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Grundfähigkeitsversicherung sinnvoll oder besser eine Berufsunfähigkeitsversicherung?

Autor: Thomas Breithaupt · Zuletzt aktualisiert: 17.05.23

Finanzen Recht Versicherungen · 8 Min. Lesedauer

Grundfähigkeitsversicherung sinnvoll oder besser eine Berufsunfähigkeitsversicherung? - Titelbild

Eine Grundfähigkeitsversicherung (GFV) zahlt eine Rente, wenn du bestimmte körperliche oder geistige Fähigkeiten verlierst. Als Grundfähigkeiten gelten zum Beispiel Sehen, Sprechen oder der Gebrauch der Hände. Die Grundfähigkeitsversicherung kann eine Alternative sein, wenn eine Berufsunfähigkeitsversicherung zu teuer ist.

Was ist eine Grundfähigkeitsversicherung?

Eine Grundfähigkeitsversicherung zahlt eine Rente, wenn bestimmte körperliche oder geistige Fähigkeiten eingeschränkt werden. Sie gilt als günstigere Alternative zu der klassischen Berufsunfähigkeitsversicherung (BU), mit weniger Schutz.

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Was ist die Grundfähigkeitsversicherung? - Erklärung

 

Die Grundfähigkeitsversicherung ist eine Risikoversicherung oder eine Art der Lebensversicherung der körperliche oder geistige Grundfähigkeiten. Verliert man eine der versicherten Fähigkeiten, bekommt man eine Rente ausgezahlt. Die versicherten Fähigkeiten unterscheiden sich von Vertrag zu Vertrag und sind allgemein in einem Fähigkeitenkatalog festgehalten. Die absoluten grundlegenden Fähigkeiten oder besser gesagt Sinne, sind bei so gut wie jeder Grundfähigkeitsversicherung versichert. Dazu zählen Sehen, Hören und Sprechen, da man diese in so gut wie jedem Beruf benötigt.

 

Die Besonderheit der Grundfähigkeitsversicherung ist, dass diese keinen direkten Bezug zur Arbeit. Damit ist die Versicherung unabhängig vom Gehalt und Tätigkeiten im Beruf und wird interessant, wenn die Berufsunfähigkeitsversicherung bei bestimmten Berufsgruppen zu teuer wird. Die Grundfähigkeitsversicherung lässt sich daher z.B. mit einer privaten Pflegeversicherung vergleichen, jedoch gilt die GFV meistens nur bis zum Eintritt in die Rente oder 67. Lebensjahr.

 

Eine weitere Besonderheit entsteht durch die Unabhängigkeit vom Beruf der versicherten Person. Wenn es zum Leistungsfall kommt, also die Versicherung eine Rente auszahlt, kann die Person trotzdem noch weiterarbeiten. Die Rente wird ausgezahlt, solange die Beeinträchtigung der Grundfähigkeit besteht. Es ist also möglich zu arbeiten und eine Rente durch die Grundfähigkeitsversicherung zu erhalten.

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Versicherte Risiken durch die Grundfähigkeitsversicherung nach Fähigkeitenkatalog 1 (A) und 2 (B)

 

Wie oben bereits erwähnt, unterscheiden sich die versicherten Leistungen nach Anbieter und individuellen Vertrag. Allgemein lassen sich die abgedeckten Risiken durch eine Grundfähigkeitsversicherung in 2 Kategorien einteilen. Dazu zählen allgemein Fähigkeiten in Fähigkeitenkatalog 1 und speziellere Fähigkeiten nach Fähigkeitenkatalog 2. Die allgemeinen Fähigkeiten werden von den meisten Versicherungen abgedeckt, während die spezielleren Fahigkeiten individuell angepasst werden sollten. Die Fähigkeitenkatalog-Auszüge aus Wikipedia:

 

Fähigkeitenkatalog 1 (A) mit beispielhaften Formulierungen

 

Fähigkeit Definition für Verlust
Sehen Auf beiden Augen nicht sehen. Die verbliebene Sehfähigkeit je Auge darf nicht höher als z. B. 1/25 der normalen Sehfähigkeit liegen. 
Sprechen Nicht sprechen. Das heißt, sie ist nicht fähig, irgendein verständliches Wort auszusprechen. 
Orientierungssinn Nicht fähig, sich zeitlich, örtlich und zur eigenen Person zu orientieren.
Hände benutzen Weder mit der linken noch mit der rechten Hand fähig, einen Schreibstift zu benutzen und eine Tastatur zu bedienen.

 

Fähigkeitenkatalog 2 (B) mit beispielhaften Formulierungen

 

Fähigkeit Definition für Verlust
Hören Nicht hören. Das heißt, sie ist nicht fähig, irgendein Geräusch wahrzunehmen. 
Gehen Keine 200 Meter über einen ebenen Boden gehend zurücklegen, ohne anzuhalten, um sich abstützen oder setzen zu müssen. 
Treppen steigen Keine Treppe hinauf- oder hinabgehen, ohne eine Pause zu machen oder sich an dem Treppengeländer festzuhalten. 
Knien oder Bücken Nicht fähig, sich niederzuknien oder so weit zu bücken, um einen leichten Gegenstand vom Boden aufzuheben und sich dann wieder aufzurichten. 
Sitzen Nicht fähig, zwanzig Minuten lang auf einem Stuhl ohne Armlehnen zu sitzen. 
Stehen Nicht fähig, zehn Minuten lang zu stehen, ohne sich abzustützen. 
Greifen Weder mit der rechten noch mit der linken Hand fähig, eine Flasche mit Schraubverschluss zu öffnen. 
Arme bewegen Nicht ohne Hilfestellung eine Jacke anziehen. Auf die Fähigkeit, eine Jacke öffnen oder schließen zu können, kommt es nicht an. 
Heben und Tragen Weder mit dem rechten noch mit dem linken Arm fähig, einen Gegenstand von zwei Kilogramm von einem Tisch zu heben und fünf Meter weit zu tragen. 
Auto fahren Volljährig und aus medizinischen Gründen ist die Erteilung der Fahrerlaubnis für PKW nicht möglich; sofern ein Führerschein auf sie ausgestellt war, muss dieser nachweislich aus medizinischen Gründen zurückgegeben oder ihr entzogen worden sein. 
Unfälle bei weitem nicht die häufigste Ursache für Berufsunfähigkeitsversicherung oder Leistungsfall der Grundfähigkeitsversicherung
Unfälle bei weitem nicht die häufigste Ursache für Berufsunfähigkeitsversicherung oder Leistungsfall der Grundfähigkeitsversicherung
Wann zahlt eine Grundfähigkeitsversicherung?

Je nach Vertrag verlangt die Versicherung, dass die betroffene Fähigkeit voraussichtlich mindestens sechs bis zwölf Monate ausfällt, wobei der Standard bei 6 Monaten liegt. Zum Beispiel kann durch einen leichten Schlaganfall/Herzinfakt eine Fähigkeit für einen kürzeren Zeitraum wegfallen.

Unterschied zwischen Grundfähigkeitsversicherung und Berufsunfähigkeitsversicherung (BU)

 

Die Grundfähigkeitsversicherung ist unabhängig von der Arbeit, Tätigkeit und Gehalt. Dadurch wird diese interessant, wenn die Berufsunfähigkeitsversicherung bei bestimmten Berufsgruppen zu teuer ist oder man allgemein um den Verlust der Fähigkeiten besorgt ist. 

 

Sowohl bei der Grundfähigkeitsversicherung, als auch bei der Berufsunfähigkeitsversicherung muss der Antragssteller die Krankheit oder Verlust der Fähigkeit nachweisen. Ohne einen medizinischen Nachweis gibt es keine Rente. Sollte der Verlust einer Fähigkeit durch eine Krankheit nicht plausibel sein, muss der Antragssteller weitere Tests und Nachweise einreichen. 

 

Generell bietet die Berufsunfähigkeitsversicherung einen deutlich besseren Schutz für den Arbeitnehmer, da man sich allgemeiner gegen den Wegfall der Arbeit absichert, als mit der Grundfähigkeitsversicherung. Daher wird allgemein die Grundfähigkeitsversicherung als Alternative genutzt, wenn die BU zu teuer ist, oder man in seinem Beruf keine BU bekommen kann.

 

Die Hürden für eine Rente durch eine Grundfähigkeitsversicherung sind sehr hoch. Es kommt häufig vor, dass eine Person Rente durch eine BU erhält, aber keine Rente durch die GFV. Der Nachweis für den vollständigen Verlust einer Fähigkeit ist nicht so einfach, wie man denken könnte. Dabei geht es häufig um die Fähigkeiten aus dem Fähigkeitenkatalog 2 oder Fähigkeitenkatalog B. Fällt einem das Treppensteigen schwer, weil der Gleichgewichtssinn eingeschränkt ist, kann man vielleicht ein paar Treppen steigen, aber keine Leiter oder ungesicherte Treppe auf der Baustelle/Arbeit. Die GFV zahlt in so einem Fall nicht, während es bei der BU deutlich einfacher ist.

 

Steuern auf Rente durch Verlust einer Fähigkeit oder Berufsunfähigkeit

 

Kommt es zur Rentenzahlung, muss der Empfänger sowohl bei der Grundfähigkeitsversicherung, als auch bei der Berufsunfähigkeitsversicherung mit dem restlichen Einkommen versteuern. Da das normale Gehalt in der Regel wegfällt, liegen die Rentenzahlungen meistens unterhalb der Freigrenze. Bei der Grundfähigkeitsversicherung besteht jedoch die Möglichkeit neben einer Rentenzahlung regulär weiterzuarbeiten, sodass Steuern anfallen können.

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Wie sinnvoll ist eine Grundfähigkeitsversicherung oder Berufsunfähigkeitsversicherung?

 

Um einzuschätzen, wie sinnvoll eine Versicherung ist, muss man das individuelle Risiko abschätzen. Die Statistiken der Versicherungen geben an, dass jeder 4. Arbeitnehmer berufsunfähig wird. Man zählt in die Statistik mit hinein, sobald man einmal als berufsunfähig bei seiner Versicherung gemeldet wurde. Dabei unterscheidet man zwischen berufsunfähig und arbeitsunfähig als die klassische Fehlzeit durch Krankheiten, wie eine Erkältung oder kurzzeitiger Ausfall.

 

In Deutschland sind die häufigste Ursache für Berufsunfähigkeit nach Statista Nervenkrankheiten, Erkrankungen des Skeletts- und Bewegungsapparat, Krebs, sonstige Erkrankungen, Herz Kreislauf und Unfälle in dieser Reihenfolge. Zu der häufigsten Ursache werden Nervenkrankheiten, psychische Erkrankungen, gezählt. Das häufigste Alter für Berufsunfähigkeit ist 56-60 Jahre, gefolgt von 51 bis 55 Jahre und als Besonderheit sind 36-45-Jährige häufiger berufsunfähig als 46-50-jährige. Das Risiko von 20-35-Jährigen ist dagegen genauso hoch wie bei über 60-Jährigen.

 

Der Sozialstaat sieht als Absicherung bei Berufsunfähigkeit die Erwerbsminderungsrente (EM) vor. Diese war im Jahr 2021 bei durchschnittlich 917 Euro im Monat. Die genaue Höhe hängt von dem individuellen Rentenanspruch ab, also wie lange man bereits in die Deutsche Rentenversicherung eingezahlt hat. Da die häufigste Ursache für Berufsunfähigkeit Nervenkrankheiten psychischer Natur sind, ist eine Berufsunfähigkeitsversicherung in den meisten Fällen sinnvoller. Die Grundfähigkeitsversicherung versichert aber nur sehr schwere psychische Erkrankungen wie schwere Depressionen oder Schizophrenie, sodass alltägliche Aufgaben unmöglich werden.

Wann ist eine Grundfähigkeitsversicherung sinnvoll?

 

Wirklich sinnvoll ist eine Grundfähigkeitsversicherung nur, wenn keine Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) möglich ist oder viel zu teuer ist. In seltenen Fällen kann es eine sinnvolle Ergänzung sein, um die Rentenbeiträge anderer Versicherungen auszugleichen. Für Personen mit Vorerkrankungen, psychischen Erkrankungen, risikoreiche Berufe oder riskanten Hobbys, kann eine Grundfähigkeitsversicherung sehr sinnvoll sein, da dies keine Ausschlusskriterien sind.


Thomas Breithaupt

Thomas Breithaupt

Redakteur

Mit einer Leidenschaft für Technik- und Finanzthemen war der Schritt vom Physikstudium zum Wirtschaftsjournalismus vorprogrammiert. Das analytische Denkvermögen hilft, sachlich zu berichten und neben der Entwicklung von Software eine fundierte Berichterstattung zu erstellen. Zwischen den Recherchen hilft Sport dabei, einen klaren Kopf zu bewahren und hält fit für den Surfurlaub.

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