Zwischen Substanzwert und Skepsis: Was zwei Analystenhäuser von der DN Group AG erwarten
Autor: Thomas Feldhaus · Zuletzt aktualisiert: 23.06.26
Wirtschaft Finanzen Nachhaltigkeit · 8 Min. Lesedauer
Mit zwei aktuellen Studien rückt die Frankfurter DN Group AG ("Deutsche Nachhaltigkeit") wieder stärker in den Fokus von Kapitalmarktbeobachtern. GBC AG bestätigt in ihrer Anno-Researchstudie vom 11. Juni 2026 das Rating "Kaufen" mit einem auf 6,90 Euro angehobenen Kursziel, während First Berlin Equity Research mit seiner Erstcoverage vom 12. Juni 2026 eine "Add"-Empfehlung und ein Kursziel von 6,20 Euro ausspricht.
Beide Häuser bewerten die Gesellschaft auf Basis des Substanzwerts (Net Asset Value), kommen aber zu unterschiedlichen Schlussfolgerungen hinsichtlich eines angemessenen Holding-Abschlags – ein Unterschied, der die methodische Bandbreite bei der Bewertung junger Beteiligungsgesellschaften illustriert.
Auf einen Blick
-
Zwei Analysten, ähnlicher NAV – unterschiedliche Bewertung GBC AG und First Berlin kommen unabhängig auf einen NAV von rund 6,90 Euro je Aktie. Während GBC diesen direkt in ein „Kaufen“-Rating mit Kursziel 6,90 Euro übersetzt, nimmt First Berlin einen 10-Prozent-Holdingabschlag vor und sieht ein Kursziel von 6,20 Euro („Add“).
-
Portfoliowert stark konzentriert auf drei Beteiligungen Rund 97 Prozent des Portfoliowerts entfallen auf More Impact AG, Algene Holding SE und EcoMotion Holding AG mit zusammen etwa 412 Mio. Euro Buchwert. Die Algene-Beteiligung wurde weitgehend cash-neutral über Aktientausch strukturiert, was wesentlich zum bilanziellen Ergebnis 2025 beitrug.
-
Solide Bilanz, aber steigende Finanzierungskosten und kurzer Track Record Die Eigenkapitalquote liegt bei 84 Prozent, das Eigenkapital übersteigt die Marktkapitalisierung deutlich. Gleichzeitig stiegen die Finanzverbindlichkeiten auf 70,5 Mio. Euro, verbunden mit rund 4,5 Mio. Euro jährlichen Zinskosten. Der Aufbau des Portfolios ist jung – die Mehrzahl der Beteiligungen wurde erst seit 2024 aufgebaut.
Die Transformationsgeschichte der DN Group AG ist noch jung. Bis Ende 2024 firmierte das Unternehmen als Neon Equity AG und war als Immobilien-Beteiligungsgesellschaft positioniert, deren zentrales Asset eine Beteiligung an der publity AG war. Mit dem Verkauf dieser Position an ein Investmentvehikel des früheren publity-CEOs Thomas Olek und der anschließenden Umfirmierung – zunächst in "DN Deutsche Nachhaltigkeit AG", dann in "DN Group AG" – vollzog das Unternehmen einen kompletten strategischen Schwenk, weg von Immobilien, hin zu sogenanntem Impact Investing.
Der neue Fokus liegt auf Beteiligungen an Unternehmen mit messbarem ökologischem oder sozialem Nutzen in den Bereichen Künstliche Intelligenz, Mobilität, zirkuläre Ökonomie, Ernährung, Gesundheit und Energie. First Berlin hebt hervor, dass die DN Group dabei einen Investmenthorizont von 24 bis 48 Monaten verfolgt und sich überwiegend auf kleine und mittelgroße Unternehmen aus der DACH-Region konzentriert – Firmen, die meist noch geringe Umsätze, aber innovative Geschäftsmodelle mit mittelfristigem Profitabilitätspotenzial aufweisen.
Innerhalb von weniger als zwei Jahren hat sich das Portfolio auf elf Beteiligungen ausgeweitet, von denen acht das eigentliche "Impact-Portfolio" bilden. Geführt wird die Gesellschaft von CEO Ole Nixdorff, der seit Anfang 2023 zunächst als Finanzvorstand und seit Juli 2024 als Vorstandsvorsitzender amtiert. Verstärkung erhielt das Management im Juli 2025 durch Dr. Andreas Rickert als Chief Impact Officer – laut First Berlin einer der renommiertesten deutschen Nachhaltigkeitsexperten, mit Stationen bei McKinsey, der Bertelsmann Stiftung, der Weltbank und als Gründer der Analyse- und Beratungsgesellschaft Phineo gAG.
Die Aktie der DN Group AG
-
WKN A3DW40
-
ISIN DE000A3DW408
-
Tickersymbol D77
-
Gesamtanzahl der Aktien 55.584.518 Stückaktien
-
Satzungsmäßiges Grundkapital 55.584.518 EUR
-
Börsennotierung Börse Düsseldorf
Die drei Kernbeteiligungen: Medizintechnik, Mikroalgen und Parkraum
Das Schwergewicht des Portfolios liegt auf drei Beteiligungen, die zusammen rund 97 Prozent des bilanziellen Beteiligungswerts ausmachen.
Medizintechnik, Mikroalgen und Parkraum bilden das Fundament des Portfolios
Die drei Schwergewichte im Portfolio der DN Group AG
Die DN Group setzt auf wenige, dafür hoch gewichtete Beteiligungen. Die größten Positionen reichen von patentierten Medizintechnologien über industrielle Mikroalgenproduktion bis hin zu automatisierten Parkhaussystemen.
More Impact AG
Die More Impact AG entwickelt über ihre Tochtergesellschaften Medizintechnologien wie nadellose Injektionssysteme und schadstoffärmere Inhalatoren sowie quantensichere Kryptographie und bildet mit einem Buchwert von 221,2 Millionen Euro die größte Beteiligung der DN Group.
Algene Holding SE
Die Algene Holding SE produziert mithilfe patentierter Photobioreaktoren hochreine Mikroalgen für Anwendungen in Kosmetik, Ernährung und perspektivisch der Pharmaindustrie und gilt als zweites strategisches Standbein der DN Group.
EcoMotion Holding AG
Die EcoMotion Holding AG entwickelt automatisierte Parkhaussysteme mit integrierter Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge, die den Flächenbedarf deutlich reduzieren und neben Bauerlösen wiederkehrende Softwareeinnahmen generieren sollen.
More Impact AG ist die mit Abstand wichtigste Position. Die börsennotierte Holding versteht sich als "High-Tech Medical Hub" und hält über Tochtergesellschaften mehrere medizintechnische Patente. Dazu zählt zum einen die BG Braingate Technology GmbH mit ihrer "Heat-not-Burn"-Inhalator-Technologie (Z-Boxx, C-Boxx, M-Boxx), die schadstoffärmeren Konsum von Nikotin, medizinischem Cannabis oder Medikamenten ermöglichen soll.
Zum anderen entwickelt die Tochter The Key Unternehmensberatung GmbH mit "Speedinject" eine nadellose, elektromagnetisch angetriebene Injektionstechnologie, für die bereits ein US-Patent erteilt wurde – mit potenziellen Anwendungsfeldern in der Diabetesversorgung und bei Abnehmspritzen, zwei laut First Berlin milliardenschweren und schnell wachsenden Märkten. Eine dritte Tochter, More ESG GmbH, hat sich von der Wertpapier-Tokenisierung weg- und zur Entwicklung quantensicherer Kryptographie hinbewegt.
Im Rahmen des Erwerbs der Algene Holding SE reduzierte die DN Group ihre Beteiligung an More Impact von zuvor 46,6 Prozent auf nunmehr 35,1 Prozent – sie gab dafür 30 Millionen More-Impact-Aktien im Tausch ab. Der bilanzielle Wertansatz der Position sank entsprechend von 280,9 auf 221,2 Millionen Euro.
Algene Holding SE, Ende 2025 neu ins Portfolio aufgenommen, produziert über ihre Tochtergesellschaft in Duderstadt hochreine Mikroalgen in geschlossenen, patentierten Photobioreaktor-Systemen unter Reinraumbedingungen.
Diese Methode soll laut Unternehmensangaben drei- bis viermal höhere Erträge als konventionelle Verfahren ermöglichen, bei kontinuierlicher Produktion unabhängig vom Tageslicht. Zielmärkte sind Kosmetik, Ernährung – etwa als Futter für Fischlarven und Garnelen – sowie perspektivisch die Pharmaindustrie, wo gemeinsam mit der Technischen Universität München an der Isolierung pharmazeutischer Wirkstoffe wie Phycocyanin geforscht wird.
Für 2026 strebt Algene eine Produktion von neun Tonnen Mikroalgen bei einem Umsatz von rund zwei Millionen Euro und einer "schwarzen Null" an. Der Erwerb der Beteiligung erfolgte größtenteils liquiditätsneutral über einen Aktientausch und wird zum 31. Dezember 2025 mit 112,2 Millionen Euro bilanziert.
EcoMotion Holding AG, an der die DN Group 88 Prozent hält (Buchwert: 78,4 Millionen Euro), bietet eine patentierte, modulare Technologie für automatisierte Parkhäuser inklusive Elektroauto-Ladeinfrastruktur. Durch den Wegfall von Rampen, Rangierflächen und Treppenhäusern lässt sich laut Unternehmen bis zu 60 Prozent der Parkfläche einsparen.
EcoMotion agiert dabei als Generalunternehmer mit einer angestrebten EBIT-Marge von rund 10 Prozent auf den Bau sowie einer zusätzlichen jährlichen SaaS-Gebühr von 2 Prozent für die Softwarenutzung. Ein erster Vertrag für ein Parkhaus in Deutschland mit einem Volumen im mittleren zweistelligen Millionenbereich liegt bereits vor; Baubeginn wird Ende 2026 oder Anfang 2027 erwartet.
Beteiligungen der DN Group AG (Auswahl)
Das übrige Portfolio der DN Group AG: Von Lederersatz bis Windkraft
Neben den drei Schwergewichten hält die DN Group kleinere Positionen an fünf weiteren operativen Beteiligungen sowie drei Ökosystem-Investments.
Die Susmata Holding AG, an der die DN Group rund 7,3 Prozent hält, ist im November 2025 per Reverse Takeover über eine Sachkapitalerhöhung von 80 Millionen Euro an die Börse Düsseldorf gegangen. Das deutsch-türkische Unternehmen stellt unter der Marke "Wastea" einen veganen Lederersatz aus Tee-Reststoffen der "Kategorie 4" her – jenen Abfallprodukten des Teeanbaus, die wegen ihres Koffeingehalts weder als Lebens- noch als Futtermittel taugen. Laut First Berlin verbraucht die Herstellung von Wastea bis zu 100 Prozent weniger CO₂ und nur einen Bruchteil des Wassers, das für tierisches Leder benötigt wird (maximal vier Liter pro Quadratmeter gegenüber 120 bis 500 Litern).
Die SW Save the Water Holding AG (9,5 Prozent, Buchwert rund 1 Million Euro) entwickelt mit "Soapeya" eine wasserfreie, biologisch abbaubare Handseife auf Reibungsbasis, die ein "exzellentes" Prüfungsurteil von Dermatest erhalten hat und derzeit vor allem über Nichtregierungsorganisationen im globalen Süden vertrieben wird.
Mit der Windwise GmbH (20 Prozent, beteiligt seit März 2026) ist die DN Group bei einem Münsteraner Windenergie-Spezialisten engagiert, dessen patentierte "MaxCap"-Technologie auch bei schwächeren Windverhältnissen – ab etwa 7,5 Meter pro Sekunde – hohe Volllaststunden erreichen soll. First Berlin sieht hier eine vielversprechende Nischenposition für dezentrale Standorte mit begrenzter Netzkapazität, weist aber auch auf den harten Wettbewerb mit etablierten Herstellern wie Vestas, Nordex oder Siemens Gamesa hin.
Hinzu kommen die Tridi Solutions GmbH (5 Prozent), ein österreichisches Start-up, das KI-gestützte Software zur Unterstützung chirurgischer Eingriffe entwickelt, sowie eine marginale Restposition von 0,1 Prozent an der Global Health Care AG, einer Fitness- und Gesundheitsholding, die DN im Geschäftsjahr 2025 wegen schlechter operativer Entwicklung um 4,5 Millionen Euro abschreiben musste.
Im Bereich der sogenannten Ökosystem-Beteiligungen hält die DN Group 100 Prozent an der International Impact Consulting AG, die seit Oktober 2024 das "International Impact Forum" (IIF) veranstaltet – eine mehrmals jährlich an wechselnden Standorten stattfindende Konferenzreihe der Nachhaltigkeitsszene.
Weiterhin engagiert sich die DN Group mit 16,7 Prozent an den Schweizer Una Terra Venture Studios, die einen Early-Growth-Impact-Fonds mit Zielvolumen von 200 Millionen Euro aufbauen, sowie mit 11,8 Prozent an der Tokenisierungsplattform Ownity AG.
Zwei Bewertungsansätze, zwei Kursziele
Beide Analysehäuser stützen ihre Bewertung auf den Substanzwert (NAV), kommen aber zu unterschiedlichen Ergebnissen. GBC Research ermittelt für das Gesamtvermögen von 459,3 Millionen Euro nach Abzug der Verbindlichkeiten von 75,7 Millionen Euro einen NAV von 383,6 Millionen Euro, was 6,90 Euro pro Aktie entspricht – und vergibt darauf basierend, ohne Abschlag, das Rating "Kaufen". Bei einem Schlusskurs von 5,90 Euro am 10. Juni 2026 ergäbe sich daraus ein Aufwärtspotenzial von rund 17 Prozent.
First Berlin kommt mit 384,1 Millionen Euro beziehungsweise 6,91 Euro pro Aktie auf einen nahezu identischen unverwässerten NAV, wendet darauf aber einen Holding-Abschlag von 10 Prozent an – mit der Begründung, die Portfoliounternehmen befänden sich in einem sehr frühen Entwicklungsstadium, generierten im Verhältnis zu den gezahlten Kaufpreisen geringe oder keine Umsätze, und die zugrunde liegenden Bewertungen basierten auf teils optimistischen Businessplänen. Daraus resultiert das Kursziel von 6,20 Euro und ein Aufwärtspotenzial von rund 5 Prozent bei einem Schlusskurs von 5,90 Euro am 11. Juni 2026 – verbunden mit der Einstufung "Add" und einer hohen Risikobewertung.
| Kennzahl | GBC Research | First Berlin |
|---|---|---|
| Bewertungsansatz | Net Asset Value (NAV) | Net Asset Value (NAV) |
| NAV gesamt | 383,6 Mio. € | 384,1 Mio. € |
| NAV je Aktie | 6,90 € | 6,91 € |
| Kursziel | 6,90 € | 6,20 € |
| Rating | Kaufen | Add |
Die Analysen zum Download:
➡️ GBC Research
➡️ First Berlin
Geschäftszahlen 2025 der DN Group AG: Buchgewinne statt operativer Substanz
Die Gewinn- und Verlustrechnung der DN Group für 2025 zeigt ein Bild, das für Beteiligungsgesellschaften in der Aufbauphase typisch ist, aber genauer Betrachtung bedarf. Die Gesamterträge gingen von 204,5 Millionen Euro im Vorjahr auf 47,7 Millionen Euro zurück – ein Rückgang, der jedoch wenig über die operative Substanz aussagt, da der Vorjahreswert maßgeblich durch Einbringungseffekte bei Tochtergesellschaften geprägt war.
Der Jahresüberschuss stieg trotz rückläufiger Erträge von 20,2 auf 23,1 Millionen Euro. First Berlin ordnet diesen Anstieg präzise ein: Die sonstigen betrieblichen Erträge von 45 Millionen Euro resultieren größtenteils nicht-zahlungswirksam aus dem Aktientausch zwischen More-Impact- und Algene-Aktien. Da die abgegebenen More-Impact-Anteile zu einem höheren Wertansatz verbucht wurden, als sie ursprünglich angeschafft worden waren, entstand ein Buchgewinn – trotz Cash-Neutralität der Transaktion. Gleichzeitig fielen 2025 zwei außerplanmäßige Abschreibungen an: 4,2 Millionen Euro auf Forderungen gegen Dritte und 4,5 Millionen Euro auf die Global-Health-Care-Beteiligung.
Erstmals nennenswert trugen Umsatzerlöse aus dem zweiten Geschäftsstandbein, der Kapitalmarktberatung, mit 2,51 Millionen Euro zum Ergebnis bei – nach lediglich 0,14 Millionen Euro im Vorjahr. Beide Analysehäuser sehen in diesem Geschäftsfeld einen wichtigen Baustein für die Zukunft: First Berlin geht davon aus, dass die DN Group die Beratungsumsätze von 4,3 Millionen Euro im laufenden Jahr 2026 auf 5,6 Millionen Euro bis 2028 steigern und damit die operativen Kosten der Holding decken kann, ohne auf Erträge aus Beteiligungsverkäufen angewiesen zu sein.
Bilanzstruktur: Komfortable Eigenkapitalquote, wachsende Anleiheverschuldung
Die Bilanzsumme wuchs 2025 um 48 Prozent auf 460 Millionen Euro, getrieben vom Anstieg der "Anteile an verbundenen Unternehmen" um 47 Prozent auf 412,7 Millionen Euro. Das Eigenkapital erhöhte sich um 36 Prozent auf 386,5 Millionen Euro, unter anderem durch eine Sachkapitalerhöhung im Zusammenhang mit dem EcoMotion-Erwerb, bei der 11,53 Millionen neue Aktien zu einem Kurs von 6,80 Euro ausgegeben wurden.
Gleichzeitig kletterten die Finanzverbindlichkeiten um 226 Prozent auf 70,5 Millionen Euro. Die Eigenkapitalquote sank dadurch von 91,7 auf 84,0 Prozent – nach Einschätzung beider Analysehäuser nach wie vor ein komfortables Niveau für eine Beteiligungsgesellschaft. First Berlin benennt die Struktur der Verschuldung genauer. Sie verteilt sich auf eine 2024/2029-Anleihe mit einem Volumen von 30,7 Millionen Euro sowie eine 2025/2030-Anleihe mit 38,7 Millionen Euro, beide mit einem Kupon von 10 Prozent. Wobei die DN Group rund 26 Millionen Euro ihrer 2024/2029-Anleihe zum 31. Dezember 2025 selbst hielt.
Daraus resultieren jährliche Zinszahlungen von rund 4,5 Millionen Euro ein Kostenblock, den First Berlin explizit als eine der zentralen Schwächen des Geschäftsmodells benennt, zumal der überwiegende Teil der Anleihen 2030 zur Rückzahlung fällig wird.
Eigentümerstruktur und Streubesitz als Risikofaktor
Beide Studien verweisen auf die ausgeprägte Konzentration der Aktionärsstruktur: 87,25 Prozent der Anteile hält die SP1 Equity GmbH, die wiederum zur Schweizer swisspartners Group AG gehört – einem 1993 gegründeten, unabhängigen Finanzdienstleister mit rund 100 Mitarbeitenden und Standorten in Zürich, Rapperswil und Vaduz. Der verbleibende Streubesitz von rund 12 bis 13 Prozent führt laut First Berlin zu einem sehr geringen durchschnittlichen Handelsvolumen von etwa 1.100 Aktien beziehungsweise rund 6.200 Euro pro Tag in den vergangenen drei Monaten – ein Umstand, der es institutionellen Investoren erschwert, sich an der Gesellschaft zu beteiligen, und die Aktie für volatile Kursausschläge anfällig macht.
Investmentprozess als Differenzierungsmerkmal
Ein Aspekt, dem First Berlin in seiner ausführlicheren Studie besonderen Raum gibt, ist der sogenannte Venture Impact Assessment (VIA)-Prozess, den die DN Group gemeinsam mit der Nachhaltigkeitsberatung THE SEVENTEEN sowie wissenschaftlicher Begleitung durch Prof. Dr. Torsten Weber (CBS International Business School Köln) und Prof. Dr. Christoph Willers entwickelt hat.
Der mehrstufige Prozess kombiniert eine Negativselektion – Ausschluss von Investments in fossile Brennstoffe, Waffen, Tabak, Glücksspiel oder Unternehmen mit Menschenrechtsverstößen – mit einer Positivselektion anhand der UN-Nachhaltigkeitsziele (SDGs) und einem 40 Kriterien umfassenden ESG-Score-Modell mit einer Bewertungsskala von minus 100 bis plus 100 Punkten. Investments müssen mindestens 25 Punkte erreichen, um in die finale Investitionsphase überführt zu werden.
Risikofaktoren: Zwei Häuser, ähnliche Diagnose
In der Risikoeinschätzung gehen beide Analysen weitgehend konform. GBC benennt als zentrale Risiken eine negative operative Entwicklung der Beteiligungen, Verkaufspreise unterhalb der angesetzten Zielwerte sowie Herausforderungen bei der Finanzmittelbeschaffung. First Berlin führt dies differenzierter aus und verweist zusätzlich auf ein "Cashflow-Synchronisierungsrisiko". Da neue Beteiligungserwerbe regelmäßig durch den Verkauf bestehender Positionen oder zusätzliches Eigen- beziehungsweise Fremdkapital finanziert werden müssen, sei eine enge zeitliche Abstimmung zwischen Mittelzu- und -abflüssen erforderlich – eine in volatilen Märkten anspruchsvolle Aufgabe, zumal die Fälligkeiten der beiden Anleihen 2029 und 2030 bereits feststehen.
Auch der mit der Neuausrichtung verbundene kurze Track Record wird von First Berlin offen thematisiert. Acht der elf Beteiligungen wurden erst seit September 2024 aufgebaut, wertsteigernde Exits hat die Gesellschaft bislang noch nicht realisiert. First Berlin rechnet für den Zeitraum 2026 bis 2028 mit keinen größeren Veräußerungen, kalkuliert aber vorsichtshalber mit einem Teilverkauf von vier Millionen More-Impact-Aktien im Jahr 2027 zum reinen Buchwert, um den Liquiditätsbedarf zu decken – ohne dabei Sondererträge aus Aufschlägen oberhalb des Buchwerts einzupreisen. Entsprechend weisen die Gewinnschätzungen für 2026 bis 2028 durchgehend Nettoverluste zwischen 3,7 und 4,1 Millionen Euro aus, getrieben vor allem durch die Zinslast aus den Anleihen.
Fazit: Substanzstarkes Portfolio mit Bewertungsfragen
Die DN Group AG präsentiert sich als Beteiligungsgesellschaft mit einem in kurzer Zeit aufgebauten, thematisch breit gefächerten Portfolio an Impact-Unternehmen – von Medizintechnik über Mikroalgenproduktion und automatisierte Parklösungen bis hin zu nachhaltigen Materialien und Windenergie. Die bilanzielle Substanz ist dabei beträchtlich. Mit einem Eigenkapital von 386,5 Millionen Euro bei einer Marktkapitalisierung von rund 328 Millionen Euro notiert die Aktie unterhalb des bilanziellen Buchwerts pro Aktie von 6,95 Euro.
Die zentrale Frage für Investoren bleibt jedoch, wie diese auf dem Niederstwertprinzip des HGB basierenden Buchwerte zu interpretieren sind – sie spiegeln, wie First Berlin betont, nicht notwendigerweise eine seit dem Erwerb eingetretene Wertsteigerung wider, sondern können auch stille Reserven verbergen, die erst bei einem tatsächlichen Verkauf realisiert würden. Ob der von First Berlin angesetzte Holding-Abschlag von 10 Prozent angesichts des frühen Entwicklungsstadiums der meisten Portfoliounternehmen angemessen ist oder ob, wie GBC es sieht, der volle NAV als fairer Wert gelten sollte, dürfte sich erst zeigen, wenn die DN Group ihre erste größere Beteiligung tatsächlich veräußert – ein Ereignis, auf das beide Analysehäuser in den kommenden Jahren mit Spannung blicken werden.
FAQ Bewertung DN Group AG
Thomas Feldhaus
Chefredakteur | Wirtschaftsjournalist
Thomas Feldhaus macht sichtbar, was Wirtschaft antreibt – und was sie verändert. Journalismus trifft Content: präzise, relevant, auf den Punkt.