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Exchange Traded Notes (ETNs) - börsengehandelte Inhaberschuldverschreibungen

Autor: Thomas Feldhaus · Zuletzt aktualisiert: 28.03.24

Finanzen Kryptowährungen Edelmetalle Börse/Aktien · 8 Min. Lesedauer

Exchange Traded Notes (ETNs) - börsengehandelte Inhaberschuldverschreibungen - Titelbild

Eine Exchange Traded Note (ETN) ist eine Investition in Schulden oder besser gesagt in börsengehandelte Inhaberschuldverschreibungen, ähnlich wie eine Anleihe. Es handelt sich um eine unbesicherte Schuldverschreibung, die von einer Bank ausgegeben wird, und bildet einen Basiswert eins zu eins nach. ETNs bieten Anlegern enorme Möglichkeiten in jedem Marktbereich, jedoch bringen die Schuldverschreibung auch ein Risiko mit sich.

Was ist die Übersetzung von Exchange Traded Notes?

Exchange Traded Notes (ETNs) bedeutet auf Deutsch übersetzt börsengehandelte Inhaberschuldverschreibungen.

Exchange Traded Notes einfach erklärt

 

Was genau ist eine Exchange Traded Note? Es gibt nicht nur beim Namen einige Parallelen zu den bekannten ETFs. Wie ein ETF kann eine ETN an einer Börse gekauft oder verkauft werden, denn er ist börsennotiert. Bei börsengehandelten Inhaberschuldverschreibungen (ETNs) handelt es sich um unbesicherte Schuldtitel, die einen zugrunde liegenden Wertpapierindex abbilden. Exchange Traded Notes sind ähnlich wie Anleihen, haben aber keine Zinszahlungen. Bei Fälligkeit zahlen Exchange Traded Notes die Rendite des Index, den er abbildet. ETNs sind im Gegensatz zu ETFs kein Sondervermögen und genießen daher keinen besonderen Insolvenzschutz.  


Exchange Traded Notes werden in der Regel von Finanzinstituten ausgegeben und orientieren sich an einem Marktindex für die Rendite. Erste ETNs emittierte 2006 die britische Barclays Bank PLC. Bei Fälligkeit einer Exchange Traded Note kassiert das Finanzinstitut Gebühren und zahlt dem Anleger dann auf der Grundlage der Performance des zugrunde liegenden Index Bargeld aus. Da die Inhaberschuldverschreibungen wie Aktien an großen Börsen gehandelt werden, können Anleger ETNs kaufen und verkaufen und aus der Differenz zwischen Kauf- und Verkaufspreis abzüglich etwaiger Gebühren Geld verdienen.


Im Gegensatz zu ETFs besitzen die Exchange Traded Notes keine Wertpapiere des abgebildeten Index. Ein ETF, der zum Beispiel den S&P 500 abbildet, besitzt alle 500 Aktien des S&P. Exchange Traded Notes verschaffen den Anlegern kein Eigentum in Form von Wertpapieren, sondern sie erhalten lediglich die Rendite, die der Index erwirtschaftet. Die Anleger müssen darauf vertrauen, dass der Emittent die auf dem zugrunde liegenden Index basierende Rendite ausschüttet (Kontrahentenrisiko). Die meisten ETNs halten aber Sicherheiten, um das Kapital der Anleger abzusichern. Diese Sicherheiten müssen aber nicht direkt mit dem Index des ETNs im Zusammenhang stehen, das bedeutet ein Gold ETN kann zum Beispiel durch Immobilien abgesichert werden.

 

Seit 2020 können ETNs auch über die Handelsplätze der Deutschen Börse gehandelt werden.

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Exchange Traded Notes im Detail

 

Rendite von Exchange Traded Notes

Die Renditen von ETNs sind an die Performance eines Index, einen Marktbenchmark oder eine Marktstrategie gebunden, abzüglich der Anlegergebühren. Wenn die Inhaberschuldverschreibungen bis zum Fälligkeitsdatum gehalten werden, erhält der Besitzer/Anleger eine Barzahlung, die an die Wertentwicklung des entsprechenden Index über einen Zeitraum gebunden ist.

 

Exchange Traded Products (ETP)

  • ETC - Exchange Traded Commoditie
  • ETC - Exchange Traded Currency
  • ETN - Exchange Traded Note
  • ETF - Exchange Traded Fund

 

In der Finanzwelt gibt es noch ein weiteres börsengehandeltes Finanzprodukt (ETP - Exchange Traded Product) neben ETNs und ETFs. Die Exchange Traded Commodities/Currencies (ETCs) sind genau genommen auch ETNs und daher eine Erwähnung wert im Zusammenhang mit Exchange Traded Notes. Der Übersetzung entsprechend bilden Exchange Traded Commodities Rohstoffe und Exchange Traded Currencies Währungen ab.


Beide ETCs sind nicht an die UCITS-Richtlinien gebunden und dürfen daher ein höheres Kontrahentenrisiko haben als synthetische ETFs. Dadurch haben Anleger und Emittenten mehr Freiheiten und Chancen bei einem höheren Risiko, sodass das genaue Risiko bei nicht UCITS ETPs genauer betrachtet werden muss.

 

Synthetische ETFs vs. Exchange Traded Notes

 

Synthetische ETFs bilden einen Index nach und sind eine weitverbreitete Index-Replikationsmethode, neben der physischen Nachbildung für ETFs. Die Vor- und Nachteile der Index Replikationsmethoden können sie hier genauer nachlesen. Exchange Traded Notes sind den synthetischen ETFs insofern ähnlich, als sie an einer zentralen Börse gehandelt werden und einen Referenzindex abbilden. Es gibt jedoch einige Unterschiede:

 

ETNs sind vorrangige unbesicherte Schuldtitel, die von Banken/Finanzinstituten ausgegeben werden und den Anlegern eine Wette auf die Entwicklung des Index bieten. Obwohl einige ETNs physisches Gold, Kryptowährungen oder andere Sicherheiten halten, ist der Anleger im Gegensatz zu einem ETF, nicht der Besitzer der Sicherheiten.

 

Eine ETN zahlt keine Dividenden oder andere jährliche Zahlungen aus. Eine Exchange Traded Note verspricht nur, bei Fälligkeit den vollen Wert des Index abzüglich etwaiger Verwaltungsgebühren auszuzahlen. Ähnlich wie bei jedem anderen Schuldtitel, so auch bei einem synthetischen ETF, unterliegt der Anleger dabei dem Kontrahentenrisiko des Emittenten. 

 

Die meisten synthetischen ETFs halten sich an den UCITS-Standard, die den Anlegern mehr Sicherheit gibt. ETNs sind für den Standard qualifiziert und dürfen UCITS angeben, wenn alle Vorgaben erfüllt sind, müssen dies aber nicht.

 

ETNs und Kryptowährungen


Die meisten der heute gehandelten ETNs beziehen sich auf Kryptowährungen. Da ETNs nur einen Wert exakt abbilden können, sind sie dafür besonders geeignet. Im Gegensatz zu Direktinvestments in Kryptowährungen können ETNs im normalen Börsenhandel gekauft und verkauft werden. Eine digitale Geldbörse oder der Handel auf unregulierten Plattformen entfällt. Als Anleger kann man so direkt von der Wertentwicklung von Kryptowährungen profitieren, ohne diese zu besitzen.

Durch die europäischen UCITS-Richtlinien gibt es in vielen Ländern keine Krypto-ETFs. Daher ist eine Exchange Traded Note für Kryptowährungen häufig die einzige Alternative. Ein Krypto-ETN macht die Investition einfach ohne technisches Verständnis für Wallets oder Ähnliches zu haben.
Durch die europäischen UCITS-Richtlinien gibt es in vielen Ländern keine Krypto-ETFs. Daher ist eine Exchange Traded Note für Kryptowährungen häufig die einzige Alternative. Ein Krypto-ETN macht die Investition einfach ohne technisches Verständnis für Wallets oder Ähnliches zu haben.

Vorteile von Exchange Traded Notes

 

Steuern

Da es bei Exchange Traded Notes keine Zinszahlungen oder Dividendenausschüttungen gibt, fällt die jährliche Steuer dafür weg. Kapitalgewinne (oder -verluste) werden realisiert, wenn ein Anleger den ETN verkauft oder die Schuldverschreibung fällig wird, erst dann muss eine Kapitalertragssteuer gezahlt werden.

 

Jedoch gibt es für bestimmte ETNs eine Ausnahme, sodass die Gewinne 100 % steuerfrei sind. In Deutschland gilt für Gold ETCs und Krypto-ETCs, dass die Kursgewinne nach einem Jahr Haltedauer steuerfrei realisiert werden können, wenn die Exchange Traded Note bzw. der Anbieter dahinter die Güter besitzt und damit eine physische Auslieferung möglich wäre. Das Bundeswirtschaftsministerium hat dies in einem öffentlichen Schreiben noch einmal bestätigt und klargestellt. Daher hält ein Großteil der ETNs an der Frankfurter Börse in Deutschland die Rohstoffe.

 

Auf Futures und Hebelprodukte gilt jedoch die Abgeltungssteuer von pauschal 25 %.

 

Anlagemöglichkeiten, Nischen und neue Märkte

Exchange Traded Notes können eine Vielzahl von Produkten aus den nachfolgenden Kategorien abbilden:

 

 

Ein gutes Beispiel für ein komplexes Hebelprodukt ist der MicroSectors FANG+ Index 3X Leveraged ETN (FNGU). Der ETN bildet 10 der dynamischsten Tech-Aktien, darunter Facebook (FB) und Netflix (NFLX), ab und versucht, die dreifache tägliche Rendite dieser Titel zu erzielen. Dieser Multiplikatoreffekt wird durch die Wörter „3X“ und „Leveraged“ im Namen angezeigt.

 

Kein Tracking Error

ETNs bieten Anlegern einen breit angelegten Index ohne Tracking Error, wodurch der Unterschied zwischen den Renditen vieler börsengehandelter Fonds und der ihnen zugrunde liegenden Indizes beseitigt werden. Als synthetisches Produkt müssen Exchange Traded Notes keine Rendite durch Besitz erzielen, sondern bekommen die genaue Rendite durch einen Gläubiger (meistens eine Bank) ausgezahlt, abzüglich der laufenden Kosten. Ein Tracking Error liegt häufig im Bereich von 0,1 Prozent pro Jahr oder weniger und ist daher für kleine Portfolios unbedeutend. Ist der gesamte Markt oder nur der zugrunde liegende Index sehr volatil, ist der Tracking Error häufig größer.

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Nachteile von Exchange Traded Notes

 

Kontrahentenrisiko - Zahlungsausfall

ETNs unterliegen als Schuldtitel dem Risiko eines Ausfalls der emittierenden Bank als Gegenpartei. Dies ist der Hauptunterschied zwischen ETFs und ETNs, wobei es bei synthetischen ETFs ebenfalls ein Kontrahentenrisiko gibt. Ähnlich wie bei synthetischen ETFs, legen viele Exchange Traded Notes ein Sicherheiten-Portfolio an, um die Investitionen abzusichern und besitzen teilweise auch das physische Produkt, das abgebildet wird. Als ETN Besitzer wird man jedoch nachrangig bedient, sollte es zum Zahlungsausfall kommen.

 

Unnötige Steuern

Steuern zählen bei Exchange Traded Notes zu den Vor- und Nachteilen. Während eine ETN für Kryptowährungen steuerfrei sein kann, gibt es auch Hebelprodukte für Kryptowährungen, die dann nicht mehr steuerfrei sind. Ebenso muss die Mindesthaltedauer von einem Jahr beachtet werden, damit ETNs steuerfrei bleiben. Ansonsten kann es zu unnötigen Steuern kommen, welche die Rendite schmälern.

 

Wenige Liquidität

Exchange Traded Notes machen nur einen Bruchteil im Gegensatz zu ETFs aus, gemessen an dem Handelsvolumen. Daher kann es schwierig werden, einen guten Preis an der Börse zu erzielen, insbesondere wenn man größere Volumen handeln möchte. Einige ETNs werden an manchen Tagen so gut wie gar nicht gehandelt, während andere mehrere Millionen am Tag mal gehandelt werden.

 

Rating der Bank

Die Krise mit der Schweizer UBS Bank hat gezeigt, dass auch große Kreditinstitute Probleme bekommen können. Angenommen, die emittierende Bank wurde von einer Krise nur geringfügig negativ beeinflusst, sodass die Rating-Agenturen die Gesamtkreditwürdigkeit der Bank herabstufen. Bei ETNs handelt es sich um Inhaberschuldverschreibungen, sodass Anleger zu Gläubigern werden und somit Kreditgeber für eine Bank mit schlechtem Rating sind.


Thomas Feldhaus

Thomas Feldhaus

Chefredakteur

Wirtschaftsjournalist mit Faible für Unternehmensverantwortung und Leidenschaft für Radsport.

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