Wie hoch ist die Wohneigentumsquote in Deutschland?
Autor: Heino Zießnitz · Zuletzt aktualisiert: 18.09.25
Immobilien · 7 Min. Lesedauer
Die Wohneigentumsquote in Deutschland liegt aktuell bei etwa 47,3 Prozent und zählt damit zu den niedrigsten Werten Europas. Das bedeutet, nur knapp die Hälfte der Haushalte wohnt in den eigenen vier Wänden.
Im internationalen Vergleich steht Deutschland damit fast am Ende der Rangliste: Nur in der Schweiz ist der Anteil der Eigentümer noch geringer.
Wohnungspolitik 2025: Zwischen Koalitionszielen und politischer Realität
Die Wohnungspolitik ist seit Sommer 2025 eines der drängendsten innenpolitischen Themen in Deutschland. Während die Ampel-Koalition aus SPD, Grünen und FDP im Koalitionsvertrag 2021 ambitionierte Ziele setzte – 400.000 neue Wohnungen jährlich, davon 100.000 gefördert, sowie bessere Chancen für den Erwerb von Wohneigentum –, ist die Bilanz nach vier Jahren ernüchternd. Der Neubau stagniert, die Eigentumsquote verharrt ebenfalls auf niedrigem Niveau.
Die Neubaukrise verschärfte sich
Ziel: 400.000 Wohnungen jährlich
Tatsächliche Fertigstellungen:
- 2022: ca. 295.000 Wohnungen
- 2023: ca. 294.000 Wohnungen
- 2024: ca. 200.000 Wohnungen
- 2025 (Prognose): nur 175.000 bis 245.000 Wohnungen
Damit wurde das Kernversprechen der Ampel-Koalition zum vierten Mal in Folge klar verfehlt. Die Baubranche spricht von einem „Strukturbruch“, da nicht nur die Neubauzahlen sinken, sondern auch viele Projekte wegen hoher Baukosten, Zinsen und Fachkräftemangel storniert wurden.
Eigentumsförderung: Versprechen ohne Wirkung
Im Koalitionsvertrag hießt es: „Wir wollen mehr Menschen ermöglichen, im selbstgenutzten Eigentum zu wohnen.“
Geplante Maßnahmen:
- Eigenkapitalersetzende Darlehen
- Tilgungszuschüsse und Zinsverbilligungen
- Freibeträge bei der Grunderwerbsteuer
- Bargeldverbot beim Immobilienerwerb
- Blockchain-Grundbuch-Machbarkeitsstudie
- Sachkundenachweis für Makler und Verwalter
Umsetzung (Stand September 2025)
- Eigenkapitalhilfen: Pilotprojekte laufen, doch Mittel sind begrenzt
- Grunderwerbsteuer: Nur wenige Bundesländer haben Freibeträge eingeführt – politisch höchst umstritten
- Bargeldverbot & Share-Deals: Gesetz auf dem Weg, Inkrafttreten frühestens 2026
- Sachkundenachweis/Grundbuchreform: weiter in der Prüfung, keine Umsetzung
Wohnen als Wahlkampfthema
Mit Blick auf die Bundestagswahl 2025 spitzte sich die politische Auseinandersetzung zu:
- SPD: forderte eine „Wohnbauoffensive des Staates“ und zusätzliche Milliarden für den sozialen Wohnungsbau
- Grüne: knüpfen Neubauförderung an Klimastandards und setzen auf eine Sanierungsstrategie für den Bestand
- FDP: warf den Partnern „Überregulierung“ vor und pochte auf Steuersenkungen und Deregulierung
- Die Opposition nutzte die Baukrise für harte Angriffe
- CDU/CSU forderte eine „Rückkehr zur Eigentumspolitik“ mit klaren Steueranreizen und Abbau von Auflagen
- AfD verknüpfte die Wohnungsnot mit Migrationspolitik und versucht, das Thema populistisch auszuschlachten
Ausblick
Die Wohnungspolitik entwickelte sich im Sommer 2025 zu einem Wahlkampf-Hauptthema. Experten erwarten, dass die Neubauzahlen bis 2027 weiterhin niedrig bleiben. Ohne einen politischen Kurswechsel – etwa durch ein großes staatliches Förderprogramm oder radikale Deregulierung – dürfte die Wohnungsfrage das nächste Jahrzehnt prägen.
Warum ist die Wohneigentumsquote in Deutschland so niedrig?
Deutschland ist wieder mal Schlusslicht. Nein! Nicht beim Fussball, sondern im Vergleich der Wohneigentumsquote der EU-Länder.
Die Entwicklung der Wohneigentumsquote ist seit Jahren rückläufig oder stagniert. Vergleicht man Deutschlands Anzahl von Wohnungseigentümern mit der von anderen europäischen Ländern, dann sind wir an vorletzter Stelle. Nach uns rangiert noch die Schweiz.
Die ursächlichen Gründe für die geringe Quote an Wohneigentum in Deutschland sind folgende:
- hohe Finanzierungshürden
- hohe Zinsen
- hohe Grunderwerbssteuern und Kaufnebenkosten (Makler, Notar) für Immobilien
- keine Abzugsmöglichkeit der Hypothekenzinsen bei selbst bewohntem Wohneigentum
- geförderter (sozialer) Wohnungsbau
Hohe Finanzierungshürden drücken die Wohneigentumsquote
Gerade für junge Menschen oder Menschen der unteren Einkommensgruppen ist es heutzutage fast unmöglich Wohneigentum zu erwerben. Die einzige Möglichkeit als junger Mensch eine eigene Wohnung oder ein Haus zu erwerben ist mit der Unterstützung der Familie.
Einkommensschwache Menschen haben meist keinen Zugang zu Baukrediten, da einfach die Liquidität fehlt, sie bekommen keine Kredite. Baufinanzierer rechnen mit maximal 35% des Nettohaushaltseinkommens, welches zur Tilgung des Immobiliendarlehens verwendet werden soll. Für viele Familien stellt sich dann die Frage:
Wieviel Wohneigentum können wir uns leisten?
Rechnet man mit durchschnittlich 300.000 € für eine mittlere Wohnung bzw. für ein kleines Haus, dann ergibt sich folgende Rechnung:
Kreditsumme: 300.000,00€
Laufzeit: 27 Jahre, 7 Monate
Zinskosten: 195.198,65€
Zinsen: 4%
Tilgung: 2%
Monatliche Rate: 1.500,00€
Wenn 1500,00 € monatliche Rate = 35% des Nettohaushaltseinkommens entspricht, dann müsste das Netto Gesamt-Haushaltseinkommen 4.285,71€ betragen. Nehmen wir also an, ein kinderloses Paar, beide gehen arbeiten, beide Lohnsteuerklasse IV. Beide Ehepartner müssten jeder monatlich 3.250,00 brutto verdienen (18,67 € brutto/ Stunde), um eine Immobilie finanzieren zu lassen.
Nehmen wir an, eine Familie hat 2 Kinder und die Frau arbeitet auf 520,00 €-Basis. Ansonsten kümmert sie sich um Haushalt und die Kinder-kein Einzelfall. Somit würde sie mit 520,00 € Verdienst im Minijob plus 510,00 € Kindergeld zum Haushaltsbudget beitragen. Fehlen noch 3.275,71 €. Der Ehemann und Vater von zwei Kindern müsste mit der Steuerklasse III etwa 4.800,00 € brutto monatlich verdienen, um für die Bank kreditwürdig zu sein. Das entspricht 27,50 € Stundenlohn, also kein üblicher Facharbeiterlohn. Nochmal zur Erinnerung. Im Januar 2025 wurde der gesetzliche Mindestlohn auf 12,82 € festgelegt.
Hohe Grunderwerbssteuern und Kaufnebenkosten
Wir bleiben bei unserem Beispiel, eine Wohnimmobilie für 300.000,00 €.
Folgende Kaufnebenkosten entstehen:
| Notar und Grundbucheintrag (1,5%) | = 4.500,00 € |
| Grunderwerbssteuer (6%) | = 18.000,00 € |
| Maklerkosten (7,14% Berlin) | = 21.420,00 € |
| Gesamte Kaufnebenkosten | = 43.920,00 € |
Keine Abzugsmöglichkeit der Hypothekenzinsen bei selbst bewohntem Wohneigentum
Darlehenszinsen für Immobilien kann man in Deutschland nur steuersenkend unterbringen, wenn die Immobilie vermietet wird. Dann werden Hypothekenzinsen zu ganz normalen, absetzbaren Kosten in der steuerlichen Betrachtung und können in voller Höhe dem zu versteuernden Einkommen entgegengerechnet werden.
Anders verhält es sich in Deutschland, wenn man die Immobilie selbst bewohnt: Kreditkosten für die selbst genutzte Immobilie sind steuerlich nicht absetzbar. Da gibt es keine Ausnahme, es sei denn, die Immobilie ist teilvermietet, dann kann ein Teil der Kreditzinsen auch steuerlich geltend gemacht werden.
Einfluss der Wohnungspolitik in der Bundesrepublik
Deutschland ist schon seit vielen Jahren das Mieter-Land. Nur etwa die Hälfte der Deutschen besitzt eine selbst bewohnte Immobilie. Bestimmt ist es der Wunsch vieler Rentner, sich im wohlverdienten Ruhestand in den eigenen vier Wänden zu entspannen, aber davon ist Deutschland noch weit weg.
Die Politik schaffte in den vergangenen Jahren immer wieder neue Anreize für den sozialen Wohnungsbau. Die Schaffung von selbstgenutztem Wohnraum wurde weniger gefördert.
Wenn die Politik mit Instrumenten, wie Mietpreisdeckel oder Mietpreisbremse, in den Immobilienmarkt eingreift, bleibt es für viele Mieter weiterhin interessant in der Mietwohnung zu bleiben. Sollte man irgendwann wieder zum Prinzip der Selbstregulierung des Marktes übergehen, werden die Mietpreise deutlich steigen.
Die Folge daraus wäre, dass sich dann viele Mieter mit dem Erwerb einer Immobilie befassen werden, um die Mietkosten zu kompensieren. Und nebenbei können sie sich eine Altersvorsorge schaffen. Aber solange Mieten staatlich "angepasst werden" können die Kräfte des Marktes nicht wirken.
Offen bleibt noch die Frage, ob eine niedrige Wohneigentumsquote gut oder schlecht für die Wirtschaft ist.
Die Wohneigentumsquote ist eine volkswirtschaftliche Messgröße, die die Anzahl der Eigentümer von Wohnraum bezeichnet. In Deutschland wird durch das Statistische Bundesamt nur die selbstgenutzte, eigene Immobilie erfasst. Man spricht hier von der Eigentümerquote.
Wohneigentumsqoute nach Bundesländern
In den vergangenen 15 Jahren ist die Wohnungseinemtumsquote in Deutschland minimal, um etwa 3 Prozentpunkte, gestiegen.
Etwa 47,3 % der Bundesbürger besitzen Wohneigentum.
Schaut man auf die einzelnen Bundesländer wird deutlich, dass in den "Neuen Bundesländern" die Wohneigentumsquote geringer ist, als in den alten Ländern.
Dafür gibt es eine einfache Erklärung:
In der DDR waren Wohnungen des staatlichen Wohnungsbauprogramms die einzige Möglichkeit, eine Bleibe zu bekommen. Wenige private Vermieter mischten sich noch unter die SED-Wohnungen. Eine Förderung, wie besondere Kredite oder Bausparverträge, gab es in der DDR nicht. Folglich mussten die Bürger ihr Haus aus eigenen Mitteln finanzieren, das war nur wenigen Privilegierten möglich oder mit Hände Arbeit.
Die andere Möglichkeit war, eine Immobilie zu erben. Doch eine Immobilie galt in der DDR eher als Belastung und nicht als Renditeobjekt. Die Mieten waren auf einem Zehntel Niveau der alten Bundesrepublik-Mieten. Eine 80qm Wohnung kostete warm 60-70 Mark der DDR. Die Hausbesitzer waren trotzdem für die Instandsetzung der Immobilien verantwortlich. Am Jahresende blieb in der Regel kein Gewinn übrig. Das Ergebnis dieser Politik im SED-Staat spiegelt sich in der niedrigen Wohneigentumsquote in den neuen Ländern wider.
Einige Ausnahmen gibt es bei der Wohneigentumsquote in den Großstädten und Ballungsräumen, da die Immobilienpreise durch die Decke gehen und sich nur wenige Menschen dort Wohneigentum leisten können. Hier einige Beispiele:
- Wohneigentumsquote Berlin = 15%
- Wohneigentumsquote München = 24%
- Wohneigentumsquote Hamburg = 23%
- Wohneigentumsquote Leipzig = 12%
- Wohneigentumsquote Dresden = 14%
In der Bundesrepublik gibt es etwa 40 Millionen Wohneinheiten. Sie teilen sich auf in 12,8 Millionen Einfamilienhäuser, 6,1 Millionen Zweifamilienhäuser und 21,3 Millionen Mehrfamilienhäuser (mit mindestens drei Wohneinheiten). In nur drei Bundesländern gibt es mehr Einfamilienhäuser, als Zwei- oder Mehrfamilienhäuser.
Diese Bundesländer sind Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Rheinland-Pfalz. In allen Bundesländern entfällt der Anteil von an Zweifamilienhäusern am geringsten aus. In den meisten Bundesländern haben die Mehrfamilienhäuser die Mehrheit.
Wohneigentumsquote in Europa: In welchem Land ist sie am höchsten?
Die durchschnittliche Wohneigentumsquote in Europa liegt seit Jahren stabil bei etwa 70%.
Südeuropäische Länder führen die Liste an, die DACH-Staaten findet man am Ende der Statistik. Die Wohnungspolitik anderer Länder ist mehr auf den Erwerb von Immobilieneigentum ausgerichtet, anders in Deutschland: Hier gilt ein regulierter Wohnungsmarkt als Teil des sozialen Sicherungssystems. Das Wohnen in einer Mietwohnung wird von vielen Menschen als sicher, günstig und risikoarm eingestuft.
|
Land |
Anteil der Haus- und Wohnungsbesitzer |
| Rumänien |
96,1% |
| Slowakei |
92,3% |
| Serbien | 86,0% |
| Bulgarien | 84,3% |
| Estland | 81,4% |
| Tschechien | 78,9% |
| Spanien | 75,1% |
| Griechenland | 74,6% |
| Slowenien | 74,6% |
| Belgien | 71,1% |
| Irland | 70,3% |
| Niederlande | 69,1% |
| Frankreich | 64,0% |
| Dänemark | 59,3% |
| Österreich | 55,3% |
| Deutschland | 47,3% |
| Schweiz | 42,3% |
Ein weiterer Grund für die niedrige Wohneigentumsquote in den DACH-Staaten ist, dass in diesen Staaten die Massivbauweise verbreitet ist. Massivbauweise ist im Vergleich zu anderen Bauarten (Fertigteilbauweise u.a.) sehr teuer für Bauherren.
Außerdem gibt es gerade in den DACH-Staaten zahlreiche Bau-, Umwelt- und Sicherheitsvorschriften in der Baubranche, die für einen massiven Anstieg der Baukosten sorgen.
Wohneigentumsquote weltweit
Eine Wohneigentumsquote global zu definieren, ist aufgrund fehlenden Zahlenmaterials aus den afrikanischen Ländern nicht vollständig möglich. Die vorliegenden Zahlen verdeutlichen aber trotzdem, dass die Wohneigentumsquote im Rest der Welt über der Quote von Deutschland liegt.
Und nicht zuletzt tragen auch viele Deutsche zur international steigenden Wohneigentumsquote bei, indem sie ihren Altersruhesitz im Ausland ansiedeln.
| Wohneigentumsquote USA | 66,0% |
| Wohneigentumsquote Europa | 70,0% |
| Wohneigentumsquote Asien | 65% |
| Wohneigentumsquote Australien | 66,0% |
| Wohneigentumsquote Russland | 91,7% |
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Heino Zießnitz
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