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Geldmarkt ETFs und Geldmarktfonds – Alternative zum Tagesgeldkonto

Autor: Thomas Breithaupt · Zuletzt aktualisiert: 27.10.25

Börse/Aktien · 8 Min. Lesedauer

Geldmarkt ETFs und Geldmarktfonds – Alternative zum Tagesgeldkonto - Titelbild

Angesichts einer Phase moderater Zinsen und einer zunehmenden Unsicherheit über Zins- und Liquiditätsentwicklung gewinnen Anlageformen wie Geldmarkt-ETFs und Geldmarktfonds wieder verstärkt an Bedeutung.

 

Für Anleger, die kurzfristig liquid bleiben wollen, sich aber nicht mit klassischen Tagesgeldkonten zufriedengeben möchten, ergeben sich interessante Möglichkeiten.

 

Im Folgenden wird erklärt, wie diese Produkte funktionieren, was sich im Vergleich zu früher verändert hat und worauf bei einer Entscheidung zu achten ist.

Was ist der Geldmarkt?

 

Der Geldmarkt bezieht sich auf den Handel mit sehr kurzfristigen Schuldverschreibungen. Es geht im Prinzip immer um einen Kredit, bei der eine Partei Geld verleiht und dafür Zinsen bekommt. Investoren profitieren dann von diesen Zinsen, die sich an dem Leitzins orientieren.

 

Auf der Großhandelsebene handelt es sich um großvolumige Geschäfte zwischen Institutionen und Händlern. Auf der Ebene der Privatkunden umfasst er Geldmarktfonds, die von Privatanlegern gekauft werden, und Geldmarktkonten, die von Bankkunden eröffnet werden. Damit ist der Geldmarkt ist eine der Säulen des globalen Finanzsystems.

 

Bei Großhandelstransaktionen werden über Nacht riesige Geldbeträge zwischen Banken und Regierungen getauscht, während bei den meisten Transaktionen auf dem Geldmarkt zwischen Finanzinstituten und Unternehmen getätigt werden.

 

Wer in Geldmarkt ETFs und Geldmarktfonds investieren möchte, sollte den Geldmarkt verstehen und wer daran teilnimmt. Zu den Institutionen, die am Geldmarkt teilnehmen, gehören Banken, die untereinander und an große Unternehmen auf dem Eurowährungs- und dem Festgeldmarkt Kredite vergeben, Unternehmen, die sich Geld beschaffen, indem sie Geldmarktpapiere auf dem Markt verkaufen, die von anderen Unternehmen, Fonds oder Banken gekauft werden können, und Anleger, die Einlagenzertifikate als sicheren Ort für die kurzfristige Geldanlage erwerben.

 

Einige dieser Großhandelstransaktionen gelangen schließlich als Bestandteile von Geldmarkt ETFs und Geldmarktfonds in die Hände der Verbraucher.

 

Die Rendite liegt meistens auf Höhe des Leitzinses, sodass sich Investitionen im Geldmarkt eher als Diversifikation oder zum sicheren Geld parken eignet. Seit dem Sommer 2022 ist diese Anlageform wieder interessanter geworden, da der Leitzins nicht mehr negativ oder Null ist. Auf dem Geldmarkt werden also folgende Finanzprodukte (Geldmarktpapiere) gehandelt:

 

  • Kurzfristige Staatsanleihen
  • Unternehmensanleihen
  • Schuldverschreibungen
  • Geldmarktbuchforderungen
  • Einlagenzertifikate
  • Commercial Papers

Wie funktionieren Geldmarkt ETFs?

 

Ein Geldmarkt-ETF ist ein börsengehandelter Fonds, der hauptsächlich in kurzfristige Geldmarktinstrumente investiert.

 

Wichtige Punkte:

 

  • Kauf und Verkauf über die Börse – Liquidität ähnlich wie bei Aktien
  • Investition in hochliquide, kurzfristige Titel mit geringer Restlaufzeit

 

Ziel: Rendite nahe dem Geldmarkt-Referenzzins (z. B. €STR) abzüglich Kosten
Im Euroraum lag der €STR Mitte/Spätsommer 2025 bei etwa 1,92 % (Stand Ende Oktober 2025: ca. 1,929 %).

 

Vorteile: ermöglicht Nutzung kurzfristiger Zinsniveaus, mehr Flexibilität als Festgeld

 

Risiken: Auch wenn vergleichsweise gering, sind Kurs- oder Liquiditätsrisiken nicht völlig ausgeschlossen; Gebühren und Handelskosten können ins Gewicht fallen.

Geldmarkt ETFs

 

Geldmarkt ETFs (Exchange Traded Funds – börsengehandelte Fonds) sind börsengehandelte Fonds, die in Geldmarktinstrumente investieren und ohne Ausgabenaufschlag erworben werden können. Sie bieten den Vorteil der täglichen Liquidität, da sie wie Aktien an der Börse gehandelt werden und damit keine feste Laufzeit haben.

 

Trotzdem profitieren Geldmarkt ETFs von der aktuellen Höhe des Leitzinses und bilden den Marktzins 1:1 ab. Die hohe Liquidität an der Börse garantiert eine ähnliche Flexibilität wie ein Tagesgeldkonto, zu einem ähnlichen, meist sogar besseren Zins. Lediglich durch die Kauf- und Verkaufsprovision des Brokers, fallen höhere Gebühren an.

 

Ein signifikanter Vorteil von Geldmarkt ETFs ist die Transparenz. Die Zusammensetzung des Fondsportfolios ist jederzeit einsehbar, was Anlegern ermöglicht, genau zu verstehen, in welche Instrumente ihr Kapital investiert wird. Außerdem sind die Gebühren niedriger als bei aktiv verwalteten Geldmarktfonds, da sie oft einen passiven Anlageansatz verfolgen und einen Geldmarktindex nachbilden.

 

Die laufenden Kosten liegen in der Regel bei 0,1 bis 0,3 % p.a. Daher liegt die durchschnittliche Rendite etwas höher als beim klassischen Tagesgeldkonto.

 

Ein Nachteil von Geldmarkt ETFs kann das Marktpreisrisiko sein. Da sie an Börsen gehandelt werden, können ihre Preise täglichen Schwankungen unterliegen. Dies bedeutet, dass der Wert des investierten Kapitals kurzfristig sinken kann, auch wenn solche Schwankungen bei Geldmarktprodukten in der Regel geringer sind als bei Aktien oder Anleihen.

 

Die EZB, Fed und weitere Zentralbanken kündigen eine Zinsänderung immer vorher an, sodass man meistens ein paar Wochen Zeit hat, um einem Handelstag mit starken Schwankungen aus dem Weg zu gehen. Geldmarkt ETFs gelten als relativ Krisenfest und haben ein geringes Ausfallrisiko. Ein ähnliches Produkt sind Exchange Traded Notes (ETNs), die in Inhaberschuldverschreibungen investieren.

Wie funktionieren Geldmarktfonds?

 

Geldmarktfonds investieren ebenfalls in kurzfristige Geldmarktinstrumente, mit einigen Unterschieden zu ETFs:

 

  • Meist nicht börsengehandelt im klassischen Sinne
  • Rückgabe erfolgt über die Fondsgesellschaft oder Bank
  • Häufig aktives Management und daher etwas höhere Kosten
  • EU-Verordnung begrenzt z.B. die Laufzeit der Zielpapiere auf maximal rund 397 Tage
  • Laut aktuellen Untersuchungen lag die durchschnittliche 7-Tage-Rendite europäischer „AAAm“ Geldmarktfonds im Jahr 2025 bei etwa 2,46 %. 

 

Vorteil: etwas komfortabler Zugang, kein unmittelbarer Börsenkurs nötig.

Nachteil: etwas geringere Transparenz, ggf. weniger schnelle Handelsmöglichkeiten.

Geldmarktfonds

 

Geldmarktfonds investieren in ähnliche Instrumente wie Geldmarkt ETFs, besitzen aber einige Unterschiede. Die EU hat im Jahr 2017 genau festgelegt, in welche Produkte ein Geldmarktfonds investieren darf. Nach dieser EU Verordnung darf die Laufzeit der Finanzprodukte nicht länger als 397 Tage sein, also höchstens rund ein Jahr und 32 Tage.

 

Die Anteile des Geldmarktfonds werden nicht an der Börse gehandelt, sondern direkt beim Fonds oder über ein Finanzinstitut gekauft und verkauft. Dies bedeutet, dass der Handel nicht in Echtzeit erfolgt und die Transaktionen bis zum nächsten Bewertungstag des Fonds dauern können. Geldmarktfonds sind aber trotzdem eine sichere Investition am Geldmarkt und versprechen einen etwas höheren Zins als das Tagesgeldkonto.

 

Allerdings haben Geldmarktfonds in der Regel höhere Gebühren als Geldmarkt ETFs, vor allem wenn sie aktiv verwaltet werden. Dazu ist die Liquidität meistens geringer als bei den börsengehandelten Geldmarkt ETFs, da der Handel nicht so schnell und flexibel ist. Dennoch kann die Liquidität bei kleinen ETFs geringer sein, als bei großen Geldmarktfonds.

 

Die EU Verordnung schreibt auch eine Verteilung des Anlagekapitals vor, damit eine hohe Krisenfestigkeit garantiert werden kann. Aktive Geldmarktfonds haben also gar nicht so viel mehr Spielraum, als ein Geldmarkt ETF.

 

Geldmarktnahe Fonds


Daher gibt es noch eine Nebenkategorie, die sogenannten geldmarktnahen Fonds. Diese legen das Geld auch in Anleihen mit längerer Laufzeit an und gelten daher nicht als Geldmarktfonds. Die Rendite ist meistens höher, dafür aber auch das Risiko. Die letzte Krise hat gezeigt, wie genau die EU darauf geachtet hat, den Leitzins langsam zu erhöhen.

 

Daher kann man auch annehmen, dass der Leitzins genauso langsam wieder niedriger wird, wenn die Zinswende einsetzt. Bei Anlagen mit langer Laufzeit ist dann das Risiko deutlich höher, wenn der Leitzins wieder anfängt Richtung Null zu gehen.

Alternative zum Tagesgeldkonto – was hat sich geändert?

 

Im Vergleich zum klassischen Tagesgeldkonto hat sich Folgendes getan:

 

  • Der Referenzzins im Euroraum (€STR) liegt nicht mehr im Hochzins-Bereich von einigen Prozentpunkten wie in früheren Jahren; Mitte/Ende 2025 bei etwa 1,929 %.
  • Tagesgeldzinsen für Privatanleger sind vielerorts zwar gestiegen, liegen aber häufig deutlich unter dem möglichen Niveau von Geldmarkt-Produkten (in Europa oftmals unter 1 % bis 1,5 %).
  • Geldmarkt-ETFs bzw. Geldmarktfonds können aktuell eine attraktive Liquiditätsreserve bilden – flexibler als Festgeld, potenziell bessere Rendite als Tagesgeld, jedoch nicht ohne Einschränkungen.
  • Einlagensicherung gilt beim Tagesgeld (oft bis 100.000 Euro), bei Fondsprodukten hingegen nicht in gleicher Weise – hier gilt Sondervermögensschutz, kein klassischer Einlagen-Garant.
  • Wichtig: In einem Umfeld mit möglicherweise sinkenden Zinsen (z.B. wenn Zentralbanken lockern) reagieren Geldmarktprodukte schneller nach unten – das Risiko der Rückgänge bei Rendite ist vorhanden.

Was spricht dafür – und was dagegen?

 

Vorteile

 

  • Möglichkeit, Renditen nahe dem Referenzzins (~1,9 % im Euroraum) zu erzielen – deutlich über vielen Tagesgeldern
  • Gute Flexibilität und Liquidität (insbesondere bei ETFs)
  • Geringeres Risiko als langfristige Anleihen oder Aktienanlagen – geeignet als „Parkposition“
  • Kosteneffizienter Zugang zu Geldmarkt-Segmenten

Nachteile

 

  • Kein klassischer Einlagenschutz wie bei Bank-Tagesgeld
  • Rendite-Niveau nicht hoch – im aktuellen Umfeld eher moderat
  • Bei Zinsrückgängen reagieren Geldmarktprodukte schnell; Anleger müssen mit sinkenden Renditen rechnen
  • Für sehr kleine Beträge können Order- oder Depotkosten beim ETF-Kauf den Nutzen schmälern

Aktuelle Marktdaten & Auswahlkriterien 

 

Der €STR liegt aktuell bei ca. 1,929 % im Euroraum (Stand 23.10.2025). 

 

Europäische Geldmarkt-ETFs verzeichnen weiterhin Zuflüsse: Im ersten Halbjahr 2025 waren Nettozuflüsse bei Geldmarkt-ETFs ca. + 10,8 Mrd. EUR. 

 

In den USA liegen aktuelle Geldmarktfonds-Renditen deutlich höher (z.B. 7-Tage-Yield > 4 %) – exemplarisch: iShares Prime Money Market ETF (Ticker PMMF) mit 1-Tages-Yield ca. 4,19 % (Stand 24.10.2025) 


Auswahlkriterien für Anleger: Kostenquote (TER), Währungsrisiko (bei Nicht-EUR-Produkten), Mindestanlage/Handelskosten, Liquidität des Produkts, Art der Verwaltung (aktiv vs. passiv).

Fazit

 

Für Anleger, die kurzfristig liquides Kapital parken möchten und bereit sind, etwas mehr Rendite als beim klassischen Tagesgeld zu akzeptieren – jedoch bei begrenztem Risiko – bieten Geldmarkt-ETFs und Geldmarktfonds eine sinnvolle Alternative. Im Eurosystem liegt das Referenzzinsniveau derzeit bei rund 1,9 %.

 

Wichtig bleibt: Diese Anlageformen ersetzen nicht vollständig Tagesgeldkonten – insbesondere wenn Einlagensicherung, maximale Sicherheit und keine Börsenkurse im Vordergrund stehen. In einem Umfeld mit sinkenden Zinsen ist die Chance auf hohe Renditen begrenzt, dafür bleibt die Liquiditätsreserve aktiv verfügbar.

 

Kurz gesagt: Geldmarkt-ETFs/-fonds können ein Baustein einer Liquiditätsstrategie sein, nicht die alleinige Lösung.


Thomas Breithaupt

Thomas Breithaupt

Redakteur

Mit einer Leidenschaft für Technik- und Finanzthemen war der Schritt vom Physikstudium zum Wirtschaftsjournalismus vorprogrammiert. Das analytische Denkvermögen hilft, sachlich zu berichten und neben der Entwicklung von Software eine fundierte Berichterstattung zu erstellen. Zwischen den Recherchen hilft Sport dabei, einen klaren Kopf zu bewahren und hält fit für den Surfurlaub.

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