen Immobilienfonds etwa 3 % höher.
Richtet sich ein geschlossener Fonds an Privatanleger, werden diese auch als Publikum-AIF (AIF: Alternative Investmentfonds) oder geschlossener Publikumsfonds bezeichnet. Liegt die Mindestzeichnungssumme, also der Minderbetrag für eine Investition unter 20.000 €, muss der geschlossene Immobilienfonds in mindestens 3 Objekte investieren oder es muss eine andere Streuung des Risikos vorhanden sein. Es kann Ausnahmen für eine Rückgabeloption geben, diese sind aber nicht die Regel.
Eine Studie über offene und geschlossene Immobilienfonds wurde von MSCI durchgeführt und kommt zu dem Ergebnis, dass die Gesamtperformance beider Strategien in den USA auffallend ähnlich war – die Auswahl des Fonds und der Zeitpunkt der Investition hat einen größeren Einfluss auf die Rendite, als die Art des Immobilienfonds.
In Deutschland erhöhte sich nach einer Studie der Ratingagentur Scope das Angebotsvolumen im Jahr 2022 um 64 % gegenüber dem Vorjahr auf 1,26 Milliarden Euro. Der Großteil davon waren Immobilien (950 Mio. €), neben Privat Equity (179 Mio. €) und Erneuerbare Energie (126 Mio. €).
Damit der Emittent genügend Zeit hat, eine Immobilie zu einem guten Preis zu verkaufen, um damit die Anleger auszuzahlen. Die Regel hat sich aus der Finanzkrise 2008 ergeben.
Erbfall von offenen Immobilienfonds - Erneuerung der Fristen
Möchte man im Erbfall einen offenen Immobilienfonds so schnell wie möglich verkaufen, gilt für die ab dem 22. Juli 2013 erworbenen Anteile gilt eine 24-monatige Mindesthaltedauer und eine 12-monatige Kündigungsfrist. Die Fristen beginnen mit dem Erbe erneut, als Kaufdatum gilt der Todestag.
Für die vor dem 22. Juli 2013 erworbenen Anteile sind diese Fristen nur zu beachten, sofern die Freibetragsgrenze von 30.000 Euro pro Kalenderhalbjahr überschritten wird. Pro Kalenderjahr darf man 30.000 Euro der Anteile an Immobilienfonds verkaufen, solange das Depot noch nicht überschrieben wurde. Bei der Übertragung von Depots im Erbfall ist die Erbschaftssteuer zu beachten, diese wird durch den Kurs am Todestag berechnet.
Die Rückgabe von Fondsanteilen kann bei offenen Immobilienfonds unterschiedlich aussehen. In manchen Fällen können Anleger ihre Anteile an die Fondsgesellschaft zurückgeben und somit ihre Investition verkaufen. In anderen Fällen können Anleger ihre Anteile an andere Investoren verkaufen, um ihre Investition zu liquidieren.
Vor dem Kauf von Fondsanteilen sollte man sich über die Rückgabemöglichkeiten informieren, um mögliche Risiken zu minimieren. Diese sollten bei seriösen Anbietern einfach und übersichtlich im Vertrag zu sehen sein.
Bekannte Fondsanbieter und Marktgrößen
Der Markt für offene Immobilienfonds in Deutschland wird von einigen großen Anbietern geprägt, die teils seit Jahrzehnten in diesem Segment aktiv sind.
Bekannte Fondsanbieter und die größten Fonds:
Deka Immobilien (Sparkassen-Finanzgruppe)
Die DekaBank ist einer der größten Player im Immobilienfondsmarkt. Ihre Fonds Deka-Immobilien Europa und Deka-Immobilien Global gehören zu den Schwergewichten. Deka-Immobilien Europa ist derzeit einer der größten offenen Immobilienfonds überhaupt mit einem Volumen von rund 18 Mrd. €.
Insgesamt verwaltet die Deka-Gruppe im Immobilienbereich ca. 40 Mrd. € und zählt damit zu den führenden Immobilien-Asset-Managern in Europa. Deka-Fonds investieren global, mit Schwerpunkt in Europa, und haben über die Jahre konstante Renditen um 2-3 % p.a. geliefert.
Union Investment (Volks- und Raiffeisenbanken Gruppe)
Ebenfalls ein Schwergewicht mit langer Tradition. Union Investment bietet mehrere offene Immobilienfonds an, darunter UniImmo Deutschland, UniImmo Europa und UniImmo Global.
UniImmo Deutschland hat ein Fondsvolumen von ca. 16,7 Mrd. € und fokussiert – wie der Name andeutet – auf deutsche Gewerbeimmobilien (ergänzt um europäische Objekte). UniImmo Europa verwaltet rund 14,6 Mrd.€ mit Schwerpunkt europäische Immobilien.
Beide Fonds gehören zu den ältesten und etabliertesten am Markt. UniImmo: Global (ca. 3,6 Mrd. €) investiert weltweit. Union Investment hat außerdem WestInvest InterSelect (rund 10-12 Mrd. € Volumen, früher WestLB-Fonds, nun bei Union) im Portfolio, der ebenfalls sehr groß ist. Union Investment Real Estate kommt insgesamt auf eine verwaltete Immobilienvermögenssumme im zweistelligen Milliardenbereich und genießt bei vielen Anlegern Vertrauen.
Commerz Real (Commerzbank-Gruppe)
Commerz Real managt den bekannten Fonds hausInvest. Dieser offene Immobilienfonds existiert seit 1972 und ist ebenfalls einer der Marktführer mit etwa 17 Mrd. € Fondsvermögen. hausInvest investiert weltweit (Europa, Nordamerika, Asien) in Gewerbeimmobilien und hat eine große, breit diversifizierte Objektpalette.
Er zeichnet sich durch eine lange Historie ohne Aussetzung (selbst in der Finanzkrise blieb er liquide) aus und bietet stabile Ausschüttungen. Commerz Real bzw. Commerzbank war früher auch mit anderen Fonds wie CFFFonds aktiv, hat aber nach der Marktbereinigung seinen Fokus auf hausInvest gelegt.
DWS / RREEF (Deutsche Bank-Gruppe)
Die Deutsche Bank war mit DWS bzw. ihrer Immobilien-Tochter RREEF ebenfalls von Anfang an im Geschäft. Bekannte Fonds sind grundbesitz europa (ca. 7,8 Mrd. € Volumen) und grundbesitz global (ca. 3,6 Mrd. € Volumen). grundbesitz europa existiert seit den 1970ern und investiert vorrangig in europäische Immobilien, während grundbesitz global weltweit anlegt.
Beide Fonds haben in den letzten Jahren moderate Renditen geliefert und gehören weiterhin zu den Top-10-Fonds. DWS hat zudem neuere Produkte wie grundbesitz Fokus Deutschland (kleinerer Fonds mit speziellem Fokus).
Historisch gab es auch grundbesitz invest, der jedoch nach 2008 abgewickelt wurde. Aktuell ist DWS aber mit den genannten Fonds solide aufgestellt.
Entwicklung von offenen Immobilienfonds
Die Ratingagentur Scope bewertet aktuell ca. 6.700 in Deutschland zum Vertrieb zugelassene Investmentfonds, wovon 21 offene Immobilienfonds bewertet werden. In der letzten Analyse von Mitte 2022 wurden die Ratings von 17 offene Immobilienfonds aktualisiert. Die Bewertung ergibt, dass die Risiken in Durchschnitt leicht gestiegen sind und die Vermietungsquote von den Objekten in den Fonds auf 94 % gesunken ist. Die Bauzinsen sind zusammen mit dem Leitzins angestiegen und belasten so den Neubau von Immobilien.
Nach der Finanzkrise von 2007/2008 durch den Zusammenbruch des amerikanischen Immobilienmarkts sind offene Immobilienfonds ebenfalls in eine Krise geraten. Die Anleger zogen das Geld so schnell ab, dass die Fondsgesellschaften die Immobilien nicht zum Marktpreis verkaufen konnten, um ausreichend Liquidität bereitzustellen.
Daher sollten die offenen Immobilienfonds abgeschafft werden. Mit etwas Lobbyarbeit hat es die Fondsbranche dennoch geschafft, das Finanzprodukt zu retten. Heute müssen die Anleger ihre Anteile für mindestens zwei Jahre lang halten und zusätzlich den Verkauf ihrer Anteile ein Jahr im Voraus ankündigen. Daraus können sich deutliche Unterscheide beim Preis an der Börse und dem Rückkaufpreis der Fondsgesellschaft ergeben.
Um eine zusätzliche Sicherheit zu gewährleisten, investieren die Fondsgesellschaften auf der ganzen Welt in Wohnhäuser und Büroimmobilien. Die Fondsgesellschaft HausInvest ist mit 17,4 Milliarden Euro in 156 Immobilien in 18 verschiedenen Ländern investiert. Rund 44,5 Prozent des Fondsvermögens ist in Deutschland angelegt, 17,8 Prozent in Nordamerika und der Asien-Pazifik-Region und der Rest im übrigen Europa.
Scope hat den offenen Immobilienfonds Fokus Wohnen Deutschland am besten bewertet. Wie der Name schon sagt, ist der Fond nur in Deutschland investiert. Die 56 Fondsobjekte bieten insgesamt 3.411 Wohneinheiten und 176 Gewerbeeinheiten, wovon der Großteil in Frankfurt und Berlin liegt.
Lohnen sich offene Immobilienfonds?
Offene Immobilienfonds können ein guter Weg sein, das eigene Portfolio mit einer unabhängigen Rendite durch Immobilien zu diversifizieren. Im Gegensatz zu geschlossenen Immobilienfonds mit oft jahrelanger Bindung entfällt bei offenen Fonds auch das Risiko von Nachschusspflichten.
Im Vergleich zu Immobilien-ETFs, Immobilien-Aktien und REITs haben offene Immobilienfonds ihre eigenen Vorteile. Kurschwankungen sind deutlich geringer. Aber auch in schwierigen Jahren 2022 und 2023 hattenen offene Immobilienfonds eine vergleichsweise gute Rendite. Die tägliche Kursermittlung durch den Anbieter basiert auf stabilen Buchwerten, während die Kurse von andere Immobilienanlagen stärker durch die Börse beeinflusst werden.
Offene Immobilienfonds können eine gute Ergänzung bei einer Dividenden-Strategie sein, da diese regelmäßig Auszahlungen vornehmen. Es gibt auch thesaurierende offene Immobilienfonds, bei denen die neue Regelung zu den Steuern beachtet werden muss. Durch die Teilfreistellung bei Immobilienfonds sind inländischen offenen Immobilienfonds zu 60 % steuerfrei und mit einem Anlageschwerpunkt im Ausland sogar zu 80 % steuerfrei.
Besonders bei Immobilienfonds mit kleinem Volumen oder geringem Handelsvolumen muss man genau auf die Reputation des Emittenten achten. Dazu sollte auch der Ruf im Netz auf Social-Media-Kanälen geprüft werden und auf schlechte Bewertungen geachtet werden.
Die Gefahr einer Immobilienblase besteht immer, sodass offene Immobilienfonds einen Vorteil haben, wenn man noch rechtzeitig an der Börse verkaufen kann und man die Immobilienpreis-Prognose richtig gedeutet hat. Andernfalls muss man den Immobilienfonds eine lange Zeit halten, bis sich dieser wieder erholt hat. Eine Alternative zu offenen Immobilienfonds sind Crowdinvestments in Immobilien, dessen Volumen ebenfalls kontinuierlich und rasant ansteigt.
Für wen eignen sich offene Immobilienfonds?
Offene Immobilienfonds richten sich vor allem an Anlegertypen, die eine breitgestreute, langfristige Kapitalanlage mit Immobilienbeimischung suchen. Typischerweise eignen sie sich für folgende Profile und Zwecke:
Diversifikations-Anleger
Privatanleger, die bereits in sichere Anlagen (z.B. Tagesgeld, Anleihen) und vielleicht auch Aktien investiert sind, können offene Immobilienfonds als ergänzenden Baustein nutzen. Immobilien gelten als Sachwerte, die eine zusätzliche Streuung ins Portfolio bringen – sie korrelieren oft weniger stark mit Aktienmärkten und können so das Gesamtrisiko eines Portfolios reduzieren.
Wer z.B. einen Großteil in Aktien/ETFs angelegt hat, kann mit Immobilienfonds ein Stück Stabilität und laufende Erträge hinzufügen, ohne direkt Immobilien kaufen zu müssen.
Sicherheitsorientierte Anleger mit Renditewunsch
Gegenüber reinen Zinsanlagen (Sparbuch, Bundesanleihen) bieten Immobilienfonds etwas höhere Renditechancen, allerdings bei moderatem Zusatzrisiko. Für Anleger, denen Aktienanlagen zu volatil sind, die aber mehr als die niedrigsten Zinsen erwirtschaften möchten, können offene Immobilienfonds interessant sein.
Sie gelten – trotz zuletzt aufgetretener Schwankungen – immer noch als relativ stabile Anlage:
Die Wertschwankungen sind historisch geringer als bei Aktienfonds, und Verluste traten in der Vergangenheit selten und meist in Krisenzeiten auf. Verbraucherschützer ordnen die Risiken als mittleres Niveau ein – geringer als bei reinen Aktieninvestments, aber höher als bei Tagesgeld.
Entsprechend kann man im Mittel eine Rendite erwarten, die etwas über aktuellen sicheren Zinsen liegt (z.B. langfristig vielleicht 2-4 % p.a.), jedoch mit der Maßgabe, dass einzelne Jahre auch darunter bleiben oder negativ sein können.
Langfristige Anleger
Wer offene Immobilienfonds kauft, sollte sich bewusst sein, dass dies eine mehrjährige Anlage sein sollte. Zum einen verlangen die gesetzlichen Regeln bereits eine mindestens zweijährige Haltedauer, zum anderen empfehlen Experten, solche Fonds mindestens 5 Jahre oder länger zu halten.
Immobilien entwickeln ihren Wert oft über längere Zyklen, und kurzfristige Marktschwankungen können ausgesessen werden. Die Fondsexperten raten sogar, idealerweise einen Anlagehorizont von 5 bis 10 Jahren mitzubringen. Nur dann zeigt sich, wie rentabel ein Investment tatsächlich ist, und kurzfristige Bewertungsdellen können sich über die Zeit ausgleichen. Anleger mit einem langen Atem werden außerdem mit den jährlichen Ausschüttungen belohnt, die über die Jahre ein ansehnliches passives Einkommen ergeben können.
Anleger ohne Immobilienbesitz
Offene Immobilienfonds erlauben es, Immobilieneigentum indirekt zu erwerben, ohne selbst eine Wohnung, ein Haus oder ein Bürogebäude kaufen zu müssen. Das ist attraktiv für Personen, die sich keine eigene Immobilie leisten können oder wollen, aber dennoch vom Immobilienmarkt profitieren möchten.
Auch wer bereits eine eigene Immobilie hat (z.B. selbstgenutztes Wohneigentum) kann über Fonds in andere Immobiliensegmente investieren (z.B. Gewerbe), um nicht alles auf eine Karte zu setzen. Insbesondere für „Mieter, die Vermieter sein wollen“ bieten Fonds eine Möglichkeit: Man partizipiert an Mieteinnahmen, ohne sich um die operativen Aufgaben eines Vermieters kümmern zu müssen – das übernimmt die Fondsgesellschaft.
Personen mit mittlerer Risikobereitschaft
Offene Immobilienfonds passen zu Anlegern, die ein gewisses Maß an Schwankungen und Unsicherheiten akzeptieren, aber keine extremen Risiken eingehen möchten. Sie eignen sich nicht für jemanden, der absolute Sicherheit oder jederzeitige Verfügbarkeit des Kapitals braucht. Wer etwa in naher Zukunft auf das Geld zugreifen muss, sollte wegen der Haltefristen Abstand nehmen.
Auch für spekulative Anleger, die kurzfristig hohe Gewinne suchen, sind Immobilienfonds ungeeignet – ihre Stärke liegt in stetigen, planbaren Erträgen, nicht in schnellen Kurssteigerungen.
Nicht als alleinige Anlage
Verbraucherschützer betonen, dass man nicht sein ganzes Geld in einen einzelnen Immobilienfonds stecken sollte. Ein einzelner Fonds bietet noch nicht genug Streuung – z.B. könnten regionale oder segmentale Probleme (etwa Krise im Bürosektor) diesen Fonds besonders treffen.
Deshalb lautet die Empfehlung:
Aufteilen auf mehrere Fonds. Wer z.B. 20.000 € in Immobilienfonds anlegen möchte, könnte 4 × 5.000 € in vier verschiedene Fonds investieren. Dadurch verteilt sich das Risiko weiter (über verschiedene Manager, Regionen, Objektarten). Ebenso sollten Immobilienfonds nur eine Beimischung sein – neben anderen Anlageklassen wie Aktien, Anleihen und Liquidität. So ergibt sich ein robustes Gesamtportfolio.
Kostenbewusste Anleger
Beim Kauf offener Immobilienfonds fällt oft ein Ausgabeaufschlag (Agio) von etwa 5 % an. Dies kann durch Käufe über Börse, Direktbanken oder Fondsplattformen reduziert oder vermieden werden. Kosten mindern die Rendite, daher sollten Anleger auf niedrige laufende Kostenquoten achten und versuchen, den Ausgabeaufschlag kleinzuhalten (z.B. durch Verhandlung mit der Hausbank oder Kauf via Börse).
Ein kostenbewusster Anleger kann offene Immobilienfonds durchaus effizient einsetzen, zumal nach der Haltefrist keine weiteren Gebühren für die Rückgabe anfallen (im Gegensatz zu manch geschlossenen Fonds mit Verkaufsprovisionen).
Zusammenfassend eignen sich offene Immobilienfonds für Privatanleger mit langfristigem Anlagehorizont, mittlerer Risikoneigung und dem Wunsch nach Diversifikation in Sachwerte. Sie sind nicht geeignet für kurzfristige Spekulation oder als „sparkontenähnlicher“ Parkplatz (dafür sind sie zu illiquide auf kurze Sicht).
Wer allerdings Zeit mitbringt und die Immobilienquote im Portfolio erhöhen möchte, findet in offenen Immobilienfonds ein verhältnismäßig bequemes Instrument: Professionelles Management kümmert sich um die Objekte, während man selbst in Ruhe die jährlichen Ausschüttungen vereinnahmen kann.
Thomas Breithaupt
Redakteur
Mit einer Leidenschaft für Technik- und Finanzthemen war der Schritt vom Physikstudium zum Wirtschaftsjournalismus vorprogrammiert. Das analytische Denkvermögen hilft, sachlich zu berichten und neben der Entwicklung von Software eine fundierte Berichterstattung zu erstellen. Zwischen den Recherchen hilft Sport dabei, einen klaren Kopf zu bewahren und hält fit für den Surfurlaub.