TUI Aktie - Unsere Prognose bis 2030
Autor: Heino Zießnitz · Zuletzt aktualisiert: 03.04.25
Börse/Aktien · 8 Min. Lesedauer
Die TUI-Aktie hat in den letzten Monaten eine volatile Entwicklung gezeigt.
Nach einem Höchststand von 8,50 € Anfang Februar 2025 fällt die Aktie und notierte zuletzt einen Wert von 6,54 €. (Stand 23.02.2025, 18.00 Uhr MEZ)
TUI-Aktie: Analysten sehen durchschnittliches Kurspotenzial von +41,74 %
Insgesamt 13 Analysten haben ihre Einschätzungen zum Kursziel des Touristikriesen abgegeben und sehen im Schnitt ein Aufwärtspotenzial von +41,74 % auf 10,28 Euro pro Aktie. Während die optimistischsten Analysten einen Höchstkurs von 16,00 Euro (+120,20 %) prognostizieren, bleibt die konservativste Schätzung bei 7,70 Euro (+5,97 %).
Analystenstimmen: Kaufempfehlungen dominieren
Die Mehrheit der Analysten sieht weiterhin Spielraum für Kursgewinne bei der TUI-Aktie. Trotz bestehender Unsicherheiten hinsichtlich Konjunktur und Reisemarkt bewerten Experten das Unternehmen als finanziell stabilisiert und mit wachsendem Potenzial.
Von den 13 befragten Analysten sprechen sich:
- 8 für den Kauf der TUI-Aktie aus
- 4 empfehlen das Halten
- 1 Experte rät zum Verkauf
Banken und ihre Kursziele für 2025
Die UBS bleibt bei einer neutralen Einschätzung mit einem Kursziel von 8,28 Euro, während Jefferies ebenfalls auf „Hold“ setzt, jedoch sein Kursziel um 70 Cent auf 8,20 Euro anhebt.
Deutlich optimistischer zeigt sich Deutsche Bank Research, das weiterhin eine Kaufempfehlung ausspricht und an seinem Kursziel von 11 Euro festhält. Die Analysten verweisen auf die attraktive Bewertung und das bestätigte Wachstumspotenzial durch den TUI-Vorstand.
Die vorsichtigste Einschätzung kam bislang von Bernstein Research, das Mitte 2024 noch mit einem „Market-Perform“-Rating und einem Kursziel von 6,80 Euro das Schlusslicht bildete. Inzwischen wurde das Kursziel auf 7,90 Euro nach oben korrigiert – eine Kaufempfehlung blieb jedoch aus.
TUI Aktie - Kursziele bis 2035
Trotz der Widrigkeiten der letzten Jahre rechnen Finanzexperten weiterhin mit einem stabilen linearen Wachstum der TUI-Aktie bis 2038.
Durchschnittliche Kursziele:
2025: 10,00 EUR
2026: 12,00 EUR
2027: 15,50 EUR
2028: 20,00 EUR
2029: 25,00 EUR
2030: 31,00 EUR
2031: 39,00 EUR
2032: 47,00 EUR
2033: 57,00 EUR
2034: 68,00 EUR
2035: 80,00 EUR
TUI AG: Chancen und Risiken für den Tourismusgiganten
Die TUI AG hat in den letzten Jahren eine bemerkenswerte Restrukturierung durchlaufen und sich trotz erheblicher Herausforderungen im Markt behauptet. Während das Unternehmen von positiven operativen Entwicklungen profitiert, bleibt das Umfeld weiterhin von Unsicherheiten geprägt.
Ein Blick auf die Stärken, Schwächen, Chancen und Risiken zeigt, wo TUI aktuell steht und welche Faktoren die Zukunft der Aktie beeinflussen könnten.
Schwächen & Risiken
Konjunkturelle Unsicherheiten: Droht eine Rezession in Europa?
Einige Analysten rechnen für die zweite Jahreshälfte 2025 mit einer konjunkturellen Abkühlung, insbesondere in Europa. Eine steigende Sparquote und ein sinkender Wohlstand könnten sich negativ auf die Tourismusbranche auswirken – ein hochzyklischer Sektor, der besonders anfällig für wirtschaftliche Abschwünge ist. Sollte sich die wirtschaftliche Lage eintrüben, könnte dies zu einer Nachfrageschwäche bei Urlaubsreisen führen.
Geopolitische Risiken und deren Auswirkungen auf die Reiselust
Der anhaltende Krieg in der Ukraine sowie eskalierende Konflikte im Nahen Osten bergen erhebliche Unsicherheiten für die Tourismusbranche. Reisebeschränkungen, eine Destabilisierung betroffener Regionen oder eine generelle Verunsicherung der Konsumenten könnten die Reiselust dämpfen. Falls sich die geopolitische Lage weiter verschärft, könnte dies insbesondere Fernreisen und strategische Wachstumsmärkte von TUI negativ beeinflussen.
Energiekrise und volatile Kerosinpreise
Die hohen Energiepreise bleiben eine Belastung für die Reisebranche. Der Kerosinpreis, der bereits in den Jahren 2022 und 2023 Spitzenwerte erreichte, liegt auch Ende 2024 mit 2,45 Euro pro Gallone immer noch über dem Niveau von 2019 (1,70 Euro).
Für 2025 erwarten einige Marktanalysten erneut steigende Preise auf über 3 Euro pro Gallone. Da Treibstoffkosten einen erheblichen Anteil an den operativen Ausgaben der Airline-Sparte von TUI ausmachen, könnte dies die Marge weiter unter Druck setzen und höhere Ticketpreise erforderlich machen.
Synthetische Kraftstoffe (E-Fuels) sollen jedoch langfristig fossile Brennstoffe besonders bei Schiffen und Flugzeugen ablösen.
Stärken & Chancen
Erholung der Geschäftskennzahlen und hohe Buchungsnachfrage
Die letzten acht Quartalsberichte zeigen eine klare Erholung der Ertragslage. Die Buchungslage liegt seit Sommer 2023 über dem Niveau von 2019 und könnte sich langfristig stabilisieren. Sollte sich dieser positive Trend fortsetzen, könnte TUI seine Restrukturierung erfolgreich abschließen und als gestärkter, digitalisierter Touristikriese mit höheren Margen aus der Krise hervorgehen.
Erfolgreiche Tilgung der Staatshilfen – Rating verbessert sich
Ein entscheidender Meilenstein wurde im ersten Quartal 2024 erreicht: Die vollständige Rückzahlung der Staatshilfen. Trotz vier aufeinanderfolgender Kapitalerhöhungen, die zu einer erheblichen Verwässerung des Aktienwertes führten, konnte das Unternehmen die finanzielle Belastung der Pandemie hinter sich lassen.
Ein weiterer Erfolg: Das Kreditrating von Fitch wurde zuletzt von B+ auf BB mit positivem Ausblick angehoben. Ein besseres Rating erleichtert TUI den Zugang zu günstigerem Kapital, senkt die Finanzierungskosten und stärkt das Vertrauen der Investoren.
Strategischer Fokus auf margenstarke Segmente
TUI verfolgt einen strukturellen Wandel und möchte sich künftig stärker als digitaler Vermittler positionieren, statt primär eigene physische Dienstleistungen anzubieten. Durch Kooperationen mit Drittanbietern kann das Unternehmen margenschwache Segmente abbauen und sich auf profitablere, wachstumsstarke digitale Geschäftsmodelle konzentrieren.
Diese Neuausrichtung zeigt bereits Erfolge:
- Die Auslastungsquote erreichte in den Sommern 2023 und 2024 wieder die Zielmarke von über 90 Prozent – vergleichbar mit der Vorkrisenzeit.
- Gleichzeitig konnten die Durchschnittspreise um fast 20 Prozent angehoben werden.
Was steckt hinter der TUI AG?
Die TUI AG ist mehr als nur ein Reiseanbieter – sie ist ein voll integrierter Touristikkonzern, der nahezu jeden Aspekt der Urlaubsreise abdeckt. Mit einer starken Präsenz in Deutschland, Großbritannien und weiteren europäischen Märkten vereint TUI Reisebüros, Fluggesellschaften, Hotels, Kreuzfahrten und Touren & Aktivitäten unter einem Dach.
Dieses vertikal integrierte Geschäftsmodell ermöglicht es der TUI AG Kunden entlang der gesamten Reisekette zu bedienen – von der Buchung bis hin zur Reiseerfahrung vor Ort.
Markets & Airlines: Die Kontrolle über den gesamten Reiseweg
Die Customer Journey beginnt in einem der vielen Vertriebskanäle der TUI Group. Neben den klassischen TUI-Reisebüros umfasst das Netzwerk zahlreiche aufgekaufte Reiseunternehmen, die unter bekannten Namen wie Airtours, Gebeco oder L’TUR operieren. Die umfassende Marktpräsenz sorgt für eine direkte Kundenansprache und kanalisiert die Nachfrage gezielt in das eigene Angebot.
Für den Transport setzt TUI auf die eigene Flotte von 125 Flugzeugen, die mehr als 40 Reiseziele bedienen. Während europäische Destinationen im Fokus stehen, sind auch Routen nach Nordafrika und Westasien im Portfolio. Der Vorteil dieses Systems: TUI kann Kapazitäten flexibel steuern und unabhängig von Drittanbietern agieren – ein essenzieller Faktor für eine stabile Marge im hart umkämpften Reisemarkt.
Hotel & Resorts: Eigene Unterkünfte für mehr Wertschöpfung
Im Gegensatz zu reinen Reisevermittlern besitzt und betreibt TUI zahlreiche Hotels und Resorts selbst oder über Joint Ventures mit Partnern. Insgesamt gehören 433 Hotels zum Portfolio, die sich vor allem im Premium-Segment bewegen. Die bekanntesten Marken sind Riu, Robinson und Blue Diamond, die für gehobenen Komfort und exklusive Urlaubserlebnisse stehen.
Dieser strategische Vorteil macht sich bezahlt: Durch den Direktvertrieb eigener Unterkünfte behält TUI die volle Kontrolle über Preise, Auslastung und Servicequalität. Während Wettbewerber wie Expedia oder Booking.com auf externe Anbieter angewiesen sind, kann TUI die Wertschöpfungskette selbst optimieren – ein wichtiger Hebel für nachhaltige Profitabilität.
TUI Musement: Die nächste Wachstumsstrategie
Nach Flug und Hotel folgt der nächste logische Schritt: Touren & Aktivitäten. Laut TUI ist dies der weltweit drittgrößte Tourismussektor – und genau hier setzt das Unternehmen seine digitale Wachstumsstrategie an.
Mit TUI Musement will sich der Konzern zu einer Plattform im Stil von Booking.com entwickeln, die Reisenden personalisierte Erlebnisse vor Ort vermittelt. Das Angebot reicht von geführten Stadttouren über Freizeitparks bis hin zu exklusiven Events.
Das Ziel: Mehr Umsatz mit bestehenden Kunden generieren und das margenstarke Geschäft mit Erlebnissen skalieren. Der digitale Fokus verspricht zudem Kosteneffizienz und eröffnet neue Wachstumspotenziale.
Kreuzfahrten: Expansion auf hoher See
Auch der boomende Kreuzfahrtmarkt gehört zum Kerngeschäft der TUI AG. Die Flotte umfasst rund 17 Kreuzfahrtschiffe, die unter den Marken Marella Cruises, Mein Schiff und Hapag-Lloyd Cruises operieren. Während Marella sich auf den britischen Markt konzentriert, positioniert sich Hapag-Lloyd als Premium-Anbieter für exklusive Seereisen.
Dieser Geschäftsbereich hat sich als äußerst widerstandsfähig erwiesen, auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten. Die Kreuzfahrtsparte sorgt für eine diversifizierte Einnahmequelle und ergänzt das Gesamtportfolio um eine besonders loyale und zahlungskräftige Kundengruppe.
Die Customer Journey beschreibt den gesamten Prozess, den ein Kunde durchläuft – von der ersten Wahrnehmung einer Marke bis hin zum Kauf und darüber hinaus. Sie umfasst verschiedene Berührungspunkte (Touchpoints) wie Werbung, Website-Besuche, Kaufentscheidungen und Kundenservice.
TUI AG: Auf dem Weg zur alten Stärke – aber lohnt sich jetzt der Einstieg?
Die TUI AG hat in den letzten Quartalen deutliche Fortschritte gemacht und zeigt, dass sie langfristig in der Lage ist, zur alten Stabilität zurückzufinden. Restrukturierungen, Portfolioanpassungen und konsequente Kostensenkungen stärken die Marktposition des Touristikriesen und lassen auf eine nachhaltige Erholung hoffen.
Warum bleibt der Aktienkurs so niedrig?
Trotz der operativen Fortschritte bleibt die TUI-Aktie weiterhin deutlich unter früheren Höchstständen.
Der Hauptgrund: Die zahlreichen Kapitalerhöhungen haben zu einer massiven Verwässerung geführt. Während der Aktienkurs in den letzten fünf Jahren um 80 Prozent gesunken ist, beträgt der Rückgang der Marktkapitalisierung „nur“ rund 50 Prozent – aktuell liegt diese bei 3,85 Milliarden Euro. Eine Erholung auf das Vor-Krisen-Niveau von 6 Milliarden Euro entspräche somit einer Kurssteigerung von etwa 100 Prozent, anstatt einer Vervierfachung, wie es der Aktienkurs allein suggerieren könnte.
TUI-Aktie: Kaufen oder abwarten?
Das Management hat in den vergangenen Quartalen überzeugende Arbeit geleistet und den Konzern in die richtige Richtung gesteuert. Die strukturellen Anpassungen und Effizienzmaßnahmen schaffen eine solide Basis für weiteres Wachstum. Langfristig besteht daher erhebliches Kurspotenzial über die 100-Prozent-Marke hinaus – unter der Voraussetzung, dass keine externen Schocks die Erholung der zyklischen Reiseindustrie ausbremsen.
Dabei sollten Anleger zwei wesentliche Risiken im Blick behalten:
- Die Boeing-Problematik – Verzögerungen und Qualitätsmängel könnten das Airline-Geschäft belasten.
- Makroökonomische Unsicherheiten – Externe Schocks wie geopolitische Krisen oder eine konjunkturelle Abkühlung könnten die Erholung des Tourismussektors gefährden.
Marktumfeld bleibt freundlich – doch Vorsicht vor Volatilität
Während sich die globale Konjunktur stabilisiert, steigen die wichtigsten Indizes – darunter der DAX – auf neue Höchststände oder setzen ihre Erholung fort. Dies spricht gegen eine unmittelbare Marktkrise, welche die TUI-Aktie zusätzlich belasten könnte.
Dennoch: TUI bleibt ein volatiler Wert. Kurzfristige Schwankungen im zweistelligen Prozentbereich sind wahrscheinlich. Wer ohne eine klare Strategie investiert, sollte vorsichtig sein.
Für langfristig orientierte Anleger eröffnet sich jedoch eine spannende Investmentchance: Wer einen Anlagehorizont von mindestens fünf Jahren mitbringt, könnte von der fortschreitenden Restrukturierung und der Marktstabilisierung profitieren. TUI ist auf Kurs – doch der Weg nach oben bleibt anspruchsvoll.
TUI stellt Dividendenzahlung für Ende 2025 in Aussicht
Nach jahrelanger Dividendenpause rückt bei der TUI AG eine Wiederaufnahme der Ausschüttungen in greifbare Nähe. Finanzvorstand Mathias Kiep deutete in einem aktuellen Interview an, dass das Unternehmen vorbehaltlich weiterer finanzieller Stabilisierung Ende 2025 wieder eine Dividende zahlen wird. Damit würde Europas größter Reiseveranstalter einen wichtigen Schritt zurück in die finanzielle Normalität machen.
Vor der Pandemie war TUI ein verlässlicher Dividendenwert und zahlte zuletzt für das Geschäftsjahr 2019 eine Dividende von 0,54 Euro je Aktie. Mit dem Ausbruch der Covid-Krise setzte der Konzern die Ausschüttung aus, um die Bedingungen staatlicher Überbrückungshilfen zu erfüllen. Seitdem blieb die Dividende aus, während sich das Unternehmen auf die Reduzierung seiner Schulden und den Konzernumbau konzentrierte.
Ein Unternehmenssprecher betonte, dass TUI langfristig wieder attraktive Ausschüttungen anstrebe, Anleger aber zunächst mit einer eher moderaten Dividendenrendite rechnen sollten. Grund dafür sind anhaltende Investitionen in die Digitalisierung und den Ausbau des Geschäftsmodells. Die finale Entscheidung zur Dividendenrückkehr werde von der weiteren finanziellen Erholung des Konzerns 2025 abhängen.
Heino Zießnitz
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