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Family Offices richten sich neu aus: Geopolitik bestimmt Investitionsentscheidungen

Autor: Thomas Feldhaus · Zuletzt aktualisiert: 11.09.25

Wirtschaft Finanzen · 7 Min. Lesedauer

Family Offices richten sich neu aus: Geopolitik bestimmt Investitionsentscheidungen - Titelbild

Die Zeiten ungetrübter Globalisierung sind vorbei. Während Handelskriege und geopolitische Spannungen die Weltwirtschaft erschüttern, müssen sich die Vermögensverwalter der reichsten Familien neu orientieren. Eine aktuelle Studie von BlackRock zeigt: Family Offices weltweit steuern ihre Anlagestrategien in einer fundamental veränderten Weltordnung um.

 

Family Offices in Kürze:

 

  • Geopolitik als Investmenttreiber - 84 Prozent der Family Offices lassen geopolitische Spannungen in ihre Anlageentscheidungen einfließen. Die Ankündigung neuer US-Zölle am "Liberation Day" verstärkte die Unsicherheit – 62 Prozent blicken pessimistisch auf den globalen Wirtschaftsausblick.

 

  • Alternative Anlagen trotz Gebührenexplosion beliebt - Private Markets machen bereits 42 Prozent der Family Office-Portfolios aus. Paradox: Obwohl sich die Gebührenbeschwerden von 40 auf 72 Prozent fast verdoppelt haben, planen 32 Prozent der Familienbüros eine Aufstockung ihrer Private Credit-Investments.

 

  • Infrastruktur und Nachhaltigkeit als Gewinner-Themen - 75 Prozent der Family Offices sehen positive Aussichten für Infrastruktur-Investments, während Impact Investing und nachhaltige Anlagen besonders bei jüngeren Familiengenerationen an Bedeutung gewinnen. Die Suche nach langfristigem Werterhalt trifft auf gesellschaftliche Verantwortung.
Was ist ein Family Office?

Ein Family Office ist eine spezialisierte Organisation, die sich zum Ziel gesetzt hat, das große Privatvermögen einer oder mehrerer vermögender Familien umfassend zu betreuen und langfristig zu sichern. Im Gegensatz zu klassischen Vermögensverwaltern, die in der Regel für viele verschiedene Kunden tätig sind, arbeitet ein Family Office ausschließlich im Interesse der jeweiligen Familie(n) und agiert bankenunabhängig.

Diskretion, Strategie, Generationen: Das Prinzip Family Office

 

Ein Family Office ist eine spezialisierte Institution, die exklusiv für eine oder mehrere vermögende Familien arbeitet und deren Vermögen umfassend verwaltet. Dabei geht es weit über reine Geldanlage hinaus: Family Offices koordinieren verschiedene Bereiche wie Steueroptimierung, Rechtsberatung, Nachfolgeplanung und das Management von Stiftungen. Ziel ist es, das Familienvermögen langfristig zu erhalten und ideal an die individuellen Bedürfnisse der Familie anzupassen. Je nach Struktur unterscheidet man Single Family Offices, die nur eine Familie betreuen, von Multi Family Offices, die ihre Leistungen mehreren Familien zur Verfügung stellen.

 

In Deutschland gibt es rund 1.100 Family Offices, davon etwa 450 Single Family Offices. Weltweit wird die Zahl auf bis zu 20.000 geschätzt – genaue Angaben sind schwierig, da viele diskret arbeiten und nicht öffentlich registriert sind.

 

Die größten Vorteile eines Family Office liegen in der ganzheitlichen und individuellen Betreuung, die weit über die klassische Vermögensverwaltung hinausgeht. Ein Family Office bietet gebündelte Kompetenz in den Bereichen Finanzen, Recht und Steuern – alles aus einer Hand. Zudem gewährleistet es höchste Diskretion und Vertraulichkeit bei sensiblen Themen. Durch den Fokus auf langfristigen Vermögenserhalt können Familien gezielt Risiken minimieren und Chancen nutzen. Außerdem arbeitet ein Family Office unabhängig, ohne eigene Produkte zu verkaufen, was eine neutrale Beratung sicherstellt.

 

Ein Family Office ist vor allem für Familien mit einem Vermögen ab etwa 30 bis 50 Millionen Euro interessant, da die umfassenden Dienstleistungen und die damit verbundenen Kosten einen gewissen Mindestvermögenswert erfordern. Besonders Unternehmerfamilien, Erben großer Vermögen oder Personen, die kürzlich durch Unternehmensverkäufe zu einem erheblichen Kapital gekommen sind, profitieren von den maßgeschneiderten Lösungen eines Family Office.

Geopolitik bestimmt Investitionsentscheidungen

 

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: 84 Prozent der von Blackrock befragten Family Offices betrachten die geopolitische Lage als entscheidenden Faktor für ihre Anlageentscheidungen. Die Umfrage unter 175 Single Family Offices mit einem Gesamtvermögen von über 300 Milliarden US-Dollar, durchgeführt zwischen März und Mai 2025, offenbart eine wachsende Vorsicht der Superreichen.

 

Besonders die Ankündigung neuer US-Zölle am 3. April – dem sogenannten "Liberation Day" – verstärkte die Unsicherheit. 62 Prozent der Befragten blicken nun pessimistisch auf den globalen Wirtschaftsausblick. Die Skepsis erreicht damit ein Niveau, das zuletzt während der aggressiven Zinserhöhungskampagne der US-Notenbank im Jahr 2023 gemessen wurde.

 

Armando Senra, Leiter des institutionellen Geschäfts in Nord- und Südamerika bei BlackRock, sagte: "Family Offices sind weltweit mit Vorsicht in das Jahr 2025 gestartet - eine Haltung, die sich bis 2026 fortsetzen dürfte - da geopolitische Spannungen, politische Veränderungen und Marktfragmentierung die Stimmung belasten. Sie legen nun den Schwerpunkt auf Diversifizierung, Liquidität und strukturelle Neubewertung von Risiken, um ihre Anlageportfolios widerstandsfähiger zu machen.

Private Markets trotz Gebührenexplosion im Aufwind

 

Trotz der unsicheren Weltlage setzen Family Offices verstärkt auf alternative Anlagen. Der Anteil privater Märkte in den Portfolios stieg auf durchschnittlich 42 Prozent – ein Anstieg von drei Prozentpunkten gegenüber der vorherigen Erhebung. Die Attraktivität liegt in den Illiquiditätsprämien und differenzierten Ertragsströmen, die diese Anlageklasse bietet.

 

Doch der Boom hat seinen Preis: Fast drei Viertel der Family Offices (72 Prozent) beklagen hohe Gebühren als größte Herausforderung bei Investitionen in private Märkte. Dieser Wert hat sich gegenüber der letzten Umfrage von 40 auf 72 Prozent nahezu verdoppelt. Die Familienbüros kritisieren dabei weniger das Vergütungsmodell an sich, sondern vielmehr das verschlechterte Preis-Leistungs-Verhältnis.

Private Credit und Infrastruktur als Gewinner
 

Innerhalb der alternativen Anlagen kristallisieren sich klare Favoriten heraus. Private Credit hat sich zur Kernallokation entwickelt – über die Hälfte der Befragten (51 Prozent) sieht positive Aussichten für diese Anlageklasse. Fast ein Drittel (32 Prozent) plant, die Allokationen in Private Credit bis 2026 zu erhöhen – der höchste Wert unter allen alternativen Anlageklassen.

 

Noch optimistischer bewerten Family Offices die Infrastruktur-Investments: Drei Viertel (75 Prozent) sehen positive Aussichten, während nur fünf Prozent einen negativen Ausblick haben. Die Attraktivität liegt in der Ausrichtung auf langfristige Wachstumsthemen, der wahrgenommenen Widerstandsfähigkeit und dem Inflationsschutz.

In Family Offices ist externe Expertise gefragt, KI wird noch skeptisch betrachtet

 

Die Komplexität der privaten Märkte überfordert viele Family Offices. Mehr als die Hälfte der Befragten identifizierte Lücken in der internen Expertise bei der Analyse privater Märkte (75 Prozent), der Beschaffung von Deals (63 Prozent) und dem Reporting (57 Prozent). Entsprechend suchen sie verstärkt die Zusammenarbeit mit externen Partnern.

 

Bei der Künstlichen Intelligenz herrscht dagegen noch Zurückhaltung. Zwar würde eine Mehrheit der Family Offices KI für verschiedene Aufgaben in Betracht ziehen, doch mangelnde Transparenz, begrenzte Interpretierbarkeit und Fehlerrisiken bremsen die Einführung. Statt KI intern zu nutzen (33 Prozent), investieren die Familienbüros lieber in Technologieunternehmen, die KI-Lösungen entwickeln (45 Prozent), oder in Chancen, die vom KI-Wachstum profitieren (51 Prozent).

Thomas Olek Inhaber Olek Capital GmbH

"Jedes Investment erzählt eine Geschichte. Unser Ziel ist es, dass es eine Erfolgsgeschichte wird. Nachhaltigkeit und Rendite schließen sich dabei nicht aus, sondern ergänzen sich in einer intelligenten Strategie.“

Inhaber Olek Capital GmbH

Thomas Olek

Nachhaltigkeit und Impact Investing im Fokus

 

Ein aktueller Trend bei vielen Family Offices ist die zunehmende Integration von Nachhaltigkeit in die Anlagestrategie. Immer mehr vermögende Familien legen Wert darauf, dass ihre Investitionen nicht nur finanzielle Renditen bringen, sondern auch einen positiven gesellschaftlichen oder ökologischen Einfluss haben. Impact Investing verbindet gezielte Kapitalanlagen mit dem Ziel, messbare soziale oder ökologische Verbesserungen zu erzielen. Dies entspricht häufig den Werten der jüngeren Generationen innerhalb der Familien und fördert verantwortungsbewusstes Handeln über den rein finanziellen Erfolg hinaus.

 

Diesem Trend folgt auch die 2024 gegründete Olek Capital GmbH. Unternehmer Thomas Olek hat seine Unternehmensbeteiligungen neu sortiert und in einem Family Office mit Standorten in Frankfurt, Monaco und Florida gebündelt. Dabei ist es sein erklärtes Ziel, Nachhaltigkeit und Rendite in Einklang zu bringen.

 

Lesen Sie dazu auch unseren Beitrag: Olek Capital – Family-Office mit Fokus auf Impact- und Immobilien-Investments

Fazit: Agilität in volatilen Zeiten

 

Die Studie macht deutlich: Family Offices müssen sich in einem Umfeld strukturell höherer Volatilität neu aufstellen. Aktives Management, taktische Flexibilität und die Bereitschaft, Komplexität anzunehmen, werden zu entscheidenden Erfolgsfaktoren in einer Welt, in der geopolitische Risiken die Anlagestrategien der Superreichen maßgeblich prägen.

 

Family Offices sind weit mehr als reine Vermögensverwaltersie sind strategische Partner, die Vermögen über Generationen hinweg schützen und weiterentwickeln. Durch ihre ganzheitliche, maßgeschneiderte Betreuung und die hohe Diskretion sind sie für vermögende Familien unverzichtbar, die den Überblick über ihre komplexen finanziellen, rechtlichen und persönlichen Belange behalten wollen. In einer zunehmend komplexen Finanzwelt schaffen Family Offices Sicherheit, Struktur und Vertrauen, damit das Familienvermögen auch in Zukunft bestehen bleibt und wächst.

 

Die Botschaft ist klar: Die Ära der simplen Globalisierungsdividende ist vorbei. Wer in der neuen Weltordnung erfolgreich sein will, muss lernen, mit Unsicherheit umzugehen und gleichzeitig neue Chancen zu erkennen.

FAQ Family Offices


Thomas Feldhaus

Thomas Feldhaus

Chefredakteur | Wirtschaftsjournalist

Thomas Feldhaus macht sichtbar, was Wirtschaft antreibt – und was sie verändert. Journalismus trifft Content: präzise, relevant, auf den Punkt.

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