Green Bonds Markt wächst über 2,5 Billionen USD
Autor: Thomas Breithaupt · Zuletzt aktualisiert: 03.04.25
Börse/Aktien · 9 Min. Lesedauer
Im Jahr 2024 überschritt das Emissionsvolumen des Green-Bond-Markt (grüne Anleihen) weltweit 2,5 Billionen USD. Die Emissionen grüner Anleihen wuchsen zwischen 2015 und 2023 durchschnittlich um 40 % pro Jahr.
Dieses Wachstum wird von mehreren Faktoren angetrieben, darunter der verstärkte Fokus auf Klimaschutz, ESG-Investments (Environmental, Social, Governance) sowie regulatorische Maßnahmen, die Unternehmen und Staaten dazu bewegen, vermehrt Kapital in umweltfreundliche Projekte zu lenken.
Europa bleibt der führende Markt für Green Bonds, gefolgt von Asien und Nordamerika. Laut dem Climate Bonds Initiative Report wurden allein im ersten Quartal 2024 rund 165 Milliarden Euro an neuen grünen Anleihen ausgegeben. Dies stellt einen neuen Rekordwert dar und verdeutlicht, dass die Nachfrage nach nachhaltigen Finanzinstrumenten weiter wächst.
Analysten gehen davon aus, dass der Green-Bond-Markt bis 2030 auf über 5 Billionen USD anwachsen wird.
Wichtige Faktoren, die das Wachstum von Green Bonds begünstigen:
- Globale Klimaziele (z.B. Pariser Abkommen) forcieren Investitionen in grüne Projekte
- zunehmende Nachfrage von Investoren nach nachhaltigen Finanzinstrumenten
- der Finanzsektor schafft neue Innovationen, um marktfähig zu bleiben (z.B. die Einführung von Blended-Finance-Strukturen)
Analysten erwarten, dass weitere neue grüne Finanzprodukte, wie Blue Bonds (zur Finanzierung von Wasserprojekten) und Transition Bonds (zur Unterstützung von Unternehmen in der Umstellung auf nachhaltige Geschäftsmodelle) das Aktienangebot weiter diversifizieren werden.
Politische Maßnahmen und Regulierungen
- EU-Taxonomie: Die Europäische Union hat mit der EU-Taxonomieverordnung verbindliche Nachhaltigkeitsstandards eingeführt, um grüne Investitionen zu fördern.
- Inflation Reduction Act (USA): Diese Verordnung stärkt die Finanzierung klimafreundlicher Projekte durch Steueranreize in den USA.
Wachsendes Bewusstsein für Nachhaltigkeit
- Investoren richten zunehmend Kapitalströme in Richtung nachhaltiger Projekte.
- Institutionelle Investoren wie Pensionsfonds und Staatsfonds sehen Green Bonds als wichtiges Instrument zur Erfüllung ihrer ESG-Vorgaben.
Erhöhte Nachfrage durch Unternehmen und Kommunen
- Neben staatlichen Emittenten treten auch vermehrt private Unternehmen, Städte und kommunale Organisationen als Herausgeber grüner Anleihen auf.
- Große Unternehmen, wie Apple, Toyota und Volkswagen, haben bereits bedeutende Green Bonds emittiert, um Projekte wie saubere Produktion und Elektrofahrzeuge zu finanzieren.
Trotz des starken Wachstums gibt es auch Herausforderungen:
- zahlreiche Unternehmen betreiben Greenwashing
- es besteht die Gefahr, dass einige Emittenten Nachhaltigkeitsziele nur als Marketingstrategie verwenden
- es sind strengere Regulierungen und unabhängige Zertifizierungen erforderlich, um das Vertrauen der Investoren auf Dauer zu stärken
- weltweit existieren unterschiedliche Standards und Taxonomien, was zu einer Fragmentierung des Marktes führt.
Green Bonds sind festverzinsliche Wertpapiere, deren Mittelverwendung auf umweltfreundliche Projekte beschränkt ist.
Green Bonds Definition
Green Bonds sind Anleihen, die speziell für die Beschaffung von Geld für Klima- und Umweltprojekte eingerichtet sind. Diese grünen Anleihen sind in der Regel an Vermögenswerte gekoppelt und durch die Bilanz des Emittenten gedeckt, sodass sie meistens das gleiche Kreditrating wie die anderen Schuldverschreibungen des Emittenten haben. Für institutionelle Investoren ist das wichtig, um das Risiko abzuschätzen.
Green Bonds unterscheiden sich von traditionellen Anleihen durch ihre strikte Nachhaltigkeitsprüfung. Die Mittelverwendung wird durch unabhängige Institutionen wie die Climate Bonds Initiative zertifiziert.
Green Bonds, die auf das erste Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts zurückgehen, werden manchmal auch als Klimaanleihen oder Klimafonds (Klima-Bonds) bezeichnet, aber die Begriffe sind nicht immer synonym.
Klima-Bonds finanzieren speziell Projekte, die Kohlenstoffemissionen reduzieren oder die Auswirkungen des Klimawandels lindern, während Klimafonds eine breitere Kategorie von Instrumenten darstellen, die sich auf Projekte mit positiven Umweltauswirkungen beziehen. Alle Klimafonds können als Green Bonds bezeichnet werden, aber nicht alle Green Bonds müssen Klimafonds sein.
Typische Projekte sind:
- Erneuerbare Energien (Solar- und Windparks)
- Nachhaltige Infrastruktur (grüner Transport, energieeffiziente Gebäude)
- Wassermanagement und Abfallvermeidung
- Klimaschutzmaßnahmen (Wiederaufforstung, Emissionsreduktion)
Beispiele für Green Bonds Projekte
Konkret finanzieren Green Bonds Projekte in den Bereichen Energieeffizienz, Vermeidung von Umweltverschmutzung, nachhaltige Land-, Fischerei- und Forstwirtschaft, Schutz von aquatischen und terrestrischen Ökosystemen, sauberer Transport, sauberes Wasser und nachhaltige Wasserwirtschaft. Sie finanzieren auch den Ausbau von umweltfreundlichen Technologien und weitere Maßnahmen für die Eindämmung des Klimawandels.
Bis zum 30. Juni 2021 wurden mit den Erlösen aus Green Bonds seit 2014 über 236 Projekte mit Finanzierungszusagen in Höhe von insgesamt 9,4 Milliarden US-Dollar durch die IFC unterstützt. Seit 2015 veröffentlicht die IFC ihren jährlichen Green-Bond-Impact-Report (Green-Bond-Impact-Report 2023).
Die IFC ist auch Gründungsmitglied der International Capital Market Association (ICMA), welche die Prinzipien Transparenz, Offenlegung und Integrität bei der Entwicklung des Green Bonds Marktes fördert. Der Einfluss dieser beiden Organisationen auf den Green Bonds Market ist über die Jahre groß geworden. Die ICMA hat freiwillige Richtlinien für die Emission Green Bonds aufgestellt und mehrere breite Kategorien potenziell förderungswürdiger Projekte anerkannt:
- Erneuerbare Energien
- Energieeffizienz (einschließlich energieeffizienter Gebäude)
- Nachhaltige Abfallwirtschaft
- Nachhaltige Landnutzung (nachhaltige Forst- und Landwirtschaft)
- Erhaltung der biologischen Vielfalt
- Sauberer Transport
- Nachhaltige Wasserwirtschaft
- Anpassungen an den Klimawandel
Die Weltbank ist ein wichtiger Emittent grüner Anleihen und hat von 2008 bis 2020 grüne Anleihen im Wert von 14,4 Milliarden Dollar ausgegeben. Als eines der ersten Green Bonds Projekte der Weltbank wurde das Rampur-Wasserkraftwerksprojekt (Wiki) finanziert, das das Stromnetz in Nordindien mit kohlenstoffarmer Wasserkraft versorgen soll. Das durch die Emission grüner Anleihen finanzierte Projekt erzeugt 1,8 bis 1,9 Megawatt pro Jahr und vermeidet 1,4 Millionen Tonnen Kohlenstoffemissionen.
Wann sind Green Bonds wirklich grün und welche Kriterien müssen sie erfüllen?
Trotz der Bemühungen von vielen Organisationen wie Climate Bonds Initiative, ICMA und IFC gibt es keinen allgemein anerkannten Standard zur Bestimmung der Umweltfreundlichkeit einer Anleihe. In einigen Fällen werden Schuldtitel gegenüber Anlegern als "grün" vermarktet, auch wenn ihre positiven Umweltauswirkungen bestenfalls zweifelhaft sind.
Solche Beispiele von Greenwashing - übertriebene oder irreführende Umweltbehauptungen - verdeutlichen die Notwendigkeit für Investoren, beim Kauf von grünen Anleihen oder sonstigen nachhaltigen ESG-Produkten eine sorgfältige Prüfung vorzunehmen. Neben den bereits genannten Organisationen bieten auch Unternehmen eine Bewertung der Green Bonds an.
Darunter zum Beispiel Bloomberg L.P., Rating-Agenturen wie Moody's und andere spezialisierte Unternehmen, die sonst für das Rating der Kreditwürdigkeit von Staaten bekannt sind.
Europäische Union - EU Green Bonds Standard (EuGBS)
Die Europäische Union hat in letzter Zeit einige Gesetzte für Nachhaltigkeit und Umwelt verabschiedet, damit in der Welt der Investoren europäische Standards etabliert werden.
Start der neuen Green-Bonds-Verordnung
Seit dem 21. Dezember 2024 gilt in der EU die European Green Bonds-Verordnung. Sie legt verbindliche Anforderungen für die Emission von Anleihen fest, die als "European Green Bond" oder "Europäische Grüne Anleihe" bezeichnet werden. Ziel ist es, hohe ökologische Standards zu sichern und Verbrauchern sowie Investoren Orientierung bei grünen Investments zu bieten.
Unterschiedliche Regeln für die Offenlegungen, Transparenz und Bewertungskriterien erschweren die Identifizierung und den Vergleich ökologisch nachhaltiger Anleihen für Anleger und Emittenten. Der EuGBS legte einheitliche Anforderungen fest, um den Markt effizienter zu gestalten und die Kosten für die Bewertung zu senken.
Die Definition von ökologisch nachhaltigen Aktivitäten und damit erlaubten Investitionszielen von Green Bonds soll auf den Anforderungen der Verordnung (EU) 2020/852 basieren. Kriterien aus Artikel 3 sollen für die Einstufung von Wirtschaftstätigkeiten herangezogen werden.
Das Ziel der EU ist es, dass der Erlös aus europäischen Green Bonds dauerhaft positive Umweltauswirkungen hat, einschließlich verschiedener Finanzierungswege. Der Zeitraum für die Transformation, also die Verwendung von Vermögenswerten für grüne Projekte, sollte fünf Jahre nicht überschreiten, außer in bestimmten Fällen. Die ESMA (Europäische Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde) übernimmt die Registrierung und Beaufsichtigung externer Organisationen, die die Umsetzung des EU Green Bonds Standard bewerten.
Investieren in Green Bonds
Investitionen in Green Bonds werden häufig von institutionellen Anlegern getätigt, also von Einrichtungen wie Investmentfonds, Hedgefonds, Versicherungen und Stiftungen, die es sich leisten können, große Summen in Schuldtitel zu investieren. Für Privatanleger, die ihr festverzinsliches Portfolio mit ihrem Umweltbewusstsein und ihren Werten in Einklang bringen möchten, gibt es jedoch zahlreiche Investmentfonds und ETFs, die in Green Bonds investieren können oder alternative Produkte.
Während börsengehandelte Fonds (ETFs) ohne Weiteres über ein Maklerkonto oder eine Online-Brokerage-Plattform erworben werden können, ist es für Privatanleger schwierig, direkt in einzelne Green Bonds zu investieren. Ein Makler Ihrer Bank oder Ihres Depots kann Ihnen wahrscheinlich die Investition in einzelne Anleihen für Nachhaltigkeit problemlos vermitteln.
Aber um in die Green Bonds von Unternehmensemittenten zu investieren, müssen Sie möglicherweise Mindesteinlagen erfüllen und Verwaltungsgebühren bzw. Provisionen zahlen. Das lohnt sich allgemein erst für größere Investitionen.
Green Bonds ETFs
Die größten Green Bonds ETFs nach Fondsvolumen:
| Green Bonds ETF | WKN | Fondsgröße | Rendite YTD in % | Rendite 5 Jahre in % |
|---|---|---|---|---|
| iShares EUR Aggregate Bond ESG UCITS ETF EUR (Dist) | A0RGEN | 1.894 Mio EUR | + 1,90 | - 10,05 |
| Amundi Euro Government tilted Green Bond UCITS ETF Acc | A2H57U | 3.116 Mio EUR | + 0,94 | - 12,15 |
| iShares Global Aggregate Bond ESG UCITS ETF EUR Hedged (Acc) | A3CWP2 | 2.680 Mio EUR | - 0,36 | - 8,78 (3 Jahre) |
Der iShares EUR Aggregate Bond ESG UCITS ETF EUR (Dist) ist der größte ETF für Green Bonds mit einem Fondsvolumen von 1,89Mrd. Euro. Der ETF investiert nach dem „Bloomberg MSCI Euro Aggregate Sustainable and Green Bond SRI Index“ in weltweite ESG-geprüfte Unternehmensanleihen und Staatsanleihen. Schaut man sich die Zusammensetzung der Einzelpositionen an, findet man fast immer eine ISIN Liste von den einzelnen Green Bonds.
Die Börse Frankfurt veröffentlicht monatlich eine Liste mit allen Green Bonds ISIN Nummern und deren Namen. Die Verteilung des Kapitals ist meistens sehr ausgeglichen zwischen den einzelnen Positionen. Es finden sich viele Staatsanleihen von europäischen Ländern in den großen Green Bonds ETFs. Auch wenn viele Staaten das Thema Klimawandel und Nachhaltigkeit angehen, haben Anleger von Green Bonds wahrscheinlich keine Staatsanleihen als Erstes im Sinn. Bei den meisten Green-Bonds-Staatsanleihen werden „grüne Projekte“ durch Fremdkapital finanziert.
Neue Staatsanleihen mit höheren Zinsen bringen auch mehr Rendite, sodass viele Anleger die alten Staatsanleihen verkaufen und dadurch die Preise der alten Staatsanleihen fallen.
Green Bonds Deutschland - Platz 3 auf der Welt
Deutschland veröffentlicht jährlich einen Bericht zu der Verwendung der Gelder, den Allokationsbericht für Grüne Bundeswertpapiere (Bericht 2023). Deutschland hat im Jahr 2023 neue Green Bonds im Wert von 17,25 Mrd. Euro emittiert. Damit liegt das Emissionsvolumen um rund 3 Mrd. Euro höher als im Jahr zuvor. Insgesamt waren im Jahr 2023 Green Bonds im Wert von 55,75 Mrd. Euro im Umlauf. Damit ist Deutschland aktuell der zweitgrößte Emittent von Green Bonds in Europa. Nur die Europäische Investitionsbank (EIB) selbst hat mehr emittiert.
Deutschland selbst lässt ebenfalls von externen Beratern prüfen, ob die Projekte den grünen Standards entsprechen. Green Bonds der deutschen Bundesregierung werden für 5 Themenfelder eingesetzt.
Prozentualer Anteil des Emissionsvolumens von 2023:
- Verkehr (ca. 50 %)
- Internationale Zusammenarbeit (24 %)
- Forschung, Innovation und Information (8 %)
- Energie und Industrie (15 %)1234567890ß,m
- ist ist Land- und Forstwirtschaft sowie Naturlandschaften (4 %)
Green Bonds vs. Sustainable Bonds (Klimaanleihen)
Green Bonds ("Grüne Anleihen") und Sustainable Bonds ("Klimaanleihen") werden manchmal synonym verwendet, aber einige Behörden und Staaten verwenden den letzteren Begriff speziell für Projekte, die sich auf die Reduzierung von Kohlenstoffemissionen oder die Linderung der Auswirkungen des Klimawandels konzentrieren.
Die Climate Bonds Initiative ist eine Organisation, die versucht, einen Standard für die Zertifizierung von Klimaanleihen zu schaffen.
Alle Sustainable Bonds sind Green Bonds, aber nicht alle Green Bonds sind Sustainable Bonds.
Green Bonds vs. Blue Bonds (Blaue Anleihen)
Ebenfalls nachhaltig sind sogenannte Blue Bonds (Blaue Anleihen), indem Geld zur Finanzierung von Projekten zum Schutz des Meeres und der damit verbundenen Ökosysteme gesammelt wird. Insgesamt wird Green Bonds als Überbegriff benutzt, und Blue Bonds ist eine weitere Unterkategorie oder Spezialform von Green Bonds.
Dazu können Blue Bonds Projekte zur Förderung der nachhaltigen Fischerei, zum Schutz von Korallenriffen und anderen empfindlichen Ökosystemen oder zur Verringerung der Verschmutzung und Versauerung von Gewässern gehören.
Alle blauen Anleihen sind grüne Anleihen, aber nicht alle grünen Anleihen sind blaue Anleihen.
Thomas Breithaupt
Redakteur
Mit einer Leidenschaft für Technik- und Finanzthemen war der Schritt vom Physikstudium zum Wirtschaftsjournalismus vorprogrammiert. Das analytische Denkvermögen hilft, sachlich zu berichten und neben der Entwicklung von Software eine fundierte Berichterstattung zu erstellen. Zwischen den Recherchen hilft Sport dabei, einen klaren Kopf zu bewahren und hält fit für den Surfurlaub.