Brick Towers: Wie ein Schweizer Fintech das Sparen neu denkt
Autor: Thomas Feldhaus · Zuletzt aktualisiert: 21.08.26
Wirtschaft Finanzen · 12 Min. Lesedauer
Wer Geld für später zurücklegen will, folgt meist einem bekannten Muster: Sparkonto eröffnen, Dauerauftrag einrichten, regelmässig einzahlen. Was mit dem Geld in der Zwischenzeit geschieht, bleibt für viele Sparer allerdings weitgehend unsichtbar. Zugleich bieten klassische Sparprodukte häufig nur begrenzte Ertragschancen.
Genau an diesem Punkt setzt die Schweizer Brick Towers AG an. Das 2023 gegründete Unternehmen entwickelt mit urble eine Sparlösung auf Basis der Blockchain-Technologie. Die Nutzer sollen dabei die Kontrolle über ihre Vermögenswerte behalten. urble verbindet das Prinzip eines klassischen Sparplans mit digitalem Eigentum. Nutzer sparen langfristig für konkrete Ziele, allein oder gemeinsam mit anderen – ohne die Kontrolle über ihre Vermögenswerte an einen Finanzintermediär abzugeben.
Brick Towers in Kürze:
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Sparen statt Spekulieren Brick Towers will mit urble einen Gegenentwurf zu klassischen Kryptobörsen schaffen – langfristiges, systematisches Sparen soll an die Stelle von Trading und kurzfristiger Spekulation treten.
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Self-Custody als technologischer Kern Nutzer behalten die Kontrolle über ihre Assets selbst. Blockchain, Smart Contracts und tokenisierte Vermögenswerte sollen dabei die Finanzinfrastruktur effizienter, transparenter und kostengünstiger machen.
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Fintech aus zwei Welten Die Gründer verbinden langjährige Erfahrungen aus Banking, Asset Management und Finanztechnologie mit Blockchain-Technologie. Der strategische Fokus liegt zunächst auf Wachstum in der Schweiz und anschließend auf Skalierung, Regulierung und möglichen B2B-/White-Label-Lösungen.
Stein auf Stein bis zum Turm: Ein Name als Geschäftsmodell
Ein Unternehmen, das an der Finanzinfrastruktur der Zukunft bauen will, braucht zunächst vor allem eines: Geduld. Genau darin liegt die Idee hinter dem Namen Brick Towers und die Stärke des Unternehmens. «Die Bricks müssen mühsam, Stein auf Stein, verbaut werden. Da gibt es keine Abkürzung», sagt Co-CEO Ralph Hofacker. Der Tower entsteht also nicht über Nacht – und soll am Ende auch nicht allein stehen. Perspektivisch will Brick Towers mehrere solcher «Türme» errichten, die unterschiedliche Produkte und Dienstleistungen rund um digitale Vermögenswerte miteinander verbinden.
Auf dem Papier ist das Unternehmen zunächst deutlich nüchterner aufgestellt. Die 2023 gegründete Brick Towers AG ist laut Handelsregister ein Softwareunternehmen, dessen Geschäftszweck unter anderem in der Entwicklung und Vermarktung webbasierter Plattformen für digitale Vermögenswerte liegt.
Die Gründer denken allerdings längst über diese formale Einordnung hinaus. «Fintech im Backend – Blockchain, Krypto, Smart Contracts, programmierbares Geld», beschreibt Hofacker die technologische Seite. Für den Nutzer soll davon möglichst wenig zu spüren sein. Nach aussen will Brick Towers als modernes Fintech auftreten, das komplexe Technologie in möglichst einfache Finanzprodukte übersetzt. Die dafür notwendigen regulatorischen Voraussetzungen und Lizenzen sollen Schritt für Schritt hinzukommen.
«Wir wollen langfristiges Sparen so gestalten, dass es persönlicher, interaktiver und näher am Leben der Menschen ist.»
Co-CEO Brick Towers AG
Ralph Hofacker
Brick Towers - Vom klassischen Banking zur Blockchain
Die Gründung von Brick Towers beginnt nicht mit der Suche nach der nächsten Kryptowährung, sondern mit einer Frage aus der traditionellen Finanzwelt: Warum sollte langfristiges Sparen nicht wieder zielgerichtet, strategisch und so gestaltet sein, dass sich Sparen tatsächlich lohnt?
Die vier Gründer lernten sich beim Schweizer Fintech Leonteq kennen, wo sie an Lösungen für langfristige Spar- und Vorsorgemodelle arbeiteten. Dort entstand die Idee, dass sich Teile dieser etablierten Finanzarchitektur mit Blockchain, Smart Contracts und tokenisierten Vermögenswerten grundlegend neu und vor allem effizienter denken lassen.
Die Ausgangslage der Gründer ist dabei ungewöhnlich bodenständig für ein Unternehmen aus der Kryptoindustrie. Ralph Hofacker studierte Wirtschaftsmathematik in Karlsruhe und arbeitete zunächst in einer Unternehmensberatung. Besonders prägend war ein Projekt für die irische Zentralbank nach der Finanzkrise, bei dem er an einem Aufsichtsmodell für Finanzinstitute arbeitete und später dessen Implementierung verantwortete. Christian Dick kommt aus dem Asset Management. Nach seinem Banking-&-Finance-Studium an der HSG in St. Gallen arbeitete er zunächst bei der Credit Suisse und später bei einem Hedgefonds, bevor auch er zu Leonteq wechselte.
Dort trafen Bankerfahrung, mathematische Modellierung und Softwareentwicklung aufeinander. Die Gründer beschäftigten sich mit den Mechanismen hinter langfristigen Sparlösungen – und damit auch mit der Frage, wie viel der bestehenden Finanzinfrastruktur tatsächlich notwendig ist. Blockchain-Technologie erschien ihnen nicht lediglich als neue Anlageklasse, sondern als mögliche neue technische Grundlage für Verwahrung, Abwicklung und automatisierte Finanzprozesse.
Der persönliche Moment hinter der Blockchain-Idee
Bei Hofacker war die Begeisterung für Bitcoin allerdings nicht nur das Ergebnis beruflicher Überlegungen. Einen ungewöhnlich konkreten Auslöser beschreibt er in seiner persönlichen Geschichte: Bei seiner Hochzeit 2014 in Acapulco wartete er vergeblich auf eine internationale Überweisung. Das Geld war unterwegs, die Hochzeit rückte näher – und niemand konnte ihm zuverlässig sagen, wann die Transaktion tatsächlich ankommen würde. Für einen Mathematiker und Finanzexperten wurde daraus eine grundsätzliche Frage nach der Funktionsweise des bestehenden Geldsystems.
Als Hofacker einige Jahre später auf Bitcoin stieß, erkannte er darin eine mögliche Antwort. Nicht der Kurs habe ihn fasziniert, sondern die dahinterliegende Infrastruktur. Geld sollte sich unabhängig von zahlreichen Zwischenstellen bewegen und Eigentum sollte unmittelbar beim Nutzer liegen können. Aus dieser Perspektive entwickelte sich sein Interesse an Self-Custody – also der Idee, dass Nutzer ihre digitalen Vermögenswerte selbst kontrollieren.
Diese Haltung prägt auch Brick Towers. Die Gründer wollen keine weitere Kryptobörse bauen, die ihre Nutzer zum permanenten Handeln animiert. Ihr Ansatz ist beinahe das Gegenteil. Blockchain-Technologie soll langfristiges Sparen unterstützen und möglichst viel von der technischen Komplexität vor dem Nutzer verbergen.
Vom Asset Manager zum Blockchain-Pionier
Christian Dick beschäftigt sich mit Blockchain und Tokenisierung bereits lange vor der Gründung von Brick Towers. 2020 untersuchte er in seiner Masterarbeit an der Universität St. Gallen das Potenzial der Tokenisierung. Aus dieser Arbeit entstand 2021 das in den PACIS Proceedings veröffentlichte Paper „The Tokenization of Everything“, in dem Dick gemeinsam mit weiteren Autoren die Treiber und Hürden der Tokenisierung anhand von 129 Unternehmen und Anwendungsfällen analysierte.
Seine Perspektive ist dabei weniger von einzelnen Kryptowährungen als von der Frage geprägt, wie sich Finanzmärkte durch eine neue technologische Infrastruktur verändern könnten. «Mich hat nie interessiert, bestehende Finanzprodukte einfach auf die Blockchain zu kopieren. Die spannendere Frage ist: Was können wir besser bauen, wenn Eigentum, Transaktionen und Regeln programmierbar werden? »
Seine Erfahrung aus Asset Management und Hedgefonds verbindet Dick dabei mit dem Blick auf die Möglichkeiten dezentraler Systeme. Blockchain versteht er nicht als Gegenentwurf zu professionellen Finanzmärkten. Vielmehr geht es ihm darum, die Erfahrung klassischer Finanzmärkte bei Regulierung und Risikomanagement mit neuen Formen des Eigentums und der Abwicklung von Transaktionen zu verbinden.
Mit Brick Towers wird diese These praktisch: urble ist der erste Consumer-Anwendungsfall, mit dem das Unternehmen die Möglichkeiten der tokenisierten Finanzwelt in einen einfach zugänglichen Sparprozess übersetzt.
Das Kernteam der Brick Towers AG
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Ralph Hofacker – Co-CEO Wirtschaftsmathematiker mit Erfahrung in klassischer Finanzwirtschaft, DeFi und Web3. War unter anderem an der Entwicklung der digitalen 3a-Vorsorgeplattform Bench.ch in der Schweiz beteiligt und engagierte sich für programmierbare Finanzlösungen auf Basis von dezentraler Blockchain-Infrastruktur.
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Christian Dick – Co-CEO Fintech-Stratege mit mehr als 18 Jahren Erfahrung in Asset Management, digitalen Sparlösungen und Venture Building. Verantwortet bei Brick Towers Produktstrategie, institutionelle Partnerschaften und den Ausbau des Ökosystems.
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Sergey Kisel – CTO Full-Stack-Entwickler und Spezialist für Blockchain-Infrastruktur, Smart Contracts und sichere Cloud-Systeme. Zuvor unter anderem bei Digital Asset, Leonteq und Swiss Re tätig.
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Imants Firsts – CISO Softwarearchitekt mit mehr als 20 Jahren Erfahrung in sicheren und leistungsfähigen IT-Systemen. Sein Schwerpunkt liegt auf Cloud-Infrastruktur, Security, Blockchain und Smart-Contracts.
Genau diese Verbindung könnte zur eigentlichen Positionierung von Brick Towers werden, nicht Krypto gegen Banking, sondern Banking-Know-how mit einer neuen technologischen Infrastruktur. Die Gründer bringen Erfahrungen aus einer Branche mit, deren Prozesse sie nun mit den Möglichkeiten von Blockchain und tokenisierten Vermögenswerten neu organisieren wollen.
Komplettiert wird das Team durch CTO Sergey Kisel und CISO Imants Firsts. Beide bringen einen technischen Hintergrund mit und arbeiteten unter anderem an Blockchain-Projekten rund um die Midnight Foundation. Dabei geht es um Zero-Knowledge-Technologie, mit der sich die Transparenz einer Blockchain mit einem höheren Mass an Privatsphäre verbinden lässt. Für Brick Towers ist das ein weiterer Baustein einer Finanzinfrastruktur, in der Eigentum, Automatisierung und Datenschutz stärker zusammenspielen sollen.
So betrachtet beginnt die Geschichte von Brick Towers nicht mit der Kryptowährung Bitcoin, sondern mit einer viel älteren Idee: Wie lässt sich der Umgang mit Geld besser organisieren? Die Blockchain ist für die Gründer dabei nicht das Ziel, sondern das Werkzeug.
urble - Sparen statt Spekulieren
Das ist zugleich der zentrale Unterschied zu vielen bekannten Kryptoangeboten.
Börsen wie Coinbase oder Binance sind vor allem Handelsplattformen. Nutzer können dort eine Vielzahl von Assets kaufen und verkaufen. Für erfahrene Anleger eröffnet das zahlreiche Möglichkeiten. Für Menschen, die eigentlich nur regelmässig Geld für ein Kind, eine Hochzeit, die Altersvorsorge oder ein anderes langfristiges Ziel zurücklegen wollen, kann diese Fülle allerdings auch abschreckend wirken und zum spekulativen Trading animieren, womit oftmals der Verlust des eingesetzten Kapitals verbunden ist.
Brick Towers verfolgt deshalb einen bewusst reduzierten Ansatz und bietet mit urble eine App, die genau diesen Ansatz umsetzt.
«Der Nutzer wird mit Optionen und Angeboten von A bis Z regelrecht erschlagen», beschreibt Ralph Hofacker die klassische Kryptoerfahrung. Die Technologie soll bei urble dagegen möglichst weit im Hintergrund bleiben.
Das aktuelle Produktversprechen geht in eine ähnliche Richtung. Nutzer können Bitcoin-Sparkonten mit einem eigenen Ziel und gegebenenfalls einem Zieldatum anlegen. Ein solches Konto kann beispielsweise für die Zukunft eines Kindes, einen Notgroschen oder eine grössere Anschaffung eingerichtet werden. Familienmitglieder oder Freunde können ebenfalls eingebunden werden.
➡️ Damit versucht Brick Towers, aus einem technischen Finanzprodukt ein verständliches Sparinstrument zu machen.
Das Sparkonto der Blockchain-Generation
urble: Sparen neu gedacht
Mit urble will Brick Towers einen Gegenentwurf zum klassischen Bankkonto und zur spekulativen Krypto-Börse schaffen. Im Mittelpunkt stehen drei Prinzipien: Sparen, Kontrolle und Einfachheit.
Sparen
urble setzt auf langfristigen Vermögensaufbau statt kurzfristigem Trading – mit regelmässigen Sparplänen für konkrete finanzielle Ziele.
Kontrolle
Durch Self-Custody bleiben die digitalen Vermögenswerte unter der Kontrolle des Nutzers. Brick Towers versteht das als Alternative zur klassischen Verwahrung durch Banken oder Broker.
Einfachheit
Die komplexe Blockchain-Technologie soll im Hintergrund bleiben. Nutzer sollen sparen und investieren können, ohne sich mit Wallets, Smart Contracts oder technischem Krypto-Jargon auseinandersetzen zu müssen.
Zwei Strategien: stabiler Ertrag und Wachstum
Bei urble setzt Brick Towers derzeit auf zwei unterschiedliche Ansätze. Der erste richtet sich an Anleger, die einen vergleichsweise stabilen Ertrag in Schweizer Franken suchen. Beim sogenannten Stable Yield werden Franken in den Stablecoin ZCHF umgewandelt und über DeFi-Protokolle* eingesetzt. Nach Angaben von Ralph Hofacker waren dabei zuletzt Renditen von bis zu 3,5 Prozent p.a. möglich. Der Ertrag stammt allerdings nicht von einer Bank, ist variabel und nicht durch eine klassische Einlagensicherung geschützt. Marktbedingungen, Liquidität und die Entwicklung der zugrunde liegenden Kreditmarkt-Protokolle beeinflussen die tatsächliche Rendite,
die durch einen Governance-Prozess vom Protokoll bestimmt wird.
*DeFi – kurz für Decentralized Finance – ist ein bankenunabhängiges Finanzsystem auf der Blockchain, bei dem automatisierte Computerprogramme (Smart Contracts) klassische Finanzgeschäfte wie Leihen, Verleihen und Handeln direkt zwischen Nutzern abwickeln.
Stablecoin ZCHF - Die wichtigsten Kennzahlen
| Merkmal | Wert (August 2026) | Details |
|---|---|---|
| Wechselkurs | ~1,06 € / ~1,23 $ | Entspricht dem aktuellen Gegenwert des Schweizer Frankens |
| Umlaufmenge | 34 Millionen ZCHF | Dynamisch durch Nutzer generiert |
| Marktkapitalisierung | ~36,3 Mio. € (~42 Mio. $) | Führender CHF-Stablecoin am Kryptomarkt |
| Besicherung | ~160% Überbesicherung | Primär durch Krypto-Assets wie WBTC und WETH |
Die zweite Säule bilden die sogenannten Growth Assets – derzeit Bitcoin und Ether. Weitere tokenisierte Anlageklassen wie Aktien, Anleihen und ETFs stehen nach Angaben der Gründer auf der Roadmap, sind aber noch nicht verfügbar. Die Vision dahinter ist größer. Was heute eine Bank mit klassischen Wertpapieren anbietet, soll künftig auch digital und tokenisiert über urble möglich sein – mit einer schlankeren Infrastruktur und potenziell niedrigeren Kosten.
Für Nutzer bedeutet das allerdings auch, urble ist kein klassisches Sparkonto. Je stärker die Plattform traditionelle Spar- und Anlageprodukte abbildet, desto wichtiger wird die klare Trennung zwischen vertrauter Benutzeroberfläche und den Risiken der dahinterliegenden digitalen Finanzwelt.
Self-Custody: mehr Kontrolle, mehr Verantwortung
Der technisch entscheidende Punkt ist die Selbstverwahrung. Die Vermögenswerte liegen in einer Wallet, auf die ausschliesslich der Nutzer Zugriff hat; weder Brick Towers noch Dritte können darüber verfügen. Im klassischen Finanzsystem ist das anders. Wer Aktien oder Cash bei einer Bank hält, ist zwar wirtschaftlicher Eigentümer, im Insolvenzfall aber auf ein Verfahren angewiesen. Co-CEO Christian Dick, der bei der Credit Suisse und später bei einem Hedgefonds Portfolios verantwortete, verweist auf die Erfahrungen der vergangenen Jahre: «Die Credit-Suisse-Krise hat noch einmal gezeigt, dass auch Grösse und Tradition institutionelle Risiken nicht vollständig eliminieren. Für mich ist deshalb interessant, welche zusätzlichen Alternativen technische Eigentumsmodelle künftig schaffen können.»
Die Kehrseite benennen beide Gründer offen: Wer die Schlüssel selbst hält, trägt auch das Verlustrisiko. «Mit grosser Kontrolle kommt grosse Verantwortung», sagt Hofacker. urble arbeitet deshalb mit biometrischer Authentifizierung, Passkey-Backup und Wiederherstellungsoptionenum dem Sparer genügend Sicherheit im Umgang mit urble zu geben; zudem ist ein kostenpflichtiger Recovery-Service geplant.
Self-Custody ist deshalb kein technisches Detail, sondern eine grundlegende Veränderung des Verhältnisses zwischen Nutzer und Finanzdienstleister.
Bitcoin als langfristiges Sparinstrument
Der vielleicht kontroverseste Teil des Konzepts ist zugleich der offensichtlichste: Brick Towers setzt Bitcoin nicht nur als Anlageobjekt, sondern als Bestandteil langfristiger Sparstrategien ein.
Das ist ein deutlicher Perspektivwechsel. Bitcoin ist aufgrund seiner hohen Kursschwankungen kein klassisches Sparprodukt. Die aktuelle urble-Website weist entsprechend ausdrücklich darauf hin, dass historische Wertentwicklungen keine Garantie für die Zukunft darstellen und Bitcoin volatil bleibt.
Der Ansatz von Brick Towers besteht daher nicht darin, Bitcoin zu einem risikoarmen Sparbuch umzudeuten. Vielmehr geht es um einen langfristig ausgerichteten Umgang mit dem digitalen Vermögenswert: Regelmäßiges Sparen, ein langfristiger Anlagehorizont und die Möglichkeit zur Self-Custody sollen einen strategischen Vermögensaufbau ermöglichen. Dahinter steht die Überzeugung, dass Bitcoin als digitales Gold dem physischen Gold in den kommenden Jahrzehnten zunehmend Konkurrenz als Wertspeicher über Zeit und Ort hinweg machen kann. Gemessen an der noch jungen Geschichte von Bitcoin ist diese Entwicklung bereits weit fortgeschritten und genau daraus leitet Brick Towers seine langfristige Perspektive ab.
Die aktuelle Plattform unterstützt dabei unterschiedliche Sparlogiken: Nutzer können auf einen Zielbetrag, ein bestimmtes Datum oder ohne konkretes Ziel regelmässig Bitcoin aufbauen.
➡️ Das ist konzeptionell näher an einem Sparplan als an einer klassischen Krypto-Handelsplattform.
Der Praxistest an der Supermarktkasse
Die Idee klingt zunächst ungewöhnlich, mit einer Kryptowährung beim Lebensmitteleinkauf bezahlen. Genau das ist in der Schweiz inzwischen möglich. Seit März 2026 können Kunden in 137 SPAR-Filialen mit Cardanos Kryptowährung bezahlen. Möglich macht das ein Zusammenspiel von Brick Towers, DFX.swiss und Open CryptoPay.
Für den Händler bleibt die Krypto-Welt dabei weitgehend unsichtbar: DFX wandelt den Zahlungsbetrag in Echtzeit in Schweizer Franken um, sodass am Ende ganz klassisch Fiatgeld in der Kasse landet. Laut DFX liegen die Transaktionskosten rund zwei Drittel unter denen herkömmlicher Kartennetzwerke.
Für Brick Towers ist der Supermarkt allerdings weniger Ziel als Schaufenster. Das Unternehmen bezeichnet das Projekt selbst als Innovationsprojekt – und gerade darin liegt sein Wert. Es zeigt, wie digitale Vermögenswerte aus der Krypto-Blase heraus und in einen ganz normalen Alltag gelangen können: vom Wallet auf die Einkaufstasche. Die Blockchain muss nicht an der Supermarktkasse erklärt werden. Sie muss dort einfach funktionieren.
➡️ Bei urble bleiben Sparguthaben und Zahlungsguthaben dabei strikt getrennt. Bezahlt wird aus der Wallet, die langfristigen Sparpläne bleiben unangetastet.
Brick Towers - Zahlen, Ziele und Geschäftsmodell
Je mehr digitale Vermögenswerte in den Alltag rücken, desto wichtiger wird die Frage nach der Privatsphäre. Brick Towers arbeitet deshalb gemeinsam mit dem Blockchain-Netzwerk Midnight an Anwendungen auf Basis von Zero-Knowledge-Technologie. Sie soll ermöglichen, Transaktionen nachweisbar zu machen, ohne dass sämtliche Finanzdaten öffentlich werden müssen. Mehrere Hackathon-Erfolge des Entwicklerteams unterstreichen den technologischen Anspruch. Perspektivisch soll die Technologie auch in urble einfließen – etwa für private Sparpläne.
Die nächste Herausforderung liegt daher vor allem im Wachstum der Nutzerzahlen. Bislang haben sich rund 370 Menschen bei urble registriert und insgesamt etwa 100.000 Franken angespart – weitgehend ohne nennenswerte Marketingausgaben. Ab September 2026 will Brick Towers mit der aktiven Vermarktung beginnen. Bis zum Jahresende sollen 1.000 regelmäßige Sparer gewonnen und ein verwaltetes Vermögen von bis zu drei Millionen Franken erreicht werden.
Dafür muss aus Neugier Vertrauen werden. Denn eine Finanz-App ist schnell installiert, ein Sparplan aber eine langfristige Entscheidung. Auch beim Geschäftsmodell steht der nächste Schritt bevor: Künftig sollen vor allem Gebühren beim Wechsel von Franken oder Euros in digitale Assets sowie Erträge aus Stablecoin-Produkten Umsatz bringen. Mittelfristig sind zudem White-Label-Lösungen für Banken und Versicherer geplant.
«Die nächste Generation von Finanzprodukten braucht beides: technologische Exzellenz und ein tiefes Verständnis dafür, wie Finanzmärkte, Risikomanagement und Regulierung in der Praxis funktionieren.»
Co-CEO Brick Towers AG
Christian Dick
Regulierung: Schweiz zuerst, EU später
Regulatorisch bewegt sich Brick Towers derzeit im Minimalrahmen. Weil urble selbstverwahrend ist, das Unternehmen also keine Kundengelder hält, greift ein grosser Teil der klassischen Finanzmarktregulierung nicht. Dick und Hofacker streben deshalb zunächst den Anschluss an eine Selbstregulierungsorganisation (SRO) in der Schweiz an.
In der EU gilt seit 2025 die MiCA-Verordnung. Brick Towers ist dort nicht lizenziert und verzichtet deshalb vorerst auf aktives Marketing im EU-Raum – nutzbar ist die App aufgrund des Self-Custody Aspekts gleichwohl. Eine MiCA-Lizenz sei teuer und stehe erst nach der nächsten Finanzierungsrunde an, sagt Hofacker. «Die Architektur von urble wurde bewusst so konzipiert, dass Verwahrung, Eigentum und regulatorische Verantwortlichkeiten klar getrennt sind. Gleichzeitig bereitet Brick Towers die Plattform auf steigende regulatorische Anforderungen und eine Expansion in weitere europäische Märkte vor.»
Brick Towers AG – wichtige Daten
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Gründung 2023
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Sitz Zug, Schweiz
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Rechtsform Aktiengesellschaft (AG)
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UID CHE-378.414.731
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Aktienkapital CHF 116.008,15
Fazit: Ein Fintech zwischen zwei Welten
Brick Towers bewegt sich zwischen zwei Welten, auf der einen Seite die etablierte Finanzwirtschaft mit ihren Regeln, Produkten und Risikostrukturen, auf der anderen Blockchain, Self-Custody und digitale Vermögenswerte. Dass die Gründer beide Seiten kennen, könnte dabei zum entscheidenden Vorteil werden. Sie wollen Krypto nicht als Gegenmodell zum klassischen Finanzsystem positionieren, sondern dessen technische Möglichkeiten für etwas sehr Vertrautes nutzen: langfristiges Sparen.
Genau darin liegt zugleich die Bewährungsprobe. Denn ob die Blockchain-Technologie massentauglich wird, entscheidet sich nicht allein an der Technologie, sondern daran, ob Menschen bereit sind, ihr Geld damit ebenso selbstverständlich zu organisieren wie heute über ein Bankkonto oder einen Broker. Für Brick Towers bedeutet das, aus der technologischen Idee muss ein Produkt werden, dem Nutzer langfristig vertrauen.
Noch ist dieser Beweis nicht erbracht. Rund 370 Nutzer und etwa 100.000 Franken Sparguthaben sind ein Anfang, aber noch kein belastbarer Nachweis für einen Product-Market-Fit. Hinzu kommen die Risiken der digitalen Vermögenswerte und die regulatorischen Anforderungen, die mit dem geplanten Wachstum steigen. Die kommenden Monate werden deshalb zeigen, ob Brick Towers aus seinem technologischen Fundament tatsächlich ein tragfähiges Fintech-Geschäft errichten kann.
Der Name des Unternehmens passt dabei erstaunlich gut zur eigenen Strategie. Ein Turm entsteht nicht in einem Schritt, sondern Stein für Stein. Brick Towers scheint genau so bauen zu wollen.
FAQ Brick Towers AG und urble App
Thomas Feldhaus
Chefredakteur | Wirtschaftsjournalist
Thomas Feldhaus macht sichtbar, was Wirtschaft antreibt – und was sie verändert. Journalismus trifft Content: präzise, relevant, auf den Punkt.