Commerzbank Aktie - Prognose bis 2027
Autor: Heino Zießnitz · Zuletzt aktualisiert: 03.04.25
Börse/Aktien · 8 Min. Lesedauer
Die Commerzbank-Aktie hat in letzter Zeit erhebliche Aufmerksamkeit erlangt, insbesondere nach dem Erreichen eines neuen 10-Jahres-Hochs von 18,74 € am 31. Januar 2025.
Kursziel 2025 - Aktuelle Analystenmeinungen
Laut einer Analyse von 16 Analysten liegt das durchschnittliche Kursziel 2025 für die Commerzbank-Aktie bei 19,53 €. Die Schätzungen variieren dabei zwischen einem Tiefstwert von 16,50 € und einem Höchstwert von 22,00 €.
Von den 16 befragten Analysten empfehlen:
- 13 empfehlen die Aktie zum Kauf
- 4 sprechen eine Halteempfehlung aus
Finanzkennzahlen und Bewertungen
Die Aktie wird aktuell mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 9,75 und einem Kurs-Umsatz-Verhältnis (KUV) von 0,87 bewertet. Für das laufende Geschäftsjahr 2025 erwarten Analysten ein KGV von 9,34 und ein KUV von 2,01.
Zukünftige Kursprognosen
Langfristige Prognosen deuten auf ein moderates Wachstum der Aktie hin. Für das Jahr 2025 wird ein Kurs von etwa 19,31 € erwartet, mit einer schrittweisen Steigerung auf bis zu 29,41 € bis Januar 2027.
Wirtschaftliche Rahmenbedingungen
Die Commerzbank prognostiziert für das Jahr 2025 ein geringes Wirtschaftswachstum von 0,2 %, nach einer erwarteten Schrumpfung von 0,2 % im Jahr 2024.
Für 2026 wird ein Wachstum von 1,0 % erwartet. Noch nicht vorhersehbare makroökonomische Faktoren werden ebenfalls Einfluss auf die weitere Performance der Commerzbank-Aktie haben.
Entwicklung der Commerzbank-Aktie 2020 - 2025
2020
Schlusskurs: 5,29 EUR
Veränderung: -4,29 % im Vergleich zum Vorjahr
Hintergrund: Die Aktie litt unter den Auswirkungen der COVID-19-Pandemie und einem schwierigen Zinsumfeld.
2021
Schlusskurs: 6,70 EUR
Veränderung: +26,83 %
Hintergrund: Erste Anzeichen einer Erholung durch Restrukturierungsmaßnahmen und ein verbessertes Marktumfeld.
2022
Schlusskurs: 8,80 EUR
Veränderung: +31,21 %
Hintergrund: Die Aktie profitierte von steigenden Zinsen und einer stärkeren wirtschaftlichen Erholung nach der Pandemie.
2023
Schlusskurs: 10,74 EUR
Veränderung: +22,10 %
Hintergrund: Die Commerzbank setzte ihre Restrukturierung fort und erzielte höhere Gewinne durch das anhaltend günstige Zinsumfeld.
2024
Schlusskurs: 15,69 EUR
Veränderung: +46,09 %
Hintergrund: Starke operative Ergebnisse und eine verbesserte Profitabilität trieben die Aktie weiter nach oben.
2025 (Stand 12.Februar)
Aktueller Kurs (12. Februar 2025): 19,17 EUR
Veränderung YTD (Jahr bis dato): +19,79 %
Hintergrund: Die Aktie setzt ihren Aufwärtstrend fort, gestützt durch solide Geschäftszahlen und positive Analystenbewertungen.
Die Commerzbank-Aktie zeigte von 2020 bis 2025 eine deutliche Erholung mit einer starken Performance seit dem Tiefpunkt in der Pandemie. Der Kurs wurde vor allem durch die steigenden Zinsen, die erfolgreiche Restrukturierung und das Vertrauen in die langfristige Strategie der Bank gestützt.
Risiken bis 2027
Während die Commerzbank-Aktie bis 2027 Potenzial für Kurssteigerungen hat, hängen die tatsächlichen Entwicklungen stark von externen Faktoren wie dem Zinsumfeld und internen Maßnahmen ab.
Anleger sollten diese Risiken bei einer langfristigen Investition berücksichtigen und mögliche Schwankungen einkalkulieren.Eine positive Performance der Commerzbank-Aktie bis 2027 könnte durch verschiedene Risiken getrübt werden.
Interne Risiken
Schwacher Wettbewerbsvorteil
Die Commerzbank operiert in einem stark wettbewerbsintensiven Umfeld, bisher ohne signifikante Alleinstellungsmerkmale. Dies könnte langfristig die Margen und Marktanteile beeinträchtigen.
Restrukturierungsmaßnahmen
Geplante Kostensenkungen wie Filialschließungen und Personalabbau könnten kurzfristig zu höheren Ausgaben führen und die operative Effizienz belasten, bevor Einsparungen realisiert werden.
Abhängigkeit vom Zinsüberschuss
Ein Großteil der Gewinne stammt aus dem Zinsüberschuss. Sollte sich das Zinsumfeld ändern, würde das die Erträge erheblich schmälern.
Externe Risiken
Zins- und Konjunkturentwicklung
Die Europäische Zentralbank (EZB) hat die Zinsen in den letzten Jahren mehrfach angehoben, was der Commerzbank zugutekam. Der Rückgang der Zinsen oder eine Rezession im Euroraum beeinflusst das Kreditgeschäft und die Erträge negativ.
Kreditausfallrisiken
Hohe Zinsen erhöhen die Belastung für Privat- und Geschäftskunden, was meist zu steigenden Kreditausfällen führt. Das stellt ein erhebliches Risiko für das Kreditportfolio der Bank dar.
Staatlicher Einfluss
Der Bund hält weiterhin 12,11 % der Anteile an der Commerzbank. Ein möglicher Ausstieg des Bundes könnte Unsicherheiten schaffen, besonders wenn kein anderer strategischer Ankeraktionär gefunden wird.
Übernahmespekulationen
Die Commerzbank gilt seit Jahren als Übernahmekandidat. Eine Übernahme durch ausländische Banken (UniCredit) könnte Unsicherheiten für Aktionäre mit sich bringen.
Regulatorische Änderungen
Verschärfte Bankenregulierungen oder geopolitische Spannungen sind schwer zu prognostizieren und können zusätzliche Belastungen für die Commerzbank verursachen.
Was passiert wenn der Bund aussteigt?
Ein möglicher Ausstieg des Bundes aus der Commerzbank wird die Aktienkurse auf unterschiedliche Weise beeinflussen, abhängig von den genauen Umständen und der Marktreaktion.
Die Bundesrepublik Deutschland hält derzeit einen Anteil von 12,11 % an der Commerzbank AG und ist somit der größte Einzelaktionär. Im September 2024 verkaufte der Bund ein Aktienpaket von 4,49 % an die italienische Großbank UniCredit.
Nach diesem Verkauf beschloss der Bund, vorerst keine weiteren Commerzbank-Aktien zu veräußern, um die Eigenständigkeit der Bank zu unterstützen. Finanzminister Christian Lindner betonte im Oktober 2024, dass die Commerzbank vollständig privatisiert werden solle, jedoch ohne Eile.
Positive Effekte
Vertrauensbeweis für die Bank
Der mögliche Rückzug des Bundes wird von der Commerzbank selbst als Zeichen dafür gesehen, dass die Bank stabil und eigenständig wirtschaftlich leistungsfähig ist. Dies könnte das Vertrauen der Investoren stärken und den Kurs wieder positiv beeinflussen.
Klarheit für Anleger
Ein geordneter Ausstieg könnte die Unsicherheiten beseitigen, welche durch die staatliche Beteiligung entstanden sind. Das könnte langfristig zu einer höheren Attraktivität der Aktie führen.
Marktschonender Verkauf
Die Bundesregierung hat bereits vage angekündigt, die Anteile sukzessive und marktschonend zu verkaufen, was größere Kursschwankungen verhindern würde.
Negative Effekte
Kursdruck durch Angebotserhöhung
Der Verkauf großer Aktienpakete würde kurzfristig zu einem Überangebot am Markt führen, was den Kurs drücken kann. Bereits frühere Verkaufsankündigungen des Bundes führten zu Kursverlusten der Commerzbank-Aktie.
Verlustgeschäft des Bundes
Da der Bund seine Anteile voraussichtlich mit Verlust verkauft (der Aktienkurs müsste auf 26 Euro steigen, um einen Gewinn zu erzielen), könnte dies negative Schlagzeilen erzeugen und das allgemeine Vertrauen in die Aktie beeinträchtigen.
Unsicherheit über Käufer
Sollte es keine strategischen Investoren geben, könnten Zweifel an der zukünftigen Eigentümerstruktur entstehen, was den Kurs belasten könnte.
UniCredit nähert sich Übernahme der Commerzbank
Die italienische Großbank UniCredit hat ihren Einfluss auf die Commerzbank weiter ausgebaut und kontrolliert nun 28 Prozent der Anteile. Davon hält UniCredit etwa ein Drittel direkt, während die restlichen 18,5 Prozent über Finanzinstrumente gesichert wurden. Das Ziel bleibt, die Beteiligung auf 29,9 Prozent zu erhöhen – knapp unter der 30-Prozent-Schwelle, ab der eine Pflicht zur Abgabe eines Übernahmeangebots besteht.
Bundesregierung gegen Übernahme, Aktie steigt
Die Bundesregierung lehnt eine Übernahme durch UniCredit ab. Bundeskanzler Olaf Scholz bezeichnete die Expansionsstrategie der Italiener als "unfreundliche Attacke".
Ursprünglich hatte der Staat die Bank während der Finanzkrise gestützt und war Hauptaktionär. Trotz der politischen Widerstände reagierte der Markt positiv: Die Commerzbank-Aktie legte um drei Prozent zu.
UniCredit-Chef Orcel treibt Expansion voran
Hinter der Offensive steht Andrea Orcel, CEO von UniCredit und erfahrener Investmentbanker. Orcel gilt als aggressiver Sanierer, bekannt für radikale Sparmaßnahmen und Umstrukturierungen. Seine bisherigen Fusionen, darunter die Übernahme der HypoVereinsbank (HVB) durch UniCredit 2005, führten häufig zu starken Einschnitten und Stellenstreichungen.
Die Gewerkschaft Ver.di warnt daher vor einem massiven Jobabbau, sollte die Übernahme der Commerzbank gelingen.
Möglicher Übernahmeprozess
Sollte UniCredit die Beteiligung auf 30 Prozent oder mehr steigern, wäre die Bank verpflichtet, den übrigen Aktionären ein öffentliches Übernahmeangebot zu unterbreiten. Diese hätten dann zwischen vier und zehn Wochen Zeit zur Annahme.
Falls UniCredit es schafft, 95 Prozent der stimmberechtigten Anteile zu erwerben, könnte sie die restlichen Aktionäre zwangsweise abfinden und eine vollständige Kontrolle erlangen. Dies würde ihr weitreichende Umstrukturierungsmaßnahmen ermöglichen.
Orcels umstrittene Vergangenheit
Orcel ist kein Unbekannter in der Bankenwelt. Er war an mehreren spektakulären Fusionen beteiligt, darunter die Übernahmen von Abbey National durch Santander (2004) und ABN Amro durch die Royal Bank of Scotland (2007). Letztere gilt als eine der größten feindlichen Übernahmen in der Finanzgeschichte.
Orcels Ruf ist jedoch umstritten: 2018 verpflichtete Santander ihn als CEO, doch nach einem geplatzten Vertrag erstritt er sich 44 Millionen Euro Abfindung, ohne einen Tag für die Bank gearbeitet zu haben.
Wahrscheinliche Übernahme trotz Widerstand
Obwohl die Bundesregierung die Pläne ablehnt, bleibt die Übernahme der Commerzbank durch UniCredit wahrscheinlich.
Die strategische Beteiligung steigt stetig, und der Weg zu einer Mehrheitsübernahme könnte noch 2025 konkret werden. Sollte dies gelingen, droht ein harter Sparkurs, der insbesondere Arbeitsplätze bei der Commerzbank gefährden könnte.
Die Aktionäre der Commerzbank
Die Aktionärsstruktur der Commerzbank zeigt eine breite Verteilung zwischen institutionellen und privaten Investoren sowie einigen bedeutenden Großaktionären.
Commerzbank AG - Marktkapitalisierung 22,38 Mrd. Euro (Stand 12.02.2025)
Übersicht der wichtigsten Anteilseigner:
| Aktionär | Anteile | Bemerkungen |
| Bundesrepublik Deutschland | 12,11 % | Größter Einzelaktionär, hält Anteile über den staatlichen Sonderfonds SoFFin. |
| UniCredit S.p.A. | 21,21 % | Italienische Großbank, hat 2024 weitere Anteile vom Bund und am Markt erworben. |
| Black Rock, Inc. | 7,34 % | Einer der größten Vermögensverwalter weltweit. |
| Norges Bank Investment Management | 3,03 % | Norwegischer Staatsfonds |
| Amundi Asset Management S.A. | 3,01 % | Französischer Vermögensverwalter |
| Commerzbank AG (eigene Anteile) | 3,02 % | Eigene Aktien im Bestand |
Besonderheiten
Die Bundesrepublik Deutschland plant einen weiteren schrittweisen Abbau ihrer Beteiligung, was die Eigentümerstruktur weiter verändern könnte.
- UniCredit ist mit über 21 % ein strategisch wichtiger Aktionär und potenzieller Übernahmekandidat.
- Der hohe Anteil institutioneller Investoren zeigt das Interesse großer Fonds an der Commerzbank.
Heino Zießnitz
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