Rhenium – Technologiemetall seltener als Gold
Autor: Thomas Breithaupt · Zuletzt aktualisiert: 26.06.25
Edelmetalle · 9 Min. Lesedauer
Rhenium ist seltener als Gold und ein Metall, von dem die meisten Menschen noch nie gehört haben. Doch ohne Rhenium würde unsere moderne Welt in vielen Bereichen buchstäblich am Boden bleiben.
Dieses silbrig-weiße Element mit dem chemischen Symbol Re ist eines der seltensten und dichtesten Metalle der Erdkruste und spielt eine entscheidende, oft unsichtbare Rolle in Schlüsseltechnologien – von der Luftfahrt bis zur chemischen Industrie. Die starke Nachfrage und die aufwändige Gewinnung haben in den letzten Jahren für stark gestiegene Preise gesorgt.
Rhenium im Überblick:
- Extrem selten & kostbar: Rhenium zählt zu den seltensten Metallen der Erde. Es wird fast ausschließlich als Nebenprodukt bei der Kupferförderung gewonnen, insbesondere aus Molybdän-Erzen. Die weltweite Jahresproduktion liegt bei lediglich 56-70 Tonnen, wobei Chile, die USA und Polen die Hauptproduzenten sind.
- Unverzichtbar für Hightech: Dank seines extrem hohen Schmelzpunkts von 3.186 °C ist Rhenium ein Schlüsselmaterial für Hochtemperaturlegierungen, insbesondere in der Luft- und Raumfahrtindustrie. Es wird in Turbinenschaufeln von Flugzeugtriebwerken verwendet und spielt eine zentrale Rolle als Katalysator in der Petrochemie.
- Preisentwicklung & Marktvolatilität: Rhenium hat in den letzten Jahren erhebliche Preisschwankungen erlebt. Im Sommer 2025 erreichte der Preis ein Acht-Jahres-Hoch, getrieben durch verstärkte Nachfrage aus der Luftfahrt- und Rüstungsindustrie sowie strategische Lageraufstockungen.
- Im Juni 2025 lag der Preis für katalysatorgeeignetes Rhenium-Ammoniumperrhenat bei 2.794,00 € pro Kilogramm. Nach einer leichten Korrektur stabilisierte sich der Preis auf einem höheren Niveau als zuvor.
Rhenium ist ein chemisches Element mit dem Symbol Re und der Ordnungszahl 75, das zur Gruppe der Übergangsmetalle gehört. Es ist eines der seltensten Elemente in der Erdkruste und zeichnet sich durch außergewöhnliche physikalische und chemische Eigenschaften aus.
Was ist Rhenium?
Rhenium (Re) ist ein sehr seltenes silberweißes Übergangmetall oder Technologiemetall mit der Ordnungszahl 75, direkt vor Osmium. Was Rhenium so besonders macht, ist die hohe Schmelztemperatur von 3186 °C und den höchsten Siedepunkt aller Metalle mit 5596 °C. Für Menschen ist Rhenium ungefährlich (arbeitshygienisch unbedenklich) und es sind keine Funktionen im Körper bekannt, die das Übergangsmetall benötigen.
Kommerziell wird Rhenium als Nebenprodukt der Kupferraffination gewonnen, der Reinigung vom abgebauten Kupfer. Obwohl Kupfer ein begehrtes Metall ist, ist Rhenium nur in sehr begrenzter Menge verfügbar. Kupferminen werden immer seltener entdeckt und bis diese in Betrieb gehen, dauert es viele Jahre.
Vorkommen von Rhenium
Rhenium kommt in der Natur nicht frei oder als Verbindung in einem bestimmten Mineral vor. Stattdessen ist es in kleinen Mengen in anderen Mineralien weit verbreitet. Chile ist weltweit führend in der Gewinnung von Rhenium und verfügt über das größte Vorkommen von etwa 1.200 Tonnen, gefolgt von den Vereinigten Staaten, Polen, Usbekistan und Kasachstan.
Nach den Angaben von Noble BC belaufen sich die weltweiten Reserven von Rhenium etwa auf 2.400 Tonnen. Bisher wurde nur ein einziges Mineralgestein auf Basis von Rhenium entdeckt, Rheniit (Rhenium + Schwefel), hauptsächlich in Vulkangesteinen.
Rhenium in der Erdkruste: 0,7 ppb (dt. Teile pro Milliarde oder 0,7 Gramm auf 1.000 Tonnen) – Vergleich: Gold 4 ppb
Preis von Rhenium: ca. 1.700 € pro kg
Anwendungen von Rhenium
Anwendungen von Rhenium in der Medizintechnik, der chemischen Industrie, der Superlegierung und der Luft- und Raumfahrtindustrie werden die Nachfrage nach Rhenium in naher Zukunft erhöhen. Der größte Bedarf an Rhenium (70 %) entsteht aktuell durch die Beimischung in Nickel-Legierungen.
Durch einen Anteil von 4-6 % werden die Kriech- und Ermüdungserscheinungen bei hohen Temperaturen verbessert, sodass der Einsatz in Turbinenschaufeln von Flugzeugen am häufigsten vorkommt. Dazu werden auch Gasturbinen in Kraftwerken oder Legierungen für die Raumfahrt mit Rhenium hergestellt.
Rhenium wird zusammen mit Platin als Katalysator bei der Herstellung von bleifreiem, hochoktanigem Benzin verwendet. Durch eine Mischung aus Platin und Rhenium funktionieren die Katalysatoren bei niedrigeren Temperaturen, was Energie und Kosten einspart.
Rhenium-Katalysatoren sind außergewöhnlich resistent gegen Vergiftungen/Verunreinigungen durch Kohlenstoff, Stickstoff, Schwefel und Phosphor und eignen sich dadurch für die Hydrierung von Feinchemikalien.
Zukunftstechnologien mit Rhenium sind Rheniumturbinen aus dem 3D-Drucker, CO₂-Abscheidung und Krebspflaster.
Industrielle Anwendungen von Rhenium
- 70 % - Hochtemperatursuperlegierungen
- 20 % - Katalysator für Benzin mit hoher Oktanzahl
- 10 % - elektrische Geräte, Medizin, Luft- und Raumfahrt (z.B. Glühkathode, Schalter, Heizelemente, elektrische Kontakte, Elektroden, Elektromagnete, Vakuum- und Röntgenröhren, Blitzlichter, metallische Beschichtungen und Komponenten von Raketentriebwerken)
Preis von Rhenium
Der Rhenium-Markt wird durch seine Verwendung in Superlegierungen für die Luft- und Raumfahrt, Katalysatoren und im Gesundheitswesen bestimmt. Die Luft- und Raumfahrt dominiert, da moderne Triebwerke in der Regel auf Rhenium angewiesen sind, um eine höhere Treibstoffeffizienz zu haben.
Hafnium ist ein weiteres Technologiemetall, das wegen seiner Temperaturbeständigkeit in der Luft- und Raumfahrt unerlässlich ist und mehr als 50 % des weltweiten Bedarfs in diesen Markt steckt. Der Preisanstieg in den letzten 2 Jahren ergibt sich teilweise aus dem Bestellstopp für Flugzeuge während der Covid-19-Lockdowns.
Die globale Gesundheitsbranche hat die Verwendung von Rhenium in verschiedenen medizinischen Geräten ausgeweitet. Die steigende Zahl älterer Menschen auf der ganzen Welt, die hohe Prävalenz chronischer Krankheiten und die Fortschritte bei innovativen digitalen Technologien haben angesichts der einzigartigen Eigenschaften von Rhenium zu einer Reihe von Anwendungen geführt, die in Zukunft weiter an Bedeutung gewinnen werden.
Rhenium-188 ist ein Radioisotop mit hoher Energieemission, das aus dem Wolfram-188-Generator gewonnen wird. Es wird in einer Vielzahl von therapeutischen Anwendungen eingesetzt, z.B. in der Nuklearmedizin, bei der Herstellung von Radiopharmazeutika. Bei Krankheiten wie Knochenmetastasen, rheumatoider Arthritis und primären Krebserkrankungen wird Rhenium-188 zur Diagnose und Behandlung eingesetzt.
Der Preis von Rhenium ist in den letzten Jahren um etwa 65 % gestiegen. Anfang September 2023 hat Rhenium einen großen Sprung hingelegt und kräftig zugelegt. Insgesamt befindet sich der Rhenium Preis weiterhin auf Erholungskurs und erreicht fast den Preisstand von Ende 2018. Damals ist der Kurs bis Ende 2020 gefallen. Aufgrund der geringen Verfügbarkeit hat Angebot und Nachfrage einen großen Einfluss auf den Preis von Rhenium.
Aktuelle Preise und Trends
Juni 2025: Der aktuelle Preis liegt bei etwa 3.135 USD/kg, was einem Anstieg von +26,2 % seit Jahresbeginn entspricht. Im Vergleich zu Anfang 2021 sogar um 123,14%.
Langfristiger Trend: Seit 2021 hat sich der Preis um 80,68 % erhöht, was auf eine steigende Nachfrage und begrenzte Versorgung zurückzuführen ist.
Historische Preisentwicklung
2008: Rhenium erreichte einen Spitzenpreis von 12.000 USD/kg, angetrieben durch die hohe Nachfrage nach Flugzeugtriebwerken und Gasturbinen.
2021 - 2023: Die Preise lagen zwischen 1.405 USD/kg (2021) und 1.995 USD/kg (2024). Der Anstieg setzte nach einer Phase niedriger Nachfrage während der COVID-19-Pandemie wieder ein.
Recycling-Effekte: Die Einführung von Recyclingmethoden führte zu einem Rückgang der Preise nach 2008, jedoch ist die Verfügbarkeit von recyceltem Rhenium zuletzt wieder gesunken.
Prognose
Die Preise für Rhenium werden voraussichtlich weiter steigen, da die Nachfrage aus der Luftfahrtindustrie zunimmt und die Versorgung begrenzt bleibt. Experten erwarten ein jährliches Marktwachstum von etwa 10,4 % bis 2032.
Minen und Abbau von Rhenium
Die jährliche weltweite Minenproduktion von Rhenium beträgt nach Angaben des US Geological Survey etwa 50 Tonnen. Fast die gesamte primäre (d. h. nicht recycelte) Rheniumproduktion ist ein Nebenprodukt des Kupferbergbaus.
Dabei werden etwa 80 % aus dem Flugstaub gewonnen, der beim Rösten von Molybdänitkonzentraten aus Porphyrkupferlagerstätten entsteht. Molybdänit in Porphyr-Kupfer-Lagerstätten kann Hunderte bis mehrere Tausend Gramm Rhenium pro Tonne enthalten, obwohl die Gehalte dieser Lagerstätten zwischen weniger als 0,1 g/Tonne und etwa 0,6 g/Tonne liegen.
Weltweit ist Chile seit 2005 der führende Produzent von Rhenium und verfügt über die größten Reserven von 1.200 Tonnen. Im Jahr 2022 wurden weltweit 58 Tonnen Rhenium auf den Markt gebracht. Von dem Vulkangestein Rheniit in Russland wird etwa 20 bis 60 kg pro Jahr verkauft, häufig als ein beliebtes Sammlerstück.
Auf die Porphyr-Kupferminen in Chile entfallen etwa 55 % der weltweiten Rheniumproduktion. Der größte Teil des im Bergbau gewonnenen Rheniums stammt aus sedimentgebundenen Kupferlagerstätten in Kasachstan (vom Typ Sandstein) und in Polen (vom Typ Kupferschiefer).
Diese Lagerstättentypen verfügen auch über große Mengen identifizierter Rhenium-Ressourcen. Recycling aus alten Katalysatoren und Legierungen bringt etwa 10 Tonnen pro Jahr auf den Markt.
Entwicklung und Marktaussicht für Rhenium
In den letzten 40 Jahren wurde die Nachfrage nach Rhenium vor allem von der Luft- und Raumfahrt und dem Energiesektor angetrieben. Die Preise erreichten 1980 einen Höchststand von über 3.000 USD/kg, als neue Gesetze zur Luftreinhaltung in den USA und Europa die Nachfrage nach bleifreiem Benzin mit hoher Oktanzahl erhöhten.
Die Preise fielen auf einen Tiefstand von 300 USD/kg im Jahr 1996, als nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion neue Lieferungen aus dem Osten auf den Markt kamen. Aufgrund der kombinierten Nachfrage nach Flugzeugtriebwerken und Gasturbinen stiegen die Preise allmählich wieder an und erreichten 2008 einen Höchststand von 12.000 USD/kg.
Derzeit befindnet sich der Markt für Rhenium in einer Phase dynamischer Veränderungen. Die weltweite Nachfrage steigt deutlich, während das Angebot begrenzt bleibt – eine Kombination, die von geopolitischen Spannungen zusätzlich verschärft wird.
Der globale Markt wurde 2024 auf rund 170 Millionen US-Dollar geschätzt und soll bis 2033 auf etwa 220 Millionen US-Dollar anwachsen. Das entspricht einer durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate (CAGR) von 3,2 %. Noch optimistischer zeigt sich die Analysefirma Technavio, die bis 2028 ein Wachstum von 96,1 Millionen US-Dollar bei einer deutlich höheren CAGR von 11,8 % prognostiziert.
Rhenium ist aufgrund seiner besonderen physikalischen Eigenschaften – wie extrem hoher Schmelzpunkt, Festigkeit und Korrosionsbeständigkeit – vor allem in der Luft- und Raumfahrtindustrie gefragt. Über 80 % des weltweit produzierten Rheniums werden in Superlegierungen für Triebwerkskomponenten eingesetzt.
Auch in der Petrochemie, wo es als effizienter Katalysator genutzt wird, sowie in der Medizintechnik, etwa bei Implantaten oder in der Strahlentherapie, spielt Rhenium eine wichtige Rolle.
Das Angebot hingegen bleibt knapp. Rhenium wird fast ausschließlich als Nebenprodukt bei der Molybdänverhüttung gewonnen. Die globale Primärproduktion lag im Jahr 2020 bei nur etwa 59 Tonnen, wobei Chile, Polen und die USA gemeinsam rund 81 % der Menge lieferten.
Diese Verknappung hat deutliche Auswirkungen auf den Preis: Für katalytisches Ammoniumperrhenat werden derzeit 1.800 bis 1.900 US-Dollar pro Kilogramm gezahlt – fast doppelt so viel wie noch vor wenigen Jahren.
Zusätzlich verschärfen geopolitische Entwicklungen die Lage. Die verstärkte militärische Aufrüstung in Europa sorgt für eine erhöhte Nachfrage nach kritischen Rohstoffen wie Rhenium. Gleichzeitig erschweren Exportkontrollen und internationale Spannungen die Versorgungssicherheit. Vor diesem Hintergrund gewinnt das Thema Recycling zunehmend an Bedeutung. Im Jahr 2021 wurden weltweit rund 25 Tonnen Sekundärrhenium produziert, vor allem in den USA und in Deutschland.
Angesichts des steigenden Bedarfs in Schlüsselindustrien wie Luftfahrt, Verteidigung und Medizintechnik sowie der limitierten Produktionskapazitäten ist in den kommenden Jahren mit weiteren Preissteigerungen zu rechnen. Strategische Investitionen in Recyclingprozesse und alternative Beschaffungswege könnten entscheidend dafür sein, die Abhängigkeit von wenigen Förderländern zu reduzieren und die Versorgung langfristig zu sichern.
Bedarf von Technologiemetallen nimmt weiter zu
In Rhenium investierenPreisprognose - Investieren in Rhenium
China ist kein einschränkender Faktor für das Angebot von Rhenium, da das Land nur zur Deckung seiner eigenen Nachfrage produziert. Chile ist jedoch bei weitem der größte Produzent und bringt ein Risiko durch die Monopolstellung. Es besteht also immer noch eine erhebliche Abhängigkeit von einer Region in der Lieferkette. Die Abhängigkeit ist aber sehr viel geringer, als bei anderen Technologiemetallen wie Germanium oder Gallium, bei denen China seine Stellung ausgenutzt hat.
Was die Preisprognose betrifft, so scheint das Aufwärtspotenzial von Rhenium deutlich höher zu sein als jedes Abwärtspotenzial. Mit der Erholung der Luftfahrtindustrie nach dem Abschwung und der Aufstockung der Militärbudgets auf der ganzen Welt hat die Nachfrage nach Flugzeugtriebwerken jedoch wieder angezogen und wird deutlich steigen.
Auf der Angebotsseite gibt es bereits Engpässe, da das Recycling bei den derzeitigen Preisen nicht kosteneffizient ist, und die politischen Unruhen in Chile in den letzten Jahren sind gut dokumentiert.
Der Preis dieses strategischen Metalls ist in diesem Jahr stetig gestiegen und Branchenexperten gehen davon aus, dass sich dieser Trend fortsetzen wird und sich eine Investition in Rhenium lohnen wird. Ein einfacher und sicherer Weg, um in Rhenium zu investieren, ist das Noble Portfolio +finomet.
Da es sich um ein sehr seltenes Technologiemetall handelt, wird dieses nicht an den klassischen Börsen gehandelt. Viele werden nicht überrascht sein, wenn der Rheniumpreis in den nächsten 5 bis 10 Jahren weiter ansteigt. Diese Schlussfolgerung wird weitgehend und verständlicherweise darauf zurückgeführt, dass sich die Weltraumforschung bis 2050 zu einer vollwertigen Raumfahrtindustrie entwickelt.
Thomas Breithaupt
Redakteur
Mit einer Leidenschaft für Technik- und Finanzthemen war der Schritt vom Physikstudium zum Wirtschaftsjournalismus vorprogrammiert. Das analytische Denkvermögen hilft, sachlich zu berichten und neben der Entwicklung von Software eine fundierte Berichterstattung zu erstellen. Zwischen den Recherchen hilft Sport dabei, einen klaren Kopf zu bewahren und hält fit für den Surfurlaub.