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Land verpachten für Solarparks: Wie man Widerstände entschärft

Autor: Heino Zießnitz · Zuletzt aktualisiert: 27.01.26

Nachhaltigkeit · 6 Min. Lesedauer

Land verpachten für Solarparks: Wie man Widerstände entschärft - Titelbild

Land verpachten für Solarparks bringt zunächst einmal für Landbesitzer deutlich mehr ein, als den Acker oder die Grünfläche selbst zu bewirtschaften oder  an Landwirte zu vermieten. 

 

Land verpachten für Solarparks kurz & knapp:

 

  • Deutlich höhere Einnahmen: 1.500–5.000 € Pacht pro Hektar und Jahr (statt 300–450 € bei Ackerland)

 

  • Lange Laufzeit: Verträge meist über 25–30 Jahre

 

  • Zusatzrendite möglich: oft 4–5,5 % Umsatzbeteiligung am Stromerlös

 

  • Kein Investitionsrisiko: Bau, Betrieb, Versicherung und Rückbau trägt der Pächter

 

  • Erfolgsfaktor Akzeptanz: Zustimmung der Anwohner ist entscheidend – frühzeitige Einbindung zahlt sich aus

 

Im einzelnen:

Wieviel Pacht für Solarpark können Landbesitzer erzielen?
 

Die herkömmliche Landpacht für den Ackerbau liegt deutschlandweit im Durchschnitt bei 300 bis zu 450 Euro pro Hektar pro Jahr. 

 

Flächen für Solarparks zu verpachten dagegen bringt Einnahmen zwischen 1.500 Euro bis zu 5.000 Euro pro Hektar pro Jahr. Und das 25 bis 30 Jahre lang. Oft gibt es sogar eine Beteiligung an den Umsatzerlösen des Solarparks in Höhe von 4 bis 5,5 Prozent im Jahr. 

 

Und das alles, ohne, einen Cent selbst zu investieren. Der Pächter übernimmt Bau, Betrieb, sogar die Bereitstellung von Löschwasser, bis hin zum Rückbau.

 

Aber das Geschäft ist auch für die Pächter sehr lukrativ.

Wie viel kostet ein Solarpark pro Hektar?

 

Die Kosten für einen Solarpark liegen typischerweise zwischen 500.000 und 1.000.000 Euro pro Hektar.

 

Wie viel Gewinn macht ein Solarpark?

 

Die Sonne schenkt dem Solarpark-Betreiber Strom für 6 Cent pro Kilowattstunde. Ein Solarpark kann durchschnittlich jährliche Einnahmen von 50.000 bis 70.000 Euro pro Hektar generieren.

 

Die durchschnittliche Rendite für einen Solarpark liegt zwischen 5% und 10% pro Jahr. Bei günstigen Bedingungen und Direktvermarktung des Stroms können Renditen von bis zu 10% jährlich erreicht werden. Größere Solarparks können sogar Kapitalrenditen zwischen 10% und 20% erzielen.

 

Aber: Anwohner können alles blockieren.

 

Die  wichtigste Voraussetzung, dass der notarielle Pachtvertrag für einen Solarpark nicht am Ende platzt, ist die Zustimmung der dort lebenden Menschen.

 

Diese einzuholen ist oft schwierig, aber nicht unmöglich. Hier ein Beispiel aus der Praxis:

 

Das Ziel: Kommunen sind ja eigentlich per Gesetz verpflichtet, Flächen zur Pacht für Solarparks bereitzustellen. In Alsweiler im Saarland sollte auf 22 ha Land der flächenmäßig größte Solarpark im Saarland entstehen. Mit 22 MW und im Zusammenspiel mit einigen Windparks auf Gemeindeland sollte er mehr Strom erzeugen, als die 11.000 Einwohner in der Gemeinde Marpingen, zu der Alsweiler gehört, selbst verbrauchen können.

Machen Landbesitzer und Anwohner bei der Verpachtung von Land für Solarparks gleichermaßen glücklich: Fox Group-Boss Jörn Reinecke aus Hamburg (53, mitte) mit den Geschäftsführern seiner Hamburger Stromerzeugungs-Tochter Green Fox Energy GmbH Sven Meißner (45, links) aus Lüneburg und Tobias Philip Aulich (43, rechts) aus Hamburg. Die Dortmunder Projektentwicklerin ON Energy GmbH ist eine Tochter Green Fox GmbH und wird unter anderem von Tobias Aulich geleitet © Greenfoxenergy.de
Machen Landbesitzer und Anwohner bei der Verpachtung von Land für Solarparks gleichermaßen glücklich: Fox Group-Boss Jörn Reinecke aus Hamburg (53, mitte) mit den Geschäftsführern seiner Hamburger Stromerzeugungs-Tochter Green Fox Energy GmbH Sven Meißner (45, links) aus Lüneburg und Tobias Philip Aulich (43, rechts) aus Hamburg. Die Dortmunder Projektentwicklerin ON Energy GmbH ist eine Tochter Green Fox GmbH und wird unter anderem von Tobias Aulich geleitet © Greenfoxenergy.de

Der Projektentwickler

 

Den Solarpark errichten wollte die Dortmunder Solarpark-Projektentwicklerin ON Energy GmbH. Einer ihrer wichtigsten Investoren ist inzwischen der Hamburger Unternehmer Jörn Reinecke (53). Vor drei Jahren versprach Reinecke als Inhaber und Chef der übergeordneten FOX Group GmbH aus Hamburg, in einem Zeitraum von 4 Jahren 1 Milliarde Euro in Erneuerbare Energien zu investieren, wie SQUAREVEST.AG mit einer Zwischenbilanz im Sommer 2025 berichtete

Jörn Reinecke
Jörn Reinecke

Das Problem

 

Der Solarpark Alsweiler war kein Selbstläufer. Es gab Vorbehalte. „Das Solarkraftwerk liegt an einem viel genutzten Rad- und Wanderweg. Den Menschen vor Ort wie auch den Tourismusorganisationen war wichtig, dass die vorhandene Wegführung und Möglichkeiten zur Rast erhalten bleiben“, erklärte Theo Neis (SPD), seit 2014 bis heute Ortsvorsteher in Alsweiler, die näheren Hintergründe.

Die Lösung: Appell an Traditionen und Schafe als Wander-Highlight

 

A) Menschen sind stolz auf ihre Traditionen:

 

Die ON Energy GmbH knüpfte daran an. Sie gewann die Herzen der Menschen vor Ort mit folgender Argumentation: „Die wunderschöne Natur ist es, die der Gemeinde ihren Stempel aufdrückt. Doch auch der Bergbau gehört zur Marpinger DNA. In früheren Zeiten haben viele Einwohnerinnen und Einwohner Arbeit im Steinkohlebergbau an der Saar gefunden. Noch heute zeugt eine Lore am Ortseingang von der stolzen Tradition der Gegend. Trotzdem ist Marpingen nicht ‚von gestern‘. Vielmehr reichen sich Tradition und Moderne hier die Hand. Das verbindende Element heißt dabei ‚Energie‘.“

 

B) Schafe als Attraktion:

 

Die ON Energy GmbH gewann den ortsansässigen Schäfer Christian Scheid, der mit seiner Herde die Flächen des Solarparks pflegt. Dadurch wurde aus dem vorhandenen Rad-Wander-Weg ein Natur-Energie-Erlebnispfad.

Schäfer Christian Scheid aus dem Saarland ist überzeugt: „Schafe im Solarpark – das ist für alle Seiten ein Gewinn!“ © ON Energy GmbH, Dortmund
Schäfer Christian Scheid aus dem Saarland ist überzeugt: „Schafe im Solarpark – das ist für alle Seiten ein Gewinn!“ © ON Energy GmbH, Dortmund

Das Ergebnis

 

Die ON Energy GmbH durfte 2020 den Solarpark „An der Wolfsheck“ in Alsweiler errichten. Er konnte im Mai 2023 erfolgreich an die Vorständin Petra Leue-Bahns (59) aus Kriftel von der Solarpark-Betreiberin Clearvise AG aus Frankfurt am Main übergeben werden.

 

Die Solarpark-Entwicklerin ON Energy GmbH nennt dieses Vorgehen „Best Practice“.

Wann gibt es die höchste Pacht für Solarparks und die höchste Umsatzbeteiligung?

 

Dafür gibt es sechs Kriterien:

 

1. Flächengröße

 

Mindestens 5 ha sind für einen wirtschaftlichen Solarpark nötig, eine Traumgröße wären 35 ha, ein Lottogewinn 60 ha. Je größer die zusammenhängende Pachtfläche, desto höher sind die Pacht für den Solarpark und die Umsatzbeteiligung.

 

Laut dem Pachtatlas Deutschland des Portals Landverpachten.de erzielte in Niedersachsen ein Landbesitzer für die Verpachtung von 35 ha Land für einen Solarpark mit 27 MWp in den ersten 10 Jahren 3.800 Euro je Hektar Jahrespacht plus 5 Prozent der Jahresumsatzerlöse, im zweiten Jahrzehnt 4.000 Euro plus 5,25 Prozent und im dritten 4.200 Euro plus 5,5 Prozent.

 

Zum Vergleich: Für eine Freifläche von 5,5 ha für einen Solarpark mit 6,8 MWp erzielte ein Landbesitzer in Mecklenburg-Vorpommern nur eine über 30 Jahre gestaffelte jährliche Pacht von 2.800 Euro/ha bis 3.200 Euro/ha plus Umsatzerlös-Beteiligungen von durchgehend 4 Prozent im Jahr.

 

2. Netzanschluss: Die Traumentfernung zum Umspannwerk liegt bei 200 bis 500 Meter. Je kürzer das Kabel zum Umspannwerk, desto höher die Pacht.

 

3. Sonneneinstrahlung:

 

Süddeutschland, insbesondere Bayern, erzielt wegen der Sonne die höchste Pacht. Obwohl ein Landbesitzer in Bayern nur eine kleine Fläche von 6,5 ha für einen Solarpark mit einer Leistung von 5 MWp verpachtete, bekam er dennoch wegen der Sonne und auch wegen der Nähe zu einen Netzverknüpfungspunkt (Umspannwerk) laut dem Portal Flächenverpachtung.de im Jahr 2023 eine vergleichsweise hohe Pacht von 4.000 Euro pro Hektar.

 

Zum Vergleich: Eine Riesenfläche von 52 ha in Sachsen-Anhalt erzielte wegen weniger Sonne und schlechterer Anbindung laut Flächenverpachtung.de für einen Solarpark von sagenhaften 46 MWp im Jahr 2023 lediglich eine Pacht von 3.500 Euro pro Hektar.

 

4. Bodenqualität:

 

Schlechterer Boden (Ackerzahl) ist für Agri-PV (Parallelnutzung von Landwirtschaft und Photovoltaik) oder Solarparks oft lukrativer, da er weniger in Konkurrenz zur Nahrungsmittelproduktion steht.

 

5. Nähe eines Windparks:

 

Ein mögliches Zusammenspiel bei der Einspeisung mit einem Windpark erhöht die Pacht.

 

6. Verkehrslage:

 

Flächen neben Autobahnen oder Bahntrassen sorgen für wenig Widerstand aus der Bevölkerung und bringen daher mehr Pacht.

 

Wie ist die beste Vorgehensweise bei der Verpachtung von Land für Solarparks?


Es empfiehlt sich, die Eignung der Fläche (Größe, Netzanschluss, Sonneneinstrahlung) prüfen zu lassen und mehrere Angebote von Projektentwicklern zu vergleichen.  

 

(Unter Mitarbeit von Autor Frank Maiwald)


Heino Zießnitz

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