Wachstumsaktien - Definition und Erklärung
Autor: Tom Dietrich · Zuletzt aktualisiert: 23.05.25
Wirtschaft Finanzen Börse/Aktien · 7 Min. Lesedauer
Kaum ein Begriff elektrisiert Anleger und Börsenkommentatoren so sehr wie jener der Wachstumsaktie. Namen wie Amazon, Tesla oder Nvidia sind längst nicht nur technologische Vorreiter – sie stehen sinnbildlich für ein Börsensegment, das mit rasantem Aufstieg, disruptiven Geschäftsmodellen und spektakulären Kursentwicklungen fasziniert. Doch was verbirgt sich hinter dem Konzept der Wachstumsaktie jenseits der Schlagzeilen und Kursrekorde? Wer in diesem Segment investieren will, braucht mehr als Bauchgefühl – nämlich ein klares Verständnis dafür, was Wachstum an der Börse tatsächlich bedeutet, wie es sich messen lässt und welche Risiken es mit sich bringt.
Wachstumsaktien in Kürze:
- Wachstumsaktien zeichnen sich durch überdurchschnittliche Umsatz- und Gewinnsteigerungen aus – häufig auf Kosten von Dividenden und kurzfristiger Profitabilität.
- Hohe Bewertungen reflektieren große Zukunftserwartungen, machen die Aktien aber auch anfällig für Kurskorrekturen bei veränderten Marktbedingungen.
- Sie eignen sich besonders für langfristig orientierte, risikobewusste Anleger, die an das Potenzial innovativer Geschäftsmodelle glauben und bereit sind, Marktschwankungen auszuhalten.
Growth-Aktien oder Wachstumsaktien (engl. growth Stocks) sind Aktien von Unternehmen mit einem überdurchschnittlichen Wachstum sowohl in der Zukunft als auch der Vergangenheit.
Definition von Wachstumsaktien - Growth-Aktien
Als Wachstumsaktie (englisch: Growth Stock) wird eine Aktie eines Unternehmens bezeichnet, von der ein überdurchschnittliches Wachstum erwartet wird. Diese Aktien zahlen in der Regel keine Dividende und sind häufig relativ junge und erfolgreiche Unternehmen. Der Grund dafür ist, dass die Emittenten von Wachstumsaktien in der Regel Unternehmen sind, die anfallende Gewinne reinvestieren wollen, um das Wachstum weiter zu beschleunigen.
Wachstumsaktien können in jedem Sektor oder jeder Branche vorkommen und werden in der Regel mit einem hohen Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) gehandelt. Möglicherweise weisen sie derzeit noch keine Gewinne auf, doch wird dies für die Zukunft erwartet. Growth-Aktien sind häufig überbewertet und volatiler als andere Aktien. Für die nächsten fünf Jahre prognostizieren die Analysten für die S&P 500-Aktien eine durchschnittliche Wachstumsrate von 8,3 % pro Jahr. Eine Wachstumsaktie muss diesen Wert deutlich übertreffen, zumindest in der Prognose.
Das Wachstum einer Wachstumsaktie bezieht sich auf den Umsatz, den Gewinn und die Profitabilität des Geschäftsmodells. Wachstumsaktien zählen häufig zu den aktuellen Investment Trends, also die Wirtschaftsbereiche um Informationstechnologie (IT), insbesondere Cyber Security, Nachhaltigkeit, insbesondere E-Mobilität und Technologie allgemein. Technologie ist immer wieder im Trend und wird überbewertet, wie die Dotcom-Blase vor über 20 Jahren eindeutig gezeigt hat.
Typische Merkmale von Wachstumsaktien
Wachstumsaktien weisen mehrere charakteristische Merkmale auf:
- Überdurchschnittliches Umsatz- und Gewinnwachstum: Die Kennzahlen dieser Unternehmen steigen deutlich schneller als der Branchendurchschnitt oder der Gesamtmarkt.
- Hohe Kurs-Gewinn-Verhältnisse (KGV): Da Investoren zukünftige Ertragssteigerungen erwarten, sind sie bereit, hohe Aufpreise zu zahlen. Das resultiert oft in einem KGV, das klassische Bewertungsmaßstäbe übersteigt.
- Geringe oder keine Dividendenzahlungen: Gewinne werden meist reinvestiert, um weiteres Wachstum zu finanzieren, anstatt sie an Aktionäre auszuschütten.
- Innovationskraft und Skalierbarkeit: Viele Wachstumsunternehmen operieren in Märkten, die noch nicht gesättigt sind, und bieten skalierbare Geschäftsmodelle, z. B. im digitalen Bereich.
Value-Aktien weisen eine lange Erfolgsgeschichte vor, meistens mit einer stabilen Dividende, während Growth-Aktien auf Wachstum setzten und keine Dividende auszahlen.
Value-Aktien vs. Growth-Aktien
Wachstumsaktien unterscheiden sich von Value-Aktien im Grundsatz. Anleger erwarten, dass Wachstumsaktien aufgrund des starken Wachstums des zugrunde liegenden Unternehmens erhebliche Kapitalgewinne erzielen und der Aktienkurs entsprechend steigt. Diese Erwartung kann dazu führen, dass diese Aktien aufgrund ihres allgemein hohen Kurs-Gewinn-Verhältnisses (KGV) überbewertet erscheinen.
Im Gegensatz dazu werden Value-Aktien oft unterbewertet oder vom Markt ignoriert, können aber letztendlich an Wert gewinnen. Die Anleger versuchen durch Value investing, von den Dividenden zu profitieren. Value-Aktien werden in der Regel mit einem niedrigen Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) gehandelt.
Value-Aktien können nur aufgrund schlechter Gewinnmeldungen oder negativer Medienberichte unterbewertet sein, obwohl sich am Geschäft selbst nichts geändert hat. Ein häufiges Merkmal von Value-Aktien ist jedoch eine starke Dividendenhistorie. Eine Value-Aktie mit einer starken Dividendenhistorie kann dem Anleger ein zuverlässiges Einkommen bieten. Bei vielen Value-Aktien handelt es sich um ältere Unternehmen, bei denen man sich darauf verlassen kann, dass sie im Geschäft bleiben, auch wenn sie nicht besonders innovativ oder wachstumsorientiert sind. Einige Value-Aktien werden auch als Blue Chips bezeichnet.
Dividendenaktien vs. Wachstumsaktien
Wenn Anleger in Wachstumsaktien investieren, gehen sie davon aus, dass sie durch Kapitalgewinne Geld verdienen werden und nicht durch eine Dividende. Die Unternehmen hinter Wachstumsaktien fokussieren sich auf weiteres Wachstum und reinvestieren daher möglichst viel für dieses Ziel.
Dagegen sind Dividendenaktien darauf ausgerichtet, ihre Dividende jedes Jahr zu erhöhen, um nach 25 Jahren zu den Dividendenaristokraten zu zählen. Als Dividendenaristokrat wird das Unternehmen Ziel von zahlreichen Dividendenstrategien. Die meisten Dividendenaktien sind also auch Value-Aktien.
Beispiele für Value-Aktien
Zu den besten Beispielen für Value-Aktien zählen Unternehmen mit einer langen und erfolgreichen Geschichte. Aus der Nahrungs- und Genussmittelbranche zählt Coca-Cola zu einer echten Value-Aktie. Das Unternehmen ist in so gut wie jedem Land beliebt und so gut wie jeder Mensch auf der Welt kennt das Getränk. Im Prinzip ist der einzige Risikofaktor ein wachsendes Gesundheitsbewusstsein.
Microsoft ist eine Value-Aktie aus dem Technologiebereich. Das Unternehmen hat ebenfalls einen internationalen Ruf, wodurch das Wachstumspotenzial aber auch eingeschränkt ist. Die Mehrzahl der Computer nutzt Microsoft Windows und weitere Microsoft Produkte, sodass ein starkes Wachstum gar nicht mehr möglich ist. Aufgrund der Quasi-Monopolstellung ist Microsoft definitiv eine Value-Aktie. In einigen ETFs und Indizes wird Microsoft aber auch unter den Growth-Aktien gelistet.
Growth-Unternehmen sind meistens junge Unternehmen, die einen Marktbereich für sich erobern und dabei erstaunliches Wachstum aufweisen, wie z.B. Tesla in der Automobilindustrie.
Deutsche Wachstumsaktien in 2025
Die Auswahl aussichtsreicher Aktien für das Jahr 2025 ist stets eine spannende, aber auch herausfordernde Aufgabe, da sie von zahlreichen wirtschaftlichen und unternehmensspezifischen Faktoren abhängt. Die folgenden fünf Unternehmen aus dem DAX wurden aufgrund ihrer aktuellen Marktposition, ihrer strategischen Ausrichtung auf wichtige Zukunftstrends und ihres Potenzials für nachhaltiges Wachstum ausgewählt.
SAP SE
Als Europas größter Softwarehersteller treibt SAP die Cloud-Transformation konsequent voran. Das Geschäft mit Cloud-Diensten wächst dynamisch und sorgt für wiederkehrende Umsätze. Zudem hat SAP großes Potenzial im Bereich Künstliche Intelligenz (KI), um seine Unternehmenssoftware weiter zu optimieren und neue Lösungen anzubieten. Die globale Kundenbasis und die tiefgreifende Integration in Geschäftsprozesse vieler Unternehmen bieten eine solide Basis für weiteres Wachstum.
Infineon Technologies AG
Infineon ist ein führender Halbleiterhersteller und profitiert massiv von den Megatrends Elektromobilität, erneuerbare Energien und dem Internet der Dinge (IoT). Die Nachfrage nach Leistungshalbleitern und Mikrocontrollern für Autos, Industrieanwendungen und Energieinfrastruktur dürfte auch 2025 stark bleiben. Der Ausbau eigener Fertigungskapazitäten sichert zudem die Lieferfähigkeit.
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Siemens AG
Als globaler Technologiekonzern profitiert Siemens von den Megatrends Digitalisierung, Automatisierung und Nachhaltigkeit. Die Sparten Digital Industries (Automatisierungslösungen für die Industrie), Smart Infrastructure (intelligente Gebäude- und Netztechnik) und Mobility (Bahntechnik, Verkehrsmanagement) sind hervorragend positioniert, um von den weltweiten Investitionen in die Modernisierung der Industrie, den Ausbau smarter Städte und nachhaltiger Verkehrssysteme zu profitieren. Die Fokussierung auf Software und digitale Dienstleistungen erhöht zudem die wiederkehrenden Umsätze und Margen.
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RWE AG
RWE hat sich zu einem der führenden Unternehmen im Bereich erneuerbare Energien in Europa und weltweit entwickelt. Der konsequente Ausbau von Wind- und Solarenergie sowie Investitionen in Wasserstofftechnologien positionieren das Unternehmen ideal, um von der Energiewende massiv zu profitieren. Staatliche Förderungen und das wachsende Bewusstsein für Klimaschutz schaffen Rückenwind.
Airbus SE
Als einer der beiden weltgrößten Flugzeughersteller verfügt Airbus über einen enorm hohen Auftragsbestand, der die Produktion auf Jahre hinaus sichert. Die Erholung der globalen Luftfahrt nach der Pandemie setzt sich fort, und Fluggesellschaften modernisieren ihre Flotten mit treibstoffeffizienteren Modellen. Auch das Verteidigungsgeschäft bietet stabile Erträge und Wachstumspotenzial.
Liste der besten Wachstumsaktien
Die Liste der besten Wachstumsaktien auf der Welt lässt sich nach dem gleichen Prinzip formen. In vielen Growth ETFs sind ASML Holding, LVMH Moët Hennessy (Louis Vuitton), Tesla, SAP, Siemens, Nvidia und T-Mobile. Eine entschiedene Kennzahl, um verschiedenen Aktien zu vergleichen, ist der Gewinn je Aktie (englisch: earnings per share – EPS).
Nvidia
Nvidia ist ein Gigant in den Bereichen Rechenzentren und Computerspiele. Der Chip-Riese gilt als einer der größten Gewinner des KI-Booms und hat starken Aufwind erhalten, nachdem die Hardware durch das Mining von Kryptowährung immer teurer wurde. Im bisherigen Jahresverlauf ist die Nvidia-Aktie um mehr als 215 % gestiegen, nachdem sie im Jahr 2022 abgestürzt war.
ASML Holding
ASML Holding beliefert unter anderem Nvidia und genießt dabei eine Monopolstellung. Obwohl sich Nvidia weitere Standbeine neben der Hardware aufbaut, bleiben die Grafikkarten das Kerngeschäft. Computerchips werden immer kleiner, um leistungsfähiger zu werden. ASML Holding hat nach Angaben von Experten einen technologischen Vorsprung von 20 Jahren gegenüber seinen Konkurrenten. Vorhersage von 15,9 % Wachstum pro Jahr und etwa 28 % Wachstum pro Jahr in der Vergangenheit.
Planet Fitness
Planet Fitness betreibt Fitnesseinrichtungen in den USA, Kanada, Mexiko und einer Reihe anderer Länder. Die Aktie wird mit einem KGV von 25,1 gehandelt, was ein fairer Wert für ein wachsendes Unternehmen ist. Das Unternehmen verzeichnete im letzten Jahr ein beeindruckendes Gewinnwachstum, und Analysten gehen davon aus, dass sich der Gewinn in den nächsten fünf Jahren jedes Jahr verdoppeln wird. Auch die Umsätze steigen seit 2021 nach einem Rückschlag während der Covid-19-Pandemie wieder an. Die Vorhersagen sind enorm gut für Planet Fitness, da die Mitgliederzahlen in den Fitnesseinrichtungen trotz Pandemie stark gewachsen sind und 80 % der Amerikaner in keinem Fitnessstudio angemeldet sind.
Tesla
Tesla gehörte im Jahr 2022 zu den Aktien mit der schlechtesten Wertentwicklung, da die Anleger ihre Erwartungen an das Unternehmen angesichts der schwachen Konjunktur zurückschraubten und die Aktie verkauften. Elon Musk selbst hat sogar Aktien im Wert von mehr als 10 Mrd. Dollar verkauft. Die grüne Wende hin zur E-Mobilität sieht Tesla als Marktführer, wodurch der Kurs massiv überbewertet wurde. Die Vorhersagen für den Tesla Aktienkurs schwanken stark, sehen aber langfristig ein weiteres Wachstum.
Bewertungsmethoden für Wachstumsaktien
Traditionelle Kennzahlen
Die Bewertung von Wachstumsaktien erfordert spezielle Ansätze, da klassische Kennzahlen wie das KGV oft wenig aussagekräftig sind. Stattdessen verwenden Analysten Kennzahlen wie das PEG-Ratio (Price-Earnings-to-Growth), das das KGV in Relation zur Wachstumsrate setzt. Ein PEG-Ratio unter 1,0 gilt als attraktiv.
Forward-Looking-Metriken
Weitere wichtige Bewertungsmaßstäbe sind das Kurs-Umsatz-Verhältnis, Wachstumsraten bei Umsatz und Gewinn sowie die Entwicklung von Marktanteilen. Bei jungen Wachstumsunternehmen stehen oft operative Kennzahlen wie Nutzerzahlen, wiederkehrende Umsätze oder die Kundenakquisitionskosten im Fokus.
Fazit Wachstumsaktien
Wachstumsaktien bieten Investoren die Möglichkeit, an der dynamischen Entwicklung innovativer Unternehmen zu partizipieren. Sie erfordern jedoch ein tiefes Verständnis der jeweiligen Geschäftsmodelle und eine sorgfältige Bewertung der Wachstumsaussichten. Während das Renditepotenzial attraktiv ist, sollten Anleger die erhöhten Risiken und die höhere Volatilität in ihre Anlageentscheidung einbeziehen. Eine ausgewogene Mischung aus Growth- und Value-Aktien kann helfen, die Vorteile beider Investmentstile zu nutzen und gleichzeitig die spezifischen Risiken zu reduzieren.
Tom Dietrich
Redakteur
Bachelor-Student im Fach Medien und Kommunikation mit besonderer Begeisterung für Finanzthemen. Börseninvestor seit dem 18. Lebensjahr.