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Roboter an der Front: Wie Circus SE die militärische Verpflegung autonomisiert

Autor: Thomas Feldhaus · Zuletzt aktualisiert: 22.04.26

Wirtschaft · 10 Min. Lesedauer

Roboter an der Front: Wie Circus SE die militärische Verpflegung autonomisiert - Titelbild

Wenn über Militärtechnologie gesprochen wird, geht es meist um Waffen, Fahrzeuge oder Aufklärungssysteme. Weit weniger sichtbar, aber ebenso entscheidend für den militärischen Alltag, ist die Logistik – insbesondere die Versorgung von Soldaten mit warmen Mahlzeiten. Genau in diesem Bereich setzt das deutsche Unternehmen Circus SE an. Mit der autonomen Feldküchen CA-M erprobt es neue Wege der militärischen Verpflegung – sowohl bei der Bundeswehr als auch im Einsatz in der Ukraine.

Autonome Verpflegungsroboter an der Front in Kürze:

Standardisierte Container sind ein zentrales Element militärischer Logistik. Sie lassen sich weltweit transportieren und schnell in bestehende Strukturen integrieren.

 

Vorteile von containerbasierten Systemen:

 

  • einfacher Transport per Lkw, Schiff oder Flugzeug
  • schnelle Verlegung in Einsatz- oder Übungsgebiete
  • modularer Einsatz je nach Bedarf


Der CA-M von Circus SE nutzt genau dieses Prinzip.

Was ist Circus Defense?


Circus Defense ist die Verteidigungssparte der Circus SE, die autonome, KI-gestützte Verpflegungssysteme für militärische Einsätze entwickelt. Ziel ist es, die Versorgung von Soldaten durch automatisierte Feldküchen effizienter, sicherer und unabhängiger von Personal zu machen.

 

Mit Systemen wie dem CA-M und CA-1 bringt Circus Defense Robotik, künstliche Intelligenz und Containerlogistik zusammen – und testet diese Technologien bereits bei der Bundeswehr sowie unter realen Einsatzbedingungen in der Ukraine.

Warum Verpflegung im Militär eine zentrale Rolle spielt

 

Soldaten benötigen nicht nur Ausrüstung und Munition, sondern auch regelmäßige, sichere und ausgewogene Verpflegung. Warme Mahlzeiten beeinflussen Konzentration, Leistungsfähigkeit und Moral. In längeren Einsätzen oder unter schwierigen Bedingungen kann die Qualität der Verpflegung einen direkten Einfluss auf die Einsatzfähigkeit einer Einheit haben.

 

Traditionell übernehmen Feldküchen diese Aufgabe. Sie werden von speziell ausgebildetem Personal betrieben, müssen transportiert, geschützt und versorgt werden. Das bedeutet: Köche müssen im Einsatzgebiet präsent sein, die Küche muss durch Soldaten vor Angriffen geschützt werden, und es braucht eine kontinuierliche Versorgung mit Wasser, Energie und Lebensmitteln. Personal, das nicht nur unter gefährlichen Bedingungen arbeiten muss, sondern auch an anderer Stelle fehlt.

 

In modernen Einsatzszenarien – mit schnellen Ortswechseln, begrenzter Infrastruktur und erhöhten Sicherheitsrisiken – ist das ein erheblicher organisatorischer Aufwand. Jede Person, die in der Küche arbeitet, muss unter gefährlichen Bedingungen arbeiten und fehlt potenziell an anderer Stelle. Jeder Versorgungspunkt muss logistisch eingeplant und gesichert werden.

 

Warme Mahlzeiten beeinflussen:

 

  • Konzentration
  • Leistungsfähigkeit
  • Moral
  • Einsatzbereitschaft

 

Traditionelle Feldküchen sind jedoch personalintensiv und logistisch aufwendig:

 

  • Betrieb durch geschultes Personal
  • Absicherung im Einsatzgebiet notwendig
  • Abhängigkeit von Infrastruktur (Wasser, Energie, Transport)

 

➡️ Genau hier setzt Circus Defense an.

Nikolas Bullwinkel Gründer und CEO der Circus Group SE

"Mit Circus Defence bauen wir aktiv ein umfassendes Portfolio für den Verteidigungssektor auf, um unser Know-how in KI-Steuerung, Robotik und autonomen Systemen gezielt im Verteidigungsbereich einzusetzen."

Gründer und CEO der Circus Group SE

Nikolas Bullwinkel

Der Ansatz von Circus SE: Kochen ohne Koch

 

Das Technologieunternehmen Circus SE entwickelt Verpflegungssysteme, die diesen Aufwand reduzieren sollen. Das Grundprinzip: Kochen ohne dauerhaftes Küchenpersonal vor Ort. Möglich wird das durch eine Kombination aus Robotik, Sensorik und KI-gestützter Steuerung, die alle wesentlichen Schritte der Essenszubereitung automatisiert.

 

Die Unterbringung in genormten Containern folgt bewährten militärischen Logistikprinzipien. Einheitliche Abmessungen und Anschlüsse ermöglichen den einfachen und schnellen Transport über alle gängigen Transportmittel hinweg. Dadurch kann eine autonome Küche ähnlich flexibel verlegt werden wie andere logistische Module, etwa medizinische Ausrüstung oder Versorgungsgüter.

 

Um den spezifischen Anforderungen in diesem Bereich gerecht zu werden, wurde 2025 die 100%ige Tochtergesellschaft Circus Defense SE gegründet, in der alle Aktivitäten für autonome KI-Robotik- und Infrastruktursysteme in missionskritischen Umgebungen gebündelt werden. „Mit Circus Defence bauen wir aktiv ein umfassendes Portfolio für den Verteidigungssektor auf und schaffen eine spezialisierte Einheit, welche bestehende Beziehungen innerhalb der europäischen Verteidigungs- und NATO-Strukturen nutzt, um unser Know-how in KI-Steuerung, Robotik und autonomen Systemen gezielt im Verteidigungsbereich einzusetzen“, sagte Nikolas Bullwinkel, Gründer und CEO von Circus SE und Circus Defence SE.

CA-M: Eine komplette Mahlzeiten-Fabrik im 20-Fuß-Container

 

Das mobile System CA-M befindet sich in einem 20-Fuß-Container – das entspricht etwa der Größe eines kleinen Lkw-Anhängers. Nach Angaben des Unternehmens kann es vollständig autonom arbeiten und rund 1.000 Mahlzeiten pro Produktionszyklus zubereiten. 

 

Doch was bedeutet "autonom" konkret? Es bedeutet, dass die gesamte Kette – von der Verarbeitung der Lebensmittel über das Kochen bis zur Ausgabe – automatisiert abläuft. Roboter übernehmen die mechanischen Tätigkeiten, Sensoren überwachen den Prozess, und eine Software koordiniert die einzelnen Schritte. Ein Koch muss nicht mehr permanent anwesend sein. Stattdessen kann das System nach der Befüllung selbstständig arbeiten.

Ein zentraler Aspekt ist die Auslegung für extreme Bedingungen. Militärische Einsätze finden in sehr unterschiedlichen Klimazonen statt – von Wüsten mit über 40 Grad Celsius über arktische Regionen bis hin zu feuchten Tropengebieten. Der CA-M ist so konstruiert, dass er auch unter solchen Bedingungen zuverlässig funktioniert. Das betrifft sowohl die Mechanik als auch die Elektronik.

 

Zusätzlich überwachen Sensoren den gesamten Kochprozess. Temperaturen werden gemessen, Garzeiten kontrolliert, hygienerelevante Parameter erfasst. Diese kontinuierliche Überwachung ist besonders wichtig, weil in Einsatzgebieten eine medizinische Versorgung bei Lebensmittelvergiftungen oft nur eingeschränkt möglich ist. Die Systeme sollen sicherstellen, dass Mahlzeiten auch unter Feldbedingungen hygienisch einwandfrei zubereitet werden.

Die kleinere Variante: CA-1 für Kasernen und Stützpunkte

 

Neben dem mobilen System gibt es mit dem CA-1 eine kompaktere Version für den stationären Indoor-Einsatz, etwa in Kasernen oder festen Stützpunkten. Er ist darauf ausgelegt, regelmäßig größere Gruppen zu versorgen und ist 24/7 im Einsatz für die Truppe.

Was ist Brave1?

Der CA-M ist eine vollständig autonome Feldküche in einem standardisierten 20-Fuß-Container.

Diese Systeme reagieren auf die spezifischen Abläufe im militärischen Alltag. Übungen, Bereitschaftsdienste und Ausbildungsbetrieb verlaufen nicht immer nach festen Zeitplänen. Einheiten kehren zu unterschiedlichen Zeiten zurück, Schichtdienste lösen klassische Tagesstrukturen ab. Autonome Küchen können unabhängig von klassischen Essenszeiten betrieben werden und ermöglichen es Soldaten, auch außerhalb der üblichen Zeiten auf warme Mahlzeiten zuzugreifen – etwa nach nächtlichen Übungen oder längeren Einsätzen.

Start bei der Bundeswehr: Erproben unter kontrollierten Bedingungen

 

Circus Defence SE hat erstmals ihre KI-Robotik-Technologie auf einem militärischen Stützpunkt der Bundeswehr in Betrieb genommen.

 

Der Rollout des CA-1 in einer deutschen Kaserne erfolgt damit deutlich schneller als geplant, nur drei Monate nach Auftrag. Im Fokus steht die Integration in den täglichen Betrieb unter kontrollierten Bedingungen, um Abläufe, Wartungsbedarf und Nutzerinteraktion zu optimieren.it dem System umgehen.

 

Solche Projekte sind wichtig, um zu verstehen, wo automatisierte Systeme klassische Küchen sinnvoll ergänzen können, wo menschliche Präsenz weiterhin notwendig bleibt und der weitere Rollout standardisiert werden kann. Es geht nicht darum, bestehende Strukturen komplett zu ersetzen, sondern darum, Lücken zu schließen und Personal zu entlasten.

 

Die Bundeswehr sammelt dabei Daten zu technischer Zuverlässigkeit, Akzeptanz bei den Nutzern und organisatorischen Herausforderungen. Diese Erkenntnisse fließen in die Weiterentwicklung der Systeme ein.

Einsatz unter realen Bedingungen in der Ukraine

 

Parallel zu den Tests in Deutschland kommen die Systeme von Circus SE in der Ukraine zum Einsatz. In Zusammenarbeit mit der staatlichen Verteidigungsinitiative BRAVE1 und dem MITS Capital Fund werden bis zu 25 CA-1-Systeme der Serie 4 an das 3. Armeekorps geliefert. 

 

Dort müssen die Anlagen unter deutlich anspruchsvolleren Bedingungen arbeiten. Der Einsatz erfolgt nicht in der geschützten Umgebung einer Kaserne, sondern in einem aktiven Konfliktgebiet mit instabiler Infrastruktur, wechselnden Standorten und unmittelbarer Bedrohung.

 

Eine technische Besonderheit ist die Steuerung der Systeme durch lokal installierte KI-Modelle. Was bedeutet das? Viele moderne Systeme verlassen sich auf Cloud-Computing – also auf Rechenzentren, die über das Internet erreichbar sind. In Konfliktgebieten ist eine solche Verbindung aber oft nicht zuverlässig verfügbar. Kommunikationsinfrastruktur kann beschädigt, überlastet oder gezielt gestört sein.

 

Die Systeme von Circus setzen deshalb auf sogenannte Edge-KI. Die künstliche Intelligenz läuft dann direkt im Container, auf lokaler Hardware. Entscheidungen werden vor Ort getroffen, ohne dass eine Internetverbindung nötig wäre. Das macht die Systeme unabhängiger und robuster.

 

Der autonome Betrieb ermöglicht es zudem, Versorgungspunkte mit deutlich weniger Personal zu betreiben. Die Essenszubereitung läuft kontinuierlich und standardisiert ab, unabhängig davon, ob gerade Personal verfügbar ist oder ob sich die Rahmenbedingungen ändern.

Zwischen Panzern und Proviant: Wo die NATO-Milliarden hinfließen

 

Mit geschätzten 1,47 Billionen US-Dollar erreichen die Verteidigungsausgaben der NATO im Jahr 2025 ein Rekordniveau. Doch nicht nur neue Waffensysteme verschlingen Milliarden. Ein großer Teil der Mittel fließt in den laufenden Betrieb der Streitkräfte – einen Bereich, der in der öffentlichen Debatte oft weniger Aufmerksamkeit erhält.

 

Die NATO teilt ihre Budgets in vier Hauptkategorien: Personal, Ausrüstung, Infrastruktur und Betrieb. Der Betriebsbereich, bekannt als „Operations & Maintenance“, umfasst alle Ausgaben, die den militärischen Alltag ermöglichen. Dazu zählen sowohl Treibstoff und Wartung als auch grundlegende Leistungen wie die Versorgung der Soldaten mit Mahlzeiten.

 

Am Beispiel Deutschlands wird deutlich, dass nicht nur Milliarden für Rüstungsgüter, sondern auch hohe Summen für den laufenden Betrieb erforderlich sind. Rund 380 Millionen Euro pro Jahr gibt die Bundeswehr allein für die Verpflegung der Truppe im Inland aus. Diese Ausgaben erscheinen im Vergleich zu Großprojekten gering, sind jedoch zentral für die Einsatzfähigkeit.

Automatisierung als Teil moderner Militärlogistik

 

Autonome Verpflegungssysteme sind kein isoliertes Phänomen, sondern Teil eines größeren Trends. Streitkräfte weltweit investieren zunehmend in Automatisierung und Robotik – nicht nur bei Waffensystemen, sondern auch in der Logistik.

 

Beispiele gibt es viele: autonome Transportfahrzeuge, die Nachschub ohne Fahrer an die Front bringen; automatisierte Lagersysteme, die Ausrüstung verwalten; Drohnen, die medizinisches Material zu abgeschnittenen Einheiten fliegen. Die Küche galt lange als besonders komplex und schwer zu automatisieren, da sie Hygiene, präzises Timing und eine variable Nachfrage vereint.

 

Die Systeme von Circus SE zeigen, dass auch dieser Bereich technisch standardisiert und automatisiert werden kann. Robotik übernimmt repetitive Abläufe wie Schneiden, Rühren oder Portionieren. Sensorik sorgt für Kontrolle und Sicherheit. KI koordiniert die Prozesse und passt sie an wechselnde Anforderungen an.

 

Thomas Feldhaus

Thomas Feldhaus

Chefredakteur

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