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Zukunft der Versicherungsbranche

Autor: Thomas Breithaupt · Zuletzt aktualisiert: 04.04.25

Finanzen Versicherungen · 10 Min. Lesedauer

Zukunft der Versicherungsbranche - Titelbild

Für die Zukunft der Versicherungsbranche sind sich viele Experten einig, dass es immer mehr personalisierte Produkte geben wird, die Digitalisierung weiter voranschreiten wird und der demografische Wandel in der Bevölkerung Probleme bringen wird. Soziale, technologische und wirtschaftliche Trends entwickeln sich weiter, und die Menschen sind mit einem veränderten Lebensstil, einer höheren Lebenserwartung und hohen Erwartungen in allen Bereichen konfrontiert. Die Versicherer stehen dem nicht nach und werden sich wandeln, um den neuen Bedürfnissen gerecht zu werden. 

 

Die Zukunft der Versicherungswirtschaft in Kürze: 

 

  • Technologiegetriebene Transformation: Künstliche Intelligenz (KI), Big Data und Automatisierung sind keine Zukunftsmusik mehr, sondern zentrale Treiber, die Kernprozesse wie Risikobewertung, Preisgestaltung und Schadenmanagement fundamental verändern. Sie ermöglichen eine bisher unerreichte Effizienz, Personalisierung und schnellere Reaktionszeiten.

 

  • Radikale Kundenzentrierung und neue Erlebnisse: Die Erwartungen der Kunden verschieben sich hin zu nahtlosen digitalen Erfahrungen, stark personalisierten Angeboten und proaktiven Dienstleistungen, die über die reine Schadenregulierung hinausgehen (z.B. Risikoprävention). Versicherer müssen vom reinen Produktanbieter zum kundenorientierten Servicepartner werden.

 

  • Anpassung an neue Risiken und Geschäftsmodelle: Die Versicherungsbranche muss sich auf eine veränderte Risikolandschaft (insbesondere Cyber- und Klimarisiken) einstellen, innovative Lösungen entwickeln und sich im Wettbewerb mit Insurtechs und potenziell Big Tech behaupten. Dies erfordert oft eine strategische Neuausrichtung, Partnerschaften in Ökosystemen und die Integration von Nachhaltigkeitsaspekten (ESG).

Die Zukunft der Versicherungsbranche

 

Die Zukuft der Versicherungsbranche ist digital und nachhaltig. Das Verbraucherverhalten wird sich grundlegend verändern. Auf diese Veränderungen stellen sich die Versicherer bereits heute schon ein.

 

Digitalisierung & Automatisierung


Die Digitalisierung verändert die gesamte Wertschöpfungskette von Versicherern. Dabei spielen mehrere Schlüsseltechnologien eine zentrale Rolle:

 

  • Künstliche Intelligenz (KI) und Maschinelles Lernen (ML): KI revolutioniert Kernprozesse wie Underwriting, Risikobewertung, Schadenmanagement und Kundenservice (z. B. durch Chatbots). Sie ermöglicht präzisere Preisgestaltung, schnellere Schadenregulierung und Betrugserkennung.
  • Big Data und Analytik: Die Fähigkeit, riesige Datenmengen zu sammeln und zu analysieren, erlaubt tiefere Einblicke in Kundenverhalten und Risiken. Dies führt zu stärker personalisierten Produkten und Dienstleistungen sowie einer verbesserten Risikomodellierung.
  • Internet der Dinge (IoT): Vernetzte Geräte (z. B. Telematik-Boxen im Auto, Sensoren im Smart Home) liefern Echtzeitdaten, die für nutzungsbasierte Versicherungen (Usage-Based Insurance, UBI), proaktive Risikoprävention (z. B. Warnung vor Wasserschäden) und eine genauere Schadenbewertung genutzt werden können.
  • Digitalisierung und Automatisierung: Prozessautomatisierung (Robotic Process Automation, RPA) steigert die Effizienz in der Verwaltung. Digitale Plattformen und Apps verbessern das Kundenerlebnis durch Self-Service-Optionen und schnellere Interaktion.
  • Cloud Computing: Bietet die notwendige Skalierbarkeit, Flexibilität und Rechenleistung für datenintensive Anwendungen wie KI und Big Data Analysen.

 

Ausblick:
Versicherer müssen ihre IT-Infrastrukturen modernisieren, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Kunden erwarten digitale, schnelle und einfache Prozesse – von der Policenerstellung bis zur Schadensmeldung.

Die Integration neuer Technologien in bestehende IT-Systeme wird eine der großen Herausforderungen in der Versicherungswirtschaft bleiben.
Die Integration neuer Technologien in bestehende IT-Systeme wird eine der großen Herausforderungen in der Versicherungswirtschaft bleiben.

Nachhaltigkeit & ESG (Environmental, Social, Governance)


Nachhaltigkeit spielt eine immer größere Rolle, sowohl in den Anlagerichtlinien der Versicherungen als auch in ihren Produkten.

 

  • Kapitalanlage: Investoren und Regulierungsbehörden fordern zunehmend die Berücksichtigung von Nachhaltigkeitsaspekten bei den Kapitalanlagen der Versicherer.
  • Underwriting und Produkte: Es gibt einen wachsenden Trend, ESG-Faktoren in die Risikobewertung einzubeziehen und "grüne" Versicherungsprodukte zu entwickeln (z. B. für erneuerbare Energien).
  • Gesellschaftliche Verantwortung: Versicherer stehen unter Beobachtung, wie sie zu Klimaschutz und sozialer Gerechtigkeit beitragen. Zudem müssen nationale und internationale Berichtspflichten erfüllt werden. 
     

Ausblick:
Versicherer, die frühzeitig auf ESG-Trends setzen, können sich Wettbewerbsvorteile sichern und neue Kundengruppen erschließen.

 

 

Verändertes Kundenverhalten


Kunden erwarten personalisierte und digitale Erlebnisse.

 

  • On-Demand-Versicherungen gewinnen an Beliebtheit (z. B. zeitlich begrenzte Reise- oder Geräteversicherungen).
  • Pay-as-you-go-Modelle oder Usage-Based-Insurance (z. B. Kfz-Versicherungen basierend auf Fahrverhalten) werden wichtiger.
  • Nahtlose digitale Erlebnisse: Einfache, intuitive Online-Prozesse vom Abschluss bis zur Schadenmeldung.
  • Personalisierung: Individuell zugeschnittene Produkte und Tarife statt Standardangebote.
  • Transparenz und Schnelligkeit: Klare Kommunikation und schnelle Reaktionszeiten, insbesondere im Schadenfall.
  • Omnichannel-Zugang: Konsistente Betreuung über verschiedene Kanäle (App, Website, Telefon, persönlich).
  • Mehrwertdienste und Prävention: Kunden wünschen sich zunehmend Unterstützung bei der Risikovermeidung, nicht nur Absicherung im Schadenfall.


Ausblick:
Versicherer müssen verstärkt auf Customer Experience und Personalisierung setzen, um Kunden langfristig zu binden.

 

 

Cyber-Risiken und neue Versicherungslösungen


Mit der zunehmenden Digitalisierung steigen auch die Cyberrisiken.

 

  • Cyber-Risiken: Angesichts der zunehmenden Vernetzung sind Cyberangriffe eine der größten Bedrohungen für Unternehmen und Privatpersonen. Die Nachfrage nach Cyber-Versicherungen steigt rapide.
  • Klimawandel: Häufigere und intensivere Extremwetterereignisse (Stürme, Überschwemmungen, Dürren) führen zu steigenden Schäden und erfordern neue Ansätze in der Risikobewertung und -modellierung sowie bei der Produktgestaltung.
  • Pandemien und systemische Risiken: Die COVID-19-Pandemie hat die Verwundbarkeit globaler Systeme offengelegt und Fragen zur Versicherbarkeit systemischer Risiken aufgeworfen.
  • Technologische Risiken: Neue Technologien (z. B. Autonomes Fahren, KI-Fehlfunktionen) schaffen neue Haftungsfragen und Risikoprofile.
     

Ausblick:
Die Nachfrage nach Cyber-Versicherungen wird weiter stark wachsen. Gleichzeitig müssen Versicherer neue Risiken bewerten können, z. B. KI-Fehler oder Datenmissbrauch.

 

 

Regulatorische Veränderungen


Die Versicherungsbranche in Deutschland wird stark von regulatorischen Vorgaben beeinflusst:

 

  • IDD-Richtlinie (Insurance Distribution Directive) reguliert die Beratung und den Verkauf von Versicherungsprodukten.
  • Solvency II fordert von Versicherern, Risiken genau zu bewerten und Kapitalanforderungen einzuhalten.
  • Datenschutz (DSGVO) bleibt ein wichtiges Thema, vor allem im Umgang mit sensiblen Kundendaten.
     

Ausblick:
Regulierungen werden weiter zunehmen, vor allem im Bereich Nachhaltigkeit und Datenschutz. Versicherer müssen ihre Compliance-Systeme anpassen.

 

 

 

InsurTechs und Plattformökonomie

 

InsurTechs disruptieren die Branche mit innovativen Geschäftsmodellen:

 

  • Insurtechs: Agile Start-ups fordern etablierte Versicherer mit innovativen Technologien, kundenfreundlichen Lösungen und Nischenangeboten heraus. Sie treiben Innovationen voran, oft auch in Partnerschaft mit traditionellen Anbietern.
  • Big Tech: Technologiegiganten wie Google, Amazon oder Apple könnten mit ihren Datenressourcen, ihrer Kundenbasis und ihrer Technologiekompetenz verstärkt in den Versicherungsmarkt eintreten, oft über eingebettete Versicherungsangebote (Embedded Insurance).
  • Ökosysteme: Versicherer agieren zunehmend in Partnerschaften und Ökosystemen (z. B. Mobilität, Wohnen, Gesundheit), um Kunden ganzheitliche Lösungen anzubieten.
     

Ausblick:
Versicherer müssen entweder eigene Plattformlösungen entwickeln oder Partnerschaften mit InsurTechs eingehen, um wettbewerbsfähig zu bleiben.

Expertenmeinungen über die Zukunft der Versicherungsbranche

 

Wir betrachten für Sie die Analysen von großen Unternehmen und wichtigen Verbänden aus der Versicherungsbranche zum Thema "Zukunft der Versicherungsbranche". In vielen Punkten überschneiden sich die unterschiedlichen Analysen.


PwC

 

PricewaterhouseCoopers (PwC) ist ein globales Unternehmen für Wirtschaftsprüfungen und Beratungen, das regelmäßig Berichte für alle Wirtschaftsbereiche veröffentlicht und dabei auf über 328.000 Mitarbeiter zurückgreift. PwC gehört zu den „Big Four“ und genießt einen guten Ruf. Für die Zukunft der Versicherungsbranche für das Jahr 2025 und später werden in einem Bericht die folgenden Punkte genannt:

 

  • Eine sich vergrößernde Vertrauenslücke in einer unsicheren Welt
  • Sich rasch entwickelnde Kundenbedürfnisse und Vorlieben
  • Eine zunehmend digitale und KI-gesteuerte Welt
  • Klimarisiko und ein Fokus auf Nachhaltigkeit
  • Konvergenz, Zusammenarbeit und Wettbewerb

 

KPMG

 

KPMG gehört ebenfalls zu den „Big Four“ wie PwC und ist als Wirtschaftsprüfer und Berater tätig. Das Unternehmen erstellt ebenfalls Analysen für fast alle Branchen und beschäftigt 236.000 Mitarbeiter in 145 Ländern.

 

KPMG sieht als größten Punkt für die Zukunft von Versicherungen die Digitalisierung und hat sogar ein Video von der eignen Vorstellung erstellt, wie die Daten verarbeitet werden. In einem Bericht zu Personenversicherungen werden die folgenden Punkte als Signale für einen Wandel in der Versicherungsbranche genannt:

 

  • Wirtschaftliche Unsicherheit
  • Kundenerwartungen
  • Technologische Innovation
  • Störung des Wettbewerbs
  • ESG-Priorisierung
  • Regulatorische Vorgaben

 

Für die Versicherungsunternehmen werden drei Punkte genannt, die KPMG als Geschäft der Zukunft in der Versicherungsbranche sieht:

 

  • Zweckorientierter Versicherer: personalisierte Produkte
  • Skalierter und diversifizierter Versicherer: Der Preis wird ein wichtiger Kauffaktor bleiben (Wirtschaftliche Unsicherheit)
  • Agiler und fokussierter Versicherer: Daten werden zu einem entscheidenden Faktor, der Versicherer von ihren Mitbewerbern unterscheidet.

 

Forbes

 

Forbes ist ein amerikanisches Wirtschaftsmagazin, das 1917 gegründet wurde und seit 2014 in Besitz einer Investmentgruppe aus Hongkong ist. Das Magazin ist bekannt für die Liste der reichsten Milliardäre auf der Welt und weitere Listen von erfolgreichen Unternehmern. Für die Zukunft der Versicherungsbranche werden die „Vier Säulen der Zukunft der Versicherung“ genannt:

 

  • Vertrieb und Kanal
  • Risiko-Nutzen-Verhältnis einer Änderung des Verbraucherverhaltens
  • Angebot und Produkt
  • Betrieb und Technologie

 

Gesamtverband der Versicherer

 

Der Gesamtverband der Versicherer (GdV) ist die Dachorganisation der Versicherungsunternehmen in Deutschland und hat damit in etwa 460 Versicherungen und 204.100 Mitarbeiter unter ihrem Dach. Insgesamt werden 466 Millionen Versicherungsverträge angegeben. Der Verband vertritt die Interessen der Versicherungsunternehmen in Deutschland, indem politischer und gesellschaftlicher Lobbyismus betrieben wird.

 

Im Jahr 2006 hat der GdV den „Big Brother Award“ für Verbraucherschutz erhalten, weil umfangreiche Daten der Bürger zwischen den verschiedenen Versicherungen über den GdV ausgetauscht wurden. Man kann also annehmen, dass der GdV die Entwicklung von deutschen Versicherungen in der Zukunft relativ gut widerspiegelt.

 

Für die Branchentrends von Versicherungen stellt der Gesamtverband der Versicherer folgende Punkte fest:

 

  • Digitalisierung
  • Klimawandel
  • Prävention
  • Demografischer Wandel
Digitalisierung wird in der Versicherungswirtschaft in Zukunft weiter an Bedeutung gewinnen. Das verändert interne Prozesse und die Kommunikation mit den Kunden.
Digitalisierung wird in der Versicherungswirtschaft in Zukunft weiter an Bedeutung gewinnen. Das verändert interne Prozesse und die Kommunikation mit den Kunden.

Digitalisierung der Versicherungsbranche ist die Zukunft

 

Konkret wurden sieben große Ökosysteme identifiziert, in denen Versicherungsanbieter auf dem Weg zur Digitalisierung große Entwicklungsmöglichkeiten vorfinden können. Diese Ökosysteme beziehen sich auf Leben, Mobilität, Gesundheit, Marktplätze, Unternehmen, Aktien und Reisen. Sie umfassen Möglichkeiten wie Risiko-Engineering, Nachlassplanung, Fahrzeugzustandsüberwachung und Prämiengestaltung, Datensicherheit und vernetzte Häuser und Autos.


Die Wertschöpfungskette in den neuen digitalen Ökosystemen beruht auf der Sammlung, Aggregation und Analyse von Daten aus verschiedenen Quellen. Diese Prozesse werden es ermöglichen, hyper-personalisierte Angebote für Verbraucher zu erstellen. Natürlich besteht hier die Gefahr zur totalen Überwachung von Versicherungen, die den Tarif anpassen, weil die Posts in den sozialen Medien zu viel Süßkram beinhalten. Künstliche Intelligenz wird eine große Rolle spielen, um personalisierte Angebote zu erstellen.


Einige Versicherungen nutzen bereits künstliche Intelligenz, um Kosten einzusparen. Die Digitalisierung spart viele weitere Kosten ein, sodass andere Versicherungen nicht mehr lange Konkurrenz fähig bleiben würden. Finanzdienstleister wie Jung, DMS & Cie. entwickeln umfassende Lösungen, um Versicherungen und Versicherungsnehmer zu vernetzen. Gerade die jüngere Generation wünscht sich ein digitales 360-Grad Portfolio, um eine Übersicht über alle Produkte mit einer einfachen Bedienung zu haben.

 


Zukunftsszenario

 

Vernetzte Geräte (IoT - Internet of Things – Internet der Dinge) werden in Zukunft zum Standard gehören. So wird ein Autounfall durch Hunderte Sensoren der Autos, Straßen und Verkehrsüberwachung in Minuten abgewickelt und der Schadenswert relativ genau festgestellt. Fabriken können Ausfallversicherungen abschließen, da die brandneuen Roboter den ganzen Tag laufen sollten.

 

Falls nicht, springt die Versicherung ein, welche die Daten der Roboter einsehen kann. Über die Cloud lassen sich alle relevanten Patientendaten abrufen, idealerweise so auf einer Blockchain verschlüsselt, dass nur der Patient die Daten für einen begrenzten Zeitraum freigeben kann.

Nachhaltigkeit in Versicherungen

 

Unter Nachhaltigkeit in Versicherungen fallen mehrere Punkte neben dem Klimawandel. Klimakatastrophen werden in den nächsten Jahren zunehmen und unsere Lebensweise beeinträchtigen. Die Rolle der Versicherungsunternehmen in diesem Szenario wird darin bestehen, ihre Nutzer anzuleiten, wie sie nachhaltig leben und Risiken vermeiden können.

 

Nachhaltigkeit in Versicherungen wird mit Jung, DMS & Cie. bereits vorangetrieben. In Umfragen von JDC haben 90 % der 2.000 Befragten angegeben, eine nachhaltige Versicherung zu bevorzugen. Dennoch war die Bereitschaft für ein nachhaltiges Versicherungsprodukt mehr zu bezahlen nur bei etwa 25 %. In Deutschland geht es bei Klimakatastrophen vorrangig um Überschwemmungen, jedoch steigt das Risiko für Tornados ebenfalls weiter an. Ohne eine Versicherung könnten einige Gebiete unbewohnt werden, da bestimmte Umweltkatastrophen häufiger auftreten.

 

Neben der Nachhaltigkeit bei den Versicherungsprodukten liegt auch ein Teil der Verantwortung für Nachhaltigkeit bei der Verwaltung der gigantischen Summen. Einzelne Versicherungen verwalten mehrere Billionen Euro und legen diese in Kapitalanlagen an, um einem Wertverlust entgegenzuwirken. Dabei müssen Vorgaben der BaFin eingehalten werden, aber in Zukunft stehen ESG-Kriterien und Impact Investing für mehr Nachhaltigkeit stärker im Fokus bei den Kapitalanlagen.

Vorbeugende Gesundheit – Demografischer Wandel

 

In ein paar Jahren werden die Menschen ihren Körper mit viel Technologie überwachen und ihre Gesundheit analysieren. Die Versicherungsunternehmen werden in der Lage sein, den Menschen zu helfen, Krankheiten zu vermeiden, indem sie uns Vorschläge zur Verbesserung unseres Lebensstils unterbreiten und Krankheiten frühzeitig erkennen.


Der demografische Wandel ist bereits heute ein wachsendes Problem für das Renten- und Gesundheitssystem. In Zukunft werden durch die vorbeugenden Maßnahmen für ein gesünderes Leben die Probleme noch weiter verstärkt. Die Versicherungsbranche muss eine ganzheitliche Sicht auf das Leben eines Menschen beibehalten und Pflegeleistungen anbieten, die auf seine Lebensumstände abgestimmt sind. Eine höhere Lebenserwartung ist meistens auch mit höheren Kosten im Alter verbunden, dafür aber weniger Kosten in jüngeren Jahren.


Zusammen mit den oben genannten Makrotrends zeichnen diese ein Bild von einer Welt, in der die länger lebenden Verbraucher einen veränderten Lebensstil mit hohen Erwartungen haben werden. Sie werden so sehr damit beschäftigt sein, sich in einer übermäßig komplexen Welt zurechtzufinden, dass sie weder das Interesse noch die Zeit haben werden, sich mit Dingen zu beschäftigen oder für Dinge zu bezahlen, die sie nicht interessieren, dazu zählen auch Versicherungen.

Zukünftig sind Versicherungen transparent

 

Bis zum Ende dieses Jahrzehnts wird die Versicherung für den Nutzer transparent sein. Die Versicherung wird als zusätzliche Schicht innerhalb des Ökosystems eingesetzt werden und mehr als Dienstleister fungieren. Infolgedessen werden die meisten Versicherungen über einen weiteren digitalen Anbieter versichert werden, der die Rolle des klassischen Maklers einnehmen wird. Die Versicherer der Zukunft sind dazu bestimmt, riesige Datenmaschinen zu werden, die kaum noch operative Arme haben, und sie werden sich mehr auf Vorhersagemodelle als auf historische Daten verlassen.


Das bedeutet, dass die Versicherung nicht direkt an den Nutzer verkauft werden, sondern ein Teil eines Erlebnisses sein werden. Tatsächlich gibt es bereits einige Start-ups mit Lösungen, die in die Angebote anderer Anbieter integriert sind, wie z. B. stundenweise Versicherungen im Bereich der Mobilität oder Frachtversicherungen in Echtzeit für Logistikunternehmen.


Darüber hinaus wird die Demokratisierung von Daten und künstlicher Intelligenz das Wesen der Versicherungen in Zukunft verändern. Das Versicherungserlebnis, so wie wir es heute kennen, wird an Wert verlieren, und die Versicherung wird nur noch ein weiteres Merkmal eines Produkts oder einer Dienstleistung sein, die von einem Akteur angeboten wird, dem der Verbraucher vertraut. Dies bedeutet, dass Versicherungen Teil neuer Ökosysteme werden, in denen Akteure aus verschiedenen Branchen zusammenarbeiten, um den Verbrauchern einen Mehrwert zu bieten.

Künstliche Intelligenz in der Versicherungsbranche

 

Durch die Digitalisierung wird die Datenmenge erheblich anwachsen, auch für die Versicherungsunternehmen. Künstliche Intelligenz in der Versicherungsbranche wird zum Standard für alle etablierten Unternehmen in der Zukunft sein. Vom Kundensupport bis zur Risikoanalyse und Tarifberechnung wird es KI-Modelle geben. Versicherungsunternehmen sparen durch künstliche Intelligenz, Personal und Kosten ein.

 

KI-Assistenten werden die Rolle der Versicherungsmakler übernehmen. Sehr wahrscheinlich nicht vollständig, da es immer ein gewisses Misstrauen gibt oder Kunden den persönlichen Kontakt bevorzugen. Aber selbst bei persönlichem Kontakt wird der Versicherungsvermittler sehr wahrscheinlich Unterstützung durch KI erhalten. Dafür wird die IT-Infrastruktur massiv ausgebaut.


Ein Beispiel ist ein kleiner Unfall mit dem Auto auf dem Parkplatz. Das Auto registriert einen kleinen Zusammenstoß mit einem Schild oder Bordstein. Der persönliche Assistent im Auto weißt den Fahrer an, 3 Fotos von der Umgebung und dem Auto zu machen. Anschließend werden die Fotos zusammen mit den Sensordaten an die Versicherung übermittelt und man darf weiterfahren. Die Folge wären weniger Polizeieinsatz, eine schnellere Abwicklung mit der Versicherung und wahrscheinlich auch eine Menge mehr Meldungen für Schadensersatz bei den Versicherungen.


Ob ein solches Zukunftsszenario in der Versicherungsbranche eintritt, steht noch nicht fest. Was aber sicher eintreten wird, ist eine wachsende Datenmenge für die Versicherungen, aus denen Tarife und Risikoanalysen erstellt werden. Um diese Datenmengen auszuwerten, wird früher oder später eine künstliche Intelligenz zum Einsatz kommen. Dazu kommen automatische Schadensanalysen aus Bildern, Videos und Berichten. KI ist einer der größten Trends in diesem Jahrzehnt, auch in der Versicherungsbranche.

Mehr als 90 Prozent aller Schäden durch Cyberangriffe sind nicht versichert. Auch wenn die Branche in den vergangenen Jahren immer mehr Cyberversicherungen verkaufen konnte, ist der Bedarf nach wie vor riesig.
Mehr als 90 Prozent aller Schäden durch Cyberangriffe sind nicht versichert. Auch wenn die Branche in den vergangenen Jahren immer mehr Cyberversicherungen verkaufen konnte, ist der Bedarf nach wie vor riesig.

Cyber Versicherung in Zukunft unerlässlich

 

In diesem Zusammenhang ist absehbar, dass die Versicherungsunternehmen in Zukunft bis 2030 in jedem Ökosystem Sensoren auf der Grundlage des Internets der Dinge implementiert haben werden, sodass sie in der Lage sein werden, spezifische Informationen über Risikovariablen innerhalb des Ökosystems zu liefern.

 

Darüber hinaus werden sie in den Erwerb von Datensätzen mit übergreifenden Informationen investieren, die es ihnen ermöglichen, eine ganzheitliche Sicht auf die Risiken dieser Ökosysteme zu erhalten und einen Vorteil gegenüber der Konkurrenz zu haben.


Die Anzahl der unsichtbaren Bedrohungen werden mit der zunehmenden Digitalisierung ebenfalls zunehmen. Um diese Bedrohungen abzuwehren, ist eine Cyber-Versicherung für Unternehmen schon heute unerlässlich und wird in Zukunft auch für Privatpersonen angeboten werden. Ein denkbares Szenario ist eine Cyber-Versicherung bei einem Smart-Home oder gegen Hackerangriffe auf das E-Auto oder andere elektronische Geräte, sodass man Anspruch auf Schadensersatz bei Datendiebstahl hat.


Damit all dies geschehen kann, müssen die Versicherungsunternehmen die Technologien übernehmen, die die verschiedenen Akteure in das Ökosystem integrieren. Zum Beispiel die Verwendung von APIs, die den Datenaustausch erleichtern. Außerdem müssen sie ihre Infrastruktur öffnen, um den freien Informationsfluss zwischen den Unternehmen selbst und dem Ökosystem zu ermöglichen.

Personalisierte Versicherung in der Zukunft

 

In der Zukunft der Versicherungsbranche werden die Verbraucher maßgeschneiderte Versicherungspolicen erwerben, die Risiken in Echtzeit abdecken. Dies bedeutet eine Verlagerung von der Versicherung spezifischer Produkte und Vermögenswerte hin zu einer Deckung für individuelle Verhaltensweisen und Ereignisse. Schon heute gibt es Versicherungen auf Zeit für den E-Roller oder Mietwagen. Das Konzept wird auf weitere Produkte ausgebaut werden.


Tatsächlich wird die Kombination aus vergangenem Verhalten und Echtzeitdaten eine einzigartige Mischung aus Versicherungsschutz und Preisgestaltung für jeden Nutzer zu jedem Zeitpunkt ermöglichen. Dieses Modell wird in der Lage sein, Daten zu sammeln und zu verarbeiten, um das Risiko in Echtzeit zu bewerten und das Risiko an den Meistbietenden zu versteigern. Ein persönlicher KI-Assistent erstellt ein Angebot inklusive Risikoprofil und die Versicherungen können den Kunden einkaufen.

Lebensversicherungen ändern sich in der Zukunft

 

Es wird Lebensversicherungen geben, die ihren Kunden versprechen, dass sie ein bestimmtes Alter erreichen oder sogar die für ein bestimmtes genetisches Profil typischen Krankheiten vermieden werden. Eine KI verspricht dem Kunden ein bestimmtes Alter, sodass die Versicherung bei einem frühzeitigen Tod mehr Geld auszahlt.


Sogar Autoversicherungen werden verhindern, dass der Kunde die häufigsten Unfälle erleidet. Hat ein Kunde ein bestimmtes Risikoprofil für eine Strecke, könnte eine andere Route vorgeschlagen werden. In Wirklichkeit wird die Versicherung zu einer Kombination von Präventivleistungen.

 

Es gibt viele Anzeichen dafür, dass die Versicherungsbranche in den kommenden Jahren eine noch nie da gewesene Umwälzung erleben wird. In diesem Zusammenhang müssen die Unternehmen in der Lage sein, sich anzupassen, um aus den bedeutenden neuen Möglichkeiten, die sich ihnen zur Wertschöpfung bieten, Nutzen zu ziehen.

Ausblick: Chancen für die Versicherungsbranche

 

Trotz der Herausforderungen bieten die beschriebenen Trends erhebliche Chancen für die deutsche Versicherungsindustrie. Das sind vor allem:

 

  • Effizienzsteigerung: Automatisierung und KI können Kosten senken und Prozesse beschleunigen.
  • Verbessertes Kundenerlebnis: Personalisierung und digitale Kanäle können die Kundenzufriedenheit und -bindung erhöhen.
  • Neue Produkte und Märkte: Die Absicherung neuer Risiken (Cyber, Klima) und die Erschließung neuer Kundensegmente durch digitale Kanäle und Ökosysteme bieten Wachstumspotenzial.
  • Präventive Dienstleistungen: Durch IoT und Datenanalyse können Versicherer von reinen Schadenregulierern zu proaktiven Risikomanagern und Präventionspartnern für ihre Kunden werden.
  • Stärkung der Resilienz: Versicherer können eine Schlüsselrolle bei der Bewältigung gesellschaftlicher Herausforderungen wie dem Klimawandel spielen.

 

Sicher ist, die Zukunft der Versicherungsbranche gehört den Unternehmen, die den Wandel aktiv gestalten. Dies erfordert Agilität, Innovationsbereitschaft und eine konsequente Kundenorientierung. Entscheidend werden Investitionen in Technologie und Talente (insbesondere Datenanalysten, KI-Experten, Softwareentwickler) sowie die Fähigkeit zur Anpassung an neue Risiken und regulatorische Rahmenbedingungen sein.

 

Versicherer müssen ihre Geschäftsmodelle überdenken und sich möglicherweise von reinen Risikoträgern zu umfassenden Dienstleistern für Risikomanagement und Prävention entwickeln, um langfristig erfolgreich zu sein. Die Transformation ist komplex, birgt aber das Potenzial für eine widerstandsfähigere, effizientere und kundenfreundlichere Versicherungsbranche.

 

Prioritäten der Versicherer 2025

 

Das Jahr 2025 wird für Versicherer maßgeblich von anhaltendem Kostendruck und der fortschreitenden KI-Revolution geprägt sein. Das ist die Einschätzung der Wirtschaftsprüfer von KPMG:

 

  • Kostenmanagement und Profitabilität: Aufgrund des schwierigen wirtschaftlichen Umfelds, des demografischen Wandels (Fachkräftemangel) und steigender Schäden müssen Versicherer ihre Kostenstrukturen optimieren und die Profitabilität sichern. Dies beinhaltet sorgfältige Kapital- und Investitionsstrategien.
  • Technologische Transformation und KI: Es besteht hoher Erwartungsdruck, die technologische Transformation zu beschleunigen. Künstliche Intelligenz (KI) bietet erhebliche Potenziale für Effizienz (z.B. Schadenbearbeitung, Risikomodellierung), erfordert aber Investitionen und ein robustes Management der damit verbundenen Cyberrisiken (Stichwort DORA).
  • ESG, Regulierung und politische Einflüsse: Die glaubwürdige Umsetzung von Nachhaltigkeitsinitiativen (ESG) wird immer wichtiger für das Vertrauen von Investoren und Kunden. Gleichzeitig müssen sich Versicherer auf regulatorische Entwicklungen (z.B. BaFin-Fokus auf finanzielle Stabilität, Kundenschutz/Provisionen, Fachkräftemangel) und politische Weichenstellungen (z.B. durch die Bundestagswahl bezüglich Alters- und Gesundheitsvorsorge) einstellen und anpassen.

Thomas Breithaupt

Thomas Breithaupt

Redakteur

Mit einer Leidenschaft für Technik- und Finanzthemen war der Schritt vom Physikstudium zum Wirtschaftsjournalismus vorprogrammiert. Das analytische Denkvermögen hilft, sachlich zu berichten und neben der Entwicklung von Software eine fundierte Berichterstattung zu erstellen. Zwischen den Recherchen hilft Sport dabei, einen klaren Kopf zu bewahren und hält fit für den Surfurlaub.

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