Lehmann Holding: Wie Gastronomie und Kapitalmarkt in Bayern zusammenfinden
Autor: Thomas Feldhaus · Zuletzt aktualisiert: 01.06.26
Wirtschaft Finanzen · 10 Min. Lesedauer
Von der Insolvenzgefahr zum Franchise-Pionier. Christian Lehmann verlor in der Corona-Krise vier Hotels und 3,6 Millionen Euro Eigenkapital. Heute betreibt er mit der Lehmann Hotel und Gaststätten Holding GmbH einen Gastronomiekonzern mit rund 20 Millionen Euro Gruppenumsatz und rollt Taco Bell in Bayern aus. Finanziert nicht über den Bankschalter, sondern per BaFin-reguliertem Security Token Offering.
Christian Lehmann und die Lehmann-Gruppe in Kürze:
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Vom Absturz zur Neuaufstellung Christian Lehmann verlor in der Corona-Krise vier Hotels und 3,6 Millionen Euro Eigenkapital. Seine Antwort: radikale Diversifikation. Heute erwirtschaftet die Lehmann Holding rund 20 Millionen Euro Gruppenumsatz – mit Hotels, institutionellem Catering und wachsendem QSR-Franchisegeschäft.
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Taco Bell kommt nach Bayern Als exklusiver Gebietsentwickler für den Freistaat plant Lehmann mindestens 15 Standorte bis 2031. Die ersten Pachtverträge in München-Riem und München-Freiham sind unterzeichnet. Eine Marke, die in Deutschland bislang kaum präsent ist – und genau deshalb auf enorme Nachfrage trifft.
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Blockchain statt Bankkredit Weil klassische Kreditinstitute wegen pandemiebedingter Bilanznarben abwinkten, finanziert Lehmann den Rollout über ein BaFin-reguliertes Security Token Offering. Mindestinvestment: 1.000 Euro. Renditeziel: 11 bis 14 Prozent jährlich. Die BaFin genehmigte den Prospekt in 31 Arbeitstagen – ein Signal, dass substanzbasierte Token-Emissionen im deutschen Regulierungsrahmen funktionieren.
Die Lehmann Hotel und Gaststätten Holding GmbH mit Sitz in Ebersberg bei München ist eine inhabergeführte Unternehmensgruppe für Hotellerie, Catering und Franchise-Gastronomie. Mit rund 20 Millionen Euro Gruppenumsatz betreibt die Lehmann Holding Hotels, Großküchen, Franchise-Restaurants und Beratungsleistungen für die Gastronomie.
Bekannt wurde das Unternehmen zuletzt durch den exklusiven Taco-Bell-Rollout in Bayern sowie die Finanzierung der Expansion über ein BaFin-reguliertes Security Token Offering (STO).
Hinter dem Unternehmen steht Geschäftsführer Christian Lehmann. Der gelernte Hotelfachmann und Koch baute über viele Jahre eine diversifizierte Gastronomiegruppe auf, verlor während der Corona-Pandemie vier Hotels und Millionen an Eigenkapital – und entwickelte daraus eine neue Wachstumsstrategie.
➡️ Heute verbindet die Lehmann Holding klassische Gastronomie mit modernen Franchise-Konzepten und innovativen Finanzierungsmodellen.
Die Lehmann Hotel und Gaststätten Holding GmbH aus Ebersberg bei München ist eine inhabergeführte Unternehmensgruppe für Hotellerie, Catering und Franchise-Gastronomie. Mit rund 20 Millionen Euro Umsatz betreibt sie Hotels, Großküchen und Franchise-Restaurants.
Was macht die Lehmann Holding?
Die Lehmann Holding vereint mehrere Geschäftsfelder der Hospitality- und Gastronomiebranche unter einem Dach. Das Unternehmen verfolgt bewusst eine Diversifizierungsstrategie, um Risiken zu reduzieren und unterschiedliche Einnahmequellen zu schaffen.
Zu den zentralen Bereichen gehören:
- Hotels im Großraum München
- Institutionelles Catering
- Franchise-Gastronomie
- Gastronomieberatung
- Projektentwicklung und Expansion
Durch zentrale Verwaltungsstrukturen für Einkauf, Personal, Controlling, Marketing und Buchhaltung können Skaleneffekte genutzt werden, die kleineren Einzelbetrieben häufig fehlen. Die Holding verfolgt damit einen Ansatz, der eher an größere Unternehmensgruppen als an klassische mittelständische Gastronomiebetriebe erinnert.
Drei Geschäftsbereiche unter einem Dach
Das Unternehmen: Struktur und Portfolio
Hotels, Großküchen, Franchise-Restaurants und Gastronomieberatung: Die Lehmann Holding hat ihr Geschäft breit aufgestellt. Mit zentralen Verwaltungsstrukturen und mehreren operativen Säulen setzt das Unternehmen auf Skaleneffekte, stabile Erlöse und weiteres Wachstum im bayerischen Markt.
Hotellerie als Fundament
Mit dem Parkhotel Obermenzing und dem Hotel Hölzer Bräu betreibt die Lehmann Holding zwei Häuser im Münchner Umland und setzt dabei bereits auf KI-gestützte Prozesse im Gästeservice.
Institutionelles Catering als Stabilitätsanker
Im Catering versorgt die Unternehmensgruppe über Großküchen täglich mehrere tausend Menschen – von Universitäten über Kliniken bis zu öffentlichen Einrichtungen.
Franchise-Gastronomie als Wachstumstreiber
Im Quick-Service-Restaurant-Geschäft betreibt die Lehmann Holding mehrere Mmaah!-Standorte und treibt als exklusiver Taco-Bell-Partner die Expansion in Bayern voran.
➡️ Die Hotellerie bildet einen wichtigen Bestandteil der Unternehmensgruppe.
Zum Portfolio gehören:
Parkhotel Obermenzing
Das Hotel im Münchner Westen richtet sich sowohl an Geschäftsreisende als auch an private Gäste und profitiert von seiner Nähe zur Landeshauptstadt.
Das traditionsreiche Haus in Ebersberg fungiert gleichzeitig als Firmensitz der Holding und verbindet klassische bayerische Gastlichkeit mit modernen Betriebsprozessen.
Bemerkenswert ist der Einsatz digitaler Technologien: Bereits heute nutzt die Unternehmensgruppe KI-gestützte Sprachsysteme, die Reservierungen und Standardanfragen rund um die Uhr bearbeiten können.
➡️ Während viele Gastronomieunternehmen stark von Konsumlaune und Tourismus abhängig sind, setzt die Lehmann Holding zusätzlich auf langfristige Cateringverträge.
Zu den Auftraggebern gehören unter anderem:
- Technische Universität München
- Großkliniken
- Bundesagentur für Arbeit
- Einrichtungen zur Geflüchtetenversorgung
Im FMI-Bistro der Technischen Universität München werden täglich zwischen 1.000 und 1.200 Mahlzeiten ausgegeben. Die zentrale Produktionsküche verfügt über Kapazitäten von bis zu 3.500 Mahlzeiten pro Tag.
Diese langfristigen Verträge sorgen für planbare Umsätze und eine stabile Liquiditätsbasis – ein Vorteil, der insbesondere während wirtschaftlich schwieriger Phasen an Bedeutung gewinnt.
➡️ Die dritte Säule der Unternehmensgruppe ist die Franchise-Gastronomie.
Hier betreibt die Holding:
- Drei Mmaah!-Restaurants
- Eine Ghost Kitchen in München
- Die künftige Taco-Bell-Expansion in Bayern
Insbesondere das Franchisegeschäft gilt als zentraler Wachstumsmotor für die kommenden Jahre.
Der Gründer: Christian Lehmann
Christian Lehmann ist ausgebildeter Hotelfachmann und Koch. Seine zweite Ausbildung absolvierte er bei Feinkost Käfer in München. Parallel studierte er Betriebswirtschaft an der Fernuniversität Hagen. Vor der Selbstständigkeit leitete er fünf Jahre lang den VIP-Bereich der Allianz Arena – ein Umfeld, das höchste Anforderungen an Logistik, Servicequalität und operative Führung stellt.
2011 machte er sich selbstständig. Was als einzelnes Münchner Restaurant begann, wuchs organisch. Ein Hotelprojekt auf demselben Grundstück, ein weiteres Haus aus der Nachbarschaft, dann vier Hotels in Schwaben. Parallel: Catering, Veranstaltungsservice, bis zu 3.500 Mahlzeiten täglich. Der vorläufige Höhepunkt: ein Vier-Sterne-Hotel mit Restaurant und Rooftop-Bar in Frankfurt, eröffnet im November 2019.
Wenige Monate vor Beginn der Corona-Pandemie eröffnete Lehmann ein neues Vier-Sterne-Hotel in Frankfurt.
Das Timing hätte kaum ungünstiger sein können.
Da das Haus noch keine belastbaren Vergleichsumsätze vorweisen konnte, griffen zahlreiche staatliche Hilfsprogramme nicht wie erwartet. Die Folgen waren gravierend:
- Vier Hotels mussten geschlossen werden.
- Rund 3,6 Millionen Euro Eigenkapital gingen verloren.
- Die Unternehmensgruppe musste sich neu ausrichten.
Anstatt das Wachstum vollständig einzustellen, entschied sich die Holding für einen strategischen Umbau. Das Ergebnis war eine stärkere Diversifizierung und eine geringere Abhängigkeit von einzelnen Geschäftsmodellen. Heute sieht Lehmann die Krise rückblickend als Auslöser für eine robustere Unternehmensstruktur.
„Bei Corona haben wir einen Haufen Federn gelassen. Das negative Eigenkapital ist inzwischen in der Holding weg, aber wenn Sie zur Bank gehen und noch mal Geld brauchen, da brauchen Sie gar nicht auflaufen. Die normalen Institute machen bei Gastronomie und Hotellerie gar keine Finger mehr krumm, außer Sie haben so viel Kleingeld zum Besichern, dass es kein Risiko ist."
Gründer und Geschäftsführer der Lehmann Holding GmbH
Christian Lehmann
Von Mmaah! zu Taco Bell: Die Franchise-Strategie
Die Franchise-Sparte entwickelte sich zunächst über die koreanische Fast-Casual-Marke Mmaah!. Nach einem Besuch in Berlin erkannte Lehmann das Potenzial des Konzepts und entschied sich für eine Zusammenarbeit mit den Gründern Andreas und Sebastian Lächle.
➡️ Heute betreibt die Holding:
- Drei Mmaah!-Restaurants
- Eine Ghost Kitchen
- Liefergeschäft über Plattformen wie Lieferando, Uber Eats und Wolt
Nach Unternehmensangaben wuchs dieser Geschäftsbereich über mehrere Jahre hinweg mit rund 30 Prozent jährlich. Die dabei entwickelten Prozesse bilden heute die operative Grundlage für den nächsten Expansionsschritt: Taco Bell.
Taco Bell in Bayern: Der exklusive Gebietsentwicklungsvertrag
Warum Taco Bell?
Taco Bell zählt mit rund 9.000 Standorten weltweit zu den größten Quick-Service-Restaurant-Marken der Welt. In Deutschland ist die Marke bislang nur eingeschränkt vertreten. Dadurch entsteht eine besondere Marktchance.
➡️ Viele Konsumenten kennen Taco Bell bereits aus:
- USA-Reisen
- Großbritannien
- Spanien
- Social Media
- Popkultur
Die Markenbekanntheit ist vorhanden, das Filialnetz jedoch kaum ausgebaut.
➡️ Die Expansion in Bayern - Anfang 2026 erhielt die eigens gegründete CL Bayern GmbH den exklusiven Gebietsentwicklungsvertrag für Bayern.
Geplant sind bis 2031 mindestens 15 Standorte im Freistaat. Die ersten Filialen sollen in München-Riem und München-Freiham eröffnen, weitere Zielmärkte sind Nürnberg und Passau. Langfristig stehen zudem Augsburg, Ingolstadt, Regensburg und Rosenheim auf der Expansionsliste.
Damit zählt das Vorhaben zu den ambitioniertesten Franchiseprojekten im süddeutschen Gastronomiemarkt.
Warum finanziert die Lehmann Holding die Expansion über ein Security Token Offering?
Für die Expansion kalkuliert die Unternehmensgruppe mit einem Kapitalbedarf von rund sieben bis acht Millionen Euro. Statt einer klassischen Bankfinanzierung entschied sich die Holding für ein Security Token Offering.
Der Hintergrund:
Die Auswirkungen der Corona-Pandemie erschwerten traditionelle Kreditfinanzierungen erheblich. Gleichzeitig sollte eine Lösung gefunden werden, die Wachstumskapital beschafft, ohne klassische Beteiligungsstrukturen einzuführen.
„Ich versuche immer mit der Zeit zu gehen und jedes Detail von allen Seiten anzusehen"
Gründer und Geschäftsführer der Lehmann Holding GmbH
Christian Lehmann
Security Token Offering vs. klassische Unternehmensfinanzierung
Bei der Finanzierung setzt die Lehmann Holding auf einen im deutschen Mittelstand bislang seltenen Weg: das Security Token Offering.
Während Bankkredite meist günstige Konditionen bieten, aber hohe Bonitätsanforderungen voraussetzen, und Private Equity zwar viel Kapital bereitstellt, dafür aber häufig Mitspracherechte der Investoren mit sich bringt, verbindet ein STO eine breite Anlegerbasis mit einer digitalen Abwicklung.
Mezzanine-Kapital gilt zwar als flexibel, ist in der Regel jedoch teurer. Mit diesem Ansatz positioniert sich die Lehmann Holding als eines der wenigen mittelständischen Gastronomieunternehmen in Deutschland, das gezielt auf diesen Finanzierungsweg setzt.
Ein Security Token Offering (STO) ist die digitale Ausgabe eines regulierten Wertpapiers auf Blockchain-Basis. Bei der Lehmann Holding wird darüber ein digitales Genussrecht emittiert. Anders als klassische Kryptowährungen basiert das Modell auf einem realen Unternehmenswert und einem BaFin-regulierten Emissionsprozess.
Konditionen für Anleger
Die Emission wird über die Plattform intokia angeboten.
- Merkmal
Details
Mindestinvestment
1.000 Euro
Festzins
7,5 % p.a.
Gewinnbeteiligung
20 %
Zielrendite
11–14 % p.a. (Prognose)
Regulierung
BaFin-genehmigter Prospekt
Emittent
CL Bayern GmbH
Hinweis: Renditen sind Prognosen. Anleger tragen das unternehmerische Risiko bis hin zum möglichen Verlust ihres eingesetzten Kapitals.
Unternehmenskultur und Nachhaltigkeit
Die Lehmann Holding verfolgt nach eigenen Angaben einen langfristigen Personalansatz. Dazu gehören:
- Überdurchschnittliche Vergütung
- Interne Weiterbildungsprogramme
- Aufstiegsmöglichkeiten für ungelernte Kräfte
- Geringe Fluktuation
Im Bereich Nachhaltigkeit setzt das Unternehmen unter anderem auf:
- Pappgeschirr
- Holzbesteck
- digitale Prozesse
- KI-Unterstützung im Hotelbetrieb
Dabei müssen gleichzeitig die Vorgaben internationaler Franchisegeber berücksichtigt werden.
Das Investment im Überblick
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Gruppenumsatz ca. 20 Mio. Euro
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Unternehmenssitz Ebersberg bei München
Thomas Feldhaus
Chefredakteur | Wirtschaftsjournalist
Thomas Feldhaus macht sichtbar, was Wirtschaft antreibt – und was sie verändert. Journalismus trifft Content: präzise, relevant, auf den Punkt.