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Gold-Dinar versus US-Dollar: Kampf um die harte Leit-Währung

Autor: Heino Zießnitz · Zuletzt aktualisiert: 14.02.26

Finanzen · 10 Min. Lesedauer

Gold-Dinar versus US-Dollar: Kampf um die harte Leit-Währung  - Titelbild

Die Idee ist so alt wie die moderne Geldordnung: Wenn Papiergeld Vertrauen kostet, soll Gold Vertrauen zurückkaufen. Doch für einen Comeback des Goldstandards, also einer goldgedeckten Welt-Leitwährung, gibt es zu wenige Goldbarren.

 

In der politischen Debatte taucht immer wieder der goldgedeckte Dinar auf – als Gegenentwurf zum US-Dollar, der seit 1971 nicht mehr an Gold gebunden ist. Doch der Kampf um den Status als globale Leitwährung wird nicht in Symbolik entschieden, sondern in Liquidität, Marktinfrastruktur, Rechtssicherheit, Zahlungsnetzwerken und geopolitischer Macht.

 

Das Wichtigste in Kürze

 

  • Gold-Dinar als politisches Signal: Der goldgedeckte Dinar dient vor allem als Symbol für Souveränität und Unabhängigkeit vom US-Dollar – weniger als marktreife Leitwährung.

 

  • US-Dollar dominiert weiter: Trotz fehlender Golddeckung bleibt der Dollar wegen Liquidität, Marktinfrastruktur, Zahlungsnetzwerken und geopolitischer Macht die zentrale Weltleitwährung.

 

  • Gold ist zu knapp: Die globalen Goldbestände reichen nicht aus, um eine wachsende Weltwirtschaft oder eine elastische Leitwährung vollständig zu decken.

 

  • BRICS setzen auf Alternativen: Mit Goldkäufen, eigenen Zahlungssystemen und Projekten wie der BRICS-„Unit“ treiben sie die schrittweise Entdollarisierung voran.

 

  • Kein schneller Machtwechsel: Experten erwarten keine Ablösung des Dollars, sondern eine langfristige Diversifikation von Reserven und Währungsstrukturen.

Warum der Dollar trotz Gold-Entkopplung dominiert

 

Der US-Dollar ist nicht wegen Goldbindung Leitwährung, sondern wegen Systemmacht:

 

  • Größter und liquidester Kapitalmarkt der Welt
  • US-Treasuries als globale Sicherheitenbasis
  • Dominanz im internationalen Zahlungsverkehr
  • Rund 57 % Anteil an globalen Devisenreserven (2025/26)
  • Beteiligung an rund 88 % aller Devisentransaktionen (BIS-Erhebung)
  • Netzwerkeffekte wirken hier stärker als Metallbindung

Warum der goldgedeckte Dinar politisch attraktiv ist

 

Der Gold-Dinar steht symbolisch für:

 

  • Souveränität gegenüber US-Sanktionen
  • Abkopplung vom Dollar-Preissystem (Rohstoffe)
  • Inflationsschutz-Narrativ

 

Er ist jedoch kein operativ implementiertes, global akzeptiertes Währungssystem.

Historische Wurzeln des Konflikts

 

Die Idee eines goldgedeckten Dinars reicht bis in die 2000er-Jahre zurück. Libyens Muammar al-Gaddafi  plante 2009 eine afrikanische Gold-Dinar-Währung, um Öl nicht mehr in Dollar, sondern in Gold abzurechnen – ein direkter Angriff auf das Petrodollar-System.

 

Türkei-Präsident Recep Tayyip Erdoğan forderte 2018, internationale Kredite solle man "auf Gold statt Dollar" basieren lassen, um Sanktionsrisiken zu umgehen. 

 

Malaysias Ex-Premier Mahathir Mohamad schlug 2019 vor, muslimische Staaten sollten mit Gold-Dinar und Tauschhandel handeln: "Wir müssen das Konzept des Gold-Dinars wiederbeleben."

 

Viele dieser Pläne blieben politische Visionen ohne marktfähige Umsetzung.

Aktuelle BRICS-Offensive

 

BRICS+ (Brasilien, Russland, Indien, China, Südafrika sowie neue Mitglieder wie Iran, Ägypten, Äthiopien und die VAE) treibt weiter den Aufbau einer alternativen Finanzarchitektur voran. Der Block repräsentiert inzwischen rund 45 % der Weltbevölkerung und etwa ein Drittel der globalen Wirtschaftsleistung.

 

Im Fokus steht die geplante „BRICS Unit“, ein digitales Abrechnungsinstrument für den Handel zwischen Mitgliedstaaten. Das Konzept sieht eine Teildeckung durch Gold (ca. 40 %) und einen Währungskorb der BRICS-Staaten (ca. 60 %) vor. Seit Ende 2025 laufen Pilot- und Testphasen. Die Unit ist als Settlement-Instrument gedacht – nicht als frei handelbare Weltwährung.

 

Parallel dazu verstärken Russland und China die De-Dollarisierung:

 

  • mehr Energiehandel in Yuan
  • Ausbau alternativer Zahlungssysteme (z.B. mBridge)
  • steigende Bedeutung von Goldreserven als Sanktionsschutz

 

Trotzdem bleibt der US-Dollar klar dominierend. Sein Anteil an den globalen Währungsreserven liegt weiterhin bei rund 57 %, deutlich vor dem Euro. Führende Ökonomen sehen kurzfristig keine Ablösung des Dollars als Weltleitwährung.

Der Knackpunkt: Gold ist knapp – und Leitwährung braucht Elastizität

 

Eine Leitwährung muss:

 

  • In Krisen unbegrenzt Liquidität bereitstellen
  • Kreditzyklen abfedern
  • Als globales Sicherheiteninstrument funktionieren

 

Die weltweite Minenproduktion liegt unter 4.000 Tonnen jährlich – zu wenig, um eine wachsende Weltwirtschaft flexibel zu versorgen. Gold eignet sich als Reserveanker, aber kaum als elastische Systembasis.

Wenn Politik am Dollar kratzt – aber Alternativen fehlen

 

Der Druck auf den US-Dollar kommt nicht nur von außen (z.B. BRICS-De-Dollarisation), sondern auch aus der US-Politik selbst:

 

Debatten über Handelspolitik, Sanktionen und politische Einflussversuche auf die Geldpolitik haben die Wahrnehmung des Dollars als unantastbare Leitwährung belastet. Analysten stellen fest, dass politische Risiken das Vertrauen in den Dollar beeinflussen und internationale Investoren vermehrt Absicherungsstrategien gegenüber der Leitwährung nutzen.

 

Das Schlagwort „De-Dollarisation“ wird oft benutzt. Es beschreibt eine Diversifikation in den globalen Reserven und Handelswährungen, aber keine akute Ablösung des Dollars. Selbst wenn der Dollar in 2025/2026 Schwächephasen hatte und institutionelle Anleger mehr Gold und andere Assets in Betracht ziehen, gibt es keine funktionsfähige, breit akzeptierte Alternative als Reserve- und Leitwährung.

 

Parallel dazu gewinnt Gold als Reserve-Asset wieder an Attraktivität, weil Zentralbanken und Investoren es als Absicherung gegen politische und makroökonomische Unsicherheiten nutzen – ein Trend, der eher Diversifikation als einen „Dollarsturz“ signalisiert.

Stärken und Schwächen im Duell

 

Vorteile goldbasierter Alternativen

 

  • Inflationsschutz-Narrativ
  • Sanktionsresistenz
  • Politisches Symbol für Souveränität
  • Dollar-Stärken
  • Liquidität
  • Kapitalmarkttiefe
  • SWIFT- und Treasury-Netzwerke
  • Militärische und geopolitische Absicherung

 

Interne BRICS-Spannungen (China/Indien) erschweren zudem eine gemeinsame Leitwährung.

Ausblick: Kein schneller Umsturz
 

BRICS summits 2025 in Kasan brachten Fortschritte, doch die Unit bleibt Pilotprojekt. Zentralbanken diversifizieren in Gold (IMF: +Sanktionsreaktion), aber Dollar hält 80% des Währungshandels. Erdoğan und Mahathir-Visionen inspirieren, ersetzen den Dollar aber nicht über Nacht.

Es gibt keinen klaren Nachfolger, der den Gold-nicht-gedeckten US-Dollar ablöst; stattdessen erleben wir eine Phase der "Entdollarisierung", in der Länder (besonders die BRICS-Staaten) ihre Reserven diversifizieren, den Dollaranteil reduzieren und Alternativen wie das BRICS-Pay-System sowie den Goldkauf fördern, um finanzielle Souveränität zu stärken, wobei China versucht, den Yuan zu internationalisieren und Russland Alternativen zu SWIFT zu entwickeln. Ökonomen sehen den Dollar als globale Reservewährung noch immer stark, aber die geopolitischen Verschiebungen und die Suche nach Stabilität führen zu einer schrittweisen Fragmentierung. 

Warum der Dollar seine Goldbindung verlor
 

Bretton-Woods-System: Der Dollar war ab 1944 an Gold gebunden (35 USD pro Unze), während andere Währungen an den Dollar gekoppelt waren.

 

Nixon-Schock (1971): Aufgrund steigender Staatsausgaben (Vietnamkrieg) und wachsendem Welthandel konnten die USA die Dollar-Konvertibilität nicht mehr aufrechterhalten, was die Golddeckung beendete. 

Aktuelle Tendenzen (Entdollarisierung)

 

BRICS-Staaten: Diversifizieren Reserven, kaufen Gold, entwickeln eigene Zahlungssysteme (z.B. BRICS-Pay) und reduzieren SWIFT-Nutzung.

 

  • China: Fördert den Yuan als internationale Währung

 

  • Russland: Hat nach Sanktionen Dollarreserven stark reduziert

 

  • Gold: Zentralbanken kaufen vermehrt Gold, um sich von der Dollar-Abhängigkeit zu lösen und die finanzielle Stabilität zu erhöhen

Entwicklung seit der Gold-Ära
 

Keine neue Golddeckung: Heute ist keine Währung weltweit offiziell goldgedeckt. Es gibt flexible Wechselkurse.

 

Dollar bleibt dominant: Trotz Herausforderungen bleibt der Dollar die wichtigste Reservewährung, da es keinen sofortigen, überzeugenden Ersatz gibt. 

Der große Charme des Goldstandards


Proaurum.de-Autor Anrei Barmashov schätzte am 6. September 2024 ein: „Einige konservative Wirtschaftswissenschaftler und US-Politiker plädieren für ein Comeback des Goldstandards. Sie argumentieren, dass dieser Systemwechsel in der Geldpolitik dazu beitragen könnte, die Inflation zu kontrollieren und das Vertrauen in die Währung zu stärken. Bereits Ende des 19. Jahrhunderts entstand in Wien die ‚Österreichische Schule zur Ökonomie‘. Die Vertreter dieser Denkschule lehnen unter anderem die Geldschöpfung durch Zentralbanken ab und fordern eine Rückkehr zum Goldstandard bzw. zu marktbasierten Währungen. Sie sind nämlich der Meinung, dass unregulierte Märkte am besten funktionieren und staatliche Eingriffe oft mehr Schaden (durch Fehlallokation beziehungsweise Blasenbildung) anrichten als Nutzen bringen. 

 

Während seiner Präsidentschaft äußerte sich aber auch Donald Trump mehrfach positiv über eine potenzielle Rückkehr zum Goldstandard.“

 

Andrei Barmashov weiter: „Der Wunsch durch die Wiedereinführung des Goldstandards eine Disziplinierung der Geldpolitik und eine solidere Finanzpolitik der Regierungen zu erreichen, bringt jedoch einige Probleme mit sich. Laut World Gold  Council erhöhen sich die globalen Goldbestände durch Minenproduktion um deutlich weniger als 4.000 Tonnen pro Jahr. Auf Basis des gegenwärtigen Goldpreises entspräche dies einem Wert von etwas mehr als 320 Milliarden Dollar (Ende 2025: 480 Milliarden Euro – Anmerkung der Redaktion). Dies dürfte definitiv nicht ausreichen, um den Bedarf einer goldgedeckten US-Währung mit dem gelben Edelmetall zu hinterlegen. Da außerhalb der USA diverse Notenbanken bereits seit Jahren ihre Goldreserven aufstocken, dürfte eines relativ wahrscheinlich sein: Es gibt zu wenig Gold, um einer global agierenden Wirtschaft sowohl eine stabile Währung als auch eine ausreichende Versorgung mit Kapital zu gewährleisten.

 

Man darf daher gespannt sein, ob in Zukunft ein Land die Rückkehr zum Goldstandard tatsächlich wagen wird, schließlich müsste deren Regierung dadurch auf das komfortable und flexible ‚Geldschöpfen aus dem Nichts‘ verzichten. Naturkatastrophen oder andere Krisen bzw. Kriege könnten dann noch verheerendere Folgen als bei einem Beibehalten der gegenwärtigen Fiat-Währungssysteme haben.“

Fazit: Der „Kampf“ ist real – aber asymmetrisch

 

Der Dollar wird nicht durch eine einzige neue Währung abgelöst, sondern die globale Währungslandschaft diversifiziert sich, wobei die BRICS-Staaten und Gold eine wachsende Rolle spielen, um die Vorherrschaft des Dollars zu mindern.

 

Der goldgedeckte Dinar ist als Idee ein politisches Signal: Unabhängigkeit, Stabilität, Anti-Sanktions-Architektur. Der Dollar ist als System eine Infrastrukturmacht: Reserven, Handel, Banken, Sicherheiten, Netzwerkeffekte.

 

Kurz: Gold kann Vertrauen stiften – aber Leitwährung ist vor allem Logistik. Solange keine große Wirtschaftszone einen goldbasierten Standard mit belastbarer Konvertibilität, Rechtssicherheit und Kapitalmarkttiefe liefert, bleibt der Gold-Dinar eher Narrativ als neue Weltwährung. (Unter Mitarbeit von Autor Frank Maiwald)

Weiterführender Link

 

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Heino Zießnitz

Heino Zießnitz

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