Prinz-Eugen-Energiepark: Wie ein Pelletwerk seine Energiekosten selbst in die Hand nimmt
Autor: Thomas Feldhaus · Zuletzt aktualisiert: 22.10.26
Wirtschaft Nachhaltigkeit · 10 Min. Lesedauer
Im nordhessischen Bad Arolsen produziert der Prinz-Eugen-Energiepark rund 70.000 Tonnen Holzpellets im Jahr. Sieben Mitarbeiter steuern ein weitgehend automatisiertes Werk. Jetzt soll ein eigener Energieerzeuger den nächsten Effizienzsprung bringen. Dahinter steht nicht nur eine technische Modernisierung, sondern eine wirtschaftliche Strategie: weniger Energiezukauf, höhere Margen und mehr Kontrolle über das eigene Geschäft.
Prinz-Eugen-Energiepark in Kürze:
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Energieeffizienz als Wachstumstreiber Der Prinz-Eugen-Energiepark will sein Pelletwerk in Bad Arolsen auf bis zu 70.000 Tonnen Jahresproduktion bringen und gleichzeitig den Energieverbrauch deutlich senken. Ein Blue Energy Cube soll künftig einen Großteil des Stroms und einen Teil der Prozesswärme liefern.
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Millioneninvestition mit Förderkulisse Für die energetische Optimierung und den Cube sind Investitionen von rund 7,96 Mio. Euro vorgesehen. Bis zu 4,67 Mio. Euro davon sollen über eine Bundesförderung abgedeckt werden.
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7,5-Prozent-Anleihe für den nächsten Entwicklungsschritt Zur Finanzierung bietet der Prinz-Eugen-Energiepark eine nachrangige Anleihe mit 7,50 % Zins p.a. und Laufzeit bis Ende 2030 an. Die Unternehmensplanung setzt auf deutlich höhere Erträge durch Energieeinsparungen und eine stärkere Eigenvermarktung.
Ein Jahr lang lieferte Zoran Aleksic samstags nach Feierabend Pellets aus. Der Geschäftsführer des Prinz-Eugen-Energieparks hatte sich dafür eigens einen Anhänger gekauft. Er wollte wissen, was seine Kunden tatsächlich bewegt. „Ich probiere gerne alles selbst“, sagt Aleksic. „Dann habe ich ein Gefühl dafür, was wichtig ist.“
Sein Befund: Für etwa die Hälfte der Kunden zählt vor allem der Preis. Ein weiteres Viertel achtet auf die Qualität der Pellets, etwa darauf, wie viel Staub im Lager entsteht oder ob der Ofen störungsfrei läuft. Der Rest interessiert sich besonders für die Nachhaltigkeit und ist nach Aleksics Erfahrung auch bereit, dafür einen höheren Preis zu bezahlen.
Auf diese drei Punkte richtet der Unternehmer sein Werk in Bad Arolsen aus: Kosten, Qualität und Nachhaltigkeit. Jetzt kommt eine vierte Größe hinzu: die Energieversorgung.
Prinz-Eugen-Energiepark - Ein Pelletwerk mit ungewöhnlichem Namen
Seinen Namen verdankt das Werk seinem Standort auf dem Gelände der ehemaligen Prinz-Eugen-Kaserne. Errichtet wurde das Pelletwerk 2011/2012. Seitdem hat sich der Standort kontinuierlich weiterentwickelt. Die Anlage wurde erweitert, technisch modernisiert und energetisch optimiert. 2015 übernahm die damalige Prinz-Eugen-Energiepark GmbH den Standort, 2023 folgte die Verschmelzung mit der Blue Energy Group AG. Im September 2024 wurde das Pelletwerk schließlich im Rahmen eines Asset-Deals über einen Management-Buy-out von der neu gegründeten Prinz Eugen Energiepark GmbH übernommen.
Heute sind die Prinz-Eugen-Energiepark GmbH und die Blue Energy AG eigenständige Unternehmen. Die Verbindung liegt vor allem in der Technologie. Blue Energy hat den Holzvergaser entwickelt, der künftig einen großen Teil der Energieversorgung des Pelletwerks übernehmen soll und an dessen Entwicklung Geschäftsführer Zoran Aleksic bereits maßgeblich beteiligt war.
Der Standort in Bad Arolsen, rund 40 Kilometer westlich von Kassel, spielt dabei eine eigene Rolle. Seine zentrale Lage in Deutschland bietet kurze Wege zu Rohstofflieferanten und Absatzmärkten – ein nicht unerheblicher Faktor in einem Geschäft, bei dem Transportkosten schnell über die Wirtschaftlichkeit einer Tonne Pellets mitentscheiden können.
Sieben Mitarbeiter für 70.000 Tonnen
Rund 70.000 Tonnen Holzpellets kann das Werk pro Jahr produzieren. Gefertigt wird rund um die Uhr, sieben Tage die Woche – und das mit einem vergleichsweise kleinen Team. „Der Ursprung war ja nicht, Mitarbeiter sparen zu wollen. Es gibt einfach keine Mitarbeiter auf dem Markt“, sagt Aleksic. Die weitgehende Automatisierung entstand damit zunächst weniger aus einer klassischen Kostenstrategie als aus einer Notwendigkeit: Der Fach- und Arbeitskräftemangel zwang den Betreiber dazu, möglichst viele Abläufe ohne zusätzliches Personal zu organisieren.
Heute überwachen rund 1.000 Sensoren und digitale Messstellen die Anlage. Füllstände, Schmierstoffe und andere Betriebszustände werden zentral erfasst; Teile der Produktion lassen sich aus der Ferne steuern. Auch die Logistik ist weitgehend digitalisiert – bis hin zur selbstbedienbaren Lkw-Waage.
Der wirtschaftliche Effekt geht damit über die reine Personaleinsparung hinaus. Die Automatisierung schafft die Voraussetzung dafür, eine vergleichsweise große Produktionsmenge mit einem kleinen Team kontinuierlich zu fahren. Gerade in einem energie- und transportintensiven Geschäft wird damit ein Faktor zum Wettbewerbsvorteil, der häufig unterschätzt wird: nicht nur möglichst viel zu produzieren, sondern die Produktion mit möglichst wenig laufendem Personalaufwand stabil zu halten.
Wie der Prinz-Eugen-Energiepark mit digitaler Steuerung und schlanker Personalstruktur 70.000 Tonnen Jahresproduktion organisiert
Automatisiert, effizient, skalierbar
Wo Fachkräfte fehlen, wird Automatisierung zum Produktionsfaktor: Rund 1.000 Sensoren überwachen den Betrieb, digitale Systeme steuern zentrale Abläufe – und ein kleines Team hält das Pelletwerk rund um die Uhr am Laufen.
Automatisierung
Rund 1.000 Sensoren und digitale Messstellen überwachen zentrale Betriebszustände und ermöglichen eine weitgehend automatisierte Produktion.
Produktivität
Optimierungen haben die Leistung der Pelletpressen von neun auf elf Tonnen pro Stunde gesteigert.
Skalierung
Bis zu 70.000 Tonnen Jahresproduktion lassen sich mit einem vergleichsweise kleinen Team im durchgehenden Betrieb organisieren.
Der zweite große Hebel: Energieeffizienz
Nach der Automatisierung rückt beim Prinz-Eugen-Energiepark der nächste Kostenfaktor in den Mittelpunkt: die Energie. Pelletwerke sind auf Strom angewiesen – für Mühlen und Pressen ebenso wie für Fördertechnik und zahlreiche weitere Aggregate. Entsprechend stark schlägt der Energieverbrauch auf die Wirtschaftlichkeit einer Tonne Pellets durch.
Nach Angaben von Zoran Aleksic benötigen vergleichbare Anlagen rund 160 bis 180 Kilowattstunden Strom je Tonne. Das Werk in Bad Arolsen liegt demnach bereits heute deutlich darunter und kommt auf etwa 120 bis 140 Kilowattstunden.
Ein wichtiger Schritt auf diesem Weg war die Investition in eine neue Nassmühle. Rund eine Million Euro kostet die Technik, die zwei bisher eingesetzte Trockenmühlen ersetzt. Der Effekt soll über die reine Energieeinsparung hinausgehen: Der Produktionsprozess wird verändert – und damit auch das Pellet selbst.
Genau darin liegt die Logik hinter den Investitionen in Bad Arolsen. Wenn Technik ersetzt werden muss, soll nicht einfach eine alte Maschine durch eine modernere Variante desselben Prinzips ersetzt werden. Stattdessen geht es darum, den Prozess als Ganzes effizienter zu machen.
Bei der Nassmühle wird der Rohstoff stärker aufgefasert. Zusammen mit einem längeren Presskanal entstehen härtere Pellets mit einem geringeren Staubanteil. Damit wird aus einer Investition in die Produktion zugleich eine Investition in die Produktqualität.
Offenbar ist dieser Unterschied für einzelne Abnehmer relevant. Ein niederländischer Großkunde bestehe ausdrücklich auf Pellets aus Bad Arolsen, berichtet Aleksic. Insgesamt produziert das Werk für 16 verschiedene Labels.
Für den Marktauftritt sind dabei auch die Zertifizierungen ENplus und DINplus wichtig. Sie schaffen einen einheitlichen Qualitätsrahmen – und machen Qualität damit zu einem messbaren Bestandteil des Produkts.
Für die Pellets fällt kein Baum
Die Rohstofffrage entscheidet im Pelletgeschäft nicht nur über die Qualität, sondern auch über die Kostenstruktur. In Bad Arolsen setzt man deshalb vor allem auf Material, das ohnehin in der Holzindustrie anfällt: Sägemehl, Holzspäne und Hackschnitzel aus Sägewerken. Hinzu kommt in Ausnahmefällen Waldholz – etwa Käferholz, das nach einem Befall möglichst schnell aus dem Bestand genommen werden muss.
Behandeltes Altholz kommt dagegen nicht in die Anlage. Gebrauchte Paletten oder Spanplatten bleiben außen vor. Zu groß ist die Unsicherheit darüber, welche Lacke, Leime oder anderen chemischen Stoffe darin enthalten sein könnten. „Für uns fällt kein Baum“, sagt Aleksic und bringt damit die Rohstoffstrategie auf eine kurze Formel.
Ganz so einfach ist die Klimabilanz allerdings nicht. Aus der Herkunft des Rohstoffs allein lässt sich keine vollständige Klimaneutralität ableiten. Auch Transportwege, Trocknung und Verarbeitung beeinflussen den ökologischen Fußabdruck der Pellets. Das Unternehmen argumentiert deshalb vor allem mit der Nutzung von Sägereststoffen und möglichst kurzen Wegen.
Diese regionale Ausrichtung setzt zugleich eine natürliche Grenze. Technisch könnte das Werk bis zu 80.000 Tonnen Pellets im Jahr produzieren. Nachfrage für deutlich größere Mengen sei zwar vorhanden. Bei 140.000 oder 150.000 Tonnen müsste jedoch ein erheblicher Teil des Holzes über größere Entfernungen herangeschafft werden.
Damit wird die vermeintlich einfache Frage nach der maximalen Produktionsmenge zu einer betriebswirtschaftlichen Abwägung: Mehr Tonnen sind technisch möglich – aber nicht zwingend wirtschaftlich sinnvoll. „Die 70.000 Tonnen sind das richtige Maß für die Gegend“, sagt Aleksic.
„Für uns geht es nicht um die maximale Produktionsmenge, sondern um das richtige Verhältnis zwischen verfügbarer Rohstoffbasis, Produktionskapazität und Transportwegen.“
Geschäftsführer Prinz-Eugen-Energiepark GmbH
Zoran Aleksic
Prinz-Eugen-Energiepark - Nachhaltigkeit steht nicht nur auf dem Papier
Die Nachhaltigkeitsstrategie des Werks beschränkt sich nicht auf die Pellets selbst. Der Prinz-Eugen-Energiepark bezieht Ökostrom und ist nach ISO 50001 zertifiziert. Auch bei den Betriebsabläufen wird an allen relevanten Stellschrauben gedreht. Die Verpackungsfolie enthält mindestens 50 Prozent Recyclingmaterial, höhere Recyclinganteile werden getestet, und auch bei der Logistik setzt das Werk zunehmend auf Elektromobilität, wobei ein Elektrostapler bereits im Einsatz ist und ein Elektroradlader folgen soll.
Entscheidend wird Nachhaltigkeit allerdings dort, wo sie auf die Kostenrechnung trifft. Auch die Kommunikation zur aktuellen Anleihe stellt die Energieeffizienz ins Zentrum. Investitionen sollen nicht nur den Energieverbrauch und die CO₂-Bilanz verbessern, sondern zugleich die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit des Standorts stärken.
Damit bekommt das Thema Nachhaltigkeit eine sehr konkrete Dimension. Denn Energie ist für das Pelletwerk nicht nur eine Frage der Ökobilanz, sondern ein wesentlicher Kostenfaktor. Wer hier dauerhaft weniger bezahlt, verbessert unmittelbar die Wirtschaftlichkeit jeder produzierten Tonne.
Energie wird zur entscheidenden Stellschraube im Prinz-Eugen-Energiepark
Für ein Pelletwerk ist Energie nicht nur eine Frage der Nachhaltigkeit, sondern ein zentraler Kostenfaktor. 2024 kosteten Strom und Wärme zusammen knapp zwei Millionen Euro. Mehr als 40 Prozent des Umsatzes entfielen damit auf die Energieversorgung.
Genau hier setzt das größte Investitionsprojekt des Prinz-Eugen-Energieparks an. Auf dem Gelände soll ein Blue Energy Cube BEC1000 entstehen, ein Holzvergaser mit angeschlossenem Motor, der rund 1 MW Strom und 1,2 MW Wärme liefern soll. Die Wärme wird direkt in den Produktionsprozess, insbesondere in die Trocknung, zurückgeführt. Rund 400 Kilowatt Strom sollen weiterhin aus dem Netz kommen – als Reserve für Wartung oder einen möglichen Ausfall des eigenen Kraftwerks.
Die wirtschaftliche Logik dahinter ist einfach: Der Energiebedarf des Pelletwerks soll stärker aus der eigenen Produktion gedeckt werden. Aleksic rechnet damit, die Stromkosten von derzeit etwa 14 bis 16 Cent auf rund 6 Cent je Kilowattstunde zu drücken. Die Planrechnung kommt unter Einbeziehung zusätzlicher Kosten auf eine jährliche Einsparung von rund 1,16 Millionen Euro.
Das Projekt hat eine entsprechende finanzielle Dimension. Insgesamt sind Investitionen von rund 7,96 Millionen Euro vorgesehen. Davon sollen bis zu 4,67 Millionen Euro durch öffentliche Fördermittel finanziert werden. Die Auszahlung der Fördermittel erfolgt schrittweise und ist teilweise an den Fortschritt der Umsetzung geknüpft.
Die wichtigsten Eckpunkte:
- 1 MW Strom: elektrische Leistung des geplanten Blue Energy Cube.
- 1,2 MW Wärme: soll insbesondere für die Trocknung genutzt werden.
- 14–16 Cent/kWh: aktuelle Stromkosten laut Unternehmensangabe.
- Rund 6 Cent/kWh: angestrebte Stromkosten nach Inbetriebnahme des Cube.
- 1,16 Mio. Euro: vom Unternehmen errechnete jährliche Einsparung.
- 7,96 Mio. Euro: geplantes Gesamtinvestitionsvolumen.
- Bis zu 4,67 Mio. Euro: zugesagte beziehungsweise in Aussicht gestellte Förderung.
Damit ist der Blue Energy Cube weit mehr als ein technisches Zusatzprojekt. Er soll aus einem der größten Kostenblöcke des Pelletwerks einen kontrollierbareren Teil der eigenen Wertschöpfung machen.
Mehr Eigenvertrieb, bessere Margen
Neben der technischen Modernisierung stellt der Prinz-Eugen-Energiepark auch seinen Vertrieb breiter auf. Ziel ist es, die Produktionskapazitäten besser auszulasten, neue Kunden zu gewinnen und einen größeren Teil der Wertschöpfung im eigenen Unternehmen zu halten.
Eine zentrale Rolle spielt dabei die seit 2019 bestehende Zusammenarbeit mit der BayWa AG. Der Konzern ist sowohl in die Rohstoffbeschaffung als auch in den Vertrieb der fertigen Pellets eingebunden. Eine vertraglich vereinbarte Mindestmenge von 50.000 Tonnen jährlich sorgt für eine kalkulierbare Grundauslastung des Werks. Gleichzeitig bedeutet die enge Bindung an einen großen Geschäftspartner eine gewisse Abhängigkeit.
Angesichts der Restrukturierung von BayWa gewinnt deshalb der Ausbau eigener Vertriebskanäle an Bedeutung. Der Prinz-Eugen-Energiepark will künftig einen größeren Teil seiner Produktion selbst vermarkten und damit zusätzliche Absatzmöglichkeiten erschließen. Nach bisherigen Planungen sollen ab 2026 jährlich bis zu 20.000 Tonnen über den Direktvertrieb unter eigener Marke an regionale Händler verkauft werden.
Dabei kann das Unternehmen auf bestehende Kundenbeziehungen aufbauen. Mehr als 500 Kunden zählt der Prinz-Eugen-Energiepark inzwischen, darunter Vertriebspartner, die Pellets unter eigenen Marken anbieten. Der Direktvertrieb soll nicht nur die Abhängigkeit von einzelnen Großabnehmern verringern, sondern auch höhere Verkaufsmargen ermöglichen.
Die Strategie verbindet damit zwei wirtschaftliche Ziele: Während die Zusammenarbeit mit BayWa weiterhin für eine verlässliche Grundauslastung sorgen soll, eröffnet der Ausbau des Eigenvertriebs zusätzliche Ertragspotenziale.
Der Markt ist groß – aber der Wettbewerb auch
Der deutsche Pelletmarkt bietet für Produzenten grundsätzlich ein attraktives Umfeld. Deutschland gehört zu den führenden Pelletproduzenten Europas, zugleich ist der Markt weitgehend aus heimischer Produktion versorgt. Allein im ersten Quartal 2026 wurden hierzulande knapp 940.000 Tonnen Pellets hergestellt. Der größte Teil davon bleibt im Inland; der Exportanteil lag zuletzt bei 7,7 Prozent.
Auch auf der Nachfrageseite gibt es eine breite Basis. Für 2026 werden bundesweit rund 777.500 Pelletanlagen erwartet. Damit ist der Markt groß genug, um weiteren Produzenten Absatzchancen zu bieten – allerdings nicht ohne Wettbewerb um Rohstoffe, Kunden und Margen.
Gerade bei den Rohstoffen zeigt sich die Besonderheit des deutschen Marktes. Rund 94 Prozent der im ersten Quartal 2026 eingesetzten Rohstoffe stammten aus Sägerestholz. Pellets entstehen damit überwiegend aus Nebenprodukten der Holzindustrie. Gleichzeitig bedeutet diese Struktur, dass viele Sägewerke einen natürlichen Wettbewerbsvorteil haben: Sie verfügen bereits über den Rohstoff und können ihn direkt am eigenen Standort zu Pellets weiterverarbeiten.
Für den Prinz-Eugen-Energiepark liegt die Antwort darauf weniger im Versuch, beim Rohstoffpreis zu konkurrieren, sondern in der Effizienz des gesamten Produktionsprozesses. Automatisierung, niedriger Energieverbrauch, schlanke Personalstrukturen und eine zentrale Lage sollen die höheren Transportaufwendungen ausgleichen. Aleksic beziffert den Kostenvorteil gegenüber Sägewerksstandorten bei Personal und Energie auf mehr als 40 Euro je Tonne. Dabei handelt es sich um eine Unternehmensangabe, die nicht unabhängig verifiziert ist.
Damit wird deutlich, worum es im Wettbewerb letztlich geht: Nicht ein einzelner Kostenfaktor entscheidet über die Wirtschaftlichkeit einer Tonne Pellets, sondern das Zusammenspiel von Rohstoff, Energie, Personal, Produktion und Logistik.
Zusätzliches Absatzpotenzial sieht Aleksic bei Heizölhändlern. Wenn deren Kunden ihre bestehende Heizung durch eine Pelletanlage ersetzen, können die Händler ihre Logistik teilweise weiter nutzen. Für Pelletproduzenten entsteht damit ein zusätzlicher Vertriebskanal – gerade im Geschäft mit bestehenden Gebäuden und älteren Heizsystemen.
Allerdings ist auch dieser Markt nicht immun gegen Preisschwankungen. Als die Pelletpreise zeitweise stark gestiegen waren, habe dies die Bereitschaft zum Einbau entsprechender Heizungen gebremst, berichtet Aleksic. Die aktuellen Preise zeigen, wie stark sich der Markt bewegen kann: Für eine Lieferung von 26 Tonnen lag der bundesweite DEPV-Durchschnitt im September 2026 bei rund 410 Euro je Tonne netto.
Für den Prinz-Eugen-Energiepark ergibt sich daraus ein durchaus anspruchsvolles Umfeld. Die Nachfrage ist vorhanden, die heimische Produktion ist groß und die Zahl der Pelletanlagen wächst weiter. Gleichzeitig konkurrieren die Hersteller um dieselben Rohstoffe und müssen ihre Kosten im Griff behalten.
Genau deshalb wird die geplante Expansion auf 70.000 Tonnen weniger zu einer Frage der technischen Kapazität als der Wirtschaftlichkeit. Das Werk muss seine Energie- und Personalkosten niedrig halten, ausreichend Rohstoff zu vertretbaren Transportkosten sichern und zugleich neue Vertriebskanäle erschließen. Erst wenn diese Faktoren zusammenpassen, wird aus zusätzlicher Produktionsmenge auch zusätzlicher Ertrag.
7,5 Prozent Zins – und eine mögliche Wandlung
Finanziert werden soll der nächste Entwicklungsschritt über eine nachrangige Inhaberschuldverschreibung mit möglicher Wandlung. Die Anleihe bietet einen Kupon von 7,5 Prozent pro Jahr, wird halbjährlich verzinst und läuft bis Ende 2030. Das maximale Emissionsvolumen liegt bei 8 Millionen Euro, die Mindestzeichnung bei 1.000 Euro.
Für das konkrete Investitionsvorhaben sieht der Finanzierungsplan allerdings 4,5 Millionen Euro aus der Anleihefinanzierung vor. Die beiden Größen sind daher auseinanderzuhalten: 8 Millionen Euro bezeichnen das mögliche Gesamtvolumen der Emission, 4,5 Millionen Euro den im vorliegenden Finanzierungsplan angesetzten Betrag.
Eine Besonderheit ist das Wandlungsrecht. Es verknüpft die Finanzierung mit der operativen Entwicklung des Unternehmens. Für eine mögliche Pflichtwandlung sind Schwellenwerte bei Produktion, Umsatz und Ertragskraft vorgesehen. Damit hängt die weitere Struktur der Finanzierung unmittelbar davon ab, ob der geplante Ausbau tatsächlich in höhere Produktion und bessere Ergebnisse übersetzt werden kann.
Entscheidend ist damit, dass die geplanten Investitionen ihre wirtschaftliche Wirkung entfalten. Sinkende Energiekosten, eine höhere Produktion und zusätzliche Erlöse aus dem Vertrieb sollen die Ertragskraft des Standorts deutlich verbessern und damit auch die Grundlage für den künftigen Kapitaldienst schaffen.
Die Anleihe begleitet damit eine Phase, in der der Prinz-Eugen-Energiepark seine Kostenstruktur verbessern, die Produktion ausweiten und zusätzliche Ertragspotenziale erschließen will. Gelingt die Umsetzung wie geplant, soll der modernisierte Standort nicht nur effizienter produzieren, sondern auch eine deutlich höhere operative Leistungsfähigkeit erreichen.
➡️ Hier geht es direkt zur Ausschreibung der Prinz-Eugen-Energiepark GmbH
Die Anleihe der Prinz-Eugen-Energiepark GmbH im Überblick
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Emittentin Prinz-Eugen-Energiepark GmbH
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ISIN / WKN DE000A460EE0 / A460EE
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Kupon 7,50 % p.a.
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Zinszahlung halbjährlich
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Laufzeit bis 31.12.2030
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Gesamtvolumen bis zu 8 Mio. Euro
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Mindestzeichnung 1.000 Euro
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Börse Frankfurt
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Wertpapierart Nachrangige Inhaberschuldverschreibung mit möglicher Wandlung
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Mittelverwendung Umbau, Erweiterung und Umschuldung
Fazit Prinz-Eugen-Energiepark: Vom Pelletwerk zum integrierten Energie- und Produktionsstandort
Der nächste Entwicklungsschritt beginnt bei einer scheinbar kleinen Frage: Was fehlt noch, damit die Wertschöpfungskette möglichst weit integriert ist? Für Zoran Aleksic gehört dazu auch die Logistik. Wenn künftig nicht nur die Produktion, sondern auch der Transport der Rohstoffe und Pellets elektrisch erfolgt, wäre der Ansatz konsequent weitergeführt. „Wenn der Lkw, der das Holz bringt und die Pellets wegfährt, dann noch elektrisch fährt, haben wir alles richtig gemacht“, sagt er.
Dahinter steckt die größere Logik des Projekts. Der Prinz-Eugen-Energiepark versucht, verschiedene Stellschrauben zu einem Geschäftsmodell zu verbinden: Automatisierung soll den Personalaufwand begrenzen, effizientere Technik den Energieverbrauch senken, der Blue Energy Cube Strom und Wärme bereitstellen und der Ausbau des Eigenvertriebs zusätzliche Margen erschließen. Die Zusammenarbeit mit BayWa soll dabei weiterhin eine wichtige Absatzbasis sichern.
Damit verschiebt sich auch die Perspektive auf die geplanten 70.000 Tonnen Jahresproduktion. Die Menge selbst ist keine neue technische Grenze – die Anlage ist grundsätzlich bereits auf diese Größenordnung ausgelegt. Entscheidend wird vielmehr, ob sich die höhere Auslastung mit einer verbesserten Kostenstruktur und zusätzlichen Vertriebserlösen verbinden lässt.
Die Unternehmensplanung setzt dabei auf einen deutlichen Ergebniseffekt. Für 2027 werden bei rund 70.000 Tonnen Produktion eine Gesamtleistung von etwa 6,02 Millionen Euro und ein Betriebsergebnis von rund 3,03 Millionen Euro erwartet. Gleichzeitig soll der Energieumbau Einsparungen von rund 1,16 Millionen Euro jährlich ermöglichen.
Das ist eine ambitionierte Planung. Ob sie erreicht wird, hängt von mehreren Faktoren ab: der tatsächlichen Energieeinsparung, der Verfügbarkeit und den Kosten der Rohstoffe, der Entwicklung der Pelletpreise, der Auslastung des Werks und dem Erfolg des Direktvertriebs. Das Unternehmen weist selbst darauf hin, dass es sich bei den Finanzzahlen um Prognosen handelt und die tatsächliche Entwicklung davon abweichen kann.
Die wirtschaftliche Geschichte des Prinz-Eugen-Energieparks ist deshalb weniger eine Geschichte über möglichst viele produzierte Tonnen als über die Kosten je Tonne.
Gelingt es, Energieverbrauch und Personaleinsatz niedrig zu halten, die vorhandene Kapazität besser auszulasten und zugleich einen größeren Teil des Vertriebs selbst zu übernehmen, könnte aus dem automatisierten Pelletwerk ein deutlich effizienterer Produktionsstandort werden.
Der Blue Energy Cube ist dabei der zentrale Baustein. Die Anleihe wiederum finanziert einen wesentlichen Teil dieses nächsten Entwicklungsschritts. Am Ende entscheidet sich die Rechnung nicht im Prospekt, sondern im laufenden Betrieb – dort, wo Energiepreise, Rohstoffkosten, Produktion und Absatz aufeinandertreffen.
FAQ Prinz-Eugen-Energiepark
Thomas Feldhaus
Chefredakteur | Wirtschaftsjournalist
Thomas Feldhaus macht sichtbar, was Wirtschaft antreibt – und was sie verändert. Journalismus trifft Content: präzise, relevant, auf den Punkt.