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Vertragshilfe24 – „Versicherte rennen weiter in den Dolch“ der Kapital-Lebensversicherungen und Fondsrenten

Autor: Thomas Breithaupt · Zuletzt aktualisiert: 27.04.25

Recht Versicherungen · 12 Min. Lesedauer

Vertragshilfe24 – „Versicherte rennen weiter in den Dolch“ der Kapital-Lebensversicherungen und Fondsrenten - Titelbild

Laut Vertragshilfe24 wurden im vergangenen Jahr fünf Millionen neue kapitalbildende Lebensversicherungspolicen abgeschlossen. In Summe gibt es damit nun 85 Millionen solcher Verträge in Deutschland.

 

Und das, obwohl die Alarmsignale bei Kapital-Lebensversicherungen und fondsgebundenen Rentenversicherungen unübersehbar sind: Die Finanzdienstleistungsaufsicht BaFin erzwang beispielsweise im letzten Jahr von der 1971 gegründeten genossenschaftlichen Barmenia Lebensversicherung auf Gegenseitigkeit in Wuppertal den Markt-Rückzug von deren fondsgebundenen Rentenversicherungen wie Barmenia PrivatRente Invest, wie der Versicherungsmonitor am 6. Februar 2025 aufdeckte.

 

Dennoch feiern die Versicherungskonzerne weiter Prämienzuwächse.

Sven Enger Vertragshilfe24-Experte und Geschäftsführer der Berliner Verbraucher-Graswurzelbewegung auxinum GmbH

Die Versicherten rennen weiterhin wirklich sehenden Auges in diesen Dolch hinein.

Vertragshilfe24-Experte und Geschäftsführer der Berliner Verbraucher-Graswurzelbewegung auxinum GmbH

Sven Enger

Sven Enger war einst selbst Vorstand der Skandia Lebensversicherung AG in Berlin und Geschäftsführer des schottischen Lebensversicherers Standard Live in Edinburgh, auf dem Verbraucher-Informationsportal Vertragshilfe24.de (Zitat aus obigen Video ab Minute 3:35). 

Das Wichtigste in Kürze

  1. Warum sind die Lebensversicherungen Dolche für den Vermögensaufbau? Lebensversicherungsvorstand a.D. Sven Enger: „Ein kleiner Sparanteil bleibt über.“ Versicherungsmathematiker Professor Dr. Philipp Schade aus Dortmund in Nordrhein-Westfalen: „Zwei Drittel der Überschüsse“ werden den Verträgen nicht zugewiesen.
  2. Warum rennen die Versicherten weiterhin in die Vermögens-Dolche der Kapital-Lebensversicherungen und Fondsrenten? Antwort: Weil die Geschichte leicht erzählt ist und der Vertrieb dank hoher Provisionen einen Anreiz hat, die Produkte zu vermitteln.
  3. Die BaFin erzwang 2024 den Rückzug von Barmenia-Policen und hat bereits bei 13 Versicherern einen fehlenden angemessenen Kundennutzen und zu hohe Kosten festgestellt, wie SQUAREVEST.AG berichtete. Die BaFin plant, 2025 vier weitere Versicherer im Rahmen der Wohlverhaltensaufsicht zu prüfen, wie AssCompact am 14. Januar 2025 berichtete. 
  4. Barmenia-Policen rechnen sich schlecht: Die Barmenia PrivatRente Invest fiel 2024 bei zwei Finanzmathematikern durch.
  5. Die Verbraucherzentrale Hamburg wertete 2022 128 Verträge verschiedener Anbieter aus: „Private Rentenversicherungen lohnen sich nur für Schildkröten.“ Die Verträge rentieren sich erst, wenn man mindestens 95 Jahre alt wird – ein Alter, das 15 Jahre über der aktuellen Lebenserwartung liegt.
  6. Die Alternative heißt Eigenverantwortung: Trennung von Vorsorge und Vermögensaufbau.
  7. Wie kommt man aus den Policen wieder raus? Vertragshilfe24 empfiehlt die Prüfung einer Abwicklung in Gänze statt Verkauf, Kündigung oder Stilllegung.

Vertragshilfe24: Warum sind Kapital-Lebensversicherungen Dolche für den Vermögensaufbau?

 

A) Ex-Versicherungsvorstand Sven Enger: „Dann bleibt ein kleiner Sparanteil über“

Der Versicherungsvorstand a.D. Sven Enger weiß aus eigener Praxis: „Die kapitalbildende Lebensversicherung ist kein Produkt, was das, was es verspricht, auch nur ansatzweise halten kann.“

 

Die Berliner Finanzjournalistin Carola Ferstl fragte Sven Enger am 14. Januar 2025 auf YouTube (im Video in diesem Abschnitt ab Minute 2:32): „Ich als Käufer einer Lebensversicherung denke mir, da gebe ich 100 Euro im Monat. Und diese 100 Euro werden für mich angelegt. Aber das ist eben nicht der Fall.“ 

 

Sven Enger: „Nein, das ist absolut nicht der Fall. Da passieren mehrere Dinge gleichzeitig. Also 100 Euro gebe ich an die Versicherung. Und dann wird davon, bevor ein Sparbeitrag entsteht, abgezogen: die Risikobeiträge für die biometrischen Risiken, sprich Todesfallleistungen, unter Umständen Berufsunfähigkeitsleistungen, weitere Zusatzversicherungen werden halt abgezogen. 

 

Verwaltungskosten, die entstehen für die Verwaltung meines Vertrages. Witzigerweise wird darüber auch sehr intensiv diskutiert, gesprochen, aber auch verglichen.

 

Aber es gibt eben auch andere Kosten. Wie zum Beispiel: Die meisten zahlen monatlich ihre Beiträge. Und da nimmt die Versicherung einen Monatsaufschlag, einen Ratenzahlungszuschlag, weil sie in ihrer Kalkulation sagt, sie kriegt das Geld eigentlich jährlich. Und wenn ich das monatlich mache, ist das praktisch wie eine Stundung. Das sind bis zu 8 Prozent, was einem effektiven Jahreszins von 11,83 Prozent entspricht.“

 

Sven Enger weiter: „Also es sind viele versteckte Kosten drin, und die seien jetzt hier mal nur exemplarisch genannt. Den Fokus ausschließlich auf die Verwaltungskosten zu richten, ist eben dann zu wenig. 


Wenn man das jetzt in der Summe sieht, dann bleibt ein relativ kleiner Sparanteil über, der dann auch noch zu Lasten einer möglichen Inflation geht.“

 

B) Versicherungsmathematiker Professor Dr. Philipp Schade: „Zwei Drittel der Überschüsse“ werden nicht zugewiesen.

Der Dortmunder Versicherungsmathematiker und Gutachter Professor Dr. Philipp Schade, CEO und Mitgesellschafter des Gutachten-Erstellers Advoconto GmbH aus dem hit-Technopark Hamburg-Harburg, kommt gegenüber Vertragshilfe24 am 24. Januar 2025 auf YouTube (im YouTube-Video hier im Artikel-Abschnitt ab Minute 2:06) zu dem Ergebnis: „Dass die Versicherer in großem Stil sicher circa – also eine Daumengröße – zwei Drittel der Überschüsse, die sie hätten zuteilen müssen, nicht den Verträgen im Laufe ihrer Vertragslaufzeit zuweisen.“

  Finanzjournalistin Carola Ferstl mit ihrem YouTube-Kanal Money Talk aus Berlin und Sven Enger aus Hamburg, Versicherungsexperte bei Vertragshilfe24 © Vertragshilfe24, Baar und auxinum GmbH, Berlin
  Finanzjournalistin Carola Ferstl mit ihrem YouTube-Kanal Money Talk aus Berlin und Sven Enger aus Hamburg, Versicherungsexperte bei Vertragshilfe24 © Vertragshilfe24, Baar und auxinum GmbH, Berlin

Vertragshilfe24: Warum rennen die Versicherten weiterhin in Vermögens-Dolche wie Kapital-Lebensversicherungen und Fondsrenten? 

 

Dennoch meldet Vertragshilfe24 aktuell: „Die Versicherungen haben seit der Zinserhöhung massiv in Werbekampagnen investiert und wurden mit einer Menge an Neuabschlüssen belohnt, die vor wenigen Jahren noch für völlig unmöglich gehalten wurden.“

 

Carola Ferstl hakt nach (im obigen YouTube-Video „Vertragshilfe24: Lebensversicherung – zuverlässige Absicherung oder schlechte Investition?“ ab Minute 5:18): „Jetzt muss man sagen, die Lebensversicherung ist trotzdem so wahnsinnig erfolgreich. Auch wieder in den vergangenen Monaten haben wir es gesehen, da sind wieder Rekordzahlen, also noch mehr Menschen schließen Versicherungen ab. Woran liegt das denn? Ist es der naive Wunsch, dass sich jemand darum kümmert, dass man eben nicht diese Eigenverantwortung übernehmen muss?“

 

Sven Enger von Vertragshilfe24 erklärt dieses Phänomen so: „Das sind im Grunde genommen zwei Dinge. 

 

Das eine ist: Die Geschichte ist einfach gut. Sie ist schnell, einfach und effizient erzählt. Du gibst mir 100 Euro. Und für diese 100 Euro hast du eine Vorsorge fürs Alter. Du hast eine Vorsorge, falls dir was geschieht. Du hast eine Vorsorge für deine Hinterbliebenen. Wenn du eine Zusatzversicherung nimmst, hast du auch noch eine Vorsorge, falls du in irgendeiner Form krank wirst. Also, es ist ein schönes Paket für 100 Euro. Und das sind Menschen durchaus bereit, in der Einfachheit der Geschichte zu bezahlen.

 

Und auf der anderen Seite ist es nach wie vor so, dass die Vertriebs- und Marketingkosten dahin kalkuliert so interessant sind, dass die Vermittler nach wie vor halt sagen: Es ist ein durchaus lukratives Produkt, den Kunden zu vermitteln. 

 

Und all diese Summe - diese Einfachheit und das ‚gut verdiente Geld‘ darin - machen dieses Produkt nach wie vor extrem erfolgreich.“ 

Mangelnder Kundennutzen: BaFin erzwang 2024 den Rückzug von Barmenia-Policen

 

Die genossenschaftliche Barmenia Lebensversicherung auf Gegenseitigkeit aus Wuppertal musste 2024 ihre fondsgebundenen Rentenversicherungen vom Markt nehmen. 

 

Ansonsten hätte die Barmenia Versicherungen auf Gegenseitigkeit, mit der die Barmenia Lebensversicherung auf Gegenseitigkeit verschmolzen wurde, im September 2024 nicht mit der genossenschaftlichen Gothaer Versicherungsbank Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit in Köln zur neuen Barmenia.Gothaer Finanzholding AG in Köln fusionieren dürfen, wodurch die beiden Genossenschaften zur Nummer 10 der deutschen Versicherungskonzerne aufstiegen. 

 

Herbert Fromme, Versicherungskorrespondent der Süddeutschen Zeitung und Versicherungsmonitor-Gründer aus Köln, schrieb am 6. Februar 2025 im Versicherungsmonitor: „BaFin erzwingt Rückzug von Barmenia-Policen: Die im September 2024 vollzogene Fusion von Barmenia und Gothaer stand noch wenige Monate davor erheblich unter Druck.

 

Grund war eine Wohlverhaltensprüfung der BaFin, die den mangelnden Kundennutzen vor allem von fondsgebundenen Rentenversicherungen der Barmenia heftig monierte. Die Barmenia nahm die Policen rasch vom Markt. Hätte die BaFin eine Verantwortung von Barmenia-Vorständen festgestellt, wäre die Nicht-Genehmigung der Fusion möglich gewesen.“

 

Pech für alle, die Barmenia-Renten-Policen bereits abgeschlossen haben. Die BaFin-Maßnahme nützt den Bestandskunden nichts.

Barmenia-Policen rechnen sich schlecht: Barmenia PrivatRente Invest fällt durch

 

Die Barmenia aus Wuppertal bewarb ihre Police Barmenia PrivatRente Invest mit den Worten: „Wenn attraktive Renditechancen des Kapitalmarktes Sie locken, dann ist die Barmenia PrivatRente Invest für Sie die richtige Wahl. 

 

  • garantierter Rentenfaktor 
  • attraktive Renditechancen“ 

 

Doch die Barmenia PrivatRente Invest hält einer Prüfung eines angemessenen Kundennutzens nicht stand.

 

A) Der Finanzdienstleistungs-Sachverständige Dominik Schwiese errechnete: Kosten halbieren die Rendite

Dominik Schwiese, eingetragener Sachverständiger für Finanzdienstleistungen und selbstständiger Partner der Karlsruher Honorarfinanz AG aus Freiburg im Breisgau in Baden-Württemberg, rechnete am 26. Mai 2024 auf YouTube vor: „Wir haben hier eine 48-jährige Dame, die bis zum 67. Lebensjahr Altersvorsorge betreiben möchte. 

 

Aktuell hat sie einen Steuersatz von 35 Prozent. Und auf Produktebene haben wir folgende Daten. Wir haben die Barmenia PrivatRente Invest mit 50.000 Euro Einmalanlage und einer monatlichen Sparrate von 800 Euro, was 9.600 Euro pro Jahr ergibt. 

 

Wir haben ein Renditepotential von 9 Prozent ausgemacht. Das Ganze wird über das Halbeinkünfteverfahren mit einer Teilfreistellung von 15 Prozent später versteuert.“

Was ist TER?

Die Total Expense Ratio bezeichnet die laufenden Kosten eines Fonds oder ETFs. Sie werden in Prozent angegeben und beziehen sich immer auf ein Jahr. Die TER sagt aus, um wie viele Prozentpunkte die Kosten im Jahr die Kunden-Rendite schmälern. 

Dominik Schwiese weiter: „Dann haben wir Abschlusskosten von 2,5 Prozent. Dann haben wir die TER mit 1,78 Prozent ausgewiesen. Wir haben die sonstigen renditemindernden Faktoren mit 1,03 Prozent ausgemacht.

 

Wir haben die Kosten auf den Einmalbetrag, die Betakosten, von 6,2 Prozent. Und vom laufenden Beitrag 10,88 Prozent.“

 

Dominik Schwiese rechnet nun hoch: „So, und danach gehen wir auf hochrechnen. Da kommen wir auf die eingezahlte Summe in Höhe von 232.400 Euro. Wir haben Zinserträge in Höhe von 326.714 Euro. Wir haben Kosten in Höhe von 134.905 Euro. Wir lösen Steuern aus in Höhe von 30.101 Euro. So dass der Auszahlungsbetrag bei 394.109 Euro liegt.“

 

Fazit, so Dominik Schwiese: „Von den 9 Prozent kommen gerade mal 4,94 Prozent bei dir als Kunde an.“

 

Im Klartext: Die Kosten halbieren die Rendite. 

Mit 116 Jahren rentiert sich erst eine Rente der Barmenia PrivatRente Invest

 

Dominik Schwiese: „Kommen wir auf die Zahlen des Anbieters zu sprechen. Wir hatten ja den Rentenfaktor von 16,93 Euro je 10.000 Euro Kapital im Produktinformationsblatt ausgewiesen. Und das heißt, dass unsere Interessentin hier bei dem Guthaben von 394.109 Euro eine Rente von 667,22 Euro pro Monat ausbezahlt bekommt.

 

Das heißt aber auch, dass die Interessentin diese Rente für 590 Monate bekommen muss, nur um überhaupt ihr Endkapital von 394.109 Euro ausbezahlt zu bekommen.

 

Und das sind etwas mehr als 49 Jahre.“ 

Was ist der Break Even Point?

Die Gewinnschwelle (auch Nutzenschwelle oder Kostendeckungspunkt; englisch break even point) ist der Punkt, an dem die Erlöse und Gesamtkosten einer Produktion (oder eines Produktes) gleich hoch sind. Wird die Gewinnschwelle überschritten, entstehen Gewinne, wird sie unterschritten, entsprechend Verluste. 

Fazit, so Dominik Schwiese: „Das heißt: Erst ab dem 116. Lebensjahr der Interessentin wird sie überhaupt die Wette gegen die Versicherung gewinnen. Und nehmen wir mal den aktuellen Rentenfaktor von 21,11, dann haben wir immerhin eine Rente von 831,96 Euro. Wir brauchen nur noch, 474 Monate bis zum Break Even. Und das sind immer noch fast 40 Jahre. 


Also auch hier das 107. Lebensjahr. Ab dann haben wir den Break Even.“

 

B) Hybridmakler für Investment und Vorsorge Franz Paufler: Barmenia im Marktvergleich nur halbe Ablaufleistung nach Steuern

Franz Paufler aus Dresden in Sachsen, Experte für Altersvorsorge, finanzmathematische Analyse und Steueroptimierung bei Deutschlands erstem Hybridmakler für Investment und Absicherung, der Level V Finanz GmbH aus Hamburg-Hohenfelde an der Außenalster von den Inhabern (zu je einem Drittel) Versicherungsmakler Florian Ramirez aus Hamburg-Stellingen, Karim Sagner aus Hamburg (gründete zusätzlich am 25. Januar 2025 den digitalen Versicherungs-Vertrieb Agency Doppelklick GmbH in Hamburg-Altstadt) und Till Freudenreich aus Wuppertal in Nordrhein-Westfalen, rechnete am 25. April 2024 auf YouTube einen Fall aus seiner Praxis vor: „Der Kunde hat jetzt noch 36 Jahre Zeit, bis er in Rente gehen möchte. Und er möchte auch die vollen 36 Jahre die 210 Euro monatlich investieren. Und zu Beginn möchte er eine Zuzahlung von 5.000 Euro tätigen. Honorare und Servicegebühren entfallen, da der Kunde hier einen Provisionstarif hat.

 

Im nächsten Schritt trage ich die Rendite ein. Hier habe ich die 5,11 Prozent genommen, die in den letzten 10 Jahren auch der Fonds realisiert hat.“ 

 

Ausgewählt hat die Barmenia hier den Luxemburger Fidelity Funds – European Growth Fund A (EUR).

 

Franz Paufler weiter: „Die Fondskosten kann man direkt so übernehmen mit 2,2 Prozent. Und dann müssen wir nur noch die Besteuerung eintragen. Hier haben wir ein Halbertragsverfahren mit einer Freistellung von 15 Prozent. Und der Kunde schätzt seinen durchschnittlichen Steuersatz auf 23 Prozent als Rentner.“

 

Franz Paufler: „Im nächsten Schritt gehen wir in die Auswertung vom finanzmathematischen Gutachten. Wir haben hier die Ausgangssituation, die wir gerade eingetragen haben. Und jetzt schauen wir uns einmal die Kosten an. Wir sehen die Abschlusskosten, die Verwaltungskosten und die Fondskosten.

 

Und wie schon beim Fonds prognostiziert, werden wir hier durch den aktiven Fonds sehr hohe Fondskosten haben. Um es in Zahlen auszudrücken, sind das über die 36 Jahre 45.473,02 Euro, die anfallen. Die Abschlusskosten (sogenannte Alphakosten hier 2.264 Euro – Anmerkung der Redaktion) machen den niedrigsten Teil wie fast immer aus. Die Betakosten (laufende Verwaltungskosten – Anmerkung der Redaktion) schlagen mit 10.874,24 Euro zu Buche.“ 

Was hat der Kunde netto eingezahlt? Was bekommt der Kunde netto raus?

 

Franz Paufler: „Eingesetzt wurden in diesem Vertrag 95.720 Euro, 5.000 Euro davon als Beginnzuzahlung und 90.720 Euro aus der monatlichen Sparrate.

 

Mit 67 Jahren wurde ein Ertrag nach Kosten in Höhe von 67.000 Euro realisiert. Das bedeutet: Wir haben hier ein Verhältnis, was von 1 zu zirka 0,6 liegt.

 

Die Ablaufleistung vor Steuern beträgt dann insgesamt 164.047,31 Euro. Und nach Steuern zirka 156.455,07 Euro.“

 

Wie fällt der Marktvergleich der Barmenia im Vergleich zu einem anderen Anbieter aus?

 

Franz Paufler: „In beide Verträge wurde gleich viel eingezahlt, die 95,720 Euro. Es wurde bei der Barmenia ein Ertrag nach Kosten von 67.327,31 realisiert. Bei einer von unseren Empfehlungen können wir den Ertrag nach Kosten auf rund 273.000 Euro erhöhen.“

 

Wie ist das möglich? 

 

Franz Paufler: „Ganz einfach durch eine bessere Fondsempfehlung, die erstmal eine höhere Rendite, aber auch niedrigere laufende Kosten mit sich bringt. Und dann natürlich ein Vertrag, der in der Gesamtkalkulation niedrigere Kosten dem Kunden möglich macht. Die Ablaufleistung vor Steuern liegt bei unserer Empfehlung bei 368.676,35 Euro und nach Steuern 341.924,87 Euro.

 

Das bedeutet: Wir konnten den Wert, den der Kunde als Ablaufleistung nach Steuern hat, sogar mehr als verdoppeln. Das ist schon ein recht guter Unterschied, würde ich mal sagen.“

Die Verbraucherzentrale Hamburg: „Private Rentenversicherungen lohnen sich nur für Schildkröten.“

 

Im Jahr 2022 hat die Verbrauchzentrale Hamburg wochenlang 128 private Rentenversicherungen verschiedener Anbieter ausgewertet.

 

Das Ergebnis der Auswertung: „Private Rentenversicherungen lohnen sich nur für Schildkröten. Menschen mit einer privaten Rentenversicherung müssen im Schnitt mindestens 95 Jahre alt werden, damit sich der Vertrag für sie rentiert.“

 

Die durchschnittliche Lebenserwartung eines Mannes beträgt laut Statistischem Bundesamt aktuell 78,2 Jahre, einer Frau 83 Jahre.

 

Kundennachteil: Versicherer können Rentenfaktor willkürlich herabsetzen

 

Die Verbraucherzentrale Hamburg gab zum Rentenfaktor am 28. Juni 2022 folgende Einschätzung: „Rentenversicherer garantieren ihren Kundinnen und Kunden eine bestimmte Rentenhöhe bis zum Lebensende. Diese ergibt sich aus dem sogenannten Rentenfaktor. Der Rentenfaktor bestimmt, wie viel Rente im Monat pro 10.000 Euro Kapital ausgezahlt wird. Vor einigen Jahren lagen die Rentenfaktoren bei einigen Anbietern bei über 40 Euro pro 10.000 Euro Kapital. In den letzten Jahren sind sie stetig gesunken. 

 

Bei der Mehrzahl der von uns untersuchten Fälle liegen die Rentenfaktoren inzwischen unter 30. Dabei zeigt sich ein deutlicher Trend: Je jünger der Vertrag ist, desto schlechter ist der Rentenfaktor. Bei Verträgen mit Abschlussdatum ab 2016 gibt es kaum noch Rentenfaktoren über 30.

 

Hinzu kommt, dass die Versicherer in vielen Fällen die Höhe des Rentenfaktors nicht vertraglich zusichern. Die Unternehmen haben also die Möglichkeit, den Rentenfaktor über die Laufzeit des Vertrages zu senken, ohne dass die Versicherungsnehmer sich dagegen zur Wehr setzen können.“

 

Allianz schneidet am schlechtesten ab

 

Die Verbraucherzentrale Hamburg weiter: „Das Produkt mit dem schlechtesten garantierten Rentenfaktor in unserer Auswertung ist die Rentenversicherung der Allianz. Hier müssen die Versicherungskunden mindestens 125 Jahre alt werden, bis die bis zum Renteneintritt angesparte Summe in voller Höhe ausgezahlt würde.

 

Dahinter folgen Standard Life, die Gothaer und der Volkswohlbund, deren Kundinnen und Kunden über 110 Jahre alt werden müssen.

 

Je höher die angenommene Lebensdauer der Versicherten ist, umso geringer fällt die gezahlte monatliche Rente aus, da sich die Gesamtsumme auf Jahre und Jahrzehnte verteilt. Verstirbt der Versicherungsnehmer vor dem kalkulierten Alter, behält die Versicherung das nicht ausgezahlte Geld ein. Von einer zu hoch kalkulierten Lebensdauer profitieren also in erster Linie die Unternehmen – zu Lasten der Verbraucherinnen und Verbraucher.“

Die Alternative heißt Eigenverantwortung: Trennung von Vorsorge und Vermögensaufbau

 

Die Finanzjournalistin Carola Ferstl fragte im obigen YouTube-Video „Lebensversicherung: Zuverlässige Absicherung oder schlechte Investition“ (ab Minute 4:03) im Januar 2024: „Jetzt kann man vielleicht sagen: Der Käufer so einer Lebensversicherung ist jetzt nicht unbedingt derjenige, der sagt, ich brauche nicht die große Rendite. Hauptsache, ich spare ein bisschen an. Aber im Wesentlichen geht es mir ja eigentlich auch um die Absicherung. Aber auch da ist es nicht so weit her, oder?“

 

Sven Enger antwortete: „Ja, also stimmt. Auch da ist die Absicherung ‚letztendlich nicht Teil der Versicherung‘, sondern wird ja auch ausgelagert auf einen sogenannten Rückversicherer, der das Risiko dann nimmt.“

 

Sven Enger appelliert an die Eigenverantwortung eines jeden: „Am besten ist es natürlich, dass ich die Teile einzeln versichere.

 

► Also, wenn ich eine Risikoversicherung brauche, dann ich schließe ich eine Risikoversicherung ab.  

► Möchte ich Rendite machen, dann beispielsweise suche ich mir gezielt einen Fonds oder einen sonstigen Sparplan.

 

Also ich trenne das eine von dem anderen und umgehe dann genau die Situation, in die ich gerate, wenn dann sozusagen verschiedene Elemente zusammenkommen, die sich mit ihren Kosten gegeneinander auffressen. Das ist genau das Problem.

 

Dazu muss ich mich natürlich als Kunde hinstellen und sagen: Ich muss bereit sein, die finanzielle Verantwortung nicht jemand anderem zu übertragen, sondern selbst zu behalten und dann daraus entsprechend zu handeln. Das ist Eigenverantwortung. Und die ist, in dem Punkt glaube ich, da sind wir beide uns sehr einig, sehr, sehr wichtig.“

Wie kommt man aus schlechten Policen wieder raus? 

 

► Beitragsfrei stellen?

 

Vertragshilfe24 warnte bereits im Dezember 2024 im Handelsblatt: „Beitragsfrei gestellte Lebensversicherungen verlieren an Wert.“

 

„Denn“, so Vertragshilfe24: „Das Kapital wird zwar weiter verzinst, aber gleichzeitig ziehen die Versicherungsgesellschaften Jahr für Jahr von dem Kapital ihre allgemeinen Verwaltungskosten und andere Kosten ab.“

 

Sven Enger: "Durch die oft unverhältnismäßig hohen Verwaltungskosten und gleichzeitig die niedrigen Zinsen kann das Kapital in dem beitragsfrei gestellten Vertrag von Jahr zu Jahr weniger werden."

 

Und eine zweite Gefahr droht durch die Inflation. Selbst bei gleichbleibendem Betrag wird die Summe bei Vertragsende weniger wert sein als jetzt.

 

Sven Enger zählt weitere Möglichkeiten auf

 

► „Man kann natürlich kündigen.“ 

 

Aber, gibt Sven Enger zu bedenken: „Viele sagen, in dem Moment, wenn ich meine Versicherung kündige, bekomme ich ja den Rückkaufswert wieder zurück. Das ist mitnichten so. Es werden Stornokosten in Rechnung gestellt. Das heißt, das minimiert dann auch noch mal meine Ablaufleistung, die ich in dem Moment dann bekomme.“

 

► „Man kann sie auch verkaufen.“

 

Sven Enger: „Da habe ich zumindest den Rückkaufswert, ohne da die weiteren Kosten zu haben. Muss mich natürlich an den ‚Kosten‘, die dieser Dienstleister dann erstellt, beteiligen.“

 

► „Und ich habe drittens die Möglichkeit, diesen Vertrag prüfen zu lassen, ob ich ihn entweder rückabwickele.“

 

Sven Enger: „Weil in irgendeiner Form seitens der Versicherung Formfehler begangen wurden.“

 

► „Oder ich habe die vierte Möglichkeit: Ich gehe daher und lasse meinen Vertrag prüfen, ob ich ihn in Gänze abwickeln kann.“

 

Sven Enger erläutert: „In Gänze abwickeln kann ich immer dann, wenn ich feststelle oder wenn festgestellt wird, dass gemachte Zusagen, wie zum Beispiel Garantiezinsen, wie zum Beispiel Zuweisungen in den Vertrag, gar nicht eingehalten wurden.

 

In diesem vierten Durchführungsweg ist da nur das Problem, da hat der Bundesgerichtshof ein sehr klares Urteil gesprochen, dass man da als Kunde klar positionieren muss, welche Erwartungen, welche Ansprüche man hat.“ 

Sven Enger weiter: „Dazu braucht man Anwälte und Gutachter. Und das als Privatperson ist natürlich nicht ganz so leicht. Und dazu kann man sich dann informieren. Auf der Seite der Vertragshilfe24 gibt es die Möglichkeit, sich schlau zu machen. Und dann eben entsprechend zu handeln. Und sich professionelle Unterstützung zu Hilfe zu holen.“

 

Erfolgreiche Vergleiche: Anwalt erzielt hohe Rückzahlungen für Kunden

 

Der baden-württembergische Rechtsanwalt Werner Hogrefe von der Kanzlei Hogrefe auf Schloss Massenbach in Schwaigern-Massenbach sagte dem Vertragshilfe24-Experten Sven Enger vor 2 Wochen auf YouTube (im Video hier ab Minute 1:15): „Da haben wir schon Erfolge erzielt. Durch Vergleich oder durch eine Nachberechnung der Überschussbeteiligung.  

 

Dort konnten Vergleiche und neue Abrechnungen erwirkt werden. Diese (zusätzlichen Summen – Anmerkung der Redaktion) lagen so zwischen 30 und 200 Prozent des Rückkaufswertes. Wobei der durchschnittliche Vergleichswert über alle bisherigen Vergleiche zwischen 50 und 70 Prozent lag.“ 

 

Eine kostenlose und unverbindliche Ersteinschätzung, ob die Abwicklung des eigenen Vertrages grundsätzlich möglich ist, können Interessierte auf der Webseite der Vertragshilfe24 erhalten. 

 

Ein Seriositätsrating bezüglich Vertragshilfe24 finden Interessierte auf Scoredex.com. 

 

(In Zusammenarbeit mit Autor Frank Maiwald)


Thomas Breithaupt

Thomas Breithaupt

Redakteur

Mit einer Leidenschaft für Technik- und Finanzthemen war der Schritt vom Physikstudium zum Wirtschaftsjournalismus vorprogrammiert. Das analytische Denkvermögen hilft, sachlich zu berichten und neben der Entwicklung von Software eine fundierte Berichterstattung zu erstellen. Zwischen den Recherchen hilft Sport dabei, einen klaren Kopf zu bewahren und hält fit für den Surfurlaub.

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