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Wasserstoff Aktien und ETFs - Lohnenswerte Investition oder nur Hype?

Autor: Thomas Breithaupt · Zuletzt aktualisiert: 29.01.24

Börse/Aktien Nachhaltigkeit · 10 Min. Lesedauer

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Wasserstoff ist zwar nicht leicht zu finden oder zu produzieren, aber eine sauberere Energiequelle als fossile Brennstoffe und mit Potenzial für Anleger durch Wasserstoff Aktien und ETFs. Mehrere Unternehmen arbeiten hart daran, das enorme Potenzial zu nutzen und einige davon sind bereits an der Börse vertreten. Die Anzahl der Unternehmen ist noch gering, sodass reine Wasserstoff ETFs wenig diversifiziert sind. Wer sich mit dem Thema Wasserstoff bereits auskennt und sich direkt die Wasserstoff Aktien und ETFs angucken möchte, kann die Ersten drei Kapitel überspringen oder im Inhaltsverzeichnis direkt dorthin springen.

Wissenswertes bevor man in Wasserstoff Aktien und ETFs investiert

 

Bevor man in Wasserstoff Aktien oder ETFs investiert, sollte man die Technologie grundlegend verstehen und das Potential einschätzen können. Es ist ebenfalls sinnvoll zu wissen, welche Bereiche von Wasserstoff profitieren und wo es in Zukunft noch eingesetzt werden kann. Idealerweise wird Wasserstoff zu 100 % klimaneutral hergestellt, aber übergangsweise sind andere Herstellungsverfahren bereits eine sinnvolle Umstellung. Mit Wasserstoff ETFs investiert man in den gesamten Wirtschaftsbereich, sodass sie auch als Sektor ETFs bezeichnet werden. Der Wasserstoffsektor ist noch nicht sehr groß, sodass es wenige Unternehmen gibt und ein Wasserstoff ETF mehr Risiko hat als ein breiter Welt ETF.

 

Deutschland und andere Länder investieren in die Infrastruktur, um Wasserstoff flächendeckend zum Einsatz zu bringen und subventionieren die Technologie. Dazu ist es notwendig viele Prozesse umzustellen und damit ein lückenloser Betrieb möglich ist, können sich Industriebetriebe nicht nur auf klimaneutralen Wasserstoff verlassen. Betriebe müssen wirtschaftlich sein und kaufen oftmals den günstigsten Wasserstoff auf dem Markt ein, unabhängig davon, wie dieser hergestellt wurde. Wasserstoff fördert die Nachhaltigkeit und ist gut für die Umwelt, aber es gibt auch noch andere nachhaltige Aktien und ETFs.

 

Auch wenn „dreckiger“ Wasserstoff benutzt wird, hat es den Vorteil, dass die Infrastruktur für Wasserstoff bereits aufgebaut wird. Sobald klimaneutraler Wasserstoff wettbewerbsfähig genug ist, um den schlechten Wasserstoff vom Markt zu drängen, können die Unternehmen sofort auf eine 100 % klimaneutrale Energiequelle setzen. Ob klimaneutraler Wasserstoff durch technologischen Fortschritt oder politische Maßnahmen wettbewerbsfähig wird, ist abzuwarten. Eine Kombination aus beiden ist in Deutschland aber sehr wahrscheinlich, da in anderen Bereichen ebenfalls viele Subventionen und Steuern zu diesem Zwecke eingesetzt werden.

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Herstellungsprozesse für Wasserstoff: Farben erklärt

 


Es gibt verschiedene Möglichkeiten, Wasserstoff zu erzeugen. Bei einigen Verfahren fällt Kohlendioxid als Nebenprodukt an, wenn Wasserstoff aus chemischen Verbindungen abgetrennt wird, einige nutzen die Elektrolyse, um Wasser in Wasserstoff und Sauerstoff zu spalten. Bei der Herstellung von Wasserstoff werden häufig Seltene Erden und Technologiemetalle benötigt. Scandiumoxid wird sowohl bei der Herstellung, als auch beim Verbrauch von Wasserstoff in Brennstoffzellen eingesetzt.

 

  • Grüner Wasserstoff wird durch Elektrolyse von Wasser unter Verwendung von erneuerbarem Strom hergestellt. Er wird deshalb als grün bezeichnet, weil bei der Herstellung keine CO₂-Emissionen entstehen.
  • Orangener Wasserstoff wird durch Elektrolyse von Wasser unter Verwendung von Strom aus Biomasse oder Müllheizkraftwerke. Dabei entstehen schädliche Abgase, sodass die Methode nicht als 100 % klimaneutral gilt.
  • Roter/Violetter Wasserstoff wird durch Elektrolyse von Wasser mit Strom aus Kernkraft und Wärme kombiniert (Chemothermie) gewonnen.
  • Blauer Wasserstoff wird aus fossilen Brennstoffen gewonnen, aber das CO₂ wird abgeschieden und unterirdisch gespeichert (Kohlenstoffbindung). Die Unternehmen versuchen auch, den abgeschiedenen Kohlenstoff zu nutzen, was als Kohlenstoffabscheidung, -speicherung und -nutzung bezeichnet wird.
  • Grauer Wasserstoff wird aus fossilen Brennstoffen hergestellt und verwendet in der Regel das Verfahren der Methan-Dampfreformierung. Bei diesem Verfahren wird Methan zu Wasserstoff und CO₂ aufgespalten und der Kohlendioxid in die Atmosphäre gelassen.
  • Schwarzer oder brauner Wasserstoff wird aus Kohle hergestellt und nutzt die Dampfreformierung, wie grauer Wasserstoff. Die Farben schwarz und braun beziehen sich auf die Steinkohle (schwarz) und die Braunkohle (braun).
  • Türkiser Wasserstoff kann durch die thermische Spaltung von Methan mittels Methanpyrolyse gewonnen werden. Bei diesem Verfahren wird der Kohlenstoff in fester Form anstelle von CO₂-Gas entfernt und gilt daher als klimaneutral, wenn bei der Herstellung Strom aus erneuerbaren Energien eingesetzt wird und der Kohlenstoff danach nicht zu CO₂ verbrannt wird.

Verwendung von Wasserstoff in Industrie, Transport und zur Wärmeerzeugung

 

Wasserstoff-Brennstoffzellen funktionieren ähnlich wie Batterien, indem sie durch eine elektrochemische Reaktion Strom erzeugen. Anstatt wie eine herkömmliche Batterie aufgeladen zu werden, werden Wasserstoff-Brennstoffzellen mit mehr Wasserstoff nachgefüllt. Wasserstoff-Brennstoffzellen können für den Antrieb von Fahrzeugen (Autos, Züge, Busse, Seeschiffe und Lastwagen) und als stationäre Energiequelle eingesetzt werden.

 

Verbrennung von Wasserstoff wird derzeit in industriellen Prozessen, als Raketentreibstoff, zum Antrieb von Fahrzeugen oder zur Erzeugung von Wärme verwendet. Die Betreiber mehrerer Kraftwerke erforschen den Einsatz von Wasserstoff als Ergänzung oder Ersatz für Erdgas.

 

Energiespeicher durch Wasserstoffproduktion könnte eine wichtige Technologie zur Klimaneutralität werden. Wasserstoff kann als Gas oder Flüssigkeit gespeichert werden, aber der Wirkungsgrad bei der Umwandlung von Strom zu Wasserstoff ist dabei sehr viel schlechter als bei der Stromspeicherung in Batterien oder anderen Methoden wie zum Beispiel einem Pumpspeicherkraftwerk.

 

Lagerung von Wasserstoff ist entscheidend, um den Energieträger langfristig zu nutzen und zu transportieren. Wasserstoff kann als Gas in großen Mengen in natürlichen geologischen Formationen - Salzkavernen, ausgekleideten Hartgesteinshöhlen oder alten Minen, erschöpften Erdöl- und Erdgasfeldern und Aquiferen - gespeichert werden. Gasförmiger Wasserstoff kann auch in relativ kleinen Mengen in stationären oder tragbaren Drucktanks und in speziellen Wasserstoffpipelines gespeichert werden. Die Gasspeicherung ist derzeit die am weitesten verbreitete und die wahrscheinlichste Option für die Ausweitung der Wasserstoffspeicherung für die meisten Verwendungszwecke von Wasserstoff als Energiequelle.

 

Wasserstoff kann durch Abkühlung auf unter -253 °C verflüssigt werden. Der verflüssigte Wasserstoff kann in unterkühlten (kryogenen) Tanks für Transportanwendungen in Brennstoffzellenfahrzeugen oder direkt als Treibstoff in Lkw-, Bahn-, Schiffs- und Raketenmotoren gespeichert werden - die NASA verfügt über die beiden größten Flüssigwasserstoffspeicher der Welt. Die Verflüssigung von Wasserstoff und die Speicherung von flüssigem Wasserstoff ist ein energieintensiver und teurer Prozess. Es gab Diskussionen über den Energieexport aus der Wüste durch flüssigen Wasserstoff, aber ein mehrere tausend Kilometer langes Stromkabel scheint die wirtschaftlich bessere Alternative zu sein.

Wasserstoff Aktien und ETFs
Wasserstoff Aktien und ETFs

Die 3 besten Wasserstoff ETFs

 

Laut ETF.com gibt es drei reine Wasserstoff ETFs, auf justETF sind es 7 ETFs von 6 Indizes und auf extraETF werden 5 verschiedene Wasserstoff ETFs aufgelistet. Alle Wasserstoff ETFs zusammen haben ein Fondsvolumen von etwa 500 Mio. Euro. Es gibt jedoch eine Gemeinsamkeit im Wasserstoff-Sektor, die Rendite. Denn diese war in den letzten 12 Monaten bei allen Wasserstoff ETFs negativ. Das liegt zum einen an der schlechten Diversifizierung der ETFs, da es einfach nicht viele Wasserstoff Aktien auf dem Markt gibt. Die Wasserstoff ETFs halten nur zwischen 17 und 55 Wasserstoff Einzelaktien. Damit liegen die Wasserstoff ETFs deutlich unter anderen ETFs, die in der Regel immer in mehrere hundert Aktien investieren. Der beliebte Welt ETF investiert zum Beispiel in 1.485 Unternehmen.

 

 

Beste Rendite - Amundi Global Hydrogen ESG Screened UCITS ETF EUR Acc

 


Der Amundi Global Hydrogen ESG Screened UCITS ETF EUR Acc (WKN: A1C7AK) ist einer der wenigen Wasserstoff ETFs, der eine positive Rendite in der Vergangenheit hatte. Seit seiner Gründung am 5. Oktober 2010 hat der ETF um 127 % zugelegt. Der größte Kurseinbruch war Mitte März 2020 und hat relativ dem Tiefpunkt sogar um 210 % zugelegt. In den letzten 12 Monaten ist der Kurs um 10 % gestiegen, während es in den letzten 3 Jahren 92 % waren. Die meisten anderen Wasserstoff ETFs sind zu jung, um diese Zeiträume zu vergleichen, aber in den letzten 12 Monaten war die Kursentwicklung aller anderen Wasserstoff ETFs negativ. Die Top Positionen in dem Wasserstoff ETF mit der besten Rendite sind:

 

  • Air Liquide (5,88 %)
  • Linde (5,83 %)
  • Engie Sa (5,71 %)
  • Mitsubishi Heavy Industires (5,51 %)
  • Iberdrola (5,49 %)
  • Air Products & Chemicals (5,32 %)
  • Cummins (5,13 %)
  • LG Chem Ltd. (5,05 %)

 

Größtes Fondsvolumen - L&G Hydrogen Economy UCITS ETF USD Acc

 


Der L&G Hydrogen Economy UCITS ETF USD Acc (WKN:A2QMAL) ist mit 390 Mio. Euro der größte Wasserstoff ETF auf dem Markt. Seit seiner Auflage am 21. Februar 2021 ist der L&G Hydrogen Economy ETF um 50 % gefallen. Es gab zwischenzeitlich kurze Aufschwünge, aber der Trend war bisher eindeutig. Der thesaurierende ETF investiert mit laufenden Kosten (TER) von 0,49 % in 27 Einzelaktien. Die größten Positionen sind:

 

  • Bloom Energy
  • Siemens Energy
  • Orsted
  • WeiChai Power
  • Hyundai Motor

 


Beste Diversifizierung - Invesco Hydrogen Economy UCITS ETF Acc

 

Der Invesco Hydrogen Economy UCITS ETF Acc (WKN: A3DP7T) ist mit einem Fondsvolumen von 2 Mio. Euro sehr klein und wurde erst am 7. September 2022 aufgelegt. Kein anderer Wasserstoff ETF investiert in so viele Unternehmen wie der Invesco Hydrogen Economy. Die Top 10 der 55 Unternehmen machen nur 23 % des Fondsvolumens aus und die Verteilung nach Ländern ist ebenfalls gut diversifiziert. Unternehmen in den USA bekommen 16,5 %, in Deutschland 10,5 %, in Südkorea 9,8 % und in Frankreich 9,5 % des Kapitals. Trotzdem ist eine keine gute Diversifizierung, wenn man die Anzahl der Einzelaktien mit anderen ETFs vergleicht. Der Invesco Hydrogen Economy übertrifft lediglich die konkurrierenden Wasserstoff ETFs.

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Die besten Wasserstoff Aktien

 

Unternehmen arbeiten an der Zukunft der Wasserstofftechnologie und richten sich dazu auch neu aus. Bestehende Industriegiganten prüfen, wie Wasserstoff in der eigenen Produktion eingesetzt werden kann und in welchen Prozessen schon heute Vorteile entstehen. Oftmals sind es aber nur leere Worte, um sich als zukunftsorientiert darzustellen. Der zukünftige Wert des Wasserstoffmarktes wird auf bis zu 10 Billionen Euro geschätzt.

 

  • Linde
  • Air Liquide
  • Thyssenkrupp Nucera
  • Plug Power

Linde


Linde (WKN: A3D7VW) ist für seinen Beitrag zum Wasserstoff- und Brennstoffzellenmarkt bekannt. Das deutsche Unternehmen konzentriert sich auf sauberen Wasserstoff und emissionsfreie Brennstoffzellenlösungen. Die Wasserstoff Aktie Linde hat ihre Wasserstoffproduktion in den Vereinigten Staaten und in Übersee kontinuierlich verbessert. Vor kurzem hat das Unternehmen seine Produktion durch eine Erweiterung eines bestehenden Standorts in McIntosh, Alabama, ausgebaut. Diese Erweiterung erhöht die Produktionskapazität des Werks für Flüssigwasserstoff auf 30 Tonnen pro Tag, was eine Investition von etwa 90 Millionen Dollar bedeutet. Der Industriegasriese plant, in den nächsten Jahren bis zu 9 Milliarden Dollar in Wasserstoff zu investieren.

 

Linde investiert in zwei Hauptverfahren zur Herstellung von sauberem Wasserstoff. Die erste besteht in der Nutzung erneuerbarer Wasserkraft für die Elektrolyse, die zweite in der autothermen Reformierung mit Kohlenstoffabscheidung. Im Jahr 2025 will das Unternehmen seine Wasserstoffproduktionsanlage an den Niagra Falls in Betrieb nehmen. Die Anlage wird die vom Wasserfall erzeugte Wasserkraft nutzen, um durch Elektrolyse Wasserstoff herzustellen. Der größte Nachteil dieser Anlage wird darin bestehen, dass sie Strom aus Wasserkraft verbraucht, der für Wohnzwecke oder andere Zwecke hätte genutzt werden können.

 

Die Analysten an der Wall Street sind sich über die Linde-Aktie einig und stufen sie mit "Strong Buy" ein. Außerdem erwarten sie, dass die Wasserstoff Aktie in den nächsten zwölf Monaten um 5,61 % steigen wird. Dazu kommt, dass Linde in den meisten Wasserstoff ETFs in den Top-Positionen zu finden ist und das Unternehmen langjährige Erfahrung mit Industriegasen aller Art hat. Linde hat obendrein mehrere langfristige Verträge zur Herstellung von Wasserstoff für Großkunden durch autotherme Reformierung mit Kohlenstoffabscheidung unterzeichnet. Bisher war der Wettbewerber Air Liquide (WKN: 850133) das einzige Unternehmen, das diese beiden Verfahren erfolgreich kombiniert hat. Weder die autotherme Reformierung noch die Kohlenstoffabscheidung sind neue Entwicklungen, aber wenn sie erfolgreich kombiniert werden, sind sie eine der kostengünstigsten Möglichkeiten, kohlenstoffarmen Wasserstoff in großem Maßstab zu produzieren.

 

 

Air Liquide

 

Air Liquide (WKN: 850133) ist seit langem ein wichtiger Hersteller von Wasserstoff und direkter Konkurrent zu Linde. Das französische Unternehmen verfügt über mehr als sechzig Jahre Erfahrung in diesem Bereich und hat einzigartige Kenntnisse über die gesamte Wasserstoff-Wertschöpfungskette. Das Unternehmen möchte die Wasserstoffproduktion schrittweise nachhaltiger gestalten. Seit 2020 investiert es auch verstärkt in die wasserstoffbasierte Mobilität. Der Aktienkurs ist bereits seit Jahren im Aufwärtstrend.

 

In den 90er Jahren erweiterte der Konzern sein Sauerstoff- und Stickstoffgeschäft auf Dampf und Wasserstoff für die Stahl-, Chemie-, Raffinerie- und Luftfahrtindustrie. Im Geschäftsjahr 2017 gründete der Konzern zusammen mit 12 anderen Konzernen wie Linde, Toyota, Shell, Engie usw. den "Hydrogen Council" (wiki), eine Lobby, die mittlerweile 130 Mitglieder auf der ganzen Welt vereint. Angesichts der neuen Begeisterung für dieses Gas hat Air Liquide weitere Investitionen getätigt, mit dem Ziel, bis zum Jahr 2035 einen Anteil von 15-25 % an den "Wasserstoffeinnahmen" zu erreichen (gegenüber 10 % heute), um die Energiewende zu unterstützen.

 

Air Liquide ist einer der größten Wasserstoffproduzenten der Welt und hat im Jahr 2022 seinen ADVANCE-Plan für Investitionen in Höhe von 16 Milliarden Euro bis 2025 ins Leben gerufen. Die Investitionsmöglichkeiten in den letzten 12 Monaten belaufen sich auf insgesamt 3,3 Milliarden Euro, wobei mehr als 40 % auf die Energiewende entfallen.

 


Thyssenkrupp Nucera

 

Der deutsche Stahlriese Thyssenkrupp (WKN: NCA000) hat das Thyssenkrupp Nucera IPO im Juli 2023 gefeiert. Thyssenkrupp Nucera ist zuversichtlich, dass das Unternehmen seine mittelfristigen Ziele erreichen kann, und äußert sich deutlich positiver als andere Unternehmen in einem Sektor, der immer noch weitgehend von Subventionen abhängig ist. Als Stahlproduzent zählt das Unternehmen Thyssenkrupp zu einem Verbraucher von Wasserstoff, im Gegensatz zu Linde und Air Liquide. Um die nötige Wärme zu erzeugen, kann auch Wasserstoff verbrannt werden, sodass Thyssenkrupp Nucera ins Leben gerufen wurde, um eigenen Wasserstoff herzustellen.


Das Ziel sind grüne Stahlwerke, die klimaneutral hergestellten Wasserstoff (grüner Wasserstoff) verwenden, anstatt die klassische Kohle und Koks in den Hochöfen. In der Pilotanlage sollen 2,5 Millionen Tonnen grünen Stahl pro Jahr zu produziert werden. In der klassischen Stahlproduktion fallen ca. 85 % der Energie auf Kohle oder Koks. Ab 2026 soll die Produktion starten und bis 2030 auf die doppelte Menge von 5 Millionen Tonnen Stahl pro Jahr erhöht werden.

 

Seit dem Börsengang im Juli 2023, einem der größten in Europa in diesem Jahr, sind die Aktien von Thyssenkrupp Nucera um mehr als ein Drittel gefallen. An Thyssenkrupp Nucera sind sowohl Thyssenkrupp als auch das italienische Unternehmen De Nora beteiligt. Der Betriebsgewinn (EBIT) hat sich im Geschäftsjahr 2022/23 auf 23,8 Millionen Euro (26 Millionen US-Dollar) fast verdreifacht hat und hat damit die Schätzung der Analysten von 16,5 Millionen Euro übertroffen. Thyssenkrupp Nucera meldete auch eine Nettofinanzposition von 761 Millionen Euro, ein wichtiger Maßstab für die Sicherung von Großaufträgen, was das Unternehmen laut Deutsche Bank "wohl zum Elektrolyseunternehmen mit der besten Bilanz" macht. Dennoch hat die Wasserstoff Aktie bisher keine gute Performance erreicht und weitere Verluste sind möglich, bis die Produktionsanlagen in vollem Betrieb sind.

 

 

Plug Power

 

Plug Power (WKN: A1JA81) ist ein führender Anbieter von Wasserstoff-Brennstoffzellenlösungen für Mobilitätsanwendungen wie Gabelstapler, Lkw und Busse. Wasserstoff-Brennstoffzellen sollen herkömmliche Batterien in elektrisch betriebenen Geräten und Fahrzeugen ersetzen oder ergänzen. Die Mobilitätsanwendungen der Wasserstoff-Brennstoffzellen von Plug Power dienen bisher hauptsächlich der Lieferkette und der Logistikbranche.

 

Bis Ende 2022 hatte Plug Power über 60.000 Brennstoffzellensysteme für Gabelstapler installiert und 180 Tankstellen betrieben. Plug Power bietet auch schlüsselfertige Lösungen für die Wasserstofferzeugung, -speicherung und -abgabe an. Dazu gehört der Verkauf von Protonenaustauschmembran-Elektrolyseuren (PEM) und Flüssigwasserstoff-Tankwagen. Dies macht Plug Power zu einer der besten Wasserstoff Aktien, in die man investieren kann.

 

Der Entwickler von Wasserstoff-Brennstoffzellen hat strategische Partnerschaften mit wichtigen Akteuren im Mobilitäts- und Logistiksektor wie Amazon, Walmart, Renault und Airbus geschlossen. Diese Partnerschaften könnten in der Zukunft zu einem Rekordumsatzwachstum verhelfen. Plug Power meldete für das Geschäftsjahr 2022 einen Umsatz von 701 Millionen US-Dollar, was einem Anstieg von 40 % gegenüber dem Vorjahr entspricht. Plug Power rechnet jedoch damit, bis Ende 2023 einen Umsatz von 1,4 Milliarden US-Dollar zu erreichen, was bedeutet, dass das Wachstum in diesem Jahr spektakulär sein könnte. Die Aktien von Plug Power haben sich im Vergleich zum breiten Markt nicht so gut entwickelt, aber die oben erwähnten Erfolge könnten der Wasserstoff Aktie Plug Power zu einer guten Kaufgelegenheit für Anleger machen, die auf reine Wasserstoffunternehmen setzen wollen.

Kaum ein anderes Land investiert so stark in Wasserstoff und entsprechende Infrastruktur wie Deutschland. Der Inflation Reduction Act in den USA sieht aber einige Investitionen in diesem Bereich vor.
Kaum ein anderes Land investiert so stark in Wasserstoff und entsprechende Infrastruktur wie Deutschland. Der Inflation Reduction Act in den USA sieht aber einige Investitionen in diesem Bereich vor.

Expertenmeinungen zu Wasserstoff und Marktanalyse

 

 

Als Big Five werden die weltweit größten und erfolgreichsten Unternehmensberatungen bezeichnet. Auf Ihr Wort verlassen sich viele Unternehmen, Politiker und Investoren. Zu den Big Five gehören Deloitte-Touche, Price-Waterhouse-Coopers (PwC), KPMG, Arthur Andersen und Ernst&Young. Einem Deloitte-Bericht zufolge haben der IIJA (Infrastructure Investment and Jobs Act) und der IRA (Inflation Reduction Act) die Voraussetzungen für das Entstehen einer neuen grünen Wasserstoffwirtschaft geschaffen, bei der derzeit eine erhebliche Lücke zwischen den angekündigten und den tatsächlich getätigten Investitionen klafft: mehr als 50 Mrd. USD wurden angekündigt, aber weniger als 1 Mrd. USD realisiert. Diese Diskrepanz spiegelt die Unsicherheiten im Zusammenhang mit den noch ausstehenden Leitlinien des Finanzministeriums für Steuergutschriften wider, die die Wettbewerbsfähigkeit des grünen Wasserstoffs verbessern sollen. Bis zum Jahr 2050 soll der Wasserstoffmarkt auf 1,4 Billionen Dollar Umsatz wachsen und etwa 2 Mio. neue Arbeitsplätze schaffen. Dazu sollen etwa 600 Mio. Tonnen Wasserstoff im Jahr 2050 gehandelt werden. Afrika könnte zu einem der größten Profiteure der Wasserstoffwirtschaft werden, da nach Schätzungen von Deloitte etwa 110 Mrd. USD der weltweiten 280 Mrd. USD im Jahr 2050 aus Afrika kommen könnten.

 

Obwohl immer mehr neue Projekte zur Herstellung von emissionsarmem Wasserstoff angekündigt werden, haben nach Angaben der Internationalen Energieagentur (IEA) nur 5 % dieser Projekte feste Investitionsentscheidungen getroffen. Dieses Zögern ist vor allem auf die Ungewissheit hinsichtlich der künftigen Nachfrageaussichten, die Unklarheit über Zertifizierung und Regulierung sowie die unzureichende Infrastruktur für die Lieferung von Wasserstoff an die Endverbraucher zurückzuführen. Trotz des kontinuierlichen Anstiegs der Wasserstoffnachfrage konzentriert sich diese nach wie vor weitgehend auf traditionelle Anwendungen. Neuartige Anwendungen in der Schwerindustrie und im Fernverkehr machen derzeit weniger als 0,1 % der Wasserstoffnachfrage aus, doch wird erwartet, dass sie bis 2030 im Szenario "Netto-Null-Emissionen bis 2050" ein Drittel der weltweiten Wasserstoffnachfrage ausmachen werden. Während immer mehr Länder nationale Strategien vorstellen und konkrete politische Maßnahmen zur Unterstützung der frühen Anwender umsetzen, behindern Verzögerungen bei der politischen Umsetzung und fehlende Strategien zur Schaffung von Nachfrage die breite Einführung von emissionsarmem Wasserstoff.

 

Die Auswirkungen umfangreicher Investitionen in die Infrastruktur für erneuerbare Energien dürften 2024 deutlicher zu Tage treten, da die Regulierungsbehörden die erneuerbaren Energien und den Ausbau der Übertragungsnetze unterstützen, um Netzbeschränkungen zu beseitigen, so der "2024 renewable energy industry outlook" von Deloitte. Dies könnte zum Aufbau einer starken heimischen Industrie für saubere Energien mit robusten Lieferketten beitragen, die den Einsatz von Solar-, Wind-, Speicher- und grünen Wasserstofftechnologien unterstützen. Der IIJA und der IRA haben durch historische Investitionen in verschiedene Programme, Zuschüsse und Steuergutschriften eine wichtige Rolle bei der Förderung erneuerbarer Energien gespielt und zu angekündigten öffentlichen und privaten Investitionen in Solar-, Speicher-, Wind- und Wasserstoffanlagen im Maßstab 1:1 geführt.

 

Wer in Wasserstoff investieren möchte, sollte die Anlage als langfristige Investition sehen, da der Sektor im Moment viel Geld verbraucht und noch in der Entwicklung ist. Bis sich die Investitionen auszahlen und die Aktien in den Wasserstoff ETFs positive Renditen ins Portfolio bringen, wird es wahrscheinlich ein paar Jahre dauern.

 

 

 


Thomas Breithaupt

Thomas Breithaupt

Redakteur

Mit einer Leidenschaft für Technik- und Finanzthemen war der Schritt vom Physikstudium zum Wirtschaftsjournalismus vorprogrammiert. Das analytische Denkvermögen hilft, sachlich zu berichten und neben der Entwicklung von Software eine fundierte Berichterstattung zu erstellen. Zwischen den Recherchen hilft Sport dabei, einen klaren Kopf zu bewahren und hält fit für den Surfurlaub.

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