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Berliner Startup Formo: Käse aus Pilzen

Autor: Felix Wolf · Zuletzt aktualisiert: 16.05.25

Wirtschaft · 6 Min. Lesedauer

Berliner Startup Formo: Käse aus Pilzen - Titelbild

Formo: Käse ohne Kühe – die Zukunft der Milch?

 

1,58 Millionen Deutsche ernähren sich vegan


Ein Berliner Start-up will die globale Käseproduktion revolutionieren. Statt Milchkühen setzen die Gründer von Formo auf Präzisionsfermentation und mikrobielles Protein. Ein Ansatz, der Nachhaltigkeit verspricht, aber auch kritische Fragen aufwirft.

 

Das Wichtigste in Kürze – Formo im Überblick:

 

Tierfreier Käse aus dem Labor:
Formo produziert Käseprodukte ohne Kühe – auf Basis von mikrobiell erzeugten Milchproteinen. Dabei kommen gentechnisch veränderte Mikroorganismen zum Einsatz, die echte Milchproteine nachbilden.

 

Präzisionsfermentation statt Tierhaltung:
Durch das biotechnologische Verfahren soll Tierleid vermieden und gleichzeitig ein authentischer Käsegeschmack erzielt werden. Die Technologie unterscheidet sich deutlich von pflanzlichen Alternativen wie Soja- oder Nusskäse.

 

Nachhaltigkeit als Versprechen:
Formo wirbt mit geringeren CO₂-Emissionen, Wasserverbrauch und Umweltbelastungen im Vergleich zur herkömmlichen Milchindustrie. Konkrete Ökobilanzen oder unabhängige Studien werden jedoch nicht öffentlich gemacht.

 

Offene Fragen bei Transparenz und Akzeptanz:
Details zu Nährwerten, Allergenen oder Herstellung fehlen bisher weitgehend. Für Verbraucher:innen bleiben deshalb wichtige Fragen zur Sicherheit und Natürlichkeit der Produkte offen.

Warum veganer Käse?

 

Abgesehen von den gesundheitlichen Nachteilen und der oft fehlenden Priorisierung an Tierwohl, sprechen vor allem einige öklogische Probleme, die mit einem Käsekonsum einhergehen, gegen den herkömmlichen Käse. In den Mägen von Rindern produzieren Bakterien eine Menge Methangas. Dieses heizt das Klima jedoch etwa 25 Mal stärker auf als CO2.

 

Berechnungen zeigen, dass die Produktion von einem Liter Kuhmilch das Klima mehr belastet als ein Liter verbranntes Benzin. Beim Abbrennen von Regenwäldern wird nicht nur der Lebensraum vieler Tier- und Pflanzenarten zerstört, sondern es entstehen auch sogenannte CO2-Speicher.

 

Diese Wälder speichern Treibhausgase und schützen so das Klima. Werden sie vernichtet, werden große Mengen an Treibhausgasen in die Luft freigesetzt.

 

Einer der wichtigsten Gründe für die Abholzung von Urwäldern:

 

Der Anbau von Futtermitteln. Auch in Deutschland erhalten Kühe Futter aus früheren Regenwaldgebieten. Formo hat all diese Probleme erkannt und möchte mit seinem nachhaltigen Käse, diesen Problemen entgegenwirken. 

Käse aus dem Fermenter


Formo (ehemals LegenDairy Foods) verfolgt ein ehrgeiziges Ziel: den herkömmlichen Milchkonsum überflüssig machen – ohne auf den Geschmack von Käse zu verzichten. Das Unternehmen produziert tierfreie Milchproteine mithilfe gentechnisch veränderter Mikroorganismen.

 

Diese sogenannten "Mikrofermenter" erzeugen die Hauptbestandteile echter Milch – insbesondere Kasein und Molkenprotein – ganz ohne Kühe. Die resultierenden Produkte sollen nicht nur wie echter Käse schmecken, sondern sich auch identisch verhalten, etwa beim Schmelzen oder Backen.

Die Produkte: Italien trifft Labor


Auf der offiziellen Website listet Formo drei Produkte, die klar an italienische Klassiker erinnern:

 

Formo Burrata, Formo Cream Cheese und Formo Greek White (eine Art Feta). Alle Produkte bestehen laut Angaben aus mikrobiell erzeugten Milchproteinen, Wasser, pflanzlichen Fetten sowie Salz und Milchsäurekulturen. Die Ähnlichkeit zu herkömmlichem Käse ist bewusst gewollt – Formo will Genuss ohne Tierleid ermöglichen.

 

Besonders hervorgehoben wird die tierfreie Produktion, die nicht nur ethisch, sondern auch ökologisch vorteilhaft sein soll: keine Methanemissionen, keine industrielle Tierhaltung, kein übermäßiger Wasserverbrauch.

 

Wissenschaft trifft Unternehmergeist


Formo arbeitet eng mit Biotechnolog:innen und Lebensmitteltechniker:innen zusammen und nutzt eine Methode namens Präzisionsfermentation – ein Verfahren, das auch bei der Herstellung von Insulin oder Labenzymen längst etabliert ist. Ziel ist es, ein echtes Milchprotein im Labor zu erzeugen, ohne dafür Tiere nutzen zu müssen.

 

Diese Technologie unterscheidet sich grundlegend von pflanzlichen Alternativen auf Basis von Soja, Mandeln oder Hafer. Das Unternehmen präsentiert sich modern, klimabewusst und innovationsgetrieben – eine Marke, die die Gen Z ebenso anspricht wie gesundheitsbewusste Flexitarier.

Produktionsschritte von Formo

 

Genetische Information:

Die Mikroorganismen werden von mit der genetischen Information ausgestattet, um Milchproteine zu synthetisieren. Ähnlich wie beim Bierbrauen - nur dass die Mikroorganismen von Formo anstelle von Alkohol Milchproteine produzieren.

 

Fermentierung:

Die Mikroorganismen werden sorgfältig gepflegt und erhalten genau die richtigen Wachstumsbedingungen - Nährstoffe, pH-Wert, Temperatur -, um in den Fermentern Milchproteine zu produzieren.

 

Ernten:

Wenn ausreichend Eiweiß von den Kulturen produziert wurde, wird das tierfreie Milcheiweiß geerntet und für den nächsten Schritt an die Hersteller weitergegeben.

 

Kombinieren:

Das Milchprotein wird mit pflanzlichen Fetten, Kohlenhydraten und Salz zu einem Konzentrat verarbeitet, das die Grundlage für die endgültige Käserezeptur von Formo bildet.

 

Gerinnung:

Auf traditionelle Weise wird dieses Konzentrat mit Hilfe von Fermentationsenzymen oder Wärme zu einem Bruch, dem festen Bestandteil des Käses, koaguliert.

 

Umformen:

Der letzte Schritt ist die Formgebung, bei der der frische Käse entweder verpackt oder einem Reifungsprozess unterzogen wird, um einen wirklich starken, einzigartigen Geschmack zu erzielen.

 50 Millionen Dollar für Formo

 

Bereits im Jahr 2021 erhielt die Formo Bio GmbH, mit Sitz in Berlin eine Investitionssumme von 50 Millionen Dollar, was nach dem damaligen Wechselkurs 42 Millionen Euro entsprach. Mit dieser Investition wollen sie nun den Traum vieler Käsefreunde verwirklichen. Veganer Käse, der in seinen Eigenschaften, seinem Geschmack und seinem Aussehen dem Original in nichts nachstehen soll.

 

Das Start-up-Unternehmen Formo beschäftigt sich mit der Herstellung von Käse durch Präzisionsfermentation. Dabei handelt es sich um ein biotechnologisches Verfahren, bei dem Mikroorganismen so programmiert werden, dass sie fast jedes beliebige komplexe organische Molekül wie Proteine, Fette oder Vitamine produzieren.

 

Das junge Unternehmen Formo hat bei der von ihm geplanten Käseproduktion mit Hilfe von Hefezellen die Gene für die Produktion der Milchproteine Kasein und Molkenprotein in Kühen nachgebildet, so dass diese beginnen, Milchproteine zu produzieren. Auf dieser Grundlage wird der Käse hergestellt, so das Start-up. Neben der Herstellung von Weichkäse wie Mozzarella, plant Formo in Zukunft auch härtere Käsesorten, wie Emmentaler auf diese Weise herzustellen.

Kritik und offene Fragen

 

So vielversprechend das Konzept klingt, es gibt auch kritische Stimmen:

 

Zulassungsverfahren: Derzeit befinden sich die Produkte von Formo noch im behördlichen Zulassungsprozess für den EU-Markt. In der Zwischenzeit bleiben sie ein viel diskutiertes, aber für Konsumenten noch nicht greifbares Zukunftsversprechen.

 

Transparenz: Die Website enthält nur rudimentäre Angaben zu den genauen Inhaltsstoffen, Nährwertprofilen oder Allergenen. Insbesondere der Begriff „mikrobiell erzeugte Milchproteine“ könnte Verbraucher:innen irritieren, da gentechnisch veränderte Mikroorganismen im Spiel sind – ein Thema, das in Europa besonders sensibel betrachtet wird.

 

Preis und Zugänglichkeit: Noch ist unklar, wie teuer die Produkte letztlich sein werden und wie breit Formo den Markt bespielen will – Gourmet-Nische oder Massenprodukt?

 

Nachhaltigkeit im Detail: Zwar argumentiert das Start-up mit niedrigeren CO₂- und Wasserbilanzen – belastbare Zahlen oder unabhängige Ökobilanzen fehlen bislang. Die ökologische Vorteilhaftigkeit ist also noch zu belegen.

 

Fazit: Visionär mit Hürden

 

Formo steht exemplarisch für eine neue Generation von Food-Tech-Unternehmen, die Nachhaltigkeit, Ethik und Genuss verbinden wollen. Käse ohne Kühe – das könnte eine echte Alternative für eine wachsende Zahl bewusster Konsumenten sein.

 

Ob der Sprung vom Labor in den Supermarkt gelingt, hängt aber nicht nur von Geschmack und Preis ab – sondern auch von Akzeptanz, Transparenz und regulatorischer Klarheit.


Felix Wolf

Felix Wolf

Redakteur

Master-Student der Wirtschaftswissenschaften mit den Schwerpunkten Ökonometrie, Finanzen und Wirtschaftspolitik.

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